Vor zehn Jahren – bleibt alles anders

„Publish or perish“ hieß und heißt es so schön in den Naturwissenschaften. Ohne Publikation ist es mit der Karriere Essig. Im Oktober 1999 war es für mich endlich soweit – meine erste (wichtige) Publikation: Cathepsin D targeted by acid sphingomyelinase-derived ceramide.

Insgesamt habe ich in der Branche sieben „Paper“, bzw. mein damaliger Chef schaffte es die ganzen Daten aus den fünf Jahren sechs Mal unterzubringen

Eigentlich hat sich nicht viel geändert. „Publish or perish“ heißt es für mich immer noch.

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Island bald ohne McDs Thousand Island Dressing

Island verliert zwei Burgerbuden:

Die Welt, 27.10.2009, Unrentabel – McDonald’s gibt Island auf – Island wird in wenigen Tagen keinen einzigen McDonald’s mehr haben. Die beiden Filialen der US-Fast-Food-Kette in dem Inselstaat im Nordatlantik schließen am 1. November […] McDonald’s musste in Island alle Waren – Fleisch, Gemüse, Käse und sogar die Verpackungen – importieren. Der isländische Markt war zu klein, um diese Produkte vor Ort zu produzieren.

Etwas Hintergrund hätte der Meldung auch nicht geschadet und erklärt: Island ist etwa so groß wie Baden-Württemberg und Bayern zusammen, hat etwas mehr Einwohner als Mannheim, aber logischerweise kein Einzugsgebiet.

Keine Verbindung zwischen Burg Frankenstein und Filmmonster – Eberstädter Geschichtsverein vermisst wissenschaftliche Beweise

Was hat der Eberstädter Hausberg Frankenstein (der auf Nieder-Beerbacher Gemarkung liegt) mit dem gleichnamigen legendären Monsterfilm von 1931 und dem Roman von 1818 zu tun? Wenig bis gar nichts nach den Recherchen des Geschichtsvereins Eberstadt-Frankenstein.

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„Wir wollen keinem das Geschäft verderben, betonte Vereinsvorsitzender Erich Kraft. „Das ist eine klasse Idee für die Region“. Aber ein Geschichtsverein habe die Aufgabe Legenden und Anekdoten von der Historie zu trennen.

„Es kommt überhaupt keine Burg im Roman vor“, sagte Michael Müller in seinem Vortrags Ende September 2008 im Ernst-Ludwig-Saal. „Erst in späteren Verfilmungen wurde eine Burg in die Handlung eingebaut.“ Hinweise, die vor allem von rumänischstämmigen Professor und einem deutschen Journalisten kommen, verwarf der zweite Vorsitzende des Geschichtsvereins.

So soll die Frankenstein-Autorin Mary Shelley 1814 auf einer Deutschlandreise den Frankenstein besucht haben, als sie in Gernsheim am Rhein Station machte.Angeblich gebe es ein Tagebuch Shelleys, beschrieb Müller. Aber es gebe auch einen Tagebucheintrag vom 2. September 1814 von Shelleys Schwester Claire. Demnach war die Gruppe nachts für drei Stunden in Gernsheim. Müller präsentierte Fotos, die von Gernsheim aus den Frankenstein bei Tag zeigen. Nur dank zweier roter Pfeile konnten die 100 Zuhörer die Burg über Malchen (ein Ortsteil Seeheim-Jugenheims) entdecken. Zudem seien vor 194 Jahren die Burgtürme eingefallen gewesen, zeigte Müller eine Zeichnung von 1813. Müller glaubt nicht, dass man die Burg habe erkennen können. Und: „Einträge im Eberstädter Kirchenbuch, die den Aufenthalt der Engländer belegen sollten, gibt es nicht.“

Auch einen anderen Zusammenhang zwischen Burg und Monster konnte Müller nicht bestätigen. Mary Shelleys Stiefmutter Mary Jane Clairmont soll Kontakt zum Märchensammler Jakob Grimm gehabt haben. In einem Brief soll Grimm ihr von einer Sage um ein Monster und einen Zauberer bei Nieder-Beerbach berichtet haben. „Der Grimm-Brief ist der Gebrüder Grimm-Gesellschaft unbekannt“, sagte Müller.

Den Alchemisten Konrad Dippel als historisches Vorbild für den fiktiven Roman-Monstererschaffer Viktor Frankenstein zu sehen, ist für Michael Müller unsicher. Dippel wurde zwar auf der Burg geboren, habe aber nicht dort experimentiert, sondern im Mühltal. Als Vorbild für den Schöpfer des Monsters kämen jedoch auch viele andere Naturwissenschaftler des 18. und 19. Jahrhunderts in Frage. Müller kam zu dem Schluss: „Mit viel gutem Willen kann man allenfalls festhalten, dass sich Mary Shelley von allen Orten des Namens Frankenstein der Burg an der Bergstraße wohl am nächsten näherte“.

