Totgesagte leben länger – Was für Rote gilt, gilt auch für Schwarze

Wie war das noch nach der Bundestagswahl 2009? Die politischen Kommentatoren beschieden der SPD eine lange Zeit in der Opposition und den Untergang. Und jetzt?

sueddeutsche.de: Die Koalition regiert so mies, dass eine kürzlich noch schwer vorstellbare Situation eingetreten ist: Die SPD hat wirklich die Chance, 2013 den Kanzler zu stellen

Na sowas. Aber hatte ich nicht im November 2009 schon gesagt, Totgesagte leben länger?

Gilt natürlich jetzt auch andersherum. Helmut Kohl stand jedes Mal Mitte der Legislaturperiode so schlecht da, dass man ihm bei der kommenden Bundestagswahl abschrieb. Zu recht, denn er war ja nur 16 Jahre Kanzler. ;-)

Wir sind hier nicht auf der „Enterprise“

„Captain, das müssen Sie sich ansehen“, war ein gern gesagter Satz bei „Star Trek – The Next Generation“. Jean-Luc Picard marschierte daraufhin zur Brücke und bekam dann auf dem Großbildmonitor den in dieser Folge zu lösenden Weltuntergang präsentiert.

Das klappt aber nur im Fernsehen, in Wirklichkeit würde man natürlich sagen, „Captain, einen romulanische Flotte enttarnt sich vor uns“. (Ja, wenn es Romulaner geben würde, ich weiß.) Es geht schließlich um was und spannungssteigernde Ratespielchen braucht keiner im Job.

Und nun habe ich hier eine Mail in der sinngemäß steht, dass man doch bitte anrufen solle, weil man was interessantes vorhabe. Soll das jetzt auch außerhalb des Fernsehens klappen? Mal überlegen … nein.

Es macht mir nämlich echt Arbeit. Bevor ich anrufe, überlege ich, was da kommen könnte. Und wenn es dann in meinen Augen Müll ist, muss ich das dennoch sagen. Und verweise direkt auf die Redaktion. Und am Ende bin ich der Böse, weil ich so unsensibel bin und nicht bereit mir mehr unbezahlte Arbeit ans Bein zu binden.

Und etwas Kommunikationsberatung zum Nulltarif, denn eigentlich bin ich Netter, ich mag’s nur nicht „durch die kalte Küche“: In der E-Mail einfach gleich beschrieben, was man vorhat. Wenn ich etwas nicht verstehe oder mehr wissen will, rufe ich an und frage nach. Und nachdenken, ob was dabei ist, was einen Termin anders als sonst macht. Z.B.: Ein Brunch in einem Gemeindezentrum ist relativ normal, wenn dabei aber Krabbenpuhlen mit dabei ist, dann ist das schon wieder ungewöhnlich, eventuell auch lustig. Jedenfalls hier in Südhessen.

Siehe auch: Durchlauferhitzer, oder was?

Wenn eines ihrer Lieder lief, bekam ich Gänsehaut

Amy Winehouse ist am 23. Juli gestorben. Sie wurde 27 Jahre alt. Das Bild zeigt sie bei den Eurockéennes 2007. Foto: Bojars. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 France license CC BY-SA 2.0

Es waren nur leider nicht Amy Winehouse‚ Texte oder Stimme. Es war meine Ahnung, dass sie wie eine Kerze war, die an beiden Enden brannte.

Ich war unsicher, ob es gut war, ihre CDs zu kaufen weil sie mit dem Ruhm, dem Geld und den daraus resultierenden Freiheiten und Möglichkeiten nicht zurechtkam. Aber irgendwann sind Menschen auch mal erwachsen und haben ein Recht darauf nicht bevormundet zu werden.

Wegen dem was ich von Amy Winehouse‘ Abstürzen über die Medien mitbekam, kam mir der Gedanke, dass es für jeden eine Droge gibt, der er verfallen kann. Und Reichtum davor auch nicht schützt, sondern nur andere Möglichkeiten sie sich (unter Umständen in besseren Qualitäten) zu beschaffen.

Doppelmord in Babenhausen: Urteil – Schneller als die Agentur – Zerbrechende Hoffnungen

Die Justizia auf dem Landgericht Darmstadt. Foto: Marc Wickel


Da war ich doch einen Tick schneller als die Agentur mit meiner Meldung. Dazu gehört aber neben einem Galaxy Tab auch ein Netz, aber das ist Voodoo im Darmstädter Landgericht.

Ist aber morgen nicht mehr so wichtig (sogar schon heute abend, meine Meldung ist zugunsten des vollen Artikels verschwunden.)

