Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt

35 Krautreporter haben bislang 125 Texte veröffentlicht. Die meisten sind von Tilo Jung.

35 Krautreporter haben bislang 125 Texte veröffentlicht. Die meisten sind von Tilo Jung.


Ich habe mal die Texte auf Krautreporter (KR) durchgezählt. Insgesamt 47 Autorinnen und Autoren sind aufgeführt, davon haben 35 bislang bislang 125 Artikel veröffentlicht. Wer – wie ich – gehofft hatte, Artikel von Jens Weinreich, Richard Gutjahr oder Thomas Wiegold zu lesen, der hat von denen insgesamt fünf Artikel gefunden. Dafür 19 von Tilo Jung. Und zwischen je einem und neun von anderen Kollegen. (Ich habe mich da hoffentlich nicht verzählt, aber es geht um die Größenordnungen.)

Insgesamt sind es vom 24. Oktober (offizieller Start, nachdem am 13. Juni klar war, dass genug Crowd gefunded hatte) bis 3. Januar 2015 125 Texte, 12,5 die Woche, 2,7 pro Autor. Wenn man nur die Aktiven zählt, sind es 3,6 Texte pro Autor.

Meine Meinung: Schlechte Recherche bei zu vielen Texten. Und den Rest finde ich größtenteils langweilig. Gut, das mit dem langweilig kann passieren und ist auch eher mein Geschmack. Ich hatte mir eben mehr Beiträge von Jens Weinreich (bislang Null), Richard Gutjahr (zwei) oder Thomas Wiegold (drei) erwartet. Und bei den Stücken, die ich mal gelesen habe (nicht viele, wie gesagt, mir zu langweilig), habe ich bei zu vielen den Eindruck, dass die auch genauso gut in den Blogs der Autorinnen und Autoren hätten stehen können.

Richtig gut fand ich nur die Artikel von Hanno Charisius. Da wurde Biotechnologie und Forschungspfusch ordentlich beleuchtet. Leider gibt es nur drei.

Die meisten Stücke sind von Tilo Jung. Bislang 19. Jung macht das Interviewformat „Jung & Naiv“. Da können die Interviewten so ziemlich alles und unwidersprochen erzählen. Man könnte auch sagen, sie haben die Gelegenheit, sich um Kopf und Kragen zu reden. ;-) So weit so gut.

Was mich da aber ganz gewaltig stört: Ich vermisse das, weswegen ich Krautreporter damals mit 60 Euro unterstützt habe. Recherche. Gerade weil KR dank uns Unterstützern nicht auf hohe Klickzahlen und schnell drehende Geschichten angewiesen ist (und weil auch nicht regelmäßig Papier bedruckt werden muss) und auch keine Werbekunden mit Anzeigenentzug drohen können, könnte man Geschichten bringen, die wasserdicht und gegenrecherchiert sind.

Zumal haben es die KR auch selbst zugesagt:

Es wird ein Korrektorat und einen Faktencheck geben

Das war eine der Ankündigungen während der Fundingphase. Und genau das passiert bei „Jung & naiv“ nicht. Nur erwarte ich das aber, wenn es unter der Marke „Krautreporter – Der Online-Journalismus ist kaputt. Wir kriegen das wieder hin“ läuft; da erwarte ich, dass die Aussagen und Behauptungen der Interviewten überprüft werden und dass dann in den Randbemerkungen bestätigt oder negiert wird.

Warum geht das nicht? Es ist doch kein Zeitdruck da. Die ganzen Interviews aus Israel und Palästina erschienen, nachdem die größten Kampfhandlungen vorbei waren. Auch bei anderen Interviews werden fröhlich Dinge behauptet, deren Wahrheitsgehalt dann der Leser hinterherrecherchieren darf, wenn er sich wundert. Und kann das dann in den Kommentaren oder den Marginalien anmerken.

Nettes Konzept zur Leserbindung, nur: Randbemerkungen schreiben und kommentieren dürfen nur die Abonnenten. Das sind aber die, die die Krautreporter bezahlen. Wofür bezahle ich denn, wenn doch die Ansagen neben „Es wird ein Korrektorat und einen Faktencheck geben“ auch „Recherche, Reportage, Analyse“ waren? Wofür bekommen die KR ihr Geld? Fürs Mikrofonhalten? Sorry, das ist dann nichts anderes als heute die Pressemitteilung der einen Seite zu drucken und morgen die Reaktion der anderen. (Ein Konzept, wegen dem Tageszeitungen – zu Recht – kritisiert werden, nur haben die einen Redaktionschluss, weil die nunmal buchstäblich die „Presse“ sind und irgendwann die Rotation anlaufen muss.)

Eins zu Eins steile Thesen durchschalten ist für mich nunmal keine Analyse und kein Faktencheck. Und das bei den Texten, die KR zur Zeit prägen, denn „Jung & naiv“ stellt nunmal relativ die meisten Texte.

47 Autorinnen und Autoren werden auf KR genannt, ein Dutzend hat bislang nichts veröffentlicht.

47 Autorinnen und Autoren werden auf KR genannt, ein Dutzend hat bislang nichts veröffentlicht.


Vieelicht habe ich ja zuviel erwartet, aber vielleicht ist KR halt nur eine gut verpackte Idee einiger hauptstadtbasierter Journalisten.

Dieser Eindruck entstand bei mir in der Endphase des Funding-Zeitraums. Da wurde am 6. Juni eher spontan zu einer Party eingeladen. Was ich zunächst planlos fand:

verwickeltes.de: Eine Orga wie Kraut und Rüben – Gerade kam eine BBQ Einladung an die Unterstützer rein. Nach Berlin. Vor drei Wochen startet das Projekt, jetzt kommt – mit vier (4!) Tagen Vorlauf – eine Einladung nach Berlin. Hauptstadt, aber zentral ist anders. Und für einen Dienstag, ein Arbeitstag. Der Feiertag Pfingstmontag ist einen Tag vorher. So eine Feier kündigt man mit Aktionsbeginn an, wenn man es ernst meint.

Inzwischen wirkt das Projekt auf mich immer mehr wie ein geniales Konzept, für ein Jahr Honorare durch Crowdfunding abzugreifen und dafür irgendwelche Geschichten zu liefern – die eigentlich nebenbei sowieso anfallen, die aber eher keiner kaufen würde (weil eben langweilig und nicht gegenrecherchiert) und die man ansonsten wohl nur kostenlos verbloggen hätte können/müssen. (Ich war vor zehn Jahren in einem Kooperationsprojekt einer Agentur und einer Uni-Arbeitsgruppe. Beide Seiten sollten Fachartikel liefern, aber wer das Ding am Laufen hielt war die Agentur. Der AG-Leiter an der Uni finanzierte mit dem bequem erlangten Geld zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, die eher sporadisch Texte ablieferten und hauptsächlich dem Prof zuarbeiteten.)