(Den Artikel hatte ich 2008 für „Die Lokale Zeitung“ geschrieben.)

Wie man Möchtegernsportler demotiviert

Im HR läuft die Reportage „Mit eisernem Willen zum Ironman„. Ein bisher eher unsportlicher Sportjournalist will den „Ironman Frankfurt“-Triathlon mitmachen. Dafür muss er natürlich erstmal trainieren.

Und so erfährt der Zuschauer, was man alles falsch machen kann, vom Rad über die bisherigen Laufschuhe bis hin zur Ernährung. Aber damit der Sportjournalist dass auch packt, hat er ein paar Experten an seiner Seite.

Und spätestens da bewirkt der Film meiner Meinung nach genau das Gegenteil, von dem was gewollt ist. Denn die Experten sind welche, an die man als Normalo doch gar nicht rankommt: Franziska van Almsick (Schwimmerin), Kai Hundertmarck (Radprofi) und Lothar Leder (Triathlet). Der Schluss, den man zieht – auch wegen der High-Tech-Beratung in Sachen Schuhe und Fahrrad – ist doch, dass man es nur falsch machen kann, und ohne professionelle Hilfe es besser bleiben lässt. Mich motiviert sowas jedenfalls so gar nicht.

Was so reinkommt (9): Loop 5 hat Millionsten Besucher gezählt

Aus der Pressemitteilung von heute:

Noch keine zwei Wochen ist es her, als das LOOP 5 am 9. Oktober offiziell eröffnet wurde und schon hat das Einkaufs- und Freizeitzentrum 1.000.000 Besucher nach Weiterstadt gelockt. Mit einem großen Blumenstrauß überraschte Centre Manager Heiner Hutmacher am heutigen Donnerstag die einmillionste Besucherin.

Aber das, was eigentlich viel wichtiger ist: ;-)

Am 1. November hat das spektakuläre Shoppingcentre erstmals auch an einem Sonntag geöffnet. Von 13.00-19.00 Uhr kann dann ganz
entspannt geshoppt werden.

Hart – aber fair? (Updates zu Regividerm)

Was war das denn, Frank Plasberg? Da nimmt der Moderator einer zu „Hart aber fair“ eingeladenen Diskussionteilnehmerin ihre Grafik weg, um sie kurz in die Kamera zu halten, erklärt sie für unverständlich – und zerknüllt sie.

Eine halbe Stunde später kommt eine Erklärung. Man werde die Grafik fürs Fernsehen aufbereiten, er habe nur zeigen wollen, dass man auf DIN A4-Ausdrucken im TV nichts erkenne. Nachtrag: Es war diese WHO-Grafik (PDF).

Da gab es wohl doch zu viel Druck im Gästebuch zur Sendung … (Ist wohl inzwischen wieder offline.)

Kurz vor Schluss wird die Sendung aber beliebig. Plasberg flanscht noch den „Regividerm“-Film der ARD an. Was das mit dem Thema „Schweinegrippenimpfung“ zu tun hat, kann ich nicht erkennen. Vielleicht sollen die Zuschauer mit der Nase draufgestoßen werden, was für investigative Kracher bei der ARD laufen.

Nachtrag: „Hart aber Fair“ bei YouTube: Teil1, Teil 2

Nachtrag: NDR-Zapp über Plasberg und Regividerm.

Was an „Regividerm“ dran ist, kann ich nicht einschätzen, aber das pharmakritische Blog „Stationäre Aufnahme“ hat da so seine Zweifel (und inzwischen über 50 Updates dazu. Das ganze scheint ein PR-Nummer gewesen zu sein, vielleicht hatte sich der WDR da einspannen lassen. Siehe auch Regividerm – ein Krimi um eine Creme? beim Psoriasis-Netz und das Ökotest-Forum.

„Alles möglich bei ‚Hart aber fair'“, sagte Plasberg zum Schluss der Sendung – wie wahr.

Update: Scienceblogs: Regividerm -Die Studien zur Wirksamkeit enthalten allesamt methodische Mängel.

Mich erschreckt, wie überzeugt Plasberg in der Sendung die „glänzend absolvierten klinischen Studien“ zu bringen versprach und dann drei Textchen als diese präsentiert werden. (inzwischen sind wohl noch TÜV-Gutachten (die zertifizieren inzwischen ja ziemlich viel) dazugekommen.

