Fachkräftemangel

„Wir haben in der Firma ja Fachkräftemangel“, sagt der Ingenieur. „Aber wir stellen keinen ein, weil die Stellen noch besetzt sind.“ :-D

Blauäugiges Bildblog?

Das Bildblog kritisiert Ernst Elitz wegen eines Kommentars in der Bild. Elitz verwechsele „Profi mit Porno“ sagt das Blog. Elitz kritisiert in seinem Kommentar ein Gerichtsurteil gegen einen Journalisten, weil dieser einen Schauspieler mit einem Sex-Video erpresst hat.

Elitz weist auf ein Problem hin, das ich auch sehe, wenn man das Urteil weiter denkt:

Darf ein Journalist mit keinem mehr sprechen, über den er mehr weiß, als dem Angesprochenen lieb sein kann? Das ist bei jeder professionellen Recherche so. Das verletzt keine Grenze. […] Ein Journalist, der Betroffene mit Recherche-Ergebnissen konfrontiert, nötigt nicht. Er schafft klare Verhältnisse. Unabhängig davon, ob es um einen groß angelegten Betrugsfall oder um ein Sexvideo geht.

Das Bildblog sagt nun – zu recht:

Für Elitz ist der Ankauf eines illegal angefertigten Videos aus der Privatsphäre eines Prominenten aber gleichzusetzen mit investigativem Polit- oder Wirtschafts-Journalismus.

Punkt. Und das war es dann in dem Medienblog zu dem Thema. Kein Gedanke daran, dass findige Anwälte gibt. Keine Gedanke an ein „was wäre wenn“, nein, lieber das medienkritische Publikum bedienen und fertig.

Nun, aber was, wenn ich oder igrendein Alpha-Blogger (um da mal eine Fallhöhe zu bekommen) beispielweise Unterlagen hätte, die zeigen, dass beim Bürgermeister/Abgeordneten/Konzernchef X in Y Korruption/Betrug/Veruntreuung gibt, und ich den nun zu den Vorwürfen befrage? Und der daraufhin mich oder Alpha-Blogger erstmal wegen Erpressung anzeigt?

Ach, das wird nie passieren? Hoffen wir mal, dass das Bildblog, dass in seiner Blauäugigkeit diesen Aspekt gar nicht diskutiert, nie über so einen Fall was schreiben muss. Wobei ich befürchte, dass ich selbst sowas schrieben müsste, wenn es mir passiert.

Wie 1, 2, 3 Politik entsteht – Dreisprung am Beispiel der Funkfrequenzen

1. Pressemitteilung Kongresszentrum Darmstatium, 19.10.2010: Darmstadtium und Stadt Darmstadt zahlen Zeche der Neuordnung der Funkfrequenzen.

2. Artikel Echo online, 22.10.2010 (im Druck am 23.10.): Weil der Bund Frequenzen versteigert hat, müssen Darmstadtium, TU und Staatstheater viel Geld investieren.

3. Pressemitteilung MdB Brigitte Zypries, 22.10.2010, nachmittags: Funkmikrofone müssen auch in Zukunft senden! Zypries fordert: Bundesregierung soll Zusagen einhalten

Spontan-Essen

Nice Dice!

Gestern ergab sich für mich eine Mitfahrgelegenheit nach Essen zur Spielemesse. Also bin ich ohne große Pläne uns Spielelisten (außer Würfel und Thalassa-Quellenbuch kaufen) hin, was dann auch das richtige Konzept war. Es ist einfach weniger stressig, als ein voller Zettel. Denn inzwischen bin ich von Spielekäufen auf der Messe abgekommen. Einer der Top-Tipps und Einkäufe des Jahres 2007 steht seit einiger Zeit bei mir als Sockel unter dem Drucker – und das muss ja nicht sein. Weiterhin lasse ich englischsprachige Spiele aus, da sich doch schwieriger Mitspieler finden lassen. Und ansonsten muss man eh die Rückmeldungen und Spielberichte im Internet abwarten. Ach ja, ich strebe auch keine Spielsammlung an. 365 Spiele (die ich nicht habe) müssen reichen, sage ich immer. Da hat man für jeden Tag des Jahres eines.

