Der Neue Politikstil war Freitag auf dem Messplatz

Der Zirkus Charles Knie am Sonntag (28.) auf dem Darmstädter Messplatz. Im "Hintergrund" steht das Hundertwasserhaus. (Das Foto ist horizontal gespiegelt.)

Der Zirkus Charles Knie am Sonntag (28.) auf dem Darmstädter Messplatz. Im „Hintergrund“ steht das Hundertwasserhaus. (Das Foto ist horizontal gespiegelt.)


Am 11. Oktober schränkte das Darmstädter Stadtparlament mit breiter Mehrheit Zirkusauftritte ein. Dem entscheidenenen dritten Absatz aus dem Vorschlag der grün-schwarzen Koalition stimmten CDU, Grüne, Linke. Piraten und Uffbasse zu, dagegen waren FDP, SPD und UWIGA.
Aus dem Antrag:

3. Das Mitführen und der Auftritt von Affen, Elefanten, Bären, Großkatzen, Flusspferden, Giraffen, Robben und robbenartigen Tieren, Tümmlern, Delfinen, Greifvögeln, Flamingos, Pinguinen, Nashörnern, Wölfen, Alligatoren, Krokodilen, Antilopen u. Antilopenartigen Tieren, Amphibien, Riesenschlangen, Lamas, Vikunjas und Straußenvögeln sowie vergleichbaren exotischen Tieren auf dem Pachtgelände ist ausgeschlossen, da diese Tierarten in Zirkusbetrieben nicht entsprechend den gesetzlichen Anforderungen zu halten sind. Der Pächter erkennt diesen Ausschluss für sein Unternehmen und den Aufenthalt in Darmstadt ausdrücklich an.

Und aus der Begründung:

Tiere gehören nicht in den Zirkus. Das Dressieren, Transportieren und Vorführen von Tieren entspricht nicht ihren natürlichen Lebensbedingungen.

Ok. Sowas kann man natürlich beschließen, im Grünen-Wahlprogramm steht zwar nichts von „Zirkusse raus aus Darmstadt“, aber was von artgerechter Tierhaltung. Na gut. Und dass man das Vivarium davon nicht betroffen sieht, meinetwegen. Konsequenz sieht zwar anders aus, aber Politik ist auch die Kunst des Möglichen und Mehrheiten zu organisieren.

Jedoch, unabhängig vom Beschluss bestimmte Wildtierauftritte in Darmstadt nicht mehr zuzulassen, zeigt Grün-Schwarz was zum Neuen Politikstil auch dazugehört. Bislang war dies: Vorschläge ablehnen, obwohl man es selber will (Arheilger Mühlchen und Amerikanisches Theater), Änderungen zur Tagesordnung nicht zuzulassen, weil das Thema unangenehm ist, Solidarität mit der Stadtregierung wenn die nicht weiter kommt, die HSE nicht mehr zu kritisieren, SPD-Ausschussvorsitzende absägen sowie die Opposition bei der Gremienbesetzung ausbooten wollen.

Neu ist, nicht zu kommen, wenn ein von ihren Beschlüssen Betroffener das Gespräch sucht. Denn für vergangenen Freitag (26.) hatte der Zirkus Charles Knie auf den Messplatz eingeladen sich das bei ihm mal anzugucken.

Echo online: Vom Für und Wider des Tiers im Zirkus – „Die Urheber des Antrags, Grüne und CDU, glänzten durch Abwesenheit. Befürworter von Uffbasse und den Piraten und Gegner von SPD, FDP und Uwiga diskutierten mit den Zirkusleuten.“

Von den 51 Koalitionsstadtverordneten war keiner da, auch keiner von den 5 hauptamtlichen Dezernenten und auch keiner von den 7 ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern der Koalition.

Und es erzählt mir keiner, von 63 Menschen habe keiner Zeit gehabt.

9 Gedanken zu “Der Neue Politikstil war Freitag auf dem Messplatz

  1. Kommentar auf Echo-online zur Zeitfrage:
    Freitag morgens 11h | Von: sabinecrook | 27.10.2012, 16:31 Uhr: Schon mal daran gedacht, dass zu solch einer Uhrzeit normale Bürger, ja zu solchen zählen auch ehrenamtliche Stadtverordnete, in der Regel ihrem Beruf nachgehen? Schön wenn Herr Schmidt (68) als Rentner, und Herr Klett (62) dafür Zeit haben.

    Anmerkung vom herumschlenderten Fast-Schon-Rentner:
    Ist der Kommentar nur frech oder anmaßend, vielleicht gar diskriminierend?
    Tja, Frau Stadtverordnete Crook – ich habe mir die Zeit dafür genommen. Eine Bau-Besprechung in FFM vorzeitig verlassen, um mir das anzusehen und anzuhören, weil ich´s wichtig und schlicht anständig gegenüber den vom Beschluss Betroffenen fand!

    • Sabine Crook schreibt ja viel in Echo Kommentaren oder auf den Facebook-Seiten vom Echo. Meiner Meinung nach sollte sie öfter mal vorher drüber nachdenken, was sie da eigentlich schreibt, bevor sie es schreibt. Dass zufällig alle 51+12 Grün-Schwarzen keine Zeit gehabt haben, kauft wohl selbst der Dümmste nicht ab. Außerdem zieht das Argument auch kaum bei den Hauptamtlichen.

      Ich hab ja inhaltlich durchaus Sympathien für die Entscheidung von Grün-Schwarz, aber die Art und Weise geht gar nicht. Das ist, man muss es so deutlich sagen, unter aller Sau. Schon wieder! Da ist ja jetzt kein Einzelfall, sondern Teil einer ganzen Kette von solchen Fehlleistungen, dass man sich wirklich fragen muss, was da eigentlich bei denen schief läuft.

      Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umhöre – und da sind ne Menge Grünen- oder zumindest häufig Grünen-Wählende-Leute dabei -, dann hat da schon lange keiner mehr ein gutes Wort für die Darmstädter Grünen übrig und zwar nicht nur in dem üblichen Maß der Desillusion, der nach einem „Regierungsantritt“ eintritt, sondern weit darüber hinaus. So konsequent Sympathien zu verspielen, ist auch ne Leistung. Wenn sich da nicht gewaltig was ändert und zwar schnell, konsequent und für alle sichtbar, dann werden die Grünen bei der nächsten Kommunalwahl eine gewaltige Katastrophe erleben.

    • Schön, daß Sie eine Besprechung mal einfach so unterbrechen können. Ich als Krankenschwester kann meine Patienten mal nicht einfach so vertrösten “ Bleiben Sie mal 2 Stündchen so liegen, ich komm gleich wieder“.

      • Das Argument hat sicher jeder verstanden, es zu wiederholen, wird jedoch nicht dazu führen, dass es stichhaltiger wird. Ich glaube auch nicht, dass alle 63 infrage kommenden Grün-Schwarzen Krankenschwestern sind. Und wenn die Sache einem wirklich wichtig gewesen wäre, hätte man sich vielleicht mal telefonisch mit Knie in Verbindung setzen zu können, um den Termin auf einen günstigeren Zeitpunkt zu verlegen. Terminsverlegungen sind nun wirklich kein allzu gewagtes Konzept. Wenn dann von Seiten Knies gekommen wäre, dass das nicht ginge, dann hätte man immer noch sagen können, dass man dann eben keine Zeit hat.

        Außerdem ist ja niemand gezwungen, Stadtverordnete zu sein. Man oder frau sollte sich vielleicht keine Aufgaben aufbürden, für die man dann keine Zeit hat. Davon hat keiner was.

  2. Wie ich ja schon im Echo-Kommentar geschrieben habe, dieses scheinen Sie ja zu lesen, was hätten wir dort vorgefunden? Einen aufgehübschten Zirkus mit lauter glücklichen und satten Tieren. Ja und? Das ändert doch nichts an der Tatsache, dass solche exotischen Tiere nichts in Zirkus zu suchen haben, es nicht verdiehnt haben 50mal im Jahr auf LKWs verladen zu werden um dann in einem völlig nacktem Gehege bei Sauwetter rumzustehen oder in einem Minibassin im Kreis zu schwimmen.
    Stellen Sie es sich mal vor RWE hätte uns eingeladen ein AKW zu besichtigen, ja und? Ein völlig sauberes AKW mit glücklichen Angestellten hätten wir vorgefunden. Genauso wie mit dem Zirkus. Ausserdem haben wir im Vorfeld des Antrages schon sehr gründlich mit dem Thema auseinander gesetzt.
    Und was das Zeitproblem betrifft: Lassen Sie es doch bitte schon mal meine Sorge sein, wie ich meine Zeit strukturiere.

  3. Komisch, erst hieß es, es war keine Zeit dafür, jetzt war es plötzlich wieder gar nicht nötig, weil man ohnehin schon vorher alles besser weiß und die Ideologie nicht mehr mit der Realität konfrontieren braucht. Und ich schreibe niemanden vor, wie er seine Zeit strukturiert, ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass trotz stressigen Job es kein Hexenwerk gewesen wäre, einen Termin mit dem Zirkus zu vereinbaren, was ich als Bürger und Wähler von meinen Vertretern erwartet hätte. Aber wie schon früher bei der SPD ist wohl auch bei Grün-Schwarz vollkommen schnuppe, was der Bürger und Wähler so gerne hätte.

  4. Das mit den Rentnern war wirklich sehr unnötig und peinlich.
    Von dem halben Dutzend anwesenden Stadtverordneten/Magistratsmitgliedern war die Mehrzahl normale Berufstätige – während es umgekehrt bei den abwesenden schwarz/grünen Mandatsträgern genug Rentner gäbe für so einen Termin.

    Es war eine bewußte und politisch motivierte Abwesenheit, zu der sollte man dann auch stehen.

    Und wenn man dann schon nicht kommt, dann sollte man auch sich auch Unterstellungen von wegen „aufgehübschter Zirkus“ sparen.

    Man hat gesehen, wie die Verhältnisse sind, und konnte sich dann seine Gedanken machen. Oder an der (überaus kontroversen) Diskussion teilnehmen und sich informieren.

  5. Schon interessant, sich noch einmal den Antrag anzuschauen. Zum Thema mag man ja stehen, wie man will. Aber dieser Antrag ist schlicht von der Qualität her mangelhaft.

    „ist ausgeschlossen, da diese Tierarten in Zirkusbetrieben nicht entsprechend den gesetzlichen Anforderungen zu halten sind.“
    Was de facto heißt: „wird von der Stadt verboten, weil es ohnehin schon vom Gesetz verboten ist“.
    Was natürlich falsch ist. Wenn es wirklich so wäre, daß die gesetzlichen Anforderungen eine Zirkushaltung nicht zulassen würden, dann bräuchte die Stadt überhaupt keinen gesonderten Beschluß, dann könnten die bundesweit nicht mehr antreten.

    „Das Dressieren, Transportieren und Vorführen von Tieren entspricht nicht ihren natürlichen Lebensbedingungen.“
    Kann man ja glauben – aber dann wäre die Beschränkung auf die aufgeführten Wildtiere Quatsch.

    Irgendwie liest sich das, als wäre eigentlich ein komplettes Tierverbot beabsichtigt gewesen. Und dann hat man das Verbot auf die Wildtiere beschränkt, aber vergessen, die Begründung anzupassen.

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