Ab 30. April: Schäden an Radwegen via Internet melden

Zu hohe Bordsteinkanten, fehlende Markierungen, verwirrende Schilder – solche und andere Schäden an Radwegen können Bürger im Rhein-Main-Gebiet künftig via Internet melden: Heute am 30. April wird die „Meldeplattform Radverkehr für die Region Frankfurt RheinMain“ online geschaltet. Und auch Darmstadt, Erzhausen und Weiterstadt sind bei den teilnehmenden 54 Städten und Gemeinden der Region Frankfurt Rhein-Main dabei.

http://www.meldeplattform-radverkehr.de

Bürger können ihre Beobachtungen dem System melden und mit eigenen Bildern illustrieren. Eine digitale Karte hilft bei der Lokalisierung. Das System informiert dann automatisch den Ansprechpartner der betreffenden Kommune. Zudem bietet das System den Kommunen die Möglichkeit, den Bürger für Rückfragen zu kontaktieren und über die Erledigung seines Hinweises zu benachrichtigen.

Das System wurde im Auftrag der Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain (IVM) entwickelt. Projektpartner sind unter anderem das Land Hessen, der Allgemeine Deutscher Fahrrad Club-Hessen und das Radfahrbüro der Stadt Frankfurt. Für die technische Realisierung ist die Ingenieurgruppe IVV aus Aachen verantwortlich.

Von Dezember 2009 bis März 2010 wurde die Meldeplattform von acht Kommunen (Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Darmstadt, Mühlheim am Main, Neu-Isenburg, Hofheim am Taunus, Friedrichsdorf und Bad Homburg v. d. Höhe) getestet. Schon während des Probelaufs wurde sie mit dem deutschen Fahrradpreis – „Best for Bike 2010“ als fahrradfreundlichste Entscheidung des Jahres 2010 ausgezeichnet.

Projektleiter Jan Annendijck von der IVM GmbH sieht dadurch die positiven Erfahrungen des Testbetriebes bestätigt: „Inzwischen wurden in diesen acht Kommunen bereits die ersten Meldungen bearbeitet. Ein gutes Beispiel ist eine defekte Fahrradampel, die bereits einen Tag nach der Meldungseingabe repariert war.“

Die Meldeplattform ist ab sofort über den Hessischen Radroutenplaner (www.radroutenplaner.hessen.de) erreichbar. Kommunen der Region, die sich dem System noch anschließen wollen, können sich bei der IVM jederzeit anmelden.

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Cannabis vs. Nikotin

Der psychiatrische Gutachter: „Es gibt Leute, die sagen ‚Cannabis ist weniger schädlich als Nikotin‘. Was in Teilen richtig ist.“ Und fügte hinzu: „Ich will das jetzt nicht propagieren.“ Denn der Facharzt für Psychiatrie merkte, dass die Richter anfingen zu grinsen.

In der Pause plauderte ich mit einem Verteidiger. „Als der Gutachter das mit dem Cannabis sagte, habe ich mich gleich umgedreht, weil ich mir dachte, dass Sie das bestimmt aufschreiben.“

Stimmt. :-D

Die Welt mit Kinderaugen – Fotoausstellung Darmstädter und Brasilianischer Kinder in Kranichstein

In der Fotoausstellung „Die Welt mit Kinderaugen“ stellen die jungen Fotografen der Stadtteilschule Arheilgen und der Elendsviertel aus Recife, Brasilien, ihre unterschiedlichen Lebenswelten vor. Ab Sonntag, 2. Mai, werden die Bilder im Foyer der evangelischen Kirche des ökumenischen Gemeindezentrums bis Mitte Juni ausgestellt. Am 16. Januar war die Ausstellung in der Stadtteilschule in Arheilgen eröffnet worden.

Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation „Gruppe AdoleScER“ in Recife, die Hannah Müggenburg, eine Studentin aus Darmstadt, im Jahr 2009 zum zweiten Mal besuchte. Die Kinder in Darmstadt und Brasilien fotografierten ihre Wohnumgebung unter der Perspektive, was sie besonders schön und wichtig in ihrem Umfeld finden und jemandem, der noch nie an ihrem Ort war, zeigen möchten.

