Leben und Arbeiten

Ich sollte in die Pressestelle einer hiesigen Einrichtung wechseln. Anfragen mehrfach auflaufen lassen, mehrfach nicht zurückrufen, Mails nicht beantworten und nur auf Nachfrage – mit klugen Feststellungen – reagieren. So lässt’s sich arbeiten.

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Man trifft sich zweimal

An dem Spruch ist was dran. Neulich traf ich auf einem Termin einen Abteilungsleiter, bei dem ich mich vor zehn Jahren einmal auf eine Stelle beworben hatte. Als ich ihn darauf ansprach, war zunächst neugiergig, dann aber befremdet. So richtig konnte er die Situation nicht einschätzen, da meine Bewerbung auch mit einer Absage geendet hatte. Und dass man einen Ex-Bewerber mal wieder trifft, scheint eher selten zu sein.

Blöd waren damals zwei Dinge: 1. Ich hatte mich zuerst initiativ und eine Woche später (als ich eine Stellenanzeige entdeckt hatte) ausschreibungsbezogen beworben. Auf die Initiativbewerbung erhielt ich eine Absage, für die andere Stelle – gleiche Bewerbung – maximal einen Tag später die Einladung. 2. Die Absage musste ich mir selber holen. Nach einigen Wochen fragte ich via E-Mail nach, was los ist und erfuhr, dass die Stelle schon längt vergeben war. Wegen diverser Urlaube sei aus Versehen keine Absage verschickt worden.

Es geht auch anders, wie ich dieses Jahr erleben durfte. Eine halbe Woche nach dem Gespräch rief man mich an.

FAIR steht vor der Tür – Erste Rodungen im Dezember, Baustellenstraßen im Januar

Wixhausen und Arheilgen stehen vor einem Jahrhundertbau. Jetzt im Dezember beginnen die Vorbereitungen für den Bau des internationalen Beschleunigerzentrum für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen. Die Anlage für „Fair“ (Facility for Antiproton and Ion Research) entsteht östlich der GSI. Ab voraussichtlich 2018 forschen in dem eine Milliarde Euro-Projekt 3000 Menschen zu Fragen aus Teilchenphysik, Biologie, Medizin und Weltraumforschung.

„Anfang Dezember werden die Rodungen beginnen“, sagte am Mittwoch Johannes Christoph Kress von der Planungsgruppe Natur und Umwelt im Bürgermeister-Pohl-Haus. Andere Vorbereitungen wie Amphibienzäune aufstellen und 130 Fledermauskästen aufhängen seien schon erledigt. „In dem Waldbereich, der jetzt gerodet wird, wurden die Frösche eingefangen“, wies der Biologe die 80 Zuhörer hin. Die Tiere seien jetzt am Teich bei der Dianaburg.

Während der Bauarbeiten wird der Grundwasserspiegel abgesenkt werden, kündigte Kress an. Die Folgen im direkt benachbarten Forst werde man beobachten und dokumentieren. Da man das Wasser gleich wieder versickern lasse, rechne man nicht mit Bodensetzungen. „Bis hin zu Wixhausen haben sie überhaupt keine Änderung mehr“, sagte der Umweltplaner. Neben dem Grundwasserspiegel wird die Lärm- und Staubentwicklung laufend gemessen werden.

Insgesamt werden 4000 Festmeter Buchen-, Kiefer- und Eichenholz bei den Rodungen anfallen, die mit 40 Langholzlastern und 110 LKW für das kürzere Industrieholz und die Hackschnitzel abtransportiert werden. „Das wird über die Prinzenschneise und Messeler Park-Straße abgefahren“, sagte Kress. Die Baustellenstraßen sind bis dahin noch nicht fertig, diese Straßen werden ab Januar 2012 gebaut.

Anmerkung meinerseits: Eigentlich wollte ich hier ein Foto aus dem Pressematerial einbinden, um zu zeigen, wie Fair ausssehen wird. (Klick) Zwar ist das Foto Pressematerial, aber die Bedingungen „Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass jedwede Veröffentlichung in firmenfremden Medien aller Art einer Genehmigung durch die FAIR GmbH bedarf“ ist mir dann ehrlich gesagt doch zu viel Kindergarten und Arbeit für einen Blogeintrag, den ich nicht bezahlt bekomme. (Wer das Bild missbrauchen will, wird nicht fragen oder lügen. Und wenn man wissen will, wer es nutzt, bittet man um E-Mail-Mitteilung.) Also verlinke ich lieber. Das darf man nämlich einfach so.

