Da hat die Rundschau also alles richtig gemacht

Im Hessischen Landtag kritisierten gestern die Regierung und die sie tragenden Fraktionen die Wolski– und Steuerfahnderberichterstattung der Frankfurter Rundschau.

Na prima. Denn: Lobt einen die Regierung für einen Artikel ist das zwar auch irgendwie schön, aber bei mir kommt dann immer der Verdacht hoch, dass ich was übersehen habe. Aber wenn sich Regierungspolitiker so mit der Presse beschäftigen, wie der Artikel vermittelt, dann hat man – aus seinem Selbstverständnis als Verfassungsorgan – erstmal alles richtig gemacht. :-D

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Abmahnen – einfach und risikolos

Jetzt ist „die lustigste Abmahnung des Jahres“ auch bei SpOn angekommen. Eine Firma mahnte drei Website-Betreiber ab, weil sie ihr Firmenlogo auf deren Sites entdeckt hatte.

Tatsächlich aber stammte das Firmenlogo vom firmennetzwerkinternen Werbeblocker. Der tauschte die Werbung gegen das Logo aus. Das Unternehmen hat das inzwischen selbst festgestellt und die Abmahnungen zurückgezogen.

Mir zeigt das (mal wieder), dass Abmahnungen zu einfach und zu wenig riskant für den Abmahner sind. Schließlich hatte das Unternehmen mit allem gewedelt was ging, wie Karsten Windfelder seine „Witzabmahnung“ beschreibt:

“es zu unterlassen […] für jeden Fall der Zuwiderhandlung […] eine fällig werdende Vertragsstrafe in Höhe von 25.000 EUR zu zahlen.”

“die durch die Einschaltung einer Rechtsanwaltskanzlei entstehenden Kosten […] aus einem Streitwert von 50.000 EUR zu erstatten.”

“Wir haben Sie daher aufzufordern […] bis zum […] einzustellen. Weiterhin haben wir Sie aufzufordern, aufgrund der Verletzung […] eine strafbewehrte Unterlassungserklärung […] abzugeben. […]. Wir fordern Sie auf […] Sollten Sie diese letzte Gelegenheit zur gütlichen Einigung des Sachverhalts nicht wahrnehmen, werden wir unsere Rechte bei Gericht […].”

Mal einen Streitwert einseitig festsetzen, abmahnen und dann gucken was passiert, scheint mir der einfachere Weg zu sein, als sich erst kundig machen. Abmahnen ist offenbar risikolos, wenn man falsch lag rudert man zurück, sagt „tschuldigung“ und alle freuen sich, dass nichts passiert ist. (Mein Traum: Bei ungerechtfertigte Abmahnungen muss der Abmahner seinem „Opfer“ den von ihm eigenmächtig festgesetzten Streitwert bezahlen. Damit man einfach vorher nachdenkt und auch beim Streitwert auf dem Teppich bleibt.)

Mich würde mal interessieren, wie es denn wäre, wenn einer der Websitebestreiber genauso ausversehen wie die Firma das Firmenlogo verwendet hätte? Ich vermute, dass das Unternehmen dann nicht mit einer Eintrag auf der Startseite diesem zufrieden wäre:

Ad-Blocker-Abmahnung: hierbei handelt es sich um einen bedauerlichen unternehmensinternen Fehler. K. hat die 3 Abmahnungen bereits am Donnerstag umgehend schriftlich zurückgezogen und sich bei den betreffenden Personen entschuldigt.

via Cynxpire

Entspannender und attraktiver ÖPVN? Nein.

„Entspannt, sicher und umweltfreundlich ans Ziel kommen – mit dem ÖPNV ist das möglich“, so eröffnete im Dezember eine städtische Pressemitteilung zu einer ÖPNV-Werbekampagne. 30.000 Euro werden rausgeblasen für eine Werbekamapgne mit Motiven, die auf „charmante und ansprechende Weise für den öffentlichen Nahverkehr im Dadina-Gebiet“ (Landrat Klaus-Peter Schellhaas und stellvertretender Dadina-Vorstandsvorsitzender) werben sollen.

Ich weiß nach einem Monat immer noch nicht nicht, was die Kampagne soll. Das Problem ist doch nicht, dass die Leute nicht wissen, dass es Bus und Bahn gibt, sondern dass sie eben wissen, dass die Dinger nicht fahren, wenn sie sie brauchen! Ich sach‘ nur: 20.48 Uhr an einem Wochentag an Schloss Braunshardt. Da hat man gerade den Bus verpasst und darf bis 22.17 Uhr (!) warten, bis der nächste kommt. Mit solchen Aussichten fährt man doch gleich mit dem Auto. Wie wäre es, wenn man für die 30.000 Werbeeuros lieber einen zusätzlichen Bus einsetzt? Oder solche Busse, die alle zwei Stunden fahren, lieber gleich einspart, anstelle eine abendliche Nahverkehrsversorgung vorzugaukeln, die keiner nutzt.

