Dreist oder naiv?

Da wird vor einem Jahr von einer Gruppe beklagtund woanders an erster Stelle breitgetreten – dass die Zeitung eine Pressemitteilung will (so sagt es die Zeitung), anstelle einen Reporter zu schicken.

Jetzt war ich dort und wurde (von jemand anderem) am Ende gefragt, ob es den Artikel vorher zum lesen gibt. Selbst wenn es so war wie vor einem Jahr beschrieben, passt das jetzt ja nicht so ganz zusammen, oder? War das jetzt dreist oder naiv?

Neulich im Gericht: Zeugenmangel

Der Prozess ist geprägt von abwesenden oder verspäteten Zeugen. „Haben sie etwas von dem Herrn A. gehört?“, fragt der Vorsitzende Richter den Zeugen B. nach der Vernehmung. B: „Der wird wahrscheinlich nicht kommen.“ Sie hätten miteinander telefoniert, und da habe Herr A. ihm das gesagt. Wie aus der Pistole geschossen fragen beide Berufsrichter und die Staatsanwältin: „Haben Sie die Telefonummer?“

Medienberatung

Ich verstehe nicht, warum manche Firmen das Wesentliche vergessen, wenn sie zu einem Pressetermin einladen. Nein, nicht Kaffee und Schnittchen, sondern einfach mal die eigenen Mitarbeiter informieren. Irgendwo in einem Riesengebäude ist ein Termin, aber wo? Ich stehe da und denke, dass ich das an der Information erfahren werde.

Dort aber weiß die gute Fee nichts. Ok, Marketing ist auch nicht ihre direkte Aufgabe, normalerweise kommen dorthin Kunden aus dem Einkaufszentrum. Was ich mich dennoch frage: Warum sagt die Verwaltung ihren Mitarbeitern nicht: „Leute, morgen ist von 12 Uhr bis 14 Uhr ein Pressetermin. Da kommen ein oder zwei Nasen, die wollen wissen, wo der aufblasbare Schwimmingpool steht. Die schickt ihr dann in den dritten Stock. Hier ist die Handynummer unserer PR-Chefin, die könnt ihr im Notfall anrufen, die kommt die Typen dann abholen.“

Aber nein, das hält man für nicht nötig, wohl zuviel Aufwand. Bitte. Nur, wenn die Veranstaltung dann keiner findet, ist das nachher sich über den Fehlschlag ärgern aufwändiger, als die Mitarbeiter zu informieren.

Das gleiche gilt übrigens auch für Vereine. Einfach allen Bescheid sagen, zum wem der Reporter geschickt werden soll, falls einer kommt. Und der Ansprechpartner, sollte nicht der sein, der erst um 17 Uhr kommt, sich mittags für ein Schläfchen eine Stunde ausklinkt, oder der, der eh schon alles organisieren muss und gar keine Zeit hat.

Kostenloser Strom für Elektroautos

Irgendwann beschwerte sich mal eine Bekannte, dass ihr Zeitungsartikel im Lokalteil zu wenig Hintergrund hätten. Das nagt seitdem in mir, und wenn ich die Chance und den Platz sehe, Hintergrund zu recherchieren, mache ich das auch. Voilà:

Echo online: Im Parkhaus geht’s an die Steckdose – Energie: Loop 5 und Entega bietenkünftig kostenlosen Stromtanken für Elektroautos an

Eine feine Sache. Nur: In Stadt und Landkreis sind es gerade mal 39 Elektroautos und 290 Hybridfahrzeuge gemeldet (Danke, liebe Pressestellen). In Land und Bund sieht es ähnlich überschaubar aus. Und wenn man gemein sein will: Die, die sich ein „prohibitiv hochpreisiges“ E-Auto leisten können, könnten den Strom dazu auch locker aus der Portokasse bezahlen.

Im Loop 5 in Weiterstadt sind ab sofort Ladestationen für Elektroautos kostenlos nutzbar. Die Stellplätze für die Autos sind mit diesem Tanksäulen-Pictogramm gekennzeichnet.