Die Ausstellung möchte die Unterschiede der Lebensweisen, aber auch die vielen Gemeinsamkeiten der Menschen aus Perspektive der Kinder aufzeigen. Die Verbindung zwischen den Kindern aus unterschiedlichen Kontinenten soll hierdurch gestärkt werden. Durch die Gegenüberstellung der brasilianischen und deutschen Bilder sollen die Kinder lernen die unterschiedlichen Lebenswelten als eine Welt über ihren eigenen Horizont hinaus zu begreifen. Dabei sollen sie erkennen, dass trotz der vielen (kulturellen) Unterschiede im Grunde viele Gemeinsamkeiten bestehen.

Der Grundsatz ist: Kinder helfen Kindern! Durch die verschiedenen Aktionen sollen die Kinder erleben, dass sie selbst etwas bewegen und verändern können. Die Kinder der Stadtteilschule hatten sich bereits im Vorfeld für das Projekt der Entwicklungszusammenarbeit engagiert, in dem sie eigene Ideen entwickelten, wie sie Kindern ihren Alters in ihren schwierigen Umständen helfen können. In diesem Zusammenhang sammelten sie Spenden im Wert von insgesamt ca. 1400 Euro, traten in Briefkontakt mit den brasilianischen Kindern und wichtelten ihnen an Weihnachten kleine Kristallsterne.
Bei Ausstellungseröffnung verkauften die Kinder Buttons für das Projekt und konnten eine Spende von 100,- Euro erreichen. Außerdem beteiligten sich die Kinder am Wettbewerb von Kinderwelten und bekamen als Anerkennung für Ihr Engagement den „Sharety Award“ und eine Spende von 250 Euro, die sie erneut AdoleScER zu Gute kommen lassen.


„AdoleScER“ besteht seit dem Jahr 2000. Die Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Recife, hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen in Armenvierteln Perspektiven für ein besseres Leben zu eröffnen. Sie setzte dabei in erster Linie auf Bildung und Selbstverantwortung – und damit auf Hilfe zur Selbsthilfe. Der Name „AdoleScER“ ist portugiesisch und steht mit seiner wechselnden Groß- und Kleinschreibung übersetzt für „Jugendlicher sein“.

Weltpresse in Darmstadt

Heute beginnt im Darmstädter Landgericht der Prozess gegen den Bombenleger von Viernheim. Mit entsprechenden Medienaufgebot, da der Mann im vergangenen August in Viernheim und Weinheim unterwegs war. Das bedeutet, die Taten fanden im Beritt mehrerer Zeitungen, zweier ARD-Anstalten und natürlich jede Menge Privatsender statt.

Fernsehübertragungswagen vor dem Landgericht Darmstadt

Siehe auch Echo-online: Mutmaßlicher Bombenleger von Viernheim gesteht.
FR: Viernheimer Bombenleger gesteht

Wortwahl

Über den Begriff „sexuellen Missbrauch“ muss man nachdenken und seine Verwendung überdenken. Im März griff das schonmal kurz ein Echo-Kommentar auf:

Missbrauch sagen Juristen dazu – aber dieser Begriff ist noch verquerer, als es juristische Fachwörter üblicherweise sind. Denn er legt den absurden Schluss nahe, dass es einen bestimmungsgemäßen Gebrauch von Kindern oder Jugendlichen zum Zwecke sexueller Befriedigung geben könnte.

Und heute Sueddeutsche-online:

Das Wort vom „sexuellen Missbrauch“ von Kindern und Jugendlichen verunklart und versteckt die Wahrheit. Es ist ein Wort aus der Zeit der Schweigekartelle, aus der Zeit, in der sexuelle Übergriffe an Kindern verharmlost, verschwiegen oder gar nicht zur Kenntnis genommen wurden. Dieses Wort sexueller „Missbrauch“ tut so, als gäbe es auch einen durchaus tolerablen sexuellen „Gebrauch“ von Minderjährigen. Es gibt ihn nicht. Der sexuelle Missbrauch in Erziehungs- und Abhängigkeitsverhältnissen ist sexuelle Gewalt.