Nachtrag: In den Kommentaren wird erklärt, dass die Reporter bei KR inzwischen pro Artikel bezahlt werden und nicht mehr pauschal pro Monat. Das beeinflusst womöglich die Arbeitsweise: Bezahlung und ihre Anreize

Und am 14. Januar sagte Frau Meike: „Krautreporter wir müssen reden“, sie ist auf der Suche nach der Relevanz.

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86 Gedanken zu “Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt

  1. Die Nummer mit den Kommentaren finde ich eh lächerlich. Die sind in Blogs ein Dienst des Lesers gegenüber dem Autor nach meinem Verständnis. Ich erlebe häufig, das durch den Dialog eben ein Erkenntnisgewinn entsteht und man alles nochmal hinterfragt oder neue Denkansätze bekommt. Stattdessen lese ich häufig einseitige Artikel bei KR und beim Blick in die Kommentare fehlen solche oder die Auseinandersetzung ist sehr dünn. Schade. Für mich damit häufig uninteressant

  2. Mich würde interessieren, ob trotzdem alle beteiligten Autoren bereits im November und Dezember die von KR angegebene Pauschale von 2.000 Euro bekommen haben. 4.000 Euro für 1-3 Texte in zwei Monaten wären jedenfalls ein gutes Geschäft für die Autoren. Als Unterstützer sähe ich das eher kritisch zumal, wie du schon sagst, nicht alle Stücke zwangsweise nach wochenlanger Recherche und Reise aussehen.

    • Lieber Christoph, ich bin einer der Autoren von KR und stehe oben auf Marcs Liste auf Platz 2 mit neun Artikeln. Ich habe bisher 4500 Euro bekommen, also 500 Euro pro Artikel. Wenn Leute nur 1-3 Texte geschrieben haben, haben sie auch nur entsprechendes Honorar bekommen. btw: 500 Euro pro Artikel sind im Vergleich zu anderen Online-Seiten wie Spiegel Online (180 €) oder Zeit Online (150 €) annehmbar, aber der Aufwand für eine KR-Geschichte ist deutlich höher bspw. versehe ich jede Geschichte mit Fußnoten, damit unsere Korrektorin die Überprüfung leichter gemacht wird, ausserdem pflegen wir Autoren sie selbst in das System ein etc. Gleichzeitig ist der Dialog mit den Mitgliedern intensiver als auf anderen Seiten – nicht nur in den Kommentaren und Anmerkungen. Ich habe auch schon Mitglieder offline getroffen, tausche mir Mails mit ihnen aus, außerdem recherchiere ich gerade gemeinsam mit 70 Mitgliedern zu einem spannenden Raketentechniker: https://krautreporter.de/164–das-eigenartige-wesen-der-raketenwissenschaft
      Und du hast Recht: Nicht jedes Stück sieht nach wochenlanger Recherche aus, weil auch nicht hinter jedem Stück eine wochenlange Recherche steckt. Manche Themen brauchen mehr Arbeit, manche weniger – es kommt auf die Mischung zwischen beiden an.

      • Honorierung pro Text verschiebt natürlich die Anreize. U.a. kann das auch zu Masse statt Klasse verleiten. Wenn ich für einen Zeitungsartikel über eine „Kaninchenausstellung“ genau so viel bekomme, wie über einen tiefen Blick in einen kommunalen Haushalt plus Nachfragen in der Kämmerei und bei der Kommunalaufsicht, dann ist doch klar was schneller geht. Vor allem wenn ich auch noch was für eine Kanininchenfotogalerie bekomme. Haushaltssseiten sind da nicht so niedlich. ;-)

      • Eine Frage an Rico Grimm:

        Vielleicht habe ich das Konzept immer noch nicht richtig verstanden. Aber gibt es bei euch AutorInnen, die KR als Fulltime-Job betreiben? Eben das hätte ich mir nämlich gewünscht; dass man als AutorIn alles auf die KR-Karte setzt und den anderen Redaktionen für ein Jahr sagt: Sorry, bin jetzt Vollzeit-Pionier.

        Danke für eine Antwort.

  3. Vielen Dank für die Auswertung und die Meinung dazu. Ich zähle nicht zu den Unterstützern und habe in meinem Blog erklärt, warum:
    http://mrscgn.wordpress.com/2014/05/18/ich-unterstutze-das-nicht-aus-grunden/
    Ich sehe mich durch Deinen Post hier darin bestätigt: Was unter „KR“ läuft, könnte genauso gut in den Blogs der Autoren stehen, nur bekämen sie dafür wahrscheinlich kein oder nicht so viel Geld. Und mich stört nach wie vor, dass man Geschichten von Leuten zu lesen bekommt, deren Texte man auch anderswo lesen kann,
    Nun bin ich die Letzte, die guten Journalisten das Recht abspricht, Geld für ihre Arbeit zu verlangen, ganz im Gegenteil, nur: Das Getöse vorher weckte zunächst andere Erwartungen als das, was es letztlich geworden ist – eine hübsch gemachte Plattform für pauschal (!) bezahlten Journalismus, wie man ihn im Grunde kennt. Das ist wahrhaft revolutionär.

    • @mrsccgn, re: „(…) Mich stört nach wie vor, dass man Geschichten von Leuten zu lesen bekommt, deren Texte man auch anderswo lesen kann.“

      Du erwartest allen Ernstes, dass JournalistInnen für eine Monatspauschale in Höhe von brutto 2000 bis 2500 Euro exklusiv für die Krautreporter arbeiten? ;-)

      • Nein. So ist es nicht gemeint. In meinem Blogpost formulierte ich die Frage so: Wozu braucht der Leser, der sich für das interessiert, was er [also der Krautreporter] schreibt, das Onlinemagazin Krautreporter?
        Es ist eine weitere Plattform für jene, die all das, was sie bei KR publizieren, genauso gut auf ihren eigenen Websites/Blogs publizieren könnten und vorher ja auch taten. Niggemeiers Beitrag zum o.g. Buch hätte auch auf seinem Blog stehen können, da hat er aber nur die flattr-Funktion (die offenbar nicht so viel bringt?). Jens Weinreich, der bisher noch nicht in Erscheinung trat, hat ein eigenes Blog mit sehr viel Substanz und ist bei den KR wieder für Sportpolitik vorgesehen. Was soll er anderes schreiben als bisher auf seinem Blog?

