Bin ich mit schuld, dass Tilo Jung jetzt in der Bundespressekonferenz so viel fragt?

Vor einem Jahr war dieses Blog in der Echokammer der Onlinemedien für einen Tag berühmt. Und das eigentlich nur wegen eines Neujahrsvorsatzes.

Vor einem Jahr war dieses Blog in der Echokammer der Onlinemedien für einen Tag schlagartig berühmt. Und das eigentlich nur wegen eines Neujahrsvorsatzes. (Der Mann auf dem Meedia-Screenshot ist KR-Chefredakteur Alexander von Streit.)


Einer meiner Neujahrsvorsätze für das vergangene Jahr 2015 schlug nach nur vier Tagen gewaltig Wellen – naja, ok, es war eine einzige Welle, die zigtausend Zugriffe auf dieses Blog brachte. Mein Vorsatz war, jeden Tag einen Blogeintrag zu schreiben. Und am 4. Januar 2015 hatte ich noch kein Thema. Also packte ich etwas an, was mich schon länger störte. Nur hatte ich bislang keine Lust dazu gehabt, weil es viel zu zählen gab. Aber der 4. Januar 2015 war ein Sonntag und ich hatte Zeit.
Ich ärgerte mich, dass die „Krautreporter“ (KR) so belanglose Artikel hatten und mich störten Beiträge Tilo Jungs. Er hatte unter dem Motto „Jung & naiv“ einen ganzen Satz Interviews bei den KR. In denen durften die Interviewpartner unwidersprochen alles sagen und behaupten, geprüft wurde in dem Format nichts. Aber gerade da (es waren viele Interviews zum Nahostkonflikt) hätte meiner Meinung nach die Ansage der Krautreporter „Es wird ein Korrektorat und einen Faktencheck geben“ (diese Ankündigung fand ich heutre nur noch in einem Kommentar bei Stefan Niggemeier) umgesetzt werden müssen. Auch, um es mal eben anders zu machen. Und es wäre ja ein leichtes gewesen in den Randbemerkungen bei KR den Faktencheck unterzubringen. Technisch. Der Faktencheck hätte wohl viel Zeit gekostet.

Also guckte ich bei KR mal nach, ob meine Unzufriedenheit berechtigt sei: Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt. Und stellte fest: 47 Autorinnen und Autoren waren damals auf KR genannt, ein Dutzend hatte nichts veröffentlicht, von 125 Artikeln waren 19 von Tilo Jung. Einige Autoren, wegen derer ich das Projekt 2014 unterstützt hatte, hatten bis dahin gar nichts oder nur wenig für KR geschrieben.

Dazu kam die in meinen Augen mangelhafte Relevanz der „Krautreporter“, die damals doch gestartet waren den Onlinejournalismus zu retten (siehe auch Frau Meike vom 14. Januar: Liebe Krautreporter, wir müssen reden.).

Denn das man in ein paar Monaten was relevantes recherchieren kann, das zeigte ein paar Tage später ein anderes Magazin. Etwa zeitgleich (KR hatte im Juni 2014 seine Funding-Phase erfolgreich beendet), im Juli 2014, war „correctiv.org“ gestartet und die hatten es geschafft zusammen mit dem „Spiegel“ zum Abschuss des Flugs MH17 in der Ukraine zu recherchieren. Und das wurde am 9. Januar 2015 veröffentlicht. Ultrakurzversion: Es war eine Rakete von einer russischen BUK. Separatisten hätten das nicht geschafft, weil das Waffensystem viel zu komplex ist. Dafür gab es auch einen Grimme-Online-Award.

Noch zwei Bemerkungen zum Schluss: Hätte Tilo Jung bei seien „Jung & naiv“-Interviews nur ansatzweise mal so gefragt, wie er seit etwa einem Jahr in der Bundespressekonferenz nachfragt, hätte ich den Blogeintrag „Kraut von Rüben sortiert“ wahrscheinlich nie geschrieben.

Und: In der Berichterstattung in den Medienmagazinen wurde meine Kritik mit dem bunten Tortendiagramm von damals verknüpft. Nur war das eigentlich das unpassende Diagramm, denn wenn ich 125 Texte auf 35 Autoren verteile, ist einen Tortendiagramm nur unübersichtlich. Eigentlich sollte das Balkendiagramm die Grafik für den Blogeintrag werden. Aber das war nur groß und langweilig. Und nicht so schön bunt. ;-)

47 Autorinnen und Autoren werden auf KR genannt, ein Dutzend hat bislang nichts veröffentlicht.

47 Autorinnen und Autoren werden auf KR genannt, ein Dutzend hat bislang nichts veröffentlicht.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Bin ich mit schuld, dass Tilo Jung jetzt in der Bundespressekonferenz so viel fragt?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.