Nachwuchsförderung und Sprachlosigkeit am Luisenplatz

„Ich mache fürs Uni-Radio eine Umfrage“, kam eine Studentin heute auf mich zu. „Ok“, sagte ich und die Studentin fragte: „Der Stadtrat hat ja dem Bau der Nordostumgehung zugestimmt, „was sagen sie dazu?“

Ich sagte erstmal nichts, denn ich hatte plötzlich einen Satz Gedanken im Kopf: „Was sag ich jetzt? Wieso, wird die jetzt doch gebaut? Wann war das, denn im letzte Stadtparlament war da doch nichts, ich war doch da? Ach, ist die doch nicht von H., die fragen doch so viel? Welcher Stadtrat hat denn für die Nordostumgehung gestimmt? Das war doch das Stadtparlament? Wenn überhaupt, dann ist doch die Finanzierung noch gar nicht gesichert? Meint die jetzt den beschlossenen Luftreinhalteplan in dem die NOU noch drinsteht? Und ist ‚Journalisten fragen Journalisten‘ überhaupt ein sinnvolles Konzept?“

„Hm“, sagte ich, da fällt mir jetzt so nichts ein.“ Irgendwie musste ich das Schweigen ja auflösen. „Ich brauche das aber für ein Studien-Projekt in Mainz.“ ‚Aha, dachte ich, daher die Verwirrung wegen Stadtrat und Stadtparlament. Und es ist gar nicht die TU.‘ Und nachgefragt: „Wann hat das Parlament denn zugestimmt?“ – „Ja, im Februar.“ – ‚Ach so“, dachte ich, ‚das war der Satzungsbeschluss‘. Ohne Finanzierung wird da kein Zentimeter gebaut. „Also: Ein knapp gescheiterter Bürgerentscheid ist nunmal auch gescheitert. Da die Regeln fürs Quorum vorher allen bekannt waren, sollte man sich da bitte an die Spielregeln halten. Aber bei dem momentanen Haushaltsdefizit brauchen wir die Nordostumgehung erstmal nicht.“

Bürgerinitiative für Stadtteilbüchereien gegründet – Ausleihstatistiken

Am 20. April hat sich die Bürgerinitiative „Büchereien bleiben“ gegründet. Die BI will unter anderem die Bessunger Stadtteilbücherei erhalten. Da soll die SPD „in der Kulturausschusssitzung am 14.04.2010, konkret von der Schließung der Bessunger Stadtteilbibliothek gesprochen“ haben. Zwei der (für mich zweifelhaften) Gründe der Initiative für Bessungen sind:

Die Stadtteilbibliothek Bessungen ist eine besonders schöne und in unseren Augen sehr viel genutzte Zweigstelle der Stadtbibliothek.

Über Schönheit kann man streiten aber die Nutzerzahlen sind bekannt. Und da sieht es für die Bessunger Zweigstelle nicht so dolle aus.

Stadtbibliothek Darmstadt: Ausleihen 2007 bis 2009 nach Standorten (ohne Hauptstelle im Justus-Liebig-Haus). Generell sinken die Ausleihzahlen seit drei Jahren.

Für 2008 habe ich einmal die Ausleihen in Relation zur Einwohnerzahl gesetzt:

Ausleihrelationen

Vergleicht man die Ausleihstatistik der Darmstädter Stadtteilbibliotheken im Jahr 2008 mit den Einwohnerzahlen der Stadtteile, stellt man fest, dass die Kranichsteiner ihre Zweigstelle der Stadtbücherei relativ häufiger nutzen als andere Darmstädter Stadtteile.

Die Argumente „arbeitet insbesondere mit der Mornewegschule und Kindergärten zusammen“ und „Grundschüler werden nur selten selbständig in die Hauptstelle kommen“, sind meiner Einschätzung nach auch schwach. In anderen Stadtteilen gibt es ebenfalls Schulen und Kitas, die Kranichsteiner Zweistelle liegt beispielweise im gleichen Gebäude wie die Erich-Kästner-Gesamtschule. Und von Arheilgen, Eberstadt und Kranichstein aus ist es noch viel weiter bis in die Innenstadt.

