Straßenbahn zur Lichtwiese

Es gibt Pläne eine Straßenbahn zur Lichtwiese zu bauen. Die Trasse für rund 8,3 Millionen Euro soll von der Nieder-Ramstädter Straße an der Haltestelle Hochschulstadion nach Osten abbiegen und zwischen Georg-Büchner-Schule und Hochschulstadion zur Lichtwiese führen. Dort soll dann auch eine Wendeschleife hin.

Als Grund für die Trasse wird die studentische ÖPNV-Nachfrage gesehen, die Busse zur Lichtwiese sind zu oft zu voll.

Nur warum laufen die Studierenden nicht von der Haltestelle Hochschulstadion zur Lichtwiese, wenn es im Bus so blöde und zu voll ist? Es sind ca. 650 Meter bis zum FB Architektur, 925 Meter bis zum FB Bauingenieurwesen, 950 Meter bis zum FB Chemie oder zur Mensa, 1100 Meter zur Bibliothek, 1250 Meter bis zum FB Maschinenbau.

Die Haltestelle Lichtwiese liegt klar zentraler, von dort sind es maximal 350 Meter zu den Fachbereichen. Der kürzere Weg scheint volle Busse deutlich erträglicher zu machen, als über „Hochschulstadion“ zu fahren.

Ich weiß noch nicht so recht, ob ich für eine Trasse bin, irgendwie finde ich, man kann eben auch vom Hochschulstadion aus laufen. Hatte ich beispielsweise gemacht, wenn ich zur Chemie wollte aber unsicher war, ob der Bus bei Schnee rechtzeitig vorankommt. Aber vielleicht werde ich auch nur alt. Ist ja 25 Jahre her. ;-)

Das andere ist, dass die hohe Nachfrage möglicherweise auch nur deswegen besteht, weil Studierende dank Semesterticket gegen eine Pauschale, die in den Uni-Beiträgen enthalten ist, unbegrenzt den ÖPNV nutzen dürfen. So eine Bahntrasse liegt nachher Jahrzehnte. Was ist, wenn es das Semesterticket irgendwann nicht mehr gibt? Ich sehe dafür zwar keine Anzeichen, aber vielleicht wird die Pauschale irgendwann zu hoch. Nachtrag: Im Ruhrgebiet gibt/gab es zum Beispiel Probleme, weil die Studenten die Preiserhöhung zu hoch finden. WAZ: Warum das Semesterticket in NRW vor dem Aus steht.

Wenn die Trasse kommt, wäre ich aber dafür sie zu verlängern und die Odenwaldbahn am Haltepunkt Lichtwiese anzuschließen. Nur wie ich sehe, wurde das in der Machbarkeitsstudie überlegt und verworfen (PDF, S. 22):

ZIV-Untersuchung: Erschließung Campus TU-Lichtwiese – Als wesentliche Potenziale für eine Verknüpfung der Odenwaldbahn mit den innerstädtischen ÖV-Linien werden aber die Verkehrsströme in Richtung Innenstadt gesehen, für die jedoch eine Verknüpfung am Ostbahnhof aufgrund der kürzeren Fahrtzeiten attraktiver ist. Das Fahrgastpotenzial für diese Variante wird daher als sehr gering eingeschätzt. Hinzu kommt, dass eine Wendeanlage mit einem erheblichen Flächenverbrauch im Bereich des Haltepunkts TU-Lichtwiese Bf erforderlich wäre, bei dem es sich um ein wichtiges Naherholungsgebiet (Landschaftsschutzgebiet) handelt. Aus diesen Gründen wurde diese Variante vorzeitig von der weiteren Untersuchung ausgeschlossen.

Näher untersucht wurde das wohl nicht. Nur könnte man mit der Anbindung das ÖPNV-Netz dichter knüpfen und wäre flexibel, wer weiß wohin sich die Verkehrsströme und die Fahrpläne entwickeln?

Politik ist ja aber immer ein wenig die Kunst, das was man selber möchte, von der Allgemeinheit bezahlt zu bekommen.

Man könnte daher auch sagen, dass der der was will, es auch bezahlt. Bei 10.000 Studierenden wären das zehn Semester lang 82 Euro zusätzlicher Semesterbeitrag und die Trasse wäre finanziert. Das würde auch das Interesse an so einem Projekt unterstreichen.

Und noch was zur Größenordnung: In Würzburg konnte man für acht Millionen Euro ein neues Studentenwohnheim mit rund 140 Plätzen bauen.

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