Eine ist eine Präsentation, das andere eine Zusammenfassung, die genauso gut bei SpOn oder in der Bild hätte stehen können. Nur eine echte wissenschaftliche Arbeit ist dabei – die mit den 13 Patienten.

Und wieso gibt es zu der Suche nach „Vitamin B12 avocado“ auch nur diese eine Arbeit in der Medline? Wenn die Salbe doch so durchschlagend gewirkt hat, wäre es doch nicht bei zwei drei Papern geblieben? Irgendein Journal hätte die Folgeuntersuchungen bestimmt gebracht, es gibt ja mehr als Nature, Cell und Science. Zudem verstehe ich unter „Studien“ zu einem Medikament eher sowas wie das ganze Phase I bis IV-Procedere.

Der Immunologe Beda Stadler, der in der Sendung war, gab danach ein Interview zur Regividerm-Einlage:

Wer ein wirkungsvolle Salbe als frei von Nebenwirkungen bezeichnet, glaubt an Wunder. Ich kenne tatsächlich keine Medikamente ohne Nebenwirkungen, aber viele nebenwirkungsfreie Präparate ohne Wirkung.

Stadler war es auch, der durch seine Kritik in der Sendung die beiden WDR-Journalisten zum zurückrudern brachte. Klang es zuvor doch sehr nach „Heilung“ durch die Salbe, hieß es danach nur noch „Linderung“.

Auch interessant:

Markus Stücker ist auch heute noch der Meinung, dass „Regividerm nachgewiesen wirksam ist“, so der Arzt gegenüber SPIEGEL ONLINE. „Bei mittelschweren Formen von Neurodermitis kann die Salbe Linderung bringen.“ Er gibt zu bedenken, dass bei dermatologischen Studien oft nur eine geringe Fallzahl vorliege. „Um ein Wundermittel“, sagt Stücker, „handelt es sich allerdings nicht.“

Da suggerierten die ARD-Jungs was anderes.

Mikro, nano … alles dasselbe bei den ZDF-Nachrichten

Es mag ja verpönt sein in der Wikipedia zu recherchieren (solange da überhaupt noch was drinsteht ;-) , aber, liebe Heute-Nachrichten:

Ein Nanometer ist ein milliardstel Meter, und nicht ein millionstel Meter, wie heute um kurz nach 19 Uhr schön – aber falsch – erklärt. Ein millionstel Meter ist ein Mikrometer, ein tausenstel Meter ein – alter Geodreieckbekannter – Millimeter und ein hundertstel Meter ist ein Zentimeter.

Und auch der schön plakative Größenvergleich zwischen einem Fußball und der Erde war damit leider auch falsch: Eine 1-Pfennig-Münze (ok, nicht mehr aktuell in Eurocent-Zeiten) ist ziemlich genau eine Milliarde mal kleiner als die Erde.

Und bevor jetzt einer kommt, dass doch das alles dasselbe ist: Ihr verwechselt auch auch nicht Kilos mit Tonnen, Millimeter mit Metern und beschwert euch doch wenn die Festplatte nur ein Gigabyte anstelle ein Terabyte hat. Und wenn die GEZ nur noch 7 Millionen Euro Rundfunkgebühren einsammeln könnte, anstelle den tatsächlichen 7 Milliarden Euro (für ARD und ZDF zusammen), gäbe es doch einen Riesenaufschrei. :-D

(Sicherlich mache auch ich Fehler, nur kann der Konsument bei mir Konsequenzen ziehen und den Konsum verweigern – ohne auf andere Print-Produkte verzichten zu müssen. Bei den ÖR muss man zahlen, solange man ein Empfangsgerät bereit hält. Und wenn man die ÖR nicht mehr will, muss man auch auf die Privaten verzichten. Das ist wie Leseverbot wegen Zeitungsabokündigung.)

Keine Sommerzeit in Argentinien

Pia macht gerade auf eine sehr vernüftige Entscheidung der Argentinischen Regierung aufmerksam:

Government Aborts 2009–2010 Daylight Saving Schedule

Argentina’s federal government has confirmed that there would be no DST for the nation. The plan to move the clocks one hour forward at midnight (00:00) between Saturday, October 17, and Sunday, October 18, in 2009, is scrapped.

hochzeitsturm-sonnenuhr

Unsere Sommerzeit endet übrigens am 25. Oktober, dem letzten Sonntag des Monats. Auch wenn die Einsparungen bei uns marginal bis gar nicht vorhanden sind, los werden wir die Sommerzeit nur, wenn die ganze EU mitmacht.