Auffällig war dieses Jahr das lange Warten an der Kasse, weil ich mich an sowas in den Jahren zuvor nicht erinnern konnte. Wir standen um 9.45 Uhr am Eingang Mitte und waren um 11.30 Uhr drin. Ich schob es auf die verklärende Erinnerung, aber im Spielbox-Forum< gibt es erboste Einträge über die langen Wartezeiten. (10.10 Uhr Messeeingang Mitte, 11.50 drin; 10.10 Uhr Eingang Mitte, 11.15 Uhr drin; Familientickets nur an der Hauptkasse – aber es gab auch: 9 Uhr Haupteingang, 9.20 Uhr Kassen geöffnet, 9.40 Uhr in der Vorhalle. Anscheinend hatte die Messe Essen an dem Morgen neue Ticket-Software installiert.


Voll war es. Sagten zumindest ein paar Händler, ich fand es nicht so schlimm – aber ich hatte mir ja auch keinen Stress gemacht.


Ein Testspiel habe ich auch geschafft, „Munchkin Quest“, die Brettspielvariante des Kartenspiels. Dabei ging es mir auch um den Kampfmechanismus, der erfreulich simpel ist, funktioniert und den ich nun für eine eigene Idee (unausgegoren, seit Jahren auf Zetteln und im Kopf) übernehmen will.

Und schließlich habe ich sogar einen ledernen Würfelbecher mit Deckel gefunden. Die gibt es zwar auch aus Plastik, aber die klappern mir zu sehr. Und jetzt können die Würfel in den Becher und fallen nicht raus. Hoffentlich.

Ok, so ganz bei „kein Spiel kaufen“ blieb es nicht, „1655 – Habemus papam“ ist eine kleines Kartenspiel, das ganz interessant klang.

19 Uhr war dann Feierabend und die Stühle und Tische wurden hochgeklappt:

Kollege von Radio Darmstadt gestorben

Christian Knölker ist tot. Der Journalisten-Kollege von Radio Darmstadt (Radar) ist in der Nacht zum vergangenen Samstag verstorben. Er berichtete regelmäßig für das nichtkommerzielle Lokalradio über Kommunalpolitik und aus dem Stadtparlament.

Vor einiger Zeit dachte ich, er habe einfach nur abgenommen, aber schließlich verlor er so rasend schnell an Gewicht, dass ich Kachexie wegen eines Tumors vermutete – schließlich es war Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Beerdigung findet am kommenden Montag, 25.10.2010, um 14 Uhr auf dem Alten Friedhof statt.

Hinter den Kulissen eines Kleiderkette-Artikels

Vor gut einem Jahr erschien ein kleiner Echo-Artikel (leider nicht online) von mir zu einem „Kleiderkette“-Spiel während der Orientierungswoche für Erstsemester an der TU-Darmstadt. In einem (von mir erst jetzt entdeckten) Maschinenbauer-Forum wunderten sich damals einige Studenten über die Welle, die ich in dem Text machte. Deshalb was dazu, was ich damals eigentlich vorhatte.

Einer der Studierenden wog im Forum ab:

(…) es zeugt nicht unbedingt von Reife, dass man in einem Wettbewerb verlangt, dass Probanden sich ausziehen. (…) Sicher ist es andererseits kleingeistig von den Medien, (…) aber die Sensationsgeilheit der Medien sollte jedem normalen Menschen mittlerweile aufgefallen sein.

Ein anderer fand den Artikel nur daneben:

Was für ein trauriger, schlechter Artikel! Gibts den noch Journalisten die ihre Arbeit gut machen?