„Wir haben eine nördliche Einfahrt geplant“, zeigte Bausstellenlogistiker Horst Feick auf einen Feldweg an der B3 nördlich des Zeisswegs. Dort werde die Bundesstraße um eine Ampel und Abbiegespuren erweitert. Die Straße umgeht das Gewerbegebiet und stößt auf die Messeler Park-Straße, die von dort bis zur Baustelle inklusive der Prinzenschneise „robust“ ausgebaut wird. „Die Baufahrzeuge haben diese Baustraße zu nutzen und dürfen nicht durch die Gemeinde fahren“, sagte der Bauingenieur. Das werde auch vertraglich festgelegt. Am Grillplatz biegt die Baustraße nach Süden ab um dann im Westen vor der GSI die Baustellenzufahrt zu bilden. Die dann auch gesperrte Prinzenschneise wird zur Baustellenausfahrt. Beim Baustellenverkehr rechne man mit durchschnittlich 18 LKW pro Stunde, sagte Feick. In Spitzenzeiten werden rund 50 Fahrzeuge (inklusive PKW und Transporter) die Stunde fahren. Gesteuert werde der Ab- und Zuliefererverkehr durch die Bauleitung, sagte der Ingenieur. Die Zufahrtskontrollstelle im Süden diene zum einen der Sicherheit und zum anderen der Verkehrsregelung. Auch bei der Reifenwaschanlage an der Baustellenausfahrt könne man den Verkehrsfluss regeln. Arbeitszeiten werden zwischen 7 Uhr und 20 Uhr liegen, teilweise auch zwischen 6 Uhr und 22 Uhr.

Die Aushubarbeiten beginnen voraussichtlich im Oktober 2012. Insgesamt rechnen die Bauherren mit einer Million Kubikmeter Aushub (ein Einfamilienhaus hat zwischen 500 und 1000 Kubikmeter Aushub), der größtenteils wieder verbaut wird. Weiterhin werden 519.000 Kubikmeter Beton, 34.000 Tonnen Betonstahl und 500.000 Tonnen andere Baustoffe verbaut. Wo die 3000 neuen Mitarbeiter ab 2018 wohnen werden, ist noch offen. „Fair“ baut keine Wohnungen und wird auf die Infrastruktur in Darmstadt und Frankfurt zurückgreifen.


Ich wurde ja gefragt, warum in der Zeitung FAIR immer klein geschrieben werde. „Das ist eine aussprechbare Abkürzung“, erklärte ich und. Aber ESA werde wiederum in Versalien geschrieben, hieß es dann. „Das sind nur drei Buchstaben“, schob ich die Systematik nach, das schreibe man noch groß.

Tatsächlich neuer Politikstil beim städtischen Haushalt

Am Donnerstag wurde der Darmstädter Haushalt für 2012 der Presse vorgestellt. Eine Stunde – ok, aber das ist jetzt nicht so toll, auch wenn es neu ist – zuvor wurden die Opposionsfraktionen von den hauptamtlichen Stadträten informiert. Im Vorfeld war Kämmerer André Schellenberg (CDU) bei den Fraktionen (auch von der Opposition), um die neue Systematik nach Produkten vorzustellen (Wohngeld ist dann beispielweise ein Produkt). Das ist schon eher was. Weil es ja bei der breiten grün-schwarzen Mehrheit nicht notwendig wäre.

Und wie ich hörte, waren auch die Amtsleiter gefragt worden, wo sie Kürzungspotenziale sehen. Und sie wurden am Mittwoch über den neuen Haushalt informiert. Das hätte es früher nicht gegeben, sagte mir einer. Da habe man das erst aus der Zeitung erfahren.

Persönlich bekannt

Mein Job bringt es ja mit sich, dass man viele Chefs oder Obere lokaler Firmen kennt, dafür aber keinen von denen, die die Arbeit machen. ;-) Weil nunmal der an der Kasse nicht mit der Presse spricht, wenn sich die Geschäftsführung was tolles ausgedacht hat.

