Es gab auch einen Grenzstein zu sehen

Ein Obelisk, Alphornbläser, Kanunklänge und Rentierschinken in einem FFH-Schutzgebiet. Der städtische Grenzgang führte Samstag durch den Kranichsteiner Wald nordöstlich des Jagdschlosses, weil Kranichstein vor genau 450 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Zu Zeiten Ludwigs VIII. (1691-1768) konnte man Kranichstein sogar als hessische Hauptstadt sehen. Der „Jagdlandgraf“ hatte seine Hauptresidenz ins Jagdschloss verlegt. Er ließ auch das Rondell ans Schloss anbauen, das ein Zentrum eines barocken Schneisensterns ist – zum bequemen Schießen vom Schloss aus.

Nebenbei verbot er Kaffeetrinken (außer für Bürger mit „Ansehen und Vermögen“) und bestrafte Bauern, die sich dagegen wehrten, dass das Wild ihre Felder verwüstete. Und nur die Freundschaft zur Kaiserin Maria-Theresia hatte verhindert, dass Hessen-Darmstadt wegen seiner Schulden in den Bankrott ging.

Grenzgang 14.6.2014 01 800x

Grenzgang Wildäsungsfläche 14.6.2014 800x

Grenzgangglas 14.6.2014 01 800x

Grenzstein Ernst Ludwig 14.6.2014 800x

Hartigdenkmal 14.6.2014 01 800x

Jagdschirm 14.6.2014 01 800x

Grenzgang 14.6.2014 02 800x

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4 Gedanken zu “Es gab auch einen Grenzstein zu sehen

  1. „weil Kranichstein vor genau 450 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde.“

    Echt? Die verkaufen das als Ersterwähnung? Kuriose Ansicht. Geringfügige Namensvariationen sieht man normalerweise nicht als eigenständige Ersterwähnung eines Ortes an. Vorher hieß das Ding halt Kranichsrod, das war aber derselbe Ort. Aber egal, Hauptsache man hat jedes Jahr irgendein Jubiläum zu feiern. Arheilgen hat ja vor 3 Jahren auch 1175 Jahre Ersterwähnung gefeiert, war das Winden der Ortshistoriker schön, warum man das Feiern kann, obwohl man weiß, dass das eine Falschdatierung ist ;-).

    • Ich wunderte mich gestern beim Schreiben auch, aber vor fünf Jahren war auch schon in dieser Linie das 445. Jahr der Ersterwähnung gefeiert worden. Vielleicht passt es einfach schön zu 1969 weil man zu dem Zeitpunkt Ernst May und seine Hochhäuser verorten kann. (Planung und Bau lässt ja ein weites Fenster).

      (Natürlich war der obige geschichtliche Exkurs auf Deine Anregung hin entstanden, schaffte es aber nichts in den Druck.)

      • Also, 445 ist ja ein völlig abstruses Jubiläum, da hätte man dieses Jahr auch die echte Ersterwähnung nehmen können, das wären ja immerhin 615 Jahre.

        (Natürlich war der obige geschichtliche Exkurs auf Deine Anregung hin entstanden, schaffte es aber nichts in den Druck.)

        Natürlich nicht, wo kämen wir denn da hin, wenn durchschimmern könnte, dass die Landgrafen nicht alle so supi waren. Denk nur an die Katastrophe für die touristische Vermarktung des Jagdschlosses! Ich hab so was mal in Schottland erlebt, in Dunrobin Castle, ein fürchterliches Märchenschloss in einem Küstenstädtchen in den Highlands. Da hat man für teures Geld erzählt bekommen, wie toll doch die ehemaligen Schlossbesitzer waren. Keinerlei kritische Passagen, ein bisschen wie bei uns im Schlossmuseum, nur viel größer. Im nächsten Dorf gab’s dann aber ein Heritagecenter, wo die Ortsgeschichte etwas anders erzählt wurde, vor allem dass die Schlossherrn die Hauptverantwortlichen für die Highland Clearances waren, also die Enteignungen und Zwangsumsiedlungen sowie die Zerstörung der gälischen Kultur im 19 Jhd. Im Schloss wurde das als „Verbesserung der Infrastruktur“ bezeichnet. ;-)

        Der Punkt ist, die Leute da in Schottland haben wenigstens noch diese alternative Geschichtsschreibung, wir haben nur die adlige Seite in Kranichstein, im Schlossmuseum, etc. Kritische Geschichte hat im Stadtmarketing offenbar keinen Platz.

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