“Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.”

Bin ich doch nicht der Einzige, der “Jung & naiv” für falsch bei den Krautreportern hält? Jedenfalls bei deren Anspruch (und so wie ich es jedenfalls verstehe wenn “Faktencheck” angekündigt wird).

Publikative.org: Der Fall Jung und die Empörung über die Empörung – … erklären tut Tilo Jung auch nur recht wenig: Er lässt die von ihm ausgewählten Leute ausführlich zu Wort kommen, so dass sich die Zuschauer aus einem Wust von Statements nicht nur die relevanten Stellen raussuchen sollen, sie sollen diese auch noch einordnen bzw. auf Glaubwürdigkeit / Wahrheitsgehalt überprüfen. Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.

Und deshalb hat das Format “Jung & naiv” meiner Meinung nach nichts bei den Krautreportern verloren. Die aber dafür mich als Abonnenten.

Es ist ja nicht so, dass Tilo Jung nicht blöd, nervig und naiv nachfragen kann. Das zeigen mir seine Fragen bei der Bundespressekonferenz.

(Publikative.org setzt aber einen anderen Schwerpunkt, als ich jetzt hier in meinem Blogeintrag.)

via Bildblog

Da ist man einmal nett …

Ich fragte neulich bei ein paar Politikern eine Stellungnahme ab. Auf Vorrat sozusagen, weil ich die bringen möchte, wenn sich in dem Thema was tut. Da ich ehrlich bin, sage ich das den Politikern auch, weil ich gar keinen Grund habe, die zu drängeln.

Tja, nun ist es soweit, ich würde die Stellungnahmen jetzt bringen können – aber eine fehlt. Die anderen haben schon vor zwei Wochen geantwortet. Weglassen geht aber auch nicht, also nochmal hinterhertelefonieren und doch drängeln.

Da ist man einmal nett …

Wie heißt Frankenstein mit Vornamen?

Das ist echt ein Hobby für so Besserwisser, wie ich, die als Ko-Autor der besserwisserseite.de in den Ruhestand gegangen sind: Pubquiz.

Echo online: Wie heißt Frankenstein mit Vornamen? “Quizzznacht” – In Weiterstadts Music Station treffen sich alle zwei Wochen Rateteams – Vorbild ist britisches „Pubquiz“

Da ich in Weiterstadt selber mitspiele, habe ich das Thema zwar vorgeschlagen, aber geschaut, dass den Artikel eine Kollegin schreibt. Denn als Insider weiß man meiner Meinung nach zwar viel, weswegen man aber Gefahr läuft, einiges dann nicht zu fragen oder zu hinterfragen. Und die anderen verstehen auch nicht so recht, warum man nun so komisches Zeugs fragt.

Frankenstein heißt übrigens Viktor mit Vornamen (hatte ich mal auf der Besserwisserseite geschrieben). Es ging ja um die Romanfigur. Das von ihm geschaffene Monster hat eigentlich keinen Namen. Allerdings muss ich mich auf der Besserwisserseite korrigieren: Die Romanautorin Mary Shelley hat vermutlich nicht die Burg Frankenstein bei Darmstadt besucht.

“Wind him up” – 1981 bis 2014

Ja, das Alter macht sich bemerkbar. Ich kenne Stücke wie “Wind him up”, weiß aber Titel und Band nicht mehr. Das Lied läuft ab und an auf RadioBob aber dank Shazam konnte ich die verblasste Erinnerung ausgleichen und ein wenig bei YouTube stöbern.

Ich glaube, “Saga”-Sänger Michael Sadler hätte in den 80ern auch nicht geglaubt, noch 2014 mit “Wind him up” aufzutreten – dass er in 30 Jahren – Zwischenstand 2005 – immer mehr Haare lässt, hat er vielleicht eher geahnt. ;)

Beim Video von 1985 fällt mir neben der Haarpracht noch das violette Shirt auf. ;-)

Vor zehn Jahren: Anwaltspost und heftige Schadensersatzforderung

Der Deutsche Werberat hat seine Rügen für 2014 veröffentlicht.