        Ich hatte dafür plädiert, neue Gesichter zu bekannten Themen schreiben zu lassen. Warum nicht eine Frau zu Sportthemen? Diese Kolleginnen gibt es! Warum nicht eine Frau zu juristischen Themen – auch die gibt es.

        Zugespitzt: Es entsteht für mich der Eindruck, dass es mitnichten um einen „besseren Journalismus“ ging, sondern schlicht darum, die Arbeit, die schon immer gemacht wurde, jetzt halbwegs angemessen bezahlt zu bekommen. Daran ist nichts falsch, nur: Dann sollte es man es vorher einfach so sagen und nicht tönen, man wolle den „Online-Journalismus retten“.

      • @mrscgn, ich kann nicht für die Krautreporter-KollegInnen sprechen. Aber ich als Journalist bringe in meinem Blog primär Dinge, die in meine Kernkompetenzen fallen und die ich daher ohne langwierige Recherchen relativ schnell herunterschreiben kann. Bei bezahlter Arbeit ziehe ich die Themen anders (aufwändiger) auf.

      • @mrscgn

        Faktisch hat Herr Weinreich sein Blog aufgegeben. Er schrieb sehr lange Zeit an einem selbst publizierten eBook und vernachlässigte das Blog. Nachdem das eBook abgeschlossen war begann er kürzlich mit dem nächsten eBook.

        Versteckt in einem Kommentar sagt er dazu

        „Hier [im Blog] wurde zeitweise ein Angebot unterbreitet, das aktueller, kommunikativer und umfassender war als in vielen großen Medienmarken.

        Ich würde das jederzeit wieder machen – aber nur in einer Bezahl-Variante.“

        Sein Blog oder KR als Bausteine für die Marke „Weinreich“ scheint er nicht mehr zu benötigen.

  4. Krautreporter ist bei mir mittlerweile an dem Punkt angekommen, dass ich mich sehr über den Newsletter freue und dann die dort verlinkten Artikel lese, aber nichts direkt auf krautreporter.

  5. Ganz ehrlich, ich habe von den Krautreportern überhaupt nicht viel mitbekommen. In meinen sozialen Netzwerken finden die überhaupt nicht statt, um genau zu sein, genau einmal wurde bisher ein Link in meine Twitter-Timeline gespült. Auf der Seite fragte ich mich dann, wer für das Design verantwortlich ist. Ich fand nämlich, dass das mächtig vom Inhalt abgelenkt hat, aber das nur so als Anmerkung. Der Text selbst hat mich dann nicht wirklich fesseln können, sodass ich die Seite schnell wieder verlassen habe und seither habe ich nix, aber auch gar nix mehr mitbekommen, bis halt jetzt diese Kritik hier.

    Wie sich so das Projekt länger als ein Jahr halten will, ist mir noch nicht so bewusst, denn es war sicher auch darauf ausgelegt, auch nach dem Start noch neue Abonnenten zu gewinnen. Aber was nicht ist, kann ja durchaus noch werden.

  6. Pingback: Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt | netzpolitik.org

  7. Geht mir ebenso wie Oliver K., ausschließlich den Newsletter schätze ich sehr, ich würde also Christian Fahrenbachs Arbeit definitiv noch ins Tortendiagramm tun, auch wenn er „nur“ Newsletter textet.

  8. Pingback: “Der Online-Journalismus ist kaputt. Wir kriegen das wieder hin” |

  9. Ich hatte ebenfalls bezahlt und muss sagen, dass ich wahnsinnig enttäuscht bin.

    Auch vom Einbinden der User in das Konzept rein, da hatte wir Mitglieder nichts, aber wirklich nichts gehört. Wir durften ja nicht einmal mitentscheiden welches Plattformen genutzt werden!

  10. Die Autoren, die bislang trotz Bezahlung (?) bislang NULL oder 1 Artikel abgeliefert haben, sind sicherlich in der Recherche zu einem Artikel über die Selbsterfahrung mit dem „Bedingungslosen Grundeinkommen“ eingebunden. :-) Viellleicht ist es auch schlicht ein großangelegter Versuch, um die Wirksamkeit des BGE zu erforschen.

    • Wer nichts schreibt, bekommt auch kein Geld (siehe mein Kommentar oben).

  11. Einem Dutzend Krautreportern ihre Inaktivität vorzuhalten, ist nicht ganz korrekt. Frank Suffert etwa ist Kameramann u.a. für Tilo Jung und gab mindestens ein Seminar für Mitglieder, Vera Fröhlich redigiert als Textchefin die Stücke und schreibt nicht selbst, Frederik Fischer ist als Community- und PR-Mann ständig ansprechbar.

  12. Vielen Dank für die Auswertung und Darstellung. Ich bin einer von den vielen, die damals KR unterstützt haben, weil ich den Mut belohnen wollte – und das Risiko von 60 Euro waren in einem guten Rahmen, also nichts woran ich finanziell zu Grunde gehen würde privat, falls es mit Krautreporter nicht geklappt hätte. Ich habe einige Artikel (ich weiß es inzwischen nicht mehr genau von wem) gelesen gehabt dort, konnte mich aber als Unterstützer nie fürs Kommentieren anmelden, fand die Beiträge jetzt aber auch nicht so prickelnd.
    Ärgerlich an dem Ganzen finde ich auch, das nicht alle was zur „Vielfalt“ beigetragen haben wie anfangs gedacht und das doch einiges eher Hauptstadt-lastig ist. Aber insgesamt war es ein spannendes Projekt, was ich zumindest nicht weiter unterstützen werde – mir fehlt inzwischen auch die Zeit die Beiträge zu lesen – auch weil nicht ein deutliches Konzept sichtbar ist.

    Ich wünsche den Krautreportern dennoch viel Kraft, aus den Kommentaren hier und Blogbeiträgen im Netz zu schöpfen und mehr daraus zu machen.

  13. Meine Vorstellung der Krautreporter war jetzt auch nicht unbedingt, ständig die Jung-und-naiv-Videos zu sehen, von denen es vorher schon 200 gab – ohne meine Unterstützung. Die tief recherchierten Texte, die man uns versprochen hat, sind noch in der Minderheit. Aber ich habe auch schon einige Stücke lesen dürfen, die vielversprechend waren. Ich bin gespannt, ob ich in neun Monaten einer Aboverlängerung zustimme.

  14. Pingback: Krautreporter: Erwartungen enttäuscht? | Oppermann.co.uk

  15. Die KR-Autoren bekommen keine monatliches Pauschalhonorar, wie einmal überlegt wurde, sondern werden pro Artikel bezahlt. Wer nichts schreibt bekommt also auch kein Geld.