Siehe auch: Lebenslange Haft für Doppelmord von BabenhausenChronologie der ErmittlungenMedienrummel, Mikros, eine fassungslose FamilieBabenhausen-Doppelmord: Anklage fordert lebenslange Haft

Ich war ganz froh, dass mich keiner der Angehörigen vor der Verkündung gefragt hatte, wie ich das sehe. Denn ich hatte eine Woche zuvor über ein Urteil in einem anderen Indizienmordprozess (gleiche Kammer, zufällig der gleiche Staatsanwalt) geschrieben und da war der Angeklagte mit weniger Indizen schuldig gesprochen worden.

Heute saß ich – wie die Verhandlungstage zuvor auch – hinter einem Teil der Familie, die felsenfest davon überzeugt war und ist, dass der Ehemann, Vater dreier Kinder, Bruder, Sohn und Schwiegersohn unschuldig ist. Die bis zuletzt gehofft hatte. Und jetzt den Glauben in die Justiz endgültig verloren hat.

Fassungs- und ratlos, teilweise weinend, immer wieder die Köpfe schüttelnd verfolgte die Familie die Urteilsbegründung. „Das gibt‘s doch nicht“, hörte man regelmäßig jemanden flüstern. Die Angehörigen und Freunde des Angeklagten überzeugte die Urteilsbegründung in keiner Hinsicht. Immer wieder stießen sie hilflose Seufzer aus, holten tief Luft und fühlten sich der Justiz ausgeliefert, da diese nur Fakten bewerte, mit denen sie den Angeklagten verurteilen könne. „Die machen ihr Ding, wir hätten gar keine Rechtsanwälte gebraucht“, stellte die Mutter des Angeklagten resignierend fest. „Der wahre Täter lacht sich ins Fäustchen“.

Auch wenn ich angesichts der Indizien beim Urteil und Staatsanwalt bin („Es kommen zu viele Umstände zusammen, als das man von einem Zufall sprechen könnte“), wünsche ich keinem so etwas als Verwandter oder Freund zu erleben. Oder wie ich mitzubekommen. Das ist traurig zu spüren, wie Hoffnungen schlagartig verschwinden. Das kurzzeitig wächsern erscheinende Gesicht der Ehefrau, die nach der Urteilsverkündung erstmal vergaß sich zu setzen, bleibt im Gedächtnis. Ich konnte mich heute wenigstens an meinen Stift festhalten und an meiner Aufgabe orientieren.

Nachtrag: Mich beschäftigt ja ein wenig die Einschätzung der Lage bei Prozessbeobachtern und Verwandten des Angeklagten. Kollegen und ich gingen von einem Schuldspruch aus, aber die Verwandten waren fassungslos und einige Zuschauer hatten mit einem Freispruch gerechnet. War die Berichterstattung jetzt so unklar, haben die Menschen den Prozess doch eher beiläufig verfolgt oder will man sich einfach alles offen halten?

Stiefkind ÖPNV – auch beim Brauereifest

So geht da aus, wenn Menschen von ÖPNV-Verbindungen reden, aber keine Ahnung oder sich nicht informiert haben.

Mit Bus und Bahn: Ab Darmstadt Hauptbahnhof oder Eberstadt Wartehalle mit dem P-Bus bis Berliner Straße. Von dort aus folgt Ihr noch wenige Meter zu Fuß der Beschilderung.

Rät ein Pfungstädter Veranstalter, der seinen guten Kunden eigentlich regelmäßig dazu raten sollte, nicht unbedingt das eigene Auto zu nehmen – es ist die Brauerei. ;-)

Nun, die Haltestelle Berliner Straße kennt die RMV-Datenbak nicht, also fragt sie alternativ nach einer Hausnummer (von 2 bis 56, geht ja noch). Na gut, gebe ich mal die Nr. 28 ein, liegt vielleicht in der Mitte. Was durchwachsene Ergebnisse gibt. Entweder laufe ich 15 Minuten bis zum Ziel oder drei Minuten. Ok, da fällt die Auswahl leicht. Nur heißt die Haltestelle „Bahnhof“. Hab‘ mich nämlich schon über die Berliner Straße gewundert. Nur das mit „Bahnhof“ weiß eigentlich jeder, der sich in den vergangenen sechs Jahren damit mal beschäftigt hat, sprich, mal mit dem P-Bus gefahren ist.

Wer solche Anfahrttipps schreibt, dem sollte mal für ein Jahr das Auto weggenommen werden. Dann ist vielleicht die Motivation da, vor dem Schreiben solcher „Tipps“ in den Fahrplan zu schauen. (Was, oh Wunder, auch online geht, also vom gleichen Ort aus, von dem aus dem man ansonsten fehlerhafte Reisetipps in die Website schreibt.)

