Brasilienreihe und Fotoausstellung im Offenen Haus


Im Offenen Haus des evangelischen Dekanats (Rheinstraße 31) können bis zum 23. Juni, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, die Fotos der „Terra“-Ausstellung mit Bildern des Fotografen Sebastião Salgado besichtigt werden. Sebastião Salgado ist einer der besten Fotoreporter, er war auch von 1979 bis 1994 bei der Agentur Magnum.

Echo online: Die Menschenrechte in Brasilien in Bild, Wort und Film im Offenen Haus

Wim Wenders und Salgados Sohn Juliano Ribeiro haben 2014 mit „Das Salz der Erde“ einen Dokumentarfilm über Sebastião Salgado gedreht. Der Film wird im Offenen Haus am 7. Juni um 19 Uhr gezeigt.

Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgados: Das Salz der Erde
Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado: Das Salz der Erde

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Die Welt mit Kinderaugen – Fotoausstellung Darmstädter und Brasilianischer Kinder in Kranichstein

In der Fotoausstellung „Die Welt mit Kinderaugen“ stellen die jungen Fotografen der Stadtteilschule Arheilgen und der Elendsviertel aus Recife, Brasilien, ihre unterschiedlichen Lebenswelten vor. Ab Sonntag, 2. Mai, werden die Bilder im Foyer der evangelischen Kirche des ökumenischen Gemeindezentrums bis Mitte Juni ausgestellt. Am 16. Januar war die Ausstellung in der Stadtteilschule in Arheilgen eröffnet worden.

Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation „Gruppe AdoleScER“ in Recife, die Hannah Müggenburg, eine Studentin aus Darmstadt, im Jahr 2009 zum zweiten Mal besuchte. Die Kinder in Darmstadt und Brasilien fotografierten ihre Wohnumgebung unter der Perspektive, was sie besonders schön und wichtig in ihrem Umfeld finden und jemandem, der noch nie an ihrem Ort war, zeigen möchten.

Die Ausstellung möchte die Unterschiede der Lebensweisen, aber auch die vielen Gemeinsamkeiten der Menschen aus Perspektive der Kinder aufzeigen. Die Verbindung zwischen den Kindern aus unterschiedlichen Kontinenten soll hierdurch gestärkt werden. Durch die Gegenüberstellung der brasilianischen und deutschen Bilder sollen die Kinder lernen die unterschiedlichen Lebenswelten als eine Welt über ihren eigenen Horizont hinaus zu begreifen. Dabei sollen sie erkennen, dass trotz der vielen (kulturellen) Unterschiede im Grunde viele Gemeinsamkeiten bestehen.

Der Grundsatz ist: Kinder helfen Kindern! Durch die verschiedenen Aktionen sollen die Kinder erleben, dass sie selbst etwas bewegen und verändern können. Die Kinder der Stadtteilschule hatten sich bereits im Vorfeld für das Projekt der Entwicklungszusammenarbeit engagiert, in dem sie eigene Ideen entwickelten, wie sie Kindern ihren Alters in ihren schwierigen Umständen helfen können. In diesem Zusammenhang sammelten sie Spenden im Wert von insgesamt ca. 1400 Euro, traten in Briefkontakt mit den brasilianischen Kindern und wichtelten ihnen an Weihnachten kleine Kristallsterne.
Bei Ausstellungseröffnung verkauften die Kinder Buttons für das Projekt und konnten eine Spende von 100,- Euro erreichen. Außerdem beteiligten sich die Kinder am Wettbewerb von Kinderwelten und bekamen als Anerkennung für Ihr Engagement den „Sharety Award“ und eine Spende von 250 Euro, die sie erneut AdoleScER zu Gute kommen lassen.


„AdoleScER“ besteht seit dem Jahr 2000. Die Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Recife, hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen in Armenvierteln Perspektiven für ein besseres Leben zu eröffnen. Sie setzte dabei in erster Linie auf Bildung und Selbstverantwortung – und damit auf Hilfe zur Selbsthilfe. Der Name „AdoleScER“ ist portugiesisch und steht mit seiner wechselnden Groß- und Kleinschreibung übersetzt für „Jugendlicher sein“.

„Der Arbeitsaufwand hat sich gelohnt“

Mitte März war ein Benefizkonzert in der Bessunger Knabenschule. Die Veranstalterin Hannah Müggenburg konnte insgesamt 2000 Euro für das brasilianische Straßenkinderprojekt AdoleScER erwirtschaftet. AdoleScER aus Recife in Nordostbrasilien bildet Kinder und Jugendliche nach dem Peer-Education Modell aus, um zu verhindern, dass sie mangels Chancen Mitglied einer Straßen- oder Drogenbande werden.

„Nachdem etwa 100 Gäste gekommen waren und sich eine schöne Atmosphäre gestaltet hatte“, war sich Hannah Müggenburg sicher, dass das Konzert gut laufen wird. 220 Eintritt zahlende Gäste waren schließlich in die Halle der Knabenschule gekommen, um die Darmstädter Bands „ImmerGrün“ und „Fnessnej“ sowie „Verlen“ aus Frankfurt/Kelkheim zu hören und zu sehen.