    • Das dachte ich mir schon. Wäre sonst auch schwierig, das den Schreibern zu vermitteln. Nur damit ist das mit „mal ergebnisoffen recherchieren“ noch schwieriger. Zumal ich dann ja auch überlege, wem ich meinen Text verkaufe. Und damit wäre man dann doch wieder bei den Klickzahlen.

      Ich gehe jatzt mal von meiner bescheidenen Lokalreporterexistenz aus. Mit einer Pauschale hätte ich mich vielleicht drangemacht, vor einigen Jahren mal hier eine städtische Konzerntochter auszuleuchten. Ob dabei was rausgekommen wäre, weiß ich nicht. Aber nur so wäre das gegangen. Und es wäre aufwändig gewesen, denn es hatte ja auch kein festangestllter Redakteur hier die Zeit dafür.

      Waren es nicht am Anfang 25 Krautreporter, die man so ein Jahr lang finanzieren wollte?

      • Selbstverständlich recherchieren die KR ergebnisoffen. Und ja, viele Recherchen zerbröseln auf dem Weg zu einem fertigen Beitrag und dann wird es kein Beitrag und es gibt auch kein Geld. KR-Autoren sind wie viele andere (freie) Journalisten bereit, dieses Risiko einzugehen, egal für welches Medium sie arbeiten.

      • Das Risiko kenne ich auch. Nur ist man meiner Meinung nach mit der Honorierung pro Artikel wieder da, wo man eigentlich von weg wollte.

        Zwar setzt KR nicht auf die schnelldrehenden Geschichten aber ich als Reporter bin doch schwer in der Versuchung da ein dünnes Brett zu bohren. Bei Bezahlung nach Masse ;-) überlege ich mir doch doppelt, wo ich mich dransetze und mache im Zweifelsfall die Geschichte mit dem geringeren Aufwand und bei der ich sicherer mein Honorar bekomme.

        Ich will damit nichts unterstellen, ich bin hier im Lokalen doch vor ähnlichen Entscheidungen. Auch wenn sie nicht die Tragweite haben.

  16. Ich habe auch for allem wegen Niggemeier und Weinreich mitgemacht. Das hätte ich mir sparen können. Bin daher auch sehr enttäuscht. Anfangs sollte auch Scharnitz noch dabei sein, der ist plötzlich weg. So bezahlt ich jetzt für Tilo Jung und eine handvoll mehr oder weniger interessanter Texte.
    Dazu diese Katastrophe von Website… Eine einzige Enttäuschung.

    Die Autoren werden übrigens laut meinen Infos pro Text bezahlt, wer nichts liefert bekommt auch nichts.

  17. Pingback: » Die fantastischen Vier: Zeitgemäße Verrenkungen in Sachen Leserfinanzierung Wolfgang Michal

  18. Noch generell eine Frage an dich, Marc. Du schreibst, dass du selbst Lokalreporter bist. Korrigierst du Falschaussagen deiner Interviewpartner? Das du verlangst du ja oben bei den Jung&Naiv-Sachen. Und das halte ich für fragwürdig. Man darf nicht die Aussagen von Interview-Partnern verändern, weil die faktisch falsche Sachen sagen.

    • Erstmal bin ich zahlender Kunde bei euch. Da kann ich sowas schonmal verlangen. ;-) Dann: Interviews mache ich im Lokalen extrem selten, das letzte war 2011 mit dem frisch gewählten Gewinner der Oberbürgermeisterwahl.

      Es geht auch gar nicht darum den Text zu verändern, sondern das in den Randbemerkungen dann jeweils richtig zu stellen, bzw. zu bestätigen. Wenn fefe behauptet, die Menschen würden immer ärmer, dann wäre ein „Stimmt, hier ist eine Statistik dazu“ angebracht oder „Stimmt nicht, hier ist die Statistik“ oder eben ein „Das ist knifflig, die Wirtschaftsprofessoren sagten uns unterschiedliche Dinge.“ Ähnlich seine Behauptung „Es gibt überhaupt keine Bedrohung durch den Islamismus. Man kann es nicht nachweisen.“ Stimmt das jetzt oder nicht? Muss ich jetzt selber recherchieren oder lasse ich das lieber (dauert lang und bringt mir wenig) und pflege lieber meine Vorurteile? Geht deutlich schneller.

      Man muss auch nicht den Interviewpartner gleich widerlegen, das könnte (gerade in Israel oder Palästina) auch gefährlich werden, oder doof, wenn man plötzlich kein Interview mehr hat, das man verkaufen kann, weil der Krach schon bei der ersten steilen These kam. Auch kann man nicht alles wissen, gerade wenn ein Gespräch vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Aber man könnte es im Nachgang prüfen. Das hätte ich mir gerade bei den Sachen aus Israel und Palästina gewünscht. Um eben nicht am Ende wieder bei meinen eigenen Vorurteilen landen zu müssen.

      „Im Internet“ ist für Faktenchecks auch Platz, in der Zeitung leider nicht. „Papier ist geduldig, aber leider nicht unendlich“, sage ich immer gerne. Nutzt doch die Möglichkeiten, dass auf einer HTML-Seite viel Platz ist. Inzwischen versuche ich hier im Lokalteil bei meinen Artikeln kleine Hintergrundkästen dazuzupacken. Ist aber ein Platzproblem. (Z.B. war ich bei einer Schulstunde über Alternative Energien, da habe ich noch zu Wirkungsgraden und der „in 40 Jahren ist das Öl alle-These“ was nachgeschaut. Da deckt das Honorar nicht unbedingt den Aufwand. ;-) Einfacher wäre es gewesen, die Zeilen durch ein paar weitere „O-Töne“ zu füllen. Nur hat der Leser meiner Meinung nach davon eher wenig.

  19. Pingback: Wochenrückblick KW 01 / 15 #krautreporter #biergida

  20. Pingback: Was uns 2014 über den Medienwandel lehrte | Tobias Schwarz's Logbook

  21. Tja, da scheinen sich die meisten einig zu sein. Ich nicht.
    Natürlich interessiert mich nicht jeder Artikel. Hab ja meine Interessen. Aber mangelnde Recherche, dass stimmt ja wohl nicht. Der größte Teil der Artikel ist eher“aufwendig“. Die versprochenen 3 Artikel am Tag (außer Wochenende) wurden geliefert und mit Ausnahme einiger seien immer mit sehr unterschiedlichen Themen.
    Till Jung ist nicht jedermanns Sache, ich sicher kein Fan, das Format liegt mir nicht. Aber die Israel/Palästina Seite war sicher ihr Geld wert.
    Die Webseite… Anfangs hat die schlecht funktioniert, aber hat sich stark verbessert, tut jetzt gut.
    Wer sich etwas „total neues, noch nie da gewesenes vorgestellt hat“ hat glaube ich ein Erwartungsproblem.

