Copy & Paste bitte vollständig

Ich kann ja verstehen, dass Vereine ganze Pressartikel über ihre Veranstaltungen auf ihre Websites kopieren (und nicht dafür bezahlen, weil sie das Geld bei Honorarforderungen es nicht hätten und dann eben nicht tun würden.)

Nur – um das beliebte Argument für freches Kopieren im Internet aufzugreifen – ist das selten „Werbung“ für Schreiber wie mich, weil das Autorenkürzel dann doch meistens weggelassen wird.

Nur bin ich da so eitel und fände es ganz gut und fair, dass dann auch mein Name – wenn schon denn schon – und nicht nur das Kürzel dabeisteht. Weil das eh keiner aus den Kollegen kennt.

Warum die einen „immer“ in der Zeitung stehen und andere „nie“

Manche Gruppen oder Experten fragen sich, warum sie so selten in den Medien vorkommen? Ich erklär‘ das mal an einem praktischen Beispiel. Am Dienstag war „Safer Internet Day“.

Etwas spontan plante ich, den lokalen Ableger eines Computerclubs zu fragen, wie er das sieht, und was aus seiner Sicht das Internet sicherer machen könnte.

Mangels bisherigen Kontakten suchte und fand ich dann eine Internetseite. Mit Telefonnummer und E-Mail. Am Telefon war nur der AB und eine Antwort auf meine Mail kam nicht. Während ich meinen (für meinen eigenen Anspruch etwas dünnen) Text zum „Safer Internet Day“ dann ohne weitere Meinung eines ehrenamtlichen Experten schrieb und überlegt, wie ich die noch erreichen könnte, wurde ich nach Arheilgen geschickt. Da lägen tote Igel auf einer Brache, die gemäht und gerodet worden war.

Etwas sehr spontan plante ich, den lokalen Ableger eines Naturschutzclubs zu fragen, wie er das sieht, und was aus seiner Sicht das Leben für die Igel sicherer machen könnte.

Mangels bisherigen Kontakten suchte und fand ich dann eine Internetseite. Mit Handy- und Festnetznummer und E-Mail. Am Telefon war sofort die lokale ehrenamtlich arbeitende Expertin dran, ich musste keine E-Mail mehr schreiben und konnte raus vor Ort fahren und mir einen Eindruck verschaffen.

Und deswegen stand (wie so oft) – diesmal am Mittwoch – der BUND im Lokalteil und der CCC eben nicht. Und auf eine E-Mail-Reaktion warte ich immer noch.

„Niemand wird jemals einen Streit mit einem Kunden gewinnen“ – eine richtige aber keine Weisheit aus dem 12. Jahrhundert

Neulich hörte ich auf einem Termin („Das kann das Internet nicht“ – Stärken des Einzelhandels) das Zitat

„Ein Kunde ist die jeweils wichtigste Person in dem Betrieb. Er ist nicht von uns abhängig, sondern wir von ihm. Er bedeutet keine Unterbrechung in unserer Arbeit, sondern ist ihr Inhalt. Er ist kein Außenseiter unseres Geschäfts, er ist ein Teil von ihm. Er ist niemand, mit dem man sich streitet. Denn niemand wird jemals einen Streit mit einem Kunden gewinnen. Ein Kunde ist eine Person, die uns ihre Wünsche mitteilt. Unsere Aufgabe ist es, diese zu seiner Zufriedenheit auszuführen.“

Angeblich stammt es aus dem 12. Jahrhundert von einem Hans-Heinrich Path aus dem Kloster Eismar.

Da ich nicht das ganze Zitat notierte, guckte ich zuhause nochmal ins Internet. Und entdeckte im Blog des Beraters Heiko Stein, dass es weder ein Kloster Eismar gab, noch einen Hans-Heinrich Path, jedenfalls nicht im 12. Jahrhundert. Wenn dann war es das Kloster Cismar und Hans-Heinrich Path lebte dort im 20. Jahrhundert. Er war Buchautor, sammelte Sinnsprüche und druckte sie in Fraktur. Eine Schrift in der ein „C“ auch mal mit einem „E“ verwechselt werden kann. Was das „Kloster Eismar“ erklären würde.

Und dann gibt es von dem Zitat noch eine englische Version, die das Blog „Quote Investigator“ untersuchte.

A customer is the most important visitor on our premises. He is not dependent on us. We are dependent on him. He is not an interruption in our work. He is the purpose of it. He is not an outsider in our business. He is part of it. We are not doing him a favor by serving him. He is doing us a favor by giving us an opportunity to do so.