Neulich im Gericht – TKÜ

In der Verhandlung werden von der Polizei abgehörte Telefongespräche vorgespielt. Abgesehen davon, dass es etwas beklemmend wirkt, mitzuhören was andere gesprochen haben, fällt auf, dass keiner druckreif spricht. Da werden Sätze wiederholt oder umformuliert nochmal gesagt. Manche Formulierungen sind nur halb oder Satzteile werden nachgereicht.

Wenn man das mal gehört hat und dann auf seine eigenen Telefonate achtet – kein Stück besser.

Neulich im Gericht: Richter und Ärztin

Der Vorsitzende belehrte die Ärztin als Zeugin und als Gutachterin. „Ha, da freut sie sich, da ist die Aufwandsentschädigung höher“, dachte ich noch. War aber nichts. Die Ärztin erinnerte sich an nichts mehr, außer dass sie Haftfähigkeit attestiert habe. Dass das wohl stimme, wenn es im Protokoll stehe. Und wenn sie gewusst hätte, dass sie deswegen in einem Prozess aussagen müsste, hätte sie mehr protokolliert.

Der Richter entließ sie als Zeugin, ihre Gutachtereigenschaft strich er.

Auch schön war die Ermittlungsrichterin, die stolz betonte, alles genau protokolliert zu haben, um ja nichts falsch zu machen. Nur warum sie den Sohn in Abwesenheit des angeklagten Vaters vernommen hatte, wusste sie nicht mehr.

Parteien zur Haushaltskonsolidierung

Die Parteien zur Haushaltskonsolidierung:
11. Juli
CDU: Schuldenstand dramatisch – Konstruktive Beteiligung der Opposition gefragt
Grüne: Konsolidierungsprogramm muss von allen getragen werden
9. Juli
SPD: Wenig Neues zum Thema Haushalt von Grün-Schwarz
8. Juli
FDP: „Partsch betrauert die Trümmer von 20 Jahren grüner Politik in Darmstadt

Wobei die Aufforderungen der Koalition zur Mitarbeit meiner Meinung nach wie eine Floskel klingt. Wenn die Mitarbeit aller so wichtig ist, warum ist Grün-Schwarz dann nicht auch mit allen Magistratmitgliedern in die Haushaltsklausur gegangen? Im ehrenamtlichen Teil sitzt ja auch die Opposition – wenn man mal vom scheidenden FDP-Gesundheitsdezernenten Dierk Molter absieht.

An die Mitverantwortung erinnern, aber wenn es interessant wird, die anderen vor die Tür zu setzen, ist übrigens auch kein neuer Politikstil.

„Harte Nuss“ übersteht deutschen Sturm

Ja, da hat die junge Fußballerin, mit der ich sprach, weil sie als einzige Darmstädterin in der U15-Hessenauswahl spielt, doch so eine Ahnung gehabt:

„Japan ist richtig gut. Das wird eine harte Nuss“, meint Jill Bohling mit Blick auf das Viertelfinale in Wolfsburg. „Da haben wir eine Chance, wenn wir so spielen, wie wir es können“, denkt sie an die Vorrundenspiele.

Samstag war es dann passiert:

Aus für Public Viewing in Weiterstadt – Niederlage: Mit dem Ausscheiden des deutschen Teams bei der Frauen-WM endet auch der Freiluft-Spaß mit Leinwand

Kurze Geiselnahme in der Schulstraße

Polizeieinsatz in der Schulstraße inklusive Vollsperrung.

Die Polizei hat am Freitagabend die Schulstraße zwischen 19.30 Uhr und 21.30 Uhr gesperrt, weil in einer Wohnung ein Mann seine Freundin bedroht hatte. Echo Online: Festnahme nach Beziehungsstreit

Die Sperrung war zum Glück schneller vorbei als befürchtet, denn Anwohner konnten nicht in oder aus ihren Wohnungen und Einkäufer, die in der Straße ihr Auto geparkt hatten, durften auch nicht durch.

(Ich war zufällig vor Ort, weil ich im Aldi noch Toast kaufen wollte. Nur wunderte ich mich, warum denn da drei Polizeiwagen auf dem Ludwigsplatz vorfuhren, die Polizisten Schutzwesten anlegten und in die Schulstraße gingen … Also blieb ich mal da und wartete ab. Reporter halt, sonst wäre ich heimgegangen. Man muss da nicht unbedingt vorne stehen, kann ja auch was außer Kontrolle geraten.)