Schlechter Artikel? Naja, alle Seiten hatten von mir Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen. „Schlechte“ journalistische Arbeit wäre es gewesen, wenn ich einfach vom Leder gezogen hätte. „Sensationgeil“? Eigentlich nicht. Tatsächlich war es nämlich so, dass ich die Szene mit der Kleiderkette und den Studierenden in Unterwäsche auf dem Karolinenplatz am Rande zufällig beobachtet hatte. Da ich schon etwas älter bin, kam mir das Spiel aber seltsam vor. Und ich dachte an Fotos, die später bei Facebook oder StudiVZ etc. auftauchen könnten. Und dass es weniger schöne Menschen gibt, die das eigentlich nicht wollen, aber glauben, sie müssten. So habe ich der veranstaltenden Fachschaft eine E-Mail geschrieben. Und einfach mal gefragt, wie das so ist, mit Gruppendruck bei solchen Spielen während der Orientierungswoche und dem Risiko von fremden Leuten fotografiert zu werden, und wie das alles ausgeschlossen wird.

Nachdem (wie ich mich erinnere) eine Woche lang keine Antwort kam, schickte ich die gleiche Mail ans Fachbereichsdekanat und nochmal an die Fachschaft. Da hieß es, man werde schauen. Beide Male hatte ich mich nicht als Journalist und freier Echo-Mitarbeiter ausgegeben, denn ich wollte ja nur Antworten und gar nicht groß mit „Presse“ oder sowas drohen.

Wieder nach einigen Tagen ohne Antwort dachte ich, dass die das Aussitzen wollen, und das nun doch der Darmstädter Echo-Redaktion als Artikelthema vorzuschlagen. :-D

Hätte man mal irgendwie reagiert (und nicht so läppsch wie das Dekanat) wäre nie ein Artikel erschienen! Und ich hatte zudem die Mails unter wickel.name geschickt, die Domain, die auf dieses Blog führt – welches dezente Hinweise auf lokaljournalistische Tätigkeit enthält.

Nun, es kam anders, nach Anfragen beim Unipräsidium (und der Frauenbeauftragten, hehe, und der Fachschaft) gab es heftige Einfangversuche der Geschichte durch den Uni-Vizepräsidenten und Null Reaktion vom Fachbereich und der Fachschaft. Dem Vernehmen nach waren die Studierenden beleidigt, dass ich die Geschichte unfair an die große Glocke gehängt hätte. Unfair? Unfair wäre es gewesen die Story ohne Rückfragen rauszuhauen und Psychologen zu suchen, die das sagen, was man für eine reißerische Geschichte so braucht :-D Naja, wie gesagt, hätte man mal vorher reagiert (und sei es, dass man sich in einer Woche melden werde) wäre – wie gesagt – nicht gekommen.

Dabei war das sogar Thema einer Fachschaftssitzung wie ein Protokoll zeigt:

• Problem: „Kleiderkette zwingt zum Ausziehen“ Marc Wickel
o Antwortschreiben verfassen (bereits durch Meike geschehen)
o Andere Seite: Fotograf wollte penetrant Fotos machen
o Anbieten: Unterschriften sammeln

Und gerade „Fotograf wollte penetrant Fotos machen“ wäre doch ganz interessant gewesen. Denn den Hinweis hätte ich in meinem Artikel natürlich auch bringen müssen. Wenn man es mir mal gesagt hätte.

Die Geschichte hat schließlich einen Lauf genommen, der mich eigentlich sogar ärgert. Nämlich, dass sich erst etwas tut, wenn man die Medien einschaltet. (Dass eine Volontärin darüber geschrieben hatte, stellte ich erst danach fest – und und als ich sie fragen wollte, wie das war, war sie im Urlaub.)

Und mir ist natürlich auch klar, dass weiterhin „Kleiderkette“ gespielt werden wird. Halt etwas abseits auf einer Wiese im Herrngarten oder im Hochschulstadion.