Rote und gelbe Karten für 111 Kampagnen – Werberat setzt Bürgerwillen bei Unternehmen durch – Wie jetzt der Vorsitzende des Gremiums, Hans-Henning Wiegmann, im Jahresbericht mitteilte, habe es 2014 erneut zum Teil deutliche Grenzüberschreitungen in der Werbung gegeben. Allerdings: „Die übergroße Anzahl der Werbeaktivitäten berücksichtigt die rechtlichen und selbstdisziplinär gesetzten Vorgaben. Verbraucher und Unternehmen profitieren gleichermaßen davon.“

Meedia ist da etwas knackiger in der Überschrift: Werbung wird immer sexistischer

Vor über zehn Jahren hatte ich hier im Blog mal über eine Werbung eines lokalen Unternehmens geschrieben, das Ende der 90er Jahre vom Werberat gerügt worden war.

Ich hatte 2004 einen damals aktuellen Zeitungsartikel aufgegriffen. Bei der Zeitung rutschte damals der Text irgendwann von der Website, bei mir im Blog blieb er bestehen. Das entdeckte der Anbieter und schickte eine Abmahnung. Ich hätte falsche Tatsachen behauptet, sein Geschäft geschädigt und nun wolle er 30.000 Euro Schadensersatz.

Ach ja, und ich wäre auch dafür verantwortlich, dass mein Blogeintrag so weit oben (dritter Platz) bei Google erscheint. Nun, wenn ich wüsste, wie man das beeinflusst – oder es gewusst hätte – wäre ich reich, aber so richtig.

Tatsächlich hatte ich leider fehlerhaft abgeschrieben. Ich hatte “seit 2001″ anstelle “bis 2001″ geschrieben. Wie sich dann herausstellte, hatte die Zeitung von drei Rügen geschrieben (was ich einfach übernommen hatte), aber es waren nur zwei. Die Zeitung habe übrigens keinen Brief bekommen, sagte mir damals der Redakteur.

Ich hatte den Text und eine von mir ausführlich formulierte ;-) Korrektur meines Fehlers nach einigem Hin und Her, wie vom Anwalt der Gegenseite verlangt, von meiner Seite genommen.

Aber als die Texte weg waren, kam wieder Anwaltspost. Denn bei Google erschienen noch die Snippets, nur gab es dazu keine Blogeinträge mehr. Nun war ich schuld daran, dass der Sachverhalt nicht mehr nachvollziehbar sei. Da bekam ich eine Ahnung, woher so mancher Anwaltswitz kommt.

Was mich auch etwas ärgerte: Ich hatte damals mangels Geld einen Beratungsschein für einen Anwalt bekommen. Der dann plötzlich fand, dass er noch einen Beratungsschein (nochmal eine Pauschale) brauche, weil der Sachverhalt sich geändert habe. Sah die Rechtspflegerin vom Amtsgericht aber anders. Und ich fühlte mich etwas zwischen den Stühlen.

Damals wusste ich auch nichts davon dass der Darmstädter Anwaltsverein und Südhessen im Landgericht eine Erstberatung für 15 Euro anbietet. Die Beratungsstelle im Anwaltszimmer im Landgericht Darmstadt hat immer dienstags von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet.

Mein Neujahrsvorsatz

Mein Neunjahrsvorsatz ist ja schon irgendwie ein Fluch: Jeden Tag einen Blogeintrag. Da schwankt schonmal die Qualität. Vor allem heute geht es nach unten. Aber es gab halt schon einen echten Volltreffer: Mein Gemeckere über die Krautreporter Anfang Januar, gerade noch im Weihnachtsloch.

Dabei wären mir die hohen Zugriffzahlen bei Beiträgen wie dem gestern oder einem anderen viel lieber, weil was mit meiner Arbeit zu tun hat.

Und jetzt auch noch jeden Tag schlaue Dinge schreiben? Verdammt, hätte ich doch mal parallel zum Neujahrsvorsatz einen Plan zur Erlangung der Weltherschaft an Silvester gemacht. Aber ich wollte nach dem Feuerwerk ja lieber “7 Wonders” spielen.

Vielleicht sollte ich mal einen Businessplan entwicklen, hier bricht sich ja die Medienlandschaft um. Sowas macht man ja nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern besser zwischen Neujahr und Weihnachten.

Vorsicht, freier Journalist – Sechs Zwänge und Folgen für meine Arbeit

Ich bin ja freier Journalist. Wenn ich auf einen Termin komme, werde ich oft gefragt, ob ich Angestellter oder freier Mitarbeiter bin. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das eher Neugier ist. Und die wenigsten, die das fragen, daraus Schlüsse für die Termingestaltung ziehen.

