AbGEZockt? Verdacht auf Vetternwirtschaft beim NDR

Die NDR-Fernsehspielchefin wurde vergangene Woche suspendiert, weil sie ihren Ehemann verdeckt als Autor beschäftigt haben soll. Der Mann soll unter Pseudonym geschrieben haben und sei eher schwer kontaktierbar gewesen. Die Süddeutsche Zeitung hatte das aufgedeckt und scheint noch mehr gefunden zu haben:

So zahlte eine Agentur mehrmals hohe Beträge für wahrscheinlich fiktive Leistungen. Zum Beispiel ging eine 15000 Euro -Rechnung ein für die angebliche Überarbeitung eines Drehbuchs. Aber die Autorin sagt auf Anfrage ihr Buch sei exakt so verfilmt worden, wie sie es geschrieben habe.

Sind ja nur unsere Gebühren. Nebenbei: Wenn das so bei einer Zeitung oder Zeitschrift läuft und man das nicht gut findet, kann man irgendwann ja mal das Blatt durch Nichtkauf bestrafen. Ist ja kein Einzelfall, gab ja auch mal den Herrn Emig. Aber erzähl das mal einer mit der GEZ.

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren ist nicht wirklich überrascht:

Die Zeichen mehrten sich – mehr als ein Kollege mit einschlägigen ARD-Erfahrungen mag sich bestätigt fühlen. […] Fälle, in denen Redakteure und Redakteurinnen Drehbücher nicht abgenommen haben, um dann selbst für kleine Korrekturen weitere Raten des Honorars zu kassieren, Drehbücher, die ohne fundierte Begründung den Autoren entzogen wurden, Producer, die für ein paar kleine dramaturgische Einfälle Autoren-Kredits verlangen […] auch deshalb haben Kolleginnen und Kollegen geschwiegen, die schon seit Jahren von den Machenschaften wussten oder betroffen waren.

Und auch Hans Leyendecker legt nach:

Fast ein Jahrzehnt lang wurde beim NDR gemauschelt und bezeichnend ist, dass die Mitarbeiter erst jetzt auspacken. Vorher herrschte die Omerta: Wer redet, fliegt. Die Mitarbeiter trauten sich nicht, den Verdacht, den alle hatten, zu melden.

Als freier Drehbuchscheiber fragt man bei so etwas eben nicht zu viel nach. Denn der Stern weiß: „Um die 25.000 Euro beträgt das Honorar etwa für ein „Tatort“-Drehbuch, bei Wiederholung des Films im Ersten erhält der Autor ein Wiederholungshonorar.“ Und das mag man ja nicht ohne Not verscherzen.

Nachtrag, 31.8.2009: Meedia hat die Quoten der Filme des pseudonymisierten Ehemanns mal nachgeschaut: NDR