„Quote Investigator“ führt das Zitat auf das Jahr 1941 und einen Automobilmanager zurück, Kenneth B. Elliott, Vizepräsident des damaligen Autoherstellers Studebaker. Er sagte es 1941 in einem Interview mit der Zeitschrift „Printers’ Ink: A Journal for Advertisers“.

Macht aber nichts, denn dass der Kunde immer recht hat ist nunmal richtig. Natürlich kann man ihm auch sagen, dass er nicht recht hat, nur dann muss man sich überlegen, ob man den Kunden noch will und man auf ihn verzichten kann.

Der Bundesgerichtshof zum Sponsoring redaktioneller Presseveröffentlichungen

(PM Bundesgerichtshof) Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden, dass ein Presseunternehmen einen von einem Unternehmen bezahlten redaktionellen Beitrag in einer Zeitung deutlich mit dem Begriff „Anzeige“ kennzeichnen muss.

Die Klägerin gibt das „Stuttgarter Wochenblatt“ heraus. Die Beklagte ist Verlegerin des kostenlosen Anzeigenblatts „GOOD NEWS“. Sie veröffentlichte in der Ausgabe Juni 2009 zwei Beiträge, für die sie von Sponsoren ein Entgelt erhalten hatte. Das hatte die Beklagte mit dem Hinweis „sponsored by“ und der graphisch hervorgehobenen Angabe des werbenden Unternehmens kenntlich gemacht.

Die Klägerin ist der Auffassung, dieses Verhalten verstoße gegen § 4 Nr. 11 UWG in Verbindung mit § 10 Landespressegesetz Baden-Württemberg (LPresseG BW)*, weil die Veröffentlichungen nicht hinreichend als Anzeige gekennzeichnet seien. Sie hat die Beklagte deshalb auf Unterlassung in Anspruch genommen.

Das Landgericht hat die Beklagte antragsgemäß verurteilt. Die dagegen gerichtete Berufung ist ohne Erfolg geblieben. Der Bundesgerichtshof hat dem Gerichtshof der Europäischen Union die Frage vorgelegt, ob die Vorschrift des § 10 LPresseG BW, die neben dem Verbraucherschutz auch dem Schutz der Unabhängigkeit der Presse dient und zum Teil strengere Anforderungen an die Kenntlichmachung redaktioneller Werbung stellt als die Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken, im Einklang mit dieser Richtlinie steht. Der Gerichtshof der Europäischen Union hat hierzu entschieden, dass für die vorliegende Fallkonstellation der Anwendungsbereich der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken nicht eröffnet ist.

Der Bundesgerichtshof hat die Revision der Beklagten zurückgewiesen und damit das von den Vorinstanzen ausgesprochene Verbot bestätigt. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hatte die Beklagte für die Veröffentlichung der beiden redaktionell aufgemachten Beiträge ein Entgelt erhalten. § 10 LPresseG BW erfordert nicht, dass das Entgelt für einen bestimmten Inhalt der Veröffentlichung oder für einen im Vorhinein festgelegten Artikel bezahlt wurde. Es kommt nur darauf an, dass der Verleger eines periodischen Druckwerks für eine Veröffentlichung ein Entgelt erhalten hat.

Das strikte Gebot der Kenntlichmachung von Anzeigen wird verletzt, wenn der präzise Begriff der „Anzeige“ vermieden und stattdessen ein unscharfer Begriff gewählt wird. Die Kennzeichnung der Beiträge mit den Wörtern „sponsored by“ reichte daher zur Verdeutlichung des Anzeigencharakters der Veröffentlichungen nicht aus.

Urteil vom 6. Februar 2014 I ZR 2/11 GOOD NEWS II
LG Stuttgart – Urteil vom 27. Mai 2010 35 O 80/09 KfH
OLG Stuttgart – Urteil vom 15. Dezember 2010 4 U 112/10
BGH, Beschluss vom 19. Juli 2012 I ZR 2/11, GRUR 2012, 1056 = WRP 2012, 1219 GOOD NEWS I
EuGH, Urteil vom 17. Oktober 2013 C 391/12, GRUR 2013, 1245 = WRP 2013, 1575

* § 10 LPresseG BW lautet:
Hat der Verleger eines periodischen Druckwerks oder der Verantwortliche (§ 8 Abs. 2 Satz 4) für eine Veröffentlichung ein Entgelt erhalten, gefordert oder sich versprechen lassen, so hat er diese Veröffentlichung, soweit sie nicht schon durch Anordnung und Gestaltung allgemein als Anzeige zu erkennen ist, deutlich mit dem Wort „Anzeige“ zu bezeichnen.