Lückenpresse: Wem gehört die halbe Welt?

Und da ist sie wieder, die Lückenpresse. Diesmal zum Beispiel beim Thema wem die Welt gehört.

welt.de: Den 62 Reichsten gehört die halbe Welt – Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst laut der Organisation Oxfam.

Wem die halbe Welt gehört, ist hier eine Oxfam-Behauptung, die die dpa einfach mal so weitergibt. Bei sozialen Fragen glaubt man Ungerechtigkeiten natürlich gerne, aber warum recherchiert die dpa nicht mal diese Oxfam-Behauptung gegen?

Wo sind Aussagen oder Studien dazu? Das Thema, wie die Teilhabe verteilt ist, ist ja nicht neu.

Und warum übernehmen „Die Welt“ und die anderen Medien solche einseitigen Texte, und fordern nicht bessere Recherche? Nein, man sichert sich billig ab und verweist auf Oxfam. Wäre doch schön, wen das nicht nur eine Quelle sagen würde.

Das Dilemma entsteht natürlich, weil es die dpa meldet und es damit deutschlandweit verfügbar ist. Dass heißt, wer es nicht bringt, der wird gefragt, warum denn die Meldung im Konkurrenzblatt und nicht im eigenen steht? Schnelligkeit sticht Gründlichkeit. Und selbst da jetzt nachzurecherchieren lohnt nicht, denn bis man damit fertig ist, wird schon die nächste Tagessau durch die Medien getrieben.

So eine Behauptungen nicht zu hinterfragen ist jetzt nicht der Untergang des Journalismus, aberes ist ein weiterer Kiesel auf dem Haufen undefinierter Unzufriedenheit mit den Medien; die in „Lügenpresse“-Rufen mündet.

Es ist dieses Gefühl „ja, war irgendwie ok, aber …“ Da waren doch die Tippfehler, und beim Neujahrsempfang (wo man selber war) war doch noch was anderes und besseres gesagt worden. Und warum ist schon wieder dieser eine Verein im Blatt, darüber war doch schon letztes Jahr berichtet worden? Warum bringen die nicht mal andere Vereine? Und war da nicht ein falsch geschriebener Name? Wieso merken die nicht, dass das Lokal wieder auf hat? Warum steht da nicht, dass die Gründerin der Bürgerinitiative plötzlich nicht mehr dabei ist?

Wenn die da schon rumschlampern, wo ich mich ein bisschen auskenne, wo denn dann noch?

Und am Ende wird man, irgendwann nach einem initialen Ereignis das Abo kündigen und sich – wie die eigenen Kinder eh schon – das Zeugs im Internet zusammensuchen.

Eine kleine Anekdote: Ich weiß noch wie ich mal für die Agentur 2011 einen Artikel über die Einführung des Regionalgeldes „Regios“ in Darmstadt schrieb (In und um Darmstadt kann man künftig mit roten, blauen oder grünen Scheinen zahlen.). Da wurde von mir (inhaltlich zurecht, von der Bezahlung her meiner Meinung nach nicht ;) ) erwartet, dass ich noch mehr dazu recherchiere, wo es in Hessen noch andere Regionalwährungen gibt.

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