Warum es keine zweite Tageszeitung in Darmstadt gibt – Strukturwandel aber konstantes Provisionsprinzip

Immer wieder treffe ich Leute, die es bedauern, dass es keine zweite lokale Tageszeitung in Darmstadt gibt.

Da frage ich mich immer, was die eigentlich mitbekommen? Wenn es sich lohnen würde in Darmstadt eine zweite Tageszeitung herauszubringen, dann hätte die Frankfurter Rundschau ihre Lokalredaktion ausgebaut und nicht geschlossen oder die benachbarten Blätter hätten Darmstadt-Ausgaben produziert. Darmstadt ist ja keine Insel, da ist im Süden der Mannheimer Morgen, im Norden die Frankfurter Neue Presse, im Osten das Main-Echo und im Westen die Allgemeine Zeitung Mainz (ja, die haben das Echo jetzt gekauft).

Und das „Darmstädter Tagblatt“, das seit 2013 als Wochenzeitung wieder da ist, hätte inzwischen mehr als sechs oder acht Seiten.

Und dann sind da die, die sich einen Morgen nicht ohne Zeitung vorstellen können. Aber die werden weniger. Ein Beispiel: Eine Lehrerin und ein Wirtschaftsjournalist, Eltern, sie lesen eine überregionale Zeitung, das Lokalblatt, den „Spiegel“ und den „Kicker“ – aber die 29 Jahre alte Tochter hat noch nie eine Zeitung gekauft. So fängt ein Faz-Artikel von 2014 an. Aber er weist auch darauf hin, dass die Auflagen nicht erst mit dem Internet sanken.

FAZ: In eigener SacheDen Zenit überschritt die Branche schon in den Jahren 1982/1983. (…) Bloß dass Anfang der achtziger Jahre niemand die Wende bemerkt hat.

Mir zeigt die Journalistentochter, dass Schwarmstadt auch keine Garantie für mehr Auflage ist. Es kommen zwar mehr junge Leute in eine Stadt, aber die sind noch nicht angekommen, also wozu eine Zeitung? Mir ging das vor 20 Jahren während meines fünfjährigen Abstechers nach Kiel ja nicht anders. Ich wolle die Doktorarbeit machen, da brauchte ich Internet für die Medline, aber kein Abo. Für Kommunalpolitik war keine Zeit – und als ich Zeit gehabt hätte, war ich wieder weg.

Etwas dramatisch steil nach unten, aber laut dieser Extrapolation wird es 2058 mit Zeitungen vorbei sein - da wäre ich 90.

Etwas dramatisch steil nach unten, aber laut dieser Extrapolation wird es 2058 mit Zeitungen vorbei sein – da wäre ich 90.


Natürlich wird die letzte Zeitung nicht 2058 gedruckt, wie die stumpfe Hochrechnung zeigt; für die eine Zeitung wirft keiner mehr die Rotation an. Da wird vorher was passieren. Frage ist nur was?

Dass es keine zweite Tageszeitung in Darmstadt mehr gibt, ist also kein Darmstädter Problem, sondern Teil eines deutschland- und weltweiten Strukturwandels.

Wobei, so groß ist der Wandel dann auch wieder nicht. Früher lebte Zeitung gut davon für die Vermittlung von Kundeninformationen ;-) eine Provision zu bekommen. Heute läuft dieses Provisionsmodell im Internet. Eine Website vermittelt zwischen Anbietern und Kunden und bekommt dafür eine Provision. Noch wird ausprobiert, in welchen Branchen das funktioniert. Mit E-Bay hatte es angefangen, nun wird es spezieller, neulich guckte Uber ob das auch mit Fahrdiensten geht oder Lieferheld versucht zwischen Pizzaservice und Kunden zu vermitteln.

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