Und so stand ich heute an einem Tresen, wo die Dame dann auch noch meinen Ausweis sehen wollte. Einige Meter weiter stand ein Vorstand, aber ich habe dann doch nicht auf ihn verwiesen. ;-)

Preis für Zuckerforschung

Ich war ja mal Forscher, und drüber schreiben ist ja prima – kommt auch eher was bei raus, als tatsächlich an der Laborbank zu stehen (nein, die „late-night experimental marathons“ – siehe weiter unten – waren nicht mein Ding; und noch weniger die damals von oben praktizierte „Wunschergebnisforschung“.)

Die Preisträgerin der Emanuel Merck-Vorlesung 2011, Carolyn R. Bertozzi von der University of California, forscht zu Zuckermolekülen auf Zellen und hat in der Vorlesung nach der Preisübergabe ein anschauliches Bild einer Zelle beschrieben.

An Zuckerketten reiht sich der Erfolg – „Früher war das Bild einer Zelle das eines Erdnuss-M&M“, erinnert die amerikanische Chemikerin an frühere Zellvorstellungen, die dieser Süßigkeit recht nahe kamen. Im Zellinneren (Erdnuss) sind die Proteine und der Zellkern, umgeben von der Lipid-dominierten Zellmembran (Schokolade), auf die Kohlenhydrate (Zuckerschicht) aufgelagert sind. Ähnlich wie bei den M&M („Schmilzt im Mund und nicht in der Hand“) ging man davon aus, dass die Zuckerschicht die Zelle schütze. Aber es ist mehr.

Neuer Politikstil und alte Stadtregierung – Jeder bekommt die Haue, die er verdient

Damit ich nicht falsch verstanden werde, nur weil einige meine Kommentare nicht aufmerksam lesen, bei denen die Darmstädter SPD und ihr OB nicht gut wegkamen – was bei der aktuellen Stadtregierung damals bestimmt gut ankam.

Ich fand es höchste Zeit das die SPD mal in die Opposition kommt. Und es ist auch gut, dass Walter Hoffmann nicht mehr OB ist – was der alles verzapft hätte, wenn er wieder gewählt wäre, sehen wir ja an der Nummer im HSE-Aufsichtsrat und der Auswahl Christine Scheels (die bestimmt was kann, aber vom Mehrheitsgesellschafter nicht gewollt war). Da frage ich mich ja fast, was er dafür nun bekommt?

Und mit Jochen Partsch ist in die Verwaltung auch ein neuer Drive reingekommen, der etwas mehr Linie und Aktenkenntnis hat als vorher. Aber das ist ein „Neue Besen kehren gut“-Effekt und kein neuer Politikstil.

Das Glenzsche Stadthaushalt-Erbe ist auch kein Ruhmensblatt für die Genossen, ebenso die Wurschtigkeit mit der an viele Sachen rangegangen wurde. Daher war es dringend nötig, dass es eine neue Koalition gibt. Nur: Was ich zur Zeit im Parlament erlebe, ist die alte Nummer, die Koalitionsfraktionen immer mit der Opposition abgezogen haben. Das ist kein neuer Politikstil, da wird keiner mitgenommen, wenn es interessant wird. Was mich sehr enttäuscht.

„Auch wenn es – wie ich festgestellt habe – bei der CDU kluge Leute gibt, werden wir es nicht alleine schaffen“, hieß es noch in Jochen Partschs Antrittsrede. Und? Bislang wurde eher Konfrontation gefahren. Und es erzählt mir keiner, dass das alles nur notwendig sei, um das grün-schwarze Projekt zu sichern. Wer das glaubt, sollte so eine Argumentation mal konsequent zu Ende denken.

Und dass ich mich an dem „neuen Politikstil“ hochziehen kann, liegt doch daran, dass er nicht stattfindet. Die bisherige Arbeit ist Standard (wie im Sommer diese Aktion: Grün-Schwarze Haushaltsrettung: Hier eine halbe Million Euro nachschießen, dort auf eine halbe Million Euro verzichten). Und ob der Haushalt konsolidiert wird und Darmstadt mit der Entschuldung anfängt werden wird noch sehen. (Geplant ist ein ausgeglichener Haushalt für 2013*, 2015, 2016.)