Damit bleibt meiner Einschätzung nach am Ende nur die für die Stadt teure alles-oder-nichts-Argumentation, oder die Stadtteile spielen sich gegeneinander aus.

Weiterhin frage ich mich, wer seine Kinder in die Bücherei schickt oder lässt? Ist das am Ende eh die bildungsbeflissene Mittelschicht, Haushalte, die mindestens eine Bücherwand in der Wohnung haben? Oder unterstützen die Leihbüchereien überwiegend Kindern aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“, oder die, die sich keine Bücher leisten können?

„Carta“ gegen Abmahnungen: Bitte nicht Grundgesetz mit Urheberrecht vermischen

Via Bildblog: „Abmahnrepublik Deutschland„, titelt das Blog „Carta“ und nimmt sich des Abmahnwahns an.

Rechtsprechung wird damit zur Machtdemonstration. Die Kläger sitzen am längeren Hebel. Sie haben die Mittel und die raffiniertesten Kanzleien (mit Stundensätzen ab 250 Euro aufwärts): Der „Abmahnwahn“ ist ein lukrativer Geschäftszweig geworden.

So richtig der Absatz das alles zusammenfasst, so zeigt er auch wie falsch und wenig hilfreich die Zusammenfassung ist. Wolfgang Michal wirft nämlich Abmahnungen wegen Meinungsfreiheit, Urheberrechtsverletzungen und andere Unterlassungsansprüche in einen Topf. Gemeinsam ist ihnen nur die willkürliche Streitwertfestsetzung durch den Abmahner, aber nicht die Tragweite.

Wenn ein Fotograf einen abmahnt, weil der dessen Bild unberechtigt nutzt, ist das was anderes, als wenn ein Konzern, Verein oder eine Reliogionsgemeinschaft einen Blogger wegen Meinungsäußerung oder wahrer Tatsachen abmahnt.

Das eine will das eigene Werk (und seinen Lebensunterhalt) schützen; und das andere will den unbequemen, leider die Wahrheit sagenden, aber mittellosen, Publizisten/Blogger zum Schweigen zu bringen.

Also bitte nicht Grundgesetz Artikel 5 mit Urheberrecht vermischen, das dient der Sache meiner Meinung nach überhaupt nicht, weil diese Allianz im Ansatz auseinanderfliegt und auch kein Politiker das unterstützen wird. Wenn, dann ist Presse- und Meinungfreiheit meiner Meinung nach der Hebel welcher – gegen den Politiker auch nichts sagen können, sind schließlich alle für die FDGO. :-) Nur braucht es dafür Beispiele, die so schlagend (und frei von Urheberrechts- oder Beleidigungsfällen) sind, dass selbst Abgeordnete einsehen, dass etwas unternommen werden muss.

Ich habe mich mit dem Thema ja auch schon beschäftigt (war natürlicher wegen ansonsten hier vorherrschender Trivia- und südhessischer Provinzialität dem Bildblog nicht aufgefallen ;-):

Abmahnungen sind zu einfach

Bloggerschutzverein? … ein Bloggerschutzverein hätte allerdings auch harte Regelungen, dass dessen Juristen entscheiden, wann der Verein einem helfen wird und wann nicht. Und da werden die Ersten bestimmt beleidigt wieder austreten, weil sie ihre Schmähkritik nicht geschützt bekommen etc…

Artikel 5 Grundgesetz – Ein Grundrecht hat halt seinen Preis

Die Freiheit der Reichen – „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten”, schrieb der deutsche Publizist Paul Sethe in einem Spiegel-Leserbrief 1965 und dachte an den enormen Aufwand den Massenpublikationen damals benötigten, nämlich Druckereien. Dass dieser Spruch ausgerechnet in der Welt des Internets, in der Pixel fast zum Nulltarif bedruckt und weltweit verbreitet werden können, wieder wahr wird, hätte Sethe vielleicht doch nicht gedacht …

Unabhängig davon kann man das mit dem fliegenden Gerichtstand angehen und eine zivilrechtliche Regelung, dass man bei unberechtigter Abmahnung gleich seine Anwaltskosten ersetzt bekommt.