    Bisher sehe ich persönlich das Projekt positiv. Wenn es auf diesem Niveau weiter geht, oder auch noch etwas besser wird… Bin gerne weiter dabei. 3 von 5 möglichen Sternen. Bei 5€ im Monat, sehr gerne.

  22. Pingback: Four a week - KW 01 / 2015 - Apps N Coffee

  23. Bitter ist doch, dass so viele Menschen dazu bereit sind, für Journalismus im Internet zu bezahlen und dann enttäuscht werden – warum auch immer.

      • Sorry, aber ein Viertel des Jahres ist bereits rum. Die Autoren, wegen denen ich mich beteiligt habe, haben bisher sehr wenige bis keine Artikel veröffentlicht. Glaubst du, dass die alle noch an ihren Artikeln recherchieren und schreiben? Von der Finanzierungszusage bis zum Start war doch genug Zeit, oder nicht?

        Neben diesen inhaltlichen Fragen tut sich technisch wenig und zudem habe ich auch nicht den Eindruck, dass man auf die Wünsche der User eingeht (Beispielsweise: das völlig blödsinnige Laden der Folgeartikel über das sich mehrere User beschwert haben). Die Website, in die man viel Geld gesteckt hat, läd (mich) überhaupt nicht zum lesen ein. Auf manchen Geräten geht es gar nicht, auf anderen nur der Login nicht – aber überall macht es wenig Spaß.

        Ich habe das Projekt lange verteidigt und damals recht schnell die 60 € investiert. Die Enttäuschung ist umso größer und nach 3 Monaten muss man doch eine Zwischenbilanz ziehen dürfen. Es bleibt ja trotzdem noch genug Zeit, es besser zu machen.

        Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass sich das Team das ganze vollkommen anders vorgestellt hat, dass einige Autoren sich davon mehr oder weniger verabschiedet haben und nur eine handvoll wirklich engagiert ist. Das zeigt sich ja auch in der jetzt veränderten Bezahlung; war anfangs nicht ein Monatshonorar vorgesehen?

      • “Vernichtende Urteile”? Wo? Ausgerechnet Journalisten beschweren sich über so etwas? Dass sind doch diejenigen, die inzwischen alles skandalisieren, was nicht nach ihren Vorstellungen funktioniert.

        Ich lese KR sehr selektiv. Die Jung + Naiv-Sachen halte ich à la longue für Volksverblödung; das kann man mal machen, als Konzept nutzt sich das ab und hat mit Journalismus nichts zu tun. Die Gaza-Berichte blendeten die politischen Implikationen (die Hamas-Regierung) aus. Der Hinweis hierauf war reichlich naiv: Es ginge um den Mann, die Frau auf der Straße, die nichts mit der Politik zu tun hätten. Vorher wurde dann erzählt, welche wirtschaftlichen Probleme die Leite haben – als sei dies keine Folge einer Politik. Überzeugt hat mich nur ein Beitrag: Über die Saharauis.

        Ansonsten fand ich reichlich Gesinnungsjournalismus. Den gibt’s aber überall.

      • “Vernichtende Urteile” – Ja, ich finde es auch interessant, was da so rausgelesen wird oder was da als Zitat aus meinem Text genommen wird („Wofür werden die Krautreporter bezahlt? Fürs Mikrofonhalten?“)

        Das Ding ist ja, dass Tilo Jung schon kritisch kann. In der Bundespressekonferenz hat er zur NSA-Geschichte meiner Meinung nach schon ein paar schöne Fragen gestellt, die die Regierungssprecher ins Schwimmen kommen lassen. Da wird dann nachgehakt, da lässt man sich nicht die Regierung um Kopf und Kragen reden. Wie gesagt, ich vermisse den Faktencheck bei „Jung & naiv“. Da würde man ihn auch merken. In den anderen Geschichten kann man das durch das Berichten der Rechercheergebnisse ja ganz normal einfließen lassen. Da steht natürlich eher selten (wenn überhaupt): Da lügt/irrt der XY.

        Und dass die KR ausgerechent bei den J&n-Interviews eine Ausnahme machen und nur auf juristische Fallstricke prüfen, verstehe ich nicht. Wo ist denn ein Faktencheck nötiger als bei dem Format, bei dem die Menschen alles mögliche erzählen. Die KR haben doch Zeit, wir Unterstützer sind doch eher geduldig (bis jetzt jedenfalls, sonst wäre der Blogeintrag ja nicht so eingeschlagen ;-) ), da kann man doch die Behauptungen der Interviewten durchgehen und in den Randbemerkungen (die es ja gibt) verifizieren oder falsifizieren und ggf. Links dazupacken.

        Klar, das macht Arbeit, aber aber das erwarte ich auch vom Journalismus 2.0. Einfach jeder Seite ihren Raum einräumen und dem Publikum den Rest zu überlassen – vor allem wenn es mühsam wird – ist meiner Meinung nach vorbei. Gerade wenn einer was vom Pferd erzählt hat, dann darf man das dem Leser/Zuschauer schon sagen.

  24. Ich finde es auch grenzwertig, wenn Tilo Jung im Interview mit Fefe fragt „Muss man Ken Jebsen zuhören? Ist der nicht Verschwörungstheoretiker? Oder Antisemit bla bla bla?“ Antwort Fefe „Naja, dieser Vorwurf wird zu leicht benutzt. Der Ken Jebsen ist ein paar Mal ausgerutscht (lacht schmutzig) Klar, dass kann man ihm vorwerfen. Aber das heißt nicht, dass alles, was er sagt, vergiftet ist…“ Ist das dieser neue Journalismus, bei dem man so ganz locker flockig über Antisemitismus plaudert? Für solche tiefgehenden Gespräche zahlt man natürlich gerne 60 Euro pro Jahr…

  25. Ist das also nur ein weiterer Ausdruck einer Jung&Naiv-Phobie? Sorry für die direkte Frage. Leider kann ich auf den eigentlichen Kommentar von Marc nicht antworten… (5. Januar 2015 um 15:27)

    • Ich kannte das Format vorher nicht. Nur war mir das mit der Recherchearmut bei den Interviews von Anfang an bei den Gesprächen in Israel und Palästina aufgefallen. Und bei dem Thema wäre es doch mal angebracht einiges auszuleuchten, finde ich.