„Die Bands und das leckere Essen fanden guten Anklang beim Publikum jeden Alters“, erzählt sie von dem Abend. „Überwältigend viele Besucher spendeten ihre Pfandflaschen oder stellten Essen für den Verkauf zur Verfügung und trugen somit viel zum endgültigen Gewinn bei.“ Zehn Helfer, die 16 Musiker und und die „Oberton“-Tontechniker zeigten großen Einsatz, freut sich die Dreiundzwanzigjährige. „Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen!“

„Viele waren auch wegen der Musik gekommen“, stellt sie fest. „Aber das war ja auch so gewollt: Mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und dem Thema Entwicklungshilfe auf eine positive Weise begegnet zu sein.“

Die Psychologiestudentin hofft auf diese Weise Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren ohne ein schlechtes Gewissen zu machen.
Müggenburg, die eigentlich gar nicht gerne im Mittelpunkt steht, findet, sie habe durch den erfolgreichen Abend und die positiven Reaktion viel Kraft und Motivation bekommen. „Der doch sehr anstrengende Arbeitsaufwand hat sich daher gelohnt!“

Jetzt wird die Organisatorin erst einmal weiter studieren und natürlich an dem Thema dranbleiben. „Ich habe mich für ein Stipendium in dieser Richtung beworben und hoffe, dass sich dadurch wieder neue Möglichkeiten ergeben werden.“

Benefizkonzert mit Immergrün, Verlen und Fnessnej in der Knabenschule am 13. März

Manche Freunde sprächen schon vom „Müggenburg-Festival“, sagt Hannah Müggenburg mit Blick auf die vergangenen Wochen. Die Darmstädter Studentin organisiert seit Anfang des Jahres für den 13. März ein Benefizkonzert in der Bessunger Knabenschule zugunsten des „AdoleScER“-Projekts im brasilianischen Recife.
Da sie die Menschen hier ansprechen will, ist die Musik auch nicht südamerikanisch. Die Darmstädter Bands „Immergrün“und „Fnessnej“ spielen Independent Rock beziehungsweise Rock und Electronica-Musik. „Verlen“ ist eine Rockband aus Kelkheim.
Der Gewinn soll nach Recife gehen, wo „AdoleScER“ Kinder und Jugendliche über Aids, Bürgerrechte, Drogen, Gesundheit und Sexualität aufklärt. Müggenburg will mit dem Konzert nicht auf hilflose Betroffenheit setzen. „Ich will nicht zeigen wie schlimm es ist, sondern das jeder kleine Teil ein bisschen etwas verändert.“
„Meine Familie unterstützt dieses Projekt schon lange“, erklärt die Dreiundzwanzigjährige warum sie sich gerade für „AdoleScER“ einsetzt. „AdoleScER“ ist portugiesisch und steht mit seiner wechselnden Groß- und Kleinschreibung übersetzt für „Jugendlicher sein“. Es will Jugendliche aus Recifes Elendsvierteln ausbilden und ihnen gleichzeitig ermöglichen ihre Pubertät mit ihren Emotionen zu leben. Die täglich auf der Straße erlebte Gewalt färbte auch auf die Kinder ab, sie spielen Überfälle und Bandenkriminalitär realistisch nach. „Eine Umarmung ist dort ziemlich ungewöhnlich“, hat Müggenburg beobachtet., als sie 2008 für sieben Wochen in der nordostbrasilianischen Millionenstadt war. „Mit Anfang 20 driften viele in den Drogensumpf ab“, beschreibt die Psychologiestudentin.

Benefiz, 13. März 2009

Damit beginne in den Favelas eine Karriere als Drogendealer- und -konsument. „Wenn man einmal drin ist, weiß man zu viel und kommt nicht wieder raus“, beschreibt die Studentin das Dilemma.
Diesen Kreislauf will „AdoleScER“ mit dem „Peer Education“-Konzept durchbrechen. Angehörige einer sozialen Gruppe oder gleicher sozialer Stellung werden geschult, informieren sich dabei gegenseitig und tragen die Inhalte in die Slums. Die Teilnahme am Projekt hat Bedingungen. So muss man weiter zur Schule gehen und darf keinen Kontakt zu Drogenbanden haben. Da sich in den Vierteln alles herumspräche, funktioniere auch die Kontrolle, berichtet Müggenburg. „Die Kurse sind mittlerweile bei den Erwachsenen im Viertel anerkannt.“
Als die Studentin wieder in Deutschland war, hat sie hier alltägliche Dinge zu schätzen gelernt. Beispielsweise dass man hier alleine seine Wohnung verlassen könne. Oder dass man auch nachts an roten Ampeln anhalten kann. In Recife vermieden Autofahrer bei Dunkelheit stehen zu bleiben, um nicht überfallen zu werden.

Benefizkonzert mit „Immergrün“, „Verlen“ und „Fnessnej“am 13. März, 20 Uhr, in der Halle der Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42, Haltestelle Weinbergstraße. Eintritt 5 Euro, Karten ab 20 Uhr an der Abendkasse.