Die Hebammenversicherung und wie die Versicherer die extrem hohen Prämien erklären

Diesen Artikeleinstieg finde ich ja ganz originell (jaja, er ist von mir):

Wäre Gräfenhausen eine Insel, wäre der Weiterstädter Stadtteil vermutlich in den Schlagzeilen und eine Frage bei „Wer wird Millionär“ geworden. „Seit Anfang des Jahres werden auf Sylt kaum noch Kinder geboren“, war im Dezember die richtige Antwort auf eine Frage in dem Fernsehquiz. Weil Anfang 2014 die Geburtsstation der Sylter Nordseekliniken schloss. Ähnliches ist nun auch in Gräfenhausen passiert (wir berichteten).

Echo Online: „Zu Lasten der Familien und Neugeborenen“

Das „Geburtshaus am Ohlenbach“ ist jetzt nur noch ein Haus in dem möblierte Zimmer vermietet werden, Geburten betreuen die Hebammen Michèle Andres und Ingeborg Buß nicht mehr. Die Versicherungsprämien für Geburten steigen Mitte 2015 erneut an und machen diesen Geschäftsteil unwirtschaftlich. Sie bieten nun Kurse zur Geburtsvorbereitung und die Zeit nach der Geburt an, unter Babymassage oder Yoga für Schwangere oder zur Geburtsvorbereitung an. Die neue „Hebammenpraxis Mutter♥Tochter“ ist nun in Darmstadt-Wixhausen.

Sehr hohe Versicherungsprämien für Hebammen sind ja schon seit Jahren ein Problem. Nun habe ich überlegt, warum die Versicherungen so teuer sind? Versicherungen sind ja Firmen, die gerne mal was durchrechnen und auf Risiken gucken. Also guckte ich beim GDV.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt die hohen Prämien für Hebammen mit einem „extrem schwer“ zu kalkulierenden Risiko einer Geburt und gestiegenen Kosten im Versicherungsfall. „Die Kosten für Geburtsschäden infolge von Behandlungsfehlern sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Dies führt zu Versicherungsbeiträgen, die im Vergleich zum Einkommen der Hebammen sehr hoch sind.“
Der Verband räumt ein, dass freiberufliche Hebammen nur sehr selten Geburtsschäden verursachen. In der Geburtshilfe gebe es verhältnismäßig wenige, dafür aber große Schäden. Die Zahl schwerer Geburtsschäden liege jährlich bei zehn bis 15 Fällen – bei rund 16 000 freiberufliche Hebammen und etwa 3500 Hebammen, die bislang Geburtshilfe leisteten.
Aber zwischen 2003 und 2012 seien die Ausgaben für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent gestiegen, erklärt der Verband. Und wegen des medizinischen Fortschritts steige auch die Lebenserwartung Geschädigter. Passiere bei einer Geburt ein Fehler, und das Kind ist schwer geschädigt, leiste ein Versicherer im Durchschnitt 2,6 Millionen Euro, so der GDV. Dazu kämen Regressforderungen der Krankenversicherungen. Bei einem Geburtsschaden wegen eines Hebammenfehlers forderten Krankenversicherer die Behandlungskosten von der Haftpflichtversicherung.

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