Grüner Teppich zwischen Kuppel und Kubus – Die südliche Wilheminenstraße soll im Frühjahr 2013 Fahrradstraße werden

Die Wilheminenstraße soll 2013 zwischen Wilheminenplatz und Gothestraße (rund 700 Meter) Fahrradstraße werden. Das Foto zeigt den Blick nach Norden von der Schader-Stiftung aus.


Am Anfang stand eine Wertungstafel mit blauen Punkten am Mittwochabend (23.) in der Mensa Mornewegschule. Moderator Robert Ahrnt gab jedem der rund 50 Teilnehmer fünf blaue Klebepunkte, um vor und nach der Veranstaltung Interessen und Stimmungen zu erfahren. Rund zwei Drittel der Teilnehmer gaben an, innerhalb Darmstadts vieles oder fast alles mit dem Fahrrad zu erledigen. Daher war es keine Überraschung, dass zwei Drittel die geplante Fahrradstraße vorab schon positiv bewerteten.

Wie sich zeigte, waren überwiegend Vielradler gekommen (ich bin auch einer), die eine eigene Straße natürlich positiv finden. Egal wie kurz die Strecke ist.


Die im Auftrag der Stadt arbeitende freie Stadt- und Verkehrsplanerin Karin Weber stellte die Planung vor. Die Wilheminenstraße zwischen Wilheminenplatz (Kuppelkirche St. Ludwig) und Goethestraße (Kubus der Schader-Stiftung) soll im kommenden Frühjahr zur Fahrradstraße werden. Planungsdezernentin Brigitte Lindscheid rechnet damit, dass die Umgestaltung 40.000 Euro bis 50.000 Euro kosten wird.

„Die Planung ist noch nicht fertig“, sagte Karin Weber. Im Moment laufe die Bürgerbeteiligung und die Fachämterstimmten sich untereinander ab. Die baulichen Veränderungen der Wilheminenstraße seien für das Frühjahr 2013 geplant, sagte Weber, danach sei die Eröffnung geplant.

An ihrem Südende (Kreuzung Goethestraße) soll die Wilheminenstraße zugänglicher für Radfahrer werden. Das kurze Stück, das Goethe-und Klappacher Straße verbindet ist mit 4,70 Metern breit genug für Auto- und Radfahrer, sodass Radler dort von der Klappacher Straße aus in die Goethestraße oder Wilheminenstraße fahren können.
Die Wilheminenstraße wird dann Vorfahrtstraße mit grünen Fahrbahnmarkierungen (Weber: „Wir rollen den Radfahrern den grünen Teppich aus.“) an den Kreuzungen. An der Heinrichstraße (50.000 Fahrzeuge pro Tag) komme man aber nicht vorbei, erklärte Karin Weber. Daher bleibe dort die Ampel.

Am Wilheminenplatz und St. Ludwig soll die Radfahrstraße über die Ostseite geführt werden, da an der Westseite neben der (Georg-Büchner-Anlage) jetzt schon ein Fußgängerbereich sei, erklärte die Planerin, auch wenn zwei Dritter der Radfahrer über die Westseite fahren. Enden wird die Radstraße an der Hügelstraße, die dort aufgepflastert und barrierefrei gestaltet werden soll.

Der Wilheminenbuckel wird in Süd-Nord-Richtung (bergab) weiterhin für Radfahrer gesperrt bleiben. Die Planer wollen den Radverkehr nach dem Wilheminenplatz über die Hügelstraße, Zimmerstraße und Grafenstraße an der Innenstadt vorbeileiten. Wobei die Zimmerstraße dann auch ausgebaut werden muss. Viele Radfahrer wollten nicht in die Innenstadt, erklärte Karin Weber, dass die Fahrradstraße nicht über die Fußgängerzone Wilheminenstraße fortgesetzt werden soll. Zudem seien am Wochenende dort viele Fußgänger unterwegs.

Eine Lösung, die auch Planungsdezernentin Brigitte Lindscheid bevorzugt, da sie die „relativ klare Regelung“ am Wilheminenbuckel beibehalten will. Vorschläge der Teilnehmer zu bestimmten Tageszeiten die Durchfahrt zu erlauben oder die Fußgängerzone mit einem mittigen, farbig abgegrenzten Radfahrstreifen auszustatten, sah die Dezernentin skeptisch.

Am Ende stand eine Wertungstafel mit roten Punkten und ähnlichen Fragen. Allerdings war die Teilnehmerzahl im Lauf des Abends um die Hälfte auf 25 geschrumpft. Den Infoabend selbst fanden drei schlecht. Drei Viertel bewerteten nach der Veranstaltung die vorgestellte Fahrradstraße und die Planung dazu positiv.

Nach über zwei Stunden Veranstaltung war nur noch die Hälte der Bürger übrig. Entweder waren nur noch die Fahrradstraßenkenner übrig geblieben oder doch einige schlauer geworden. ;-)

(Dieser Artikel erschien – ohne Fotos – heute in den Bessunger Neuen Nachrichten.)

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5 Gedanken zu “Grüner Teppich zwischen Kuppel und Kubus – Die südliche Wilheminenstraße soll im Frühjahr 2013 Fahrradstraße werden

  1. Veranstaltungen wie diese zeigen die Problematik bei der „Bürgerbeteiligung“.
    Letztlich entscheiden dann zwei Dutzend Leute mit Spezialinteresse über eine Planung, die nicht nur erheblich Geld kostet, sondern auch für einige hundert Anlieger heftige Änderungen bedeutet. Theoretisch wird natürlich irgendwann das Stadtparlament entscheiden. Aber das darf eigentlich nur noch abnicken – ein Votum gegen die „Bürgerbeteiligung“ ist politisch schwer denkbar.

    Ob die neue Route auch wirklich stärker benutzt werden wird ist fraglich. Die obskure Fortsetzung über Hügel-, Zimmer- und Grafenstraße klingt nicht danach, als würde sie zu irgendwelchen realen Verkehrsbedürfnissen passen.
    Die meisten Radfahrer wollen eben sehr wohl in die Innenstadt. Und wer die größere Nord-Süd-Traverse machen will, der wird eher versuchen, die Innenstadt zu umgehen.

    • Über die Zimmerstraße in die Grafenstraße zu radeln, hatte ich schon davor mal ausprobiert, weil ich am Wilheminenbuckel bergab tatsächlich absteige und das umgehen wollte. Daher erschien mir das nicht so weit hergeholt.

      Aber das war nichts, denn die Zimmerstraße ist zur Zeit Einbahnstraße in Richtung Hügelstraße und – ich meine mich zu erinnern – zu holperig.

  2. 1. Die Zimmerstraße IST extrem holprig!
    2. Die Umfahrung um die Kuppelkirche ist – Ost wie West – extrem holprig!
    3. Der Unfall, der an der Wilhelminen-/Elisabethenstraße passiert ist, war tragisch. Vom Rücksichtslosen Verhalten eines einzelnen ein so idiotisches Verbot für die Allgemeinheit abzuleiten war das dümmste, was die Stadt Darmstadt jemals getan hat! Wen störe oder gefährde ich denn, wenn ich den Hügel in Schrittgeschwindigkeit runterfahre? Und da wir – ob mit oder ohne Verbot – in einer Fußgängerzone sind, darf ich gar nichts anderes als Schritt fahren. Idioten, die da mit 30 Sachen runterbrettern, weil’s halt geht, hält das Verbot genau so wenig wie die Fußgängerzone auf! Das war sinnloser Aktionismus wie an so vielen Stellen…neue Gesetze schaffen statt bestehende durchzusetzen!
    4. Eine Fahrradstraße vom Goetheplatz zur Kuppelkirche braucht auch keiner. Der legale Zugang von der Karlstraße IN die Wilhelminenstraße würde vollkommen ausreichen.

  3. Wo hätte seinen Punkt geklebt, wer Fahrradstraßen für irrelevant hält? Praktisch macht die Beschilderung doch keinen Unterschied. Die Stadt — jede Stadt — verfügt über ein dichtes Straßennetz, das zur Benutzung mit jeglicher Art von Fahrzeug zur Verfügung steht. Wer über die Bereitstellung dieses Netzes hinaus etwas für den Radverkehr tun möchte, muss sich punktuell mit den realen und gefühlten Problemen auseinandersetzen und dafür Lösungen finden.

    Die Darmstädter Verkehrspolitik ist an der Zahl der illegalen Anordnungen der Radwegbenutzungspflicht zu messen. Vielleicht könnte man vor dem Start solche Prestigeprojekte erst mal die bestehenden Verwlatungsvorschriften und technischen Regelwerke (VwV-StVO und ERA 2010) einhalten. Das kostet nicht viel, man müsste nur ein paar Verkehrsschilder abschrauben, die den Verkehrsraum für Radfahrer auf minderwertige Sonderwege am Straßenrand beschränken.

  4. > Wo hätte seinen Punkt geklebt, wer Fahrradstraßen für irrelevant hält?
    Diese Meinung war nicht vorgesehen.
    Das ganze Projekt steht unter der Prämisse: Darmstadt braucht irgendwo eine Fahrradstraße. Weil man damit symbolisch zeigen kann, daß man etwas tut. Es ging dann in den ganzen Arbeitsgruppen und öffentlichen Veranstaltungen nur noch um das „Wo“, nie um das „Ob“.

    Mit einer sinnvollen Verkehrsplanung hatte das nie etwas zu tun. Dazu müßte man erst einmal einsehen, daß es „die Radfahrer“ nicht gibt. Es gibt verschiedene Benutzertypen, die deutlich unterschiedlicher sind als es bei den Autofahrern der Fall ist.

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