Lückenpresse: Videothekenschließungen durch illegale Internetangebote?

In einem Artikel über die älteste deutsche Videothek (steht in Kassel) schaltet die dpa einfach eine Behauptung eins zu eins durch:

„Die Zahl der Videotheken geht deutlich zurück, weil Filme illegal im Internet angesehen werden“, sagt der Geschäftsführende Vorstand, Jörg Weinrich. Zudem würden Kunden, wenn eine Videothek schließe, auf Video-on-demand-Angebote im Internet oder Versand-Videotheken zurückgreifen. Dies führe zu weiteren Schließungen.

Der Kunstgriff ist hier die indirekte Rede, es ist der Mann vom Interessenverband des Video- und Medienfachhandels, der das behauptet. Im Artikel steht aber nichts dazu, ob das nun auch stimmt.


Lückenpresse? Ja. Denn Lügenpresse ist meiner Meinung nach der falsche Vorwurf, gelogen wird von den Kollegen nicht.

„Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss“, sagte mal Josef Joffe von der Zeit. Das trifft es eher. Zu oft fehlen für einen guten und fairen Artikel oder Beitrag Platz, Zeit oder Wissen oder alles auf einmal. Deswegen: Lückenpresse.

Ach ja: „Fairer Artikel“ steht da auch ganz bewusst, weil „objektiv“ geht eigentlich nie, weil man selber ja naturgemäß eine subjektive Sicht auf etwas hat.

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