Lieber fünf Minuten feige …

Manchmal lernt man ja tatsächlich dazu. Vor neun Jahren, am 25. Mai 2007, war das bei mir so. Da stellte ich fest, dass man nicht immer was aushalten oder sich was beweisen muss. Und wenn mir etwas seltsam erscheint, mache ich lieber einen Rückzieher beziehungsweise gehe einfach weg. Im Zweifelsfall auch einfach so und ohne Erklärung.

Ich war nochmal los zum Supermarkt, an der Bushaltestelle saß einer, der mich böse anguckte – ja, böse. Ich dachte, der war betrunken. Auf dem Rückweg überlegte ich, andersrum um den Häuserblock zu laufen und die Haltestelle zu vermeiden, weil der Typ mir seltsam vorgekommen war.

Aber da sah ich von weitem schon bei der Bushaltestelle Krankenwagen und Polizei. Die Polizeipressemeldung dazu (weswegen ich das genaue Datum habe:

Mann in Darmstadt niedergestochen
Darmstadt (ots) – Heute, Freitag den 25.05.07 gegen 18.00h, hat ein 45-jähriger Darmstädter einen 71-jährigen Mann im Johannesviertel mit einem Steakmesser niedergestochen. Der Geschädigte war gerade dabei in seinem Vorgarten die Rosen zu schneiden als der Täter auf ihn zutrat und ihm ohne jegliche Vorwarnung einmal in den Bauch stach. Nach sofort eingeleiteter Fahndung konnte der Messerstecher noch in unmittelbarerer Nähe des Tatortes durch Polizeistreifen festgenommen werden. Der Geschädigte wurde durch die Messerattacke im Bauchbereich schwer verletzt und mußte stationär im Krankenhaus versorgt werden. Lebensgefahr besteht zur Zeit jedoch nicht. Offensichtlich handelt es sich um einen geistig verwirrten Täter, zum Tatmotiv dauern die Ermittlungen noch an.

Der Mann war hochgradig psychotisch, wie sich später herausstellte, er hatte seine Medikamente abgesetzt.

Ein Gedanke zu “Lieber fünf Minuten feige …

  1. Ich kenn die Geschichte. Das Problem war nicht so sehr, dass der Täter in einer Art bewussten Entscheidung seine Medikamente abgesetzt hat, sondern dass er aufgrund seiner psychischen Probleme von einigen – ich nenne es mal – „verwaltungstechnischen“ Dingen überfordert war, deshalb aus seiner Krankenkasse flog und infolge dessen keine Medikamente mehr bekam. Das sind so kleine Fehler im System unserer Bürokratie, die dann fürchterliche Konsequenzen haben. Unsereins hätte sich Hilfe gesucht, aber wenn man psychische Probleme hat, ist ein solches Handeln nicht immer selbstverständlich.

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