      Da hatte ich echte Hoffnungen auf KR gesetzt. Unabhängig von Anzeigenkunden, frei von Klickzahlen. Da wäre meiner Meinung nach die Gelegenheit für Tiefgang. Aber J&n darf oberflächlich bleiben? Nein, finde ich, nicht bei den Themen, die da angepackt werden.

      • Herr Wickel, dass Tilo sehr verschiedene Stimmen aus den Nahen Osten zu Wort kommen lassen kann, in der ganzen ungefilterten Länge, die uns zeigt, das hier ganz normale Menschen ziemlich verrückte Idee haben können, ist ziemlich tiefgründig. In der Gesamtschau vermitteln diese Interviews ein sehr gutes Bild, das du so nirgendwo findest.

        Haben Sie die Interviews alle geschaut?

        Im Übrigen verstehe ich nicht, warum sie allen Krautreportern in diesem Blogpost Recherchearmut vorwerfen, also sagen, dass 125 Texte nicht gut recherchiert wären, wenn es Ihnen eigentlich nur darum geht, dass bei 19 Beiträgen Interviews mit zusätzlichen Fakten angereichert werden sollen (was ich für durchaus diskutabel halte). Warum machen Sie das?

        Andere konkrete Beispiele für unsere „schlechte Recherche“ bleiben Sie ja schuldig.

      • Jetzt wird mir aber was in den Mund gelegt. „Alle“ habe ich nicht geschrieben. Ich schreibe: „Meine Meinung: Schlechte Recherche bei zu vielen Texten.“ Und weiter unten werde ich dann konkret und benanne ganz klar „Jung & naiv“. Und mit 19 Beiträgen (und gerade zu Israel und Palästina) sind mir das „zu viele Texte“.

        Ok, im ‚Auszug‘ steht: „Für mich größtenteils langweilig (Geschmackssache) und schlecht recherchiert (handwerkliches Problem).“ Was gemeint ist, ergibt sich dann aber aus dem ganzen Blogartikel.

        Und zu: „Warum machen Sie das?“ Wie wäre es einfach mal meinen Blogeintrag als „Kundenkritik“ zu nehmen (MOtto: A Customer is the most important person ever in this office — in person or by mail.)? Und nicht moralische Nebelkerzen zünden mit Fragen wie eben „Warum machen Sie das?“

      • So ist das mit den Geschmäckern. Ich finde es schön, diese ungefilterten Meinungen zu haben. So kann ich mir meine eigene Meinung bilden, muss dazu aber auch die verschiedenen komplette Gaza-Serie (als Beispiel) schauen. Dann habe ich ungeschönte Meinungen, und kann für mich, auch mit eigener weiterer Recherche, meinen Standort bestimmen. Ist doch OK.

        Aber noch was zum Kommentar von Rico, weil es auch sein Projekt direkt betrifft: Ich bin von Anfang an bei der Raketen-AG dabei, und dort recherchieren wir uns seit 6, 7 Wochen die Finger wund. Was soll ich sagen: das Versprechen des mit-Einbindens wurde gehalten, die Geschichte macht Spaß, das Thema eine erstaunliche Tiefe und Breite, und die geschichtlichen Verwicklungen rund um einen Raketenbauer sind absolut erstaunlich…also nicht so voreilig mit dem verallgemeinern

      • Die ungefilterten Meinungen bleiben doch erhalten, wenn Tilo Jung in den Randbemerkungen (bei den KR am rechten Rand) dann zeigt, ob eine Behauptung richtig oder falsch ist.

        Ich habe auch nicht von „gar keiner Recherche“ oder „alle“ geschrieben, sondern „Meine Meinung: Schlechte Recherche bei zu vielen Texten.“ Das klingt jetzt kleinlich, aber das ist nunmal nicht „alle“. Und später im Text geht es mir auch klar um „J&n“.

      • Die ersten 3 oder 4 Absätze beziehen sich nur auf „Krautreporter“, Jung & Naiv kommt da gar nicht drin vor. Ich empfinde das dann schon als Verallgemeinerung.

        Aber einmal mehr: Ist der Artikel nun eine „Abrechnung“ mit den KR, oder eine „Abrechnung“ mit J&N?

  26. Gibt es auf dieser Welt Interviewsendungen mit Faktencheck? Seriously. Die Forderung ist so hanebüchen.

    Und nun komme mir keiner mit Talkshows wie „Hart Aber Fair“.

    • Die Krautreporter haben doch selber einen Faktencheck angekündigt. Das habe ich nunmal auf alle Inhalte bezogen. Und warum sollte man das nicht mal einführen? „Hart aber fair“ macht es. (Und nein, ich mache nicht das rhetorische Manöver mit, das genau den Beweis für einen existierenden Faktencheck geschickt ausschließt.)

    • Gibt es auf dieser Welt Interviewsendungen in denen der Interviewte unwidersprochen sagen darf, was er will?

      Abgesehen von der Frage, wie sinnvoll ein Faktencheck ist, hat man bei politischen Interviews in der Regel doch entweder mehrere Gesprächspartner, die streiten sollen, oder einen informierten Gastgeber, der widersprechen kann.
      Bei j&n gehört das ja absichtlich nicht zum Konzept. Jetzt kann man sagen „das, was der Gesprächspartner sagt, steht für sich“ oder man kommentiert es. Letzteres wäre doch auf jeden Fall informativer; zumindest bei klar belegbaren Aussagen.

      Ich hab mit dem Format kein Problem, mir ist es häufig zu trivial wenn man die Person schon kennt, weshalb es sich etwas in die Länge zieht. In Bezug auf KR finde ich jedoch in erster Linie die Gewichtung kritikwürdig. 19 mal j&n – und dann erst mal nix? D.h. bei Bezahlung nach Beiträgen finanziere ich zu ~ 15% j&n? Ne, lass mal.

  27. Die Dominanz von Tilo Jung auf Krautreporter ist unverkennbar. Mein Eindruck ist, dass dort alles verwurstet wird, was Tilo produziert. Hauptsache content. Eine Linie kann ich nicht erkennen. Vielleicht sollten sich die Krautreporter mal überlegen, sich ausgewogener (in Bezug auf die Autoren) aufzustellen. Wenn jeder beim Begriff „Krautreporter“ zuerst an den naiven Journalismus a la Tilo Jung denkt, schadet das bestimmt irgendwann der Marke.