Aber bis 2020 sollen ja eine Million Autos auf deutschen Straßen mit Strom fahren, wenn man Wirtschaft und Bundesregierung und ihren Verkündungen vom Elektroautogipfel im Mai 2010 glaubt. Ein Ziel, das jedoch Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen aufgrund eigener Prognosen dämpft. Er rechnet bis 2020 mit 300.000 batterieangetriebenen Elektrofahrzeugen, 600.000, wenn man Hybrid-Antriebe dazunimmt.

Und Greenpeace ist sowieso misstrauisch gegenüber E-Autos: „Elektroantriebe können nur dann als Alternative zum Verbrennungsmotor gelten, wenn der Strom aus Erneuerbaren Energiequellen kommt.“ Das wäre beim Entega-Ökostrom im Loop 5 ja der Fall.

Gerade bei Google …

:-)


Ich wunderte mich soeben, dass der Eintrag über das Logo immer noch relativ viele Treffer bekommt. Also mal selber geschaut. Upps. So weit nach vorne zu kommen, hätte ich nicht gedacht.

Fotos von Angeklagten in der Zeitung, die nicht fotografiert werden wollen …

… können auch einen Nachteil haben, der denen, die diese Art von Pranger schätzen, wohl weniger gefallen wird. Einer der Ankläger erklärte mir:

Echo online: Schöffin befangen – Prozess geplatzt
Oberstaatsanwalt Rainer Franosch aus Frankfurt gab zu bedenken, dass Presseberichte, in denen man Angeklagte erkenne, auch ein Strafmilderungsgrund sein könnten. (…)

Bei zwei innenpolitischen Themen des vergangenen Jahres sehen die Ankläger aber ein sowohl als auch:

Die Ermittlungen seien mit Daten aus der inzwischen vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Vorratsdatenspeicherung vorangekommen, erklärten die beiden Oberstaatsanwälte Andreas May und Rainer Franosch (…) Die im vergangenen Jahr noch diskutierten (…) Internetsperren für kinderpornografische Seiten hätten diese technisch versierten Angeklagten allerdings nicht abschrecken können, räumten die Anklagevertreter ein.

Dennoch sind ihnen Netzsperren lieber als gar keine.

Marketing verspielt mal wieder Werte und Gefühle

Zur Zeit steht in der Stadt regemäßig ein Zeltling einer Hilforganisation. Die Mitarbeiter beuten meiner Meinung nach menschliche Werte auf neue Art und Weise aus. Die Mitarbeiter winken freundlich Passanten zu, oder begrüßen sie mit einem freudigen Hallo. Um dann dem, der stehenbleibt eine Mitgliedschaft aufzudrücken.

Eine ehemalige Schulsekretärin war promt darauf reingefallen, weil sie dachte, die junge Dame kenne sie von der Schule. Im ersten Moment denkt man ja so freundliche Gesten sind auch so gemeint – und man überlegt, wer das sein könnte. Tatsächlich aber geht es nur um mein bestes – mein Geld. Naja, Facebook-Freunde sind ja auch nicht unbedingt dass, was man unter Freunden versteht. Und Geschenke sind auch keine Geschenke mehr. Vielleicht gewöhne ich mich ja daran, so wie inzwischen ja klar ist, dass „kostenlos“ tatsächlich Probeabo, Flatrate oder Internetabzocke bedeutet.

Diese Akquise finde ich ja sowas von perfide, da mag das Projekt, dass dahinter steckt noch so wohlmeinden sein. Wenn man Agenturen engagiert, die solche Methoden anwenden, kann man bei mir nur verlieren. Wenn man so groß geworden ist, dass man zu solchen Mitteln greifen muss, muss man sich meiner Meinung nach etwas bei seiner Organisation (im doppelten Sinne) überlegen oder mal feststellen: Mehr geht nicht.