„Zwischenzeitliche“ Bedeutung

Freundlicher Hinweise an Personalabteilungen:

Nehmen Sie das Wort „zwischenzeitlich“ aus Absagen einfach raus. „Zwischenzeitlich“ klingt so, als hätten Sie und ich was etwas abgesprochen und ich hätte mich nicht daran gehalten. So dass Sie die Stelle dann „zwischenzeitlich“ vergeben haben. Logisch. Wer nicht will, der hat schon.

Ich mache ein Beispiel:
„Hast Du mir Deinen Duden leihen?“, frage ich einen Freund am Telefon. „Ja“, sagt der, „ich kann Dir meinen sogar schenken, ich kaufe mir einen neuen. Komm‘ einfach morgen vorbei.“

Jetzt komme ich aber am nächsten Tag nicht vorbei, verbummele die Verabredung und erscheine erst nach vier Wochen. „Ich komme den Duden holen“, sage ich zu ihm, und er antwortet: „Das geht nicht mehr. Du warst nicht gekommen, da habe ich ihn zwischenzeitlich meiner Schwester geschenkt.“

„Zwischenzeitlich“ impliziert beim Empfänger, er hätte eine größere Chance gehabt, wenn er sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeldet hätte. Hatte ich in meinem Fall aber nicht. Mein Profil hat von Anfang an nicht gepasst, eine/r war besser als ich, und wir haben deswegen ja bis auf Bewerbung und Absage ja keinen weiteren Kontakt gehabt.

Hermann Scheer gestorben

Hermann Scheer während des hessischen Landtagswahlkampes Anfang 2008

Der Sozialdemokrat Scheer war ein streitbarer Parlamentarier und Aktivist, der zu seinen politischen Überzeugungen stand und die Menschen stets zu begeistern wusste. Auf dem wichtigen Feld der Ökologie prägte er wesentlich die sozialdemokratische Orientierung.

Mit seinem Entwurf zu einer radikalen Energiewende hin zu den Erneuerbaren Energien errang Hermann Scheer weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Anerkennung und Respekt. Sein politisches Ideal war, der Welt eine Energieversorgung zu gewährleisten, die ohne Atomkraft und Kohle auskommt.

Hessens SPD-Vorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel würdigte Scheers konzeptionelle Kraft. „Er hat in einzigartiger Weise politische Vision und praktisches Handeln verknüpft. Als einer der Väter des Erneuerbaren Energiengesetzes hat er der Energiewende zum Durchbruch verholfen und dabei ökologische Vernunft und wirtschaftlichen Erfolg gleichsam verwirklicht. Der nächste logische Schritt in Scheers Konzeption wäre es gewesen, in einem Kabinett von Andrea Ypsilanti die zukunftsweisende Energiepolitik am Beispiel Hessens beispielhaft umzusetzen. „Er war auch hier seiner Zeit weit voraus – Hermann Scheer hinterlässt uns mit dem Energiekonzept für Hessen den Masterplan für die dringend notwendige Energiewende.“

„Er war einer der Visionäre, die die Energiewende hin zu den erneuerbaren Energien vorgedacht haben und mit dafür gesorgt haben, dass Deutschland heute Vorreiter bei den erneuerbaren Energien ist“, sagte Tarek Al-Wazir Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag. „Hermann Scheer hinterlässt nicht nur in der SPD, sondern in der deutschen Politik insgesamt eine Lücke, die nicht zu schließen ist.“

Seit 1965 war Scheer Mitglied der SPD. Seit 1980 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1993 bis 2009 auch Mitglied des SPD-Bundesvorstandes.

Er war Präsident und Gründer der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien Eurosolar e.V. und Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energien (WCRE). 1999 wurde ihm der Alternative Nobelpreis verliehen, 1998 erhielt Scheer für sein Umwelt-Engagement den Weltsolarpreis. Als sein größter politischer Erfolg gilt vielen die Gründung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien, IRENA, im Jahr 2009.

Wenige Tage vor seinem Tod am 14. Oktober 2010 ist sein jüngstes Buch „Der energethische Imperativ“ erschienen.