  28. 100% Zustimmung zu diesem Artikel. Anfang Dezember (ich glaube es war der 5. Dezember) hatte ich unter eine „Morgenpost“ einen ähnlichen Kommentar geschrieben. Aus irgendeinem Grund (ich kenne ihn nicht, vielleicht ein technisches Problem?) ist der Artikel nicht mehr abrufbar. Okay, meine Kritik war zum Teil harsch, aber in jedem Detail fair. Ich weiß nicht, warum der Artikel samt Kommentar für mich nicht mehr aufzufinden ist. Egal.

    Ich beklage ebenfalls einen Mangel an Recherche. Es kann nicht sein, dass dieses Portal lediglich ein „buntes Allerlei“ liefert, eher erinnert es mich noch an das Feuilleton der „taz“. Die taz-Kultur ist absolut okay, aber nichts Neues. Es gibt sie schon.

    Ich finde, die KR-Autoren müssen mehr Mut beweisen, Mut von dieser Idee finanziell abhängig zu sein. Sie müssen reinbuttern, Energie und Mühe in einem Ausmaß, der selbstverständlich unproportional hoch ist gemessen an der Fundingsumme. Das ist immer so in der Startphase. Man soll die Menschen gut bezahlen, aber das Produkt muss richtig gut sein.

    Die Inhalte sollten erkennen lassen, dass hier finanzielle Unabhängigkeit auch gelebt wird. Dass Geschichten geschrieben werden, die gerade nicht auf Anzeigenkunden angewiesen sind. Sondern geschrieben werden, weil man deren Geld nicht braucht und auch künftig nicht will.

    Das kann ich bislang nicht erkennen, sorry; leider auch mit Wohlwollen nicht mal ansatzweise. Ich will nicht nur Schöngeschriebenes und Ausführliches, ich will Recherche. Ich will irgendwo lesen oder hören: „Wie das Online-Magazin ‚Krautreporter‘ berichtet, ….“

    Ich will Relevanz und dass dieses Projekt eine echte Zukunft hat. Die Kritik sollte dem Projekt helfen und eine Warnung sein.

    • Dem unteren Absatz schließ ich mich mal an. Die Relevanz geht dem Projekt bis dato völlig ab. Inzwischen quält man sich so auf die Krautreporter-Seite und findet zu meist liebliche bis belanglos gut geschriebene Artikel über …Dinge. In der Übersicht suppen Artikellisten vor sich hin und das einzige Ordnungsprinzip heißt bis dato Tilo. Sorry, sicherlich etwas überspitzt, aber seit dem Start im Oktober ist dieser Blogeintrag quasi das erste Mal, dass die Krautreporter relevant bei Google News auftauchen. Auch kein Knockout-Kriterium, aber über die Reportagen, die den Onlinejournalismus retten, hat niemand geschrieben.

  29. Hach ich bin so zwiegespalten bei Krautreporter. Da wäre zum einen die interessante Website, die einem nach längerer Benutzung einfach nur nervt. Vor allem wenn man mal ein eher langsameres Netz am Start hat. Oder die Seite Mobil benutzt. Frickelig.

    Zum anderen sind da eben diejenigen Autoren die *viel* auf KR publizieren. Ist ja eine Person dabei die für mich uninteressante Texte schreibt, geht mir viel Content flöten so das ich teilweise gerade mal ein oder zwei für mich interessante Texte bekomme.

    Dann wäre da eben noch, dass die Versprechungen so wahnsinnig von den Machern gepusht wurden. Sehr viel tiefergehende Reportagen. Viel mehr Einblick in die Recherche. Originalrecherchematerial. Und, und, und. Bis dato ist das einzig wirklich für mich sehr interessante Projekt das von Nico Grimm mit der Raketen AG. Ehrlich gesagt habe ich mir so das KR Projekt insgesamt vorgestellt. Also nicht jedesmal in genau dieser Form, aber eben in der Besonderheit.

    Klar, die KR’s haben jetzt erst mal noch neun Monate und die sollte man ihnen auch gewähren, wenn es aber so weiter geht wie bislang glaube ich ehrlich gesagt nicht an ihren Erfolg über die nächsten Jahre – im Gegenteil.

    Meine Wünsche wären daher: Mehr Artikel von verschiedenen Journalisten, die User mehr einbeziehen bzw mehr Dokumente der Recherche o.ä. reinzupacken, unbedingt die Website nochmal anfassen und das Ding einzig und alleine auf einfache und schnelle Lesbarkeit trimmen und nicht auf Design.

  30. Ich weiss nicht, in welchem Tempo die hier schreibenden JounalistInnen sonst arbeiten, aber ich finde 125 Artikel in 3 Monaten nicht schlecht. Es handelt sich ja nicht um Anpassung von PIs oder Kurzberichte von Vereinstreffen. Und allein die Morgenpost ist die 5 Euro im Monat mehr als wert. Mir jedenfalls. Aber ich zahle auch mehr als den KR Jahrespreis für meine Tageszeitung. Im Monat.

    • DIe Anzahl der Artikel ist war eigentlich nicht mein Problem, die 12,5 Artikel pro Woche rechnete ich eher so nebenbei aus.

      DIe habe ich auch eher zufällig gezählt, weil ich das Magazin noch immer langweilig fand und dachte, dass ich vielleicht einige Artikel übersehen hätte. Also guckte ich dank freier Tage zu Jahreswechsel und zählte schließlich nach, weil mir das Dutzend Kollegen, die als Autoren genannt sind, mit Null Artikeln dann doch auffiel.

      Und da wurde mein Gefühl bestätigt, was mich an KR stört. 19x „Jung & naiv“, das Format, bei dem ich von Anfang an, den (in meiner Erwartung) nicht erfüllten Faktencheck vermisste. Das waren und sind mir zu viele solche Artikel, daraufhin entstand der Blogeintrag. (Auf meine Anmerkungen zum Faktencheck war – vermutlich – bei KR nie groß reagiert worden – aber ich habe da auch nicht laufend geguckt, dazu ist mir die Seite zu sperrig designt, um drauf rumsurfen.)

  31. Interessant ist doch, dass die Krautreporter Geld gesammelt haben, um besser, tiefer und sorgfältiger Recherieren zu können. Das Ziel sollte sein, informiertere Stücke zu schaffen. Aber gerade das Gegenteil findet dort zur Zeit statt. Der Autor, der den meisten Platz einnimmt, ist Tilo Jung. Mit einem Format, das genau das Gegenteil von tiefer Recherche macht: naiv und z.T. ohne Kritik nachfragen. Der Interviewer zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er uninformiert und naiv ins Gespräch geht. Dass dies das erfolgreichste KR-Format derzeit ist, ist dabei schon einwenig ironisch… Die Krautreporter haben aber 2015 die Chance, an ihrem Produkt weiter zu arbeiten und ihre Versprechen zu erfüllen. Geben wir ihnen die Zeit.