Wer von „entspannt“ im Zusammenhang mit dem ÖPNV spricht, der fährt meiner Meinung nach nicht damit. Tut mir leid, „entspannend“ finde ich die Fahren mit Bussen und Bahn gar nicht. Vielleicht bei Direktverbindungen. Aber die Nerverei geht schon lange vor dem Einsteigen los. Nämlich wenn man sich den Fahrplan bei RMV.de zusammensucht. Da werden einem Verbindungen angezeigt, die Schwachsinn sind. Um 0.16 Uhr an besagten Schloss Braunshardt einsteigen und schon ist am um 4.20 Uhr am Darmstädter Hauptbahnhof. Das geht so schnell, weil man in Weiterstadt-Schneppenhausen nur eine halbe Stunde und am Darmstädter Luisenplatz schlappe zweieinhalb Stunden auf die Anschlüsse warten muss. Über solche Angebote kann man sich doch nur ärgern. Lieber RMV: Lass sie einfach weg oder schreibe, dass man besser und schneller läuft.

Aber entspannend ist das danach immer noch nicht, weil man dann an der Haltestelle steht und hofft, dass die Busse und Bahnen pünklich sind, weil sonst die Anschlüsse nicht aufgehen. Und im Bus muss man sich entweder auskennen, wo man raus muss oder wie ein Luchs auf Ansagen und Anzeigen aufpassen. Wie entspannend man fährt, hängt auch davon ab wie voll es gerade ist. Wenn einen die Termine in eine Bahn zwingen, die zum Schulanfang oder -ende fährt, dann ist das auch eher eng als entspannend.

Und nebenbei immer mal auf die Uhr geguckt, ob auch der Anschluss noch passt. Was aber wenig nützte. Wenn am Luisenplatz abends der L-Bus vor der Nase so wegfährt, dass man in aus der Linie 8 heraus nie bekommen kann, erklärt einem der Fahrer, dass da ja auch gar kein Anschluss vorgesehen ist. Was tatsächlich stimmt. Nur frage ich mich, wozu ich eigentlich eine Haltestelle vor der Tür habe, wenn der Bus keine Anschlüsse hat? Was ist daran entspannend bei Regen und Dunkelheit zwei Häuserblöcke zu laufen?

Nochmal Schnellhaas: Man wolle deutlich machen, dass „der öffentliche Nahverkehr eine attraktive Alternative zum Auto ist und unsere Fahrgäste mit Bus und Bahn schnell und zuverlässig unterwegs sind.“ Wie attraktiv? So attraktiv, dass der Landrat/Oberbürgermeister alle seine Termine im Kreis/in der Stadt ohne Dienstwagen nur mit dem RMV absolviert? Wenn das mal so weit ist, dann können wir über ein attraktives Angebot sprechen.

Oder man steckt die 30.000 Euro in eine Kampagne bei Vereinen, Verbänden, Parteien und Veranstaltern, dass diese bei ihren Terminen den ÖPNV-Fahrplan berücksichtigen. Also nicht um 19 anfangen/aufhören, wenn der Bus nur alle Stunde um 18.10 und 19.10 Uhr kommt/abfährt etc.

Jeff Jarvis über Lokalberichterstattung

Jeff Jarvis in einem Focus-Interview:

„Ich denke, eine lokale Zeitung muss sich radikal verändern und sich voll und ganz auf Lokalberichterstattung im besten Sinn konzentrieren. Es gibt keinen Grund, warum sie auch den Rest der Welt beackern müssten.“

Und erhält es sogar durch Werbung im Internet für finanzierbar:

In neuen Geschäftsmodellen für Nachrichtenprojekte versorgen manche Blogger Städte mit gerade mal 60 000 Menschen, die zwischen 100 000 und 200 000 Dollar jährlich an Werbegeldern einbringen.

via Bildblog – 6 vor 9

Geht es Journalisten bald wie Musikern?

Gehen Jpurnalisten dann auch auf Tournee? Zeitungen finanzieren sich und ihre Mitarbeiter zur Zeit durch einen Einnahmemix, der von Anzeigen und Abonnenten kommt. Das Modell wankt derzeit, die Abozahlen sinken und vieles steht „im Internet“ für lau.

Und was finanziert nun den Journalisten, der versucht davon zu leben für andere Nachrichten zusammen zu sammeln, wenn es keine Abos mehr gibt und durch Internetanzeigen weniger reinkommt?