Denn “Freier” zu sein, bringt bei der Arbeit so einiges mit sich.

1. Ich werde mehr oder weniger nach Volumen bezahlt. Ich bekomme Geld vom Kunden, wenn ich etwas abliefere.

2. Wenig Arbeit für viel Volumen ist dadurch äußert attraktiv. ;-)

Pressemitteilungen sind zwar diesbezüglich prima, aber natürlich stehen die auch im Internet und sind wenig exklusiv. Und die Zeiten in denen das den Lesern reichte, sind vorbei.

3. Je länger ein Termin dauert, desto schlechter wird mein rechnerischer Stundenlohn. Und es kommt noch die Zeit dazu, die ich fürs Schreiben und Gegenrecherchieren brauche. (A. Ich glaube ja nicht alles. B. Manches weiß auch der Gesprächspartner nicht. C. Einige Fragen ergeben sich erst beim Schreiben.)

Falsche Informationen oder heiße Luft kosten mich Zeit, um die ab- und aufzuklären. Und ich kann deren Aufdeckung nur selten in Zeilen ummünzen. D.h. ich entwickle leider Vorurteile gegenüber solchen Informanden, denn die reduzieren den fiktiven Stundenlohn.

4. Wenn ich um einen Termin oder eine Info anfrage und man antwortet mir einfach nicht oder lässt mich auflaufen, habe ich ein Problem: Kein Volumen zum Liefern.

Eine einfache Absage (“nee, will nicht”) erspart mir weitere Anfragen. Ich muss auch nicht x Mal mailen oder dreimal am Telefon mit blöden Ausreden abgewimmelt werden. Oder sogar vor Ort auftauchen. Und ich ärgere mich nur einmal kurz – und erinnere mich nicht lang daran. Da wir im Lokalen sind, gilt nämlich: Man sieht sich mindestens zweimal.

5. Wenn man mich auf einem Termin alleine rumstehen lässt, muss ich mir meine Infos fürs Volumen komplett selber suchen. Im blödsten Fall kommt dabei ein Artikel raus, der dem, der mich ignoriert hat, so gar nicht passt, weil seine Sicht nicht vorkommt.

6. Wenn eine Pressestelle oder ein Politiker auf meine Fragen schweigen, dann muss ich die Antworten auf jeden Fall woanders suchen (und Gegenrecherche und faire Berichterstattung kommen ja auch noch dazu). D.h. am Ende schreibe ich das was ich habe – und ob das den Schweigern in den Kram passt, ist mir dann egal.

7. Da mir 1.-6. bewusst sind, schaue ich natürlich, mich da trotzdem nicht vor irgendeinen Karren spannen zu lassen oder in eine Falle zu tappen. Oder jeder Sache hinterherzurennen

8. Kritik an der Redaktion des Auftraggebers sind bei mir an der falschen Adresse. Ich bin kein Redakteur, mein Einfluss auf dortige Abläufe liegt nahe Null. Außerdem halte ich Stille Post nicht für sinnvoll. Ich kann (und will – ja, wg. dem Volumen ;-) eher Themen vorschlagen, die ich für gut halte.

9. Leider bin auch ich nicht perfekt, erfülle vermutlich nicht unbedingt 1.-6. Auch ich habe nur begrenzte Ressourcen, muss schlafen, vergesse Sachen, kann und will bewusst nicht 24/7 im Einsatz sein.

Castingshows – Der Weg ist das Ziel

Topmodel und Superstar sind mit den ganzen Castingshows ja sehr relative Begriffe geworden. Meiner Meinung nach sind die Sendungen zur Starfindung verkappte Daily Soaps.

Die Kandidatinnen und Kandidaten werden so ausgesucht, dass man eine ganze Staffel lang Geschichten inszenieren kann, weil wir Zuschauen auf Rollenklischees fixiert sind: “Die Brave”, “die Zicke”, “der Arrogante” etc.

Die Modelsache oder die Musikshow ist nur Kulisse für die Soap, die dafür gemacht ist, ein paar Wochen lang TV-Werbeplätze zu verkaufen. Da ist tatsächlich nur der Weg (die jeweilige DSDS- oder GNTM-Staffel) das Ziel.

Die Sieger sind meiner Meinung nach den Machern egal.