  32. Junge, junge für einen Journalisten viel heisse Luft. Da wird vier mal erwähnt dass die Texte langweilig wären, davon abgesehen, dass dies eine erstmal subjektive Aussage ist, die aber nicht mal unterfüttert wird. Dann wird aufgezählt wer wie oft veröffentlichte. Mit welchem Ziel?
    Komplett dämlich wird es mit dem Hinweis, dass die KR-Party in Berlin stattfand, was ja nicht sehr zentral liegt und natürlich das deutsche Totschlagargument: Ich bin Kunde, ich darf motzen und ich will sofort wie ich das gerne hätte.
    Much ado about nothing. Dass Turi und die Medien-Bild (Meedia) drauf anspringen verwundert nicht, sollte aber einem seriösen Journalisten zu denken geben.

    • Junge, junge für einen Journalisten viel heisse Luft.

      Pst, das machen wir doch immer so. Aber nicht weitersagen. Die Kollegen bei SpOn oder der HuffPo würden ja arbeitslos, wenn das rauskommt.

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  36. ich habe krautreporter nicht finanziell unterstützt, da ich ungern die katze im sack kaufe. bisher hauen mich weder die website noch die artikel wirklich vom hocker, auch wenn einige interessante themen schon dabei waren. die erwartungshaltung, die vom projekt geschürt wurden, sind aber höher angesetzt. natürlich – das kann alles noch werden und vll. lasse ich mich noch überzeugen, es finanziell zu unterstützen.
    ein beispiel, wie ich mir das eher vorgestellt habe in den punkten recherche, information und aufbereitung, wäre http://www.einundleipzig.de -> vielleicht mal als inspiration, wie journalismus auch aussehen kann und wie auch nutzer eingebunden werden können. das projekt ist von mehreren seiten gefördert, aber ich glaub man kann sehen, worauf ich hinaus will im vergleich zu krautreporter.

  37. Tun wir hier nicht genau das, was wir den konventionellen Verlagshäusern in der Zeitungskrise vorwerfen? Wir analysieren quantitativ, identifizieren die Kollegen, die offenbar weniger leistungsstark oder leistungswillig waren, und erhöhen damit den Druck auf sie…

    Ich habe die Krautreporter so verstanden, dass sie völlig unabhängig von finanziellen und zeitlichen Vorgaben recherchieren sollen. Möglicherweise laufen ja seit Monaten schwierigste Recherchen; möglicherweise haben sich etliche Mühen bereits als fruchtlos erwiesen… ich weiß es nicht und will es auch gar nicht wissen, da mich nur die fertigen Texte interessieren. (Ich arbeite in der Reportagen-Redaktion einer Regionalzeitung und weiß, wie häufig insbesondere investigative Recherchen ins Leere laufen – unbemerkt von den Kollegen und erst recht vom Leser.)

    Will sagen: Ja, auch ich hätte mir von den Krautreportern mehr aufwendige Recherche-Stücke von hoher Relevanz gewünscht – aber ich bleibe geduldig. (Dass derjenige Krautreporter mit dem geringsten Recherche-Aufwand den bislang größten Output hat, ist wenig überraschend. Ob solche Stücke zu den Ankündigungen der Krautreporter passen, das darf natürlich diskutiert werden.)

    • Ja, vielleicht. Aber die KR haben es selber forciert, finde ich. Wenn die die Reporter mit 500 Euro pro Artikel bezahlen, dann setzt das andere Anreize, als wenn es eine Monatspauschale (kennen Angestellte auch als Gehalt ;-) ) gibt.

      Mit Pauschale kann man natürlich auch die Füße hochlegen und dem Chefredakteur eine lange Nase drehen (und ist dann raus), aber man kann auch mal einen Monat lang gründlich recherchieren ohne am Ende so tun müssen als ob und irgendwas abliefern zu müssen. Bei Honorar pro Artikel (was in der Höhe durchaus berechtigt ist, wenn man sich mal Stundensätze woanders anschaut) ist meiner Meinung nach aber die Versuchung da eher Masse statt Klasse abzuliefern (und solange es die Chefredaktion kauft …)

    • „Wir analysieren quantitativ, identifizieren die Kollegen, die offenbar weniger leistungsstark oder leistungswillig waren, und erhöhen damit den Druck auf sie…“

      Der Vergleich hinkt doch aber gewaltig. Es ist doch in diesem Fall andersrum: Eine Gruppe von Recherchen bittet um Geld für ihre Arbeit; die Crowd zahlt – und bekommt die versprochene Leistung nicht. Wenn hier irgendwo „Druck“ herrscht, dann haben sie sich dem freiwillig und gerne unterworfen. Ich mein, was ist das denn für ein Verständnis? Geld sammeln, und wenn nach drei Monaten (!) Bilanz gezogen wird und die Gegenleistung eingefordert wird von Druck sprechen? Ich glaube (und hoffe), dass das kein KR so sieht.

      Abgesehen davon: Niggemeier, Gutjahr, Wiegold und Weinreich, die hier öfter angesprochen wurden, sind doch weder als leistungsschwach noch als leistungsunwillig bekannt, oder? Der eine hat gerade ein Buch geschrieben bzw. schreibt an einem neuen, der andere schreibt im Blog und in Zeitungen, der nächste dies und das… Die Frage ist doch: Warum beteiligen sie sich freiwillig bei KR und nutzen diese Chance dann nicht?

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  40. Ich stimme dem Artikel zwar nicht 100%ig zu, aber finde ihn gut.

    Mein Eindruck von manchen der hier hinterlassenen Kommentaren, die gegen den Autor Marc schiessen, übersehen glaube ich etwas wesentliches. Ihm liegt etwas an dem Projekt Krautreporter, denn sonst hätte ersich die Arbeit nicht gemacht.

    Jeder Kunde der sich die Zeit für eine ausführliche, konkrete und in Teilen sogar konstruktive Kritik (auch bei anderen Diensten oder Produkten) nimmt, sollte sehr ernst genommen werden und man sollte dem Kunden in erster Linie dankbar sein, dass er sich die Zeit nimmt.
    Denn im Gegensatz zu Anderen, die nur stille Kritik üben, indem sie nicht mehr kaufen, ist er noch nicht verloren und hat weiteres Interesse und er spricht vielleicht auch das aus, was manche der schweigenden Kunden denken.
    Deshalb sollte so jemand auf gar keinen Fall negativ angegangen werden und auch nicht in eine Argumentation zu seinen Thesen gezwungen werden. Auf seine Kritik ernsthaft eingehen sollte man hingegen natürlich schon.

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