Mich erinnert die Situation und eine mögliche Antwort an die Situation der Musikindustrie seit Ende der Neunziger. CD-Absätze sanken (die Analogie zu weniger Abos) aber die Leute hatten dennoch Musik, weil sie im Radio lief und Leute sowas wie MP3s und Napster erfunden hatten. Und heute stehen Videos auf YouTube, jederzeit mehr oder weniger abruf- und auch speicherbar.

Was machen seitdem die Musiker? Sie geben mehr Konzerte, denn das Erlebnis kann man online nicht kaufen.

„Den Bands brachen daraufhin die Einnahmen weg, und der finanzielle Druck stieg, sich eine neue Geldquelle zu suchen.“
Der britische Musikprofessor und Rockkritiker Simon Frith bei SpOn

Also werden irgendwann die Leser entscheiden, welchen Schreiberling sie bevorzugen und das nicht mehr den Verlegern oder Redaktionen überlassen wollen? Werden Journalisten gegen Eintritt Lesungen ihrer besten Artikel veranstalten? Und Werbung auf ihren ihren Blogs und Nachrichtenseiten schalten?

Ich vermute: Ja.

Und heute finde ich bei Thomas Knüwer (eigentlich steht es im Guardian und bei Turi2) ein Zitat eines Greg Hadfield, bis vor kurzem ein Chef bei der Telegraph Media Group.

„The future is individual journalists, not big media.“

Ok, ich sehe meine These bestätigt – es gibt nur eine Schwierigkeit, dazu nochmal Simon Frith:

„Das betrifft nämlich nur das obere Ende von Künstlern – also U2 oder die Rolling Stones. Viele Bands spielen immer noch fast für umsonst und müssen um jeden Auftritt kämpfen.“

Möglicherweise reichen ja ein paar Edelfedern vom Schlage Stefan Niggemeiers, Hans Leyendeckers, meinetwegen auch Kai Dieckmann und der Rest wird durch Veranstaltungshinweise und Pressemitteilungen – mal von der einen interessierten Seite, dann von der anderen – abgedeckt.

Seit 6 Uhr neu auf Sendung: DRadio Wissen – Ohne UKW-Frequenz (Update)

Heute um 6 Uhr startete DRadio Wissen, das neue, digitale und werbefreie Wissensprogramm des Deutschlandradios. DRadio Wissen (was man eigentlich D-Radio schreiben müsste, so wie E-Mail) will über alles von Wissenschaft bis Alltagswissen berichten, von Campus bis Karriere, von Natur bis Literatur, von Web bis Wirtschaft. „Weltnachrichten“ gibt es zur vollen und zur halben Stunde, „Wissensnachrichten“ zur Viertel- und zur Dreiviertel-Stunde.

Das neue Programm soll Wege für das Radio von morgen testen. Es ist ein Radiolabor mit Netzanschluss und ohne UKW-Frequenz. Und nach meiner stundenlange Suche offenbar auch eines ohne Radiohörer in Darmstadt. Weil ich nirgendwo Frequenzen finde. Bleiben also nur der Online-Livestream und die Podcasts.

A propos online: Es wird getwittert und gebloggt – wobei ich hoffe, dass das Blog hoffentlich nicht so selbstschulterklopfend wird wie das der ebenfalls öffentlich-rechtliche der Tagesschau.

Online gibt es noch (frequenzangabenfreie) Pressetexte (ZIP, 600kB) und Fotos (ZIP, 6,02MB, 7,1MB.

Nachtrag: Die FAZ hat in den Bericht der Rundfunkgebührenkommission geguckt und festgestellt, dass für DRadio Wissen 28 neue Planstellen geschaffen worden sind und bis 2012 26,2 Millionen Euro ausgegeben werden sollen.

Walter Hoffmann gestürzt

Nach einer turbulenden Woche um HSE-Pensionen, Hoffmanns OB-Kandidatur und einer Krisensitzung der SPD-Fraktion am Donnerstagabend, trat Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) heute morgen zurück.

Er verkündete dies nach langen hin und her vom Balkon des Neuen Rathauses.
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„Die Vier. Eine Intrige“ – Eine Lesung mit Volker Zastrow

Das Darmstädter Kulturforum der Sozialdemokratie lädt für Mittwoch (20. Januar) um 19 Uhr in den Bessunger Jagdhofkeller, Bessunger Straße 84 zu einer Lesung mit Volker Zastrow ein.

Volker Zastrow, Politikchef der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ liest aus seinem Buch „Die Vier. Eine Intrige“ und beleuchtet die Vorgänge rund um den an vier sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten im November 2008 gescheiterten Regierungswechsel in Hessen.

Amazon-Affiliate-Link: “Die Vier. Eine Intrige” von Volker Zastrow
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