Unnötige grüne Halbheiten im Westwald

Im Darmstädter Westwald muss wegen gesunkener Grundwasserspiegel - kahle Kronen sind eine der Folgen - streckenweise neu aufgeforstet werden. (Archivbild vom 21. März 2015)

Im Darmstädter Westwald muss wegen gesunkener Grundwasserspiegel – kahle Kronen sind eine der Folgen – streckenweise neu aufgeforstet werden. (Archivbild vom 21. März 2015)

„Die Koalitionsfraktionen der Grünen und der CDU Darmstadt starten die heutige Baumpflanzaktion im Westwald“, meldeten die Darmstädter Grünen am 31. Oktober auf ihrer Facebookseite.

300 Kiefern und Hainbuchen – gespendet von den Grü­nen Darm­stadt und der CDU Darm­stadt – setzten Stadtverordnete, Parteifreunde und Sympathisanten. Das Forstamt unterstützt solche Aktionen, weil viel aufgeforstet werden muss und das auch ins Geld geht, ansonsten müsste Hessen Forst die Bäume kaufen. Außerdem kann man über den Westwald informieren.

Auf meine Frage in den Facebook-Kommentaren, ob Forstamtsdirektor Hartmut Müller etwas zur von der Koalition befürworteten Erschließungsstraße Gewerbegebiet Südwest gesagt habe (die Westwaldbäume kosten wird), hieß es kurz: „Dazu gab es keinen Anlass.“ Ich hatte gefragt, weil Hessen Forst Eingriffe in den Westwald kritisch sieht.

Screenshot von der Facebook-Seite der Darmstädter Grünen vom 31. Oktober.

Screenshot von der Facebook-Seite der Darmstädter Grünen vom 31. Oktober.

Jetzt lese ich aber im Echo, dass die Westwald-Allianz auch da war und sogar mit einem Transparent gegen diese Straße protestiert hat.

Echo online: 300 junge Kiefern im Darmstädter Westwald gepflanzt – Begleitet wird ihr Tun von Mitgliedern der Westwald-Allianz, die am Rande stehen und diese Initiative kritisch beäugen: „Es geht nicht“, sagt Werner Krone, „dass man auf der einen Seite Bäume pflanzt, auf der anderen, eine sogenannte Erschließungsstraße zum Gewerbegebiet Süd-West mit durch den Wald ziehen will.

Alles klar. Der Forstamtsdirektor hat nichts dazu gesagt. Aber: Dazu gab es keinen Anlass? Haben die Koalitionäre die Demonstranten nicht gesehen?

Die Darmstädter SPD hatte sich jedenfall mit solchen Halbheiten bei der Kommunalwahl 2011 (zurecht) kommunalpolitisch disqualifiziert. Aber die Grünen müssen sich erstmal keine Sorgen machen, bei der SPD hatte das bis zur Verbannunung in die Opposition schließlich 60 Jahre gedauert.

Und jetzt ohne Ironie: Da frage ich nach der Erschließungsstraße und dann kommt so eine Antwort? Warum gibt man nicht zu, dass es eine (kleine?) Protestaktion der Westwald-Allianz gab? Und nennt ggf. sachlich die Gründe, warum man das mit der Straße anders als die Allianz sieht. Warum wird da in der Kommunikation so unnötig rumgeeiert? Wurde darauf gehoft, dass das Echo das mit der Westwald-Allianz übersieht? So wie zunächst übersehen wurde, dass Sabine Crook nicht auf der Liste für die Kommunalwahl am 6. März 2016 steht? Ist das auch der Neue Politistil?

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3 Gedanken zu “Unnötige grüne Halbheiten im Westwald

  1. Eine Verbindung bleibt unklar: Warum sollte der Forstamtsdirektor für die Stadtregierung antworten? Er ist doch Mitarbeiter von Hessen Forst, oder? Wenn aber Hessen Forst den neuen Politikstil nicht folgt, ist das dann die Schuld der Stadtregierung? Warum?
    Oder hast du auch Vertreter der Koalition befragt? Und nur vergessen, dass zu erwähnen?

    • Ich habe den kurzen Dialog auf Facebook mal als Screenshot eingebunden. Ich weiß, dass das Forstamt es kritisch sieht, wenn im Westwald Bäume gefällt werden, da der Wald durch die Grundwasserabsenkung schon genug Schwierigkeiten hat.

      Und deswegen hatte ich auf FB gefragt, ob der Förster die Gelegenheit genutzt habe, das anzusprechen. Da kam dann „dazu gab es keinen Anlass“. Dass Herr Müller nichts sagte, ok, aber warum wird nicht der Ehrlichkeit halber erwähnt, dass die Westwaldallianz mit ein paar Leuten gegen die Straßenpläne protestierte. Es war doch klar, worauf ich anspielte. Und „kein Anlass“? Nun, ich finde es gab schon einen – die Protestaktion – nur hatte von Forstamt, CDU, Grünen und den anderen Pflanzern keiner was dazu gesagt.

  2. Aber natürlich. Das Spruchband der Westwald Allianz war nicht zu übersehen. Dass der Forstamtsleiter sich bei den Regierenden nicht unbeliebt machen will, kann ich verstehen. Aber eine Randbemerkung qua Amt hätte ihm gut zu Gesicht gestanden. Und um Gesicht wahren gings ja auch den Grünen. Im übrigen: Es wurden nicht 300 Bäume gepflanzt, noch nicht mal Jungbäume. Es waren 300 Setzlinge, so groß wie ein Grasbüschel. Von den Grasbüscheln werden nur ca. 10 % die Chance haben, ein Baum zu werden. Dagegen werden auf Betreiben der Grünen und CDU wenige hundert Meter weiter, zwischen Rheinstraße und Eschollbrücker Straße hunderte von Bäumen gefällt. Darunter sind majestätische Riesen, die hundertfünfzig Jahre alt sind und mehr.

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