Und das mit dem mangelhaften „neuen Politikstil“ liegt nicht an der bösen SPD, der Uwiga, Uffbasse, der Linken, den Piraten oder der FDP. Sondern an denen, die die Mehrheit zum Gestalten haben – so nennt man das doch so schön.

Und wenn die (sogar formell eine große) Koalition sich von „aufgeblasenen“ Drittplazierten (die auch nur Oppositionsarbeit machen und manchmal wirklich schlechte Fragen in der Fragestunde stellen) zu solchen Aktionen, wie ich sie kritisiere, provozieren lässt (wäre ja eine Erklärung), wundere ich ich ja doch etwas übers Selbstvertrauen der Koalition? ;-) Da steht man – gerade bei den Mehrheitsverhältnissen – eigentlich drüber.

Und als „Presse“ sehe ich nunmal meine Aufgabe eher in der Kontrolle der Regierung – was kaum wirklich gelingt – als auf abgewählten OBs und Genossen rumzutrampeln.

* Jochen Partsch 2011 auf der Website der Wahlinitiative für ihn: „Mein Ziel ist es im Jahr 2013 (also im zweiten Haushaltsjahr des neuen Magistrats) erstmals einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Die Entschuldung ist dagegen ein langfristiger Prozess, der ab 2013 starten muss“

Wieder mal „Neuer Politikstil”: SPD-Ausschussvorsitzender mitten in der Legislatur von Grün-Schwarz abgewählt

Die Darmstädter SPD-Fraktion stellt nicht mehr den Vorsitzenden im neuen Ausschuss für Wissenschaft und Wirtschaftsförderung. Im Vorgängerausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften war Santi Umberti Vorsitzender, im neu konstituierten Ausschuss besetzte Grün-Schwarz den Vorsitz nun mit Peter Franz (CDU).

Der Ausschuss musste neu konstituiert worden, da Liegenschaften nun zum Bauausschuss gehört; die Dezernate waren mit dem Ausscheiden Schul- und Klinikdezernenten Dierk Molter (FDP) neu geschnitten worden waren.

Für die Sozialdemokraten kam die Abwahl überraschend, sie gingen davon aus, dass der Ausschussvorsitz bei Umberti bleibt. Die CDU sieht darin keine Abwahl, für sie ist es ein völlig neuer Ausschuss. (Naja …, etwas spitzfindig.) Und den neuen Ausschüssen habe die SPD ja zugestimmt.

Anstelle des Wirtschaftsausschussvorsitz soll die SPD nun den Vorsitz im Wahlvorbereitungsausschuss (bislang bei der CDU) erhalten – nur sind die Wahlen zur Zeit gelaufen.

Der „Neue Politikstil” wird vielleicht gegenüber den Bürgern gefahren werden, aber im Parlament und den Gremien (Wahlen im Magistrat zum HEAG-Holding Aufsichtsrat) ist der „Neue Politikstil” zur Zeit traditionelle Machtpolitik.

Dazu passt auch, wie in der aktuellen Stadtverordnetenversammlung (3.11.) für mich fast krampfhaft auf die Geschäftsordnung verwiesen wurde, um bloß nicht über einen UffbasseAntrag abzustimmen. Mit dem sollte der Magistrat aufgefordert werden, mit der Bima (Bundesimmobilienanstalt) zu sprechen, um die ihr gehörenden leeren US-Kasernen in Darmstadt für eine Übergangszeit als Wohnungen, beispielsweise für Studenten, zu nutzen. Grün-Schwarz lehnte es gegen die anderen Fraktionen schließlich ab, den Antrag auf die Tagessordnung der laufenden Sitzung zu nehmen.

Nachtrag I: Dazu auch Helmut Kletts (Uwiga) Kommentar unten.

Nachtrag II: Uffbasse kündigt nun eine große Anfrage an:

Wir sind nach wie vor der meinung, das zumindest geprüft werden sollte, ob- und zu welchen vorraussetzungen eine vorübergehende nutzung der wohnflächen möglich ist. Nicht nur studenten, auch viele andere darmstädter bürger und welche die es werden wollen, suchen günstigen, bezahlbaren wohnraum. Es ist aufgabe der stadt, wo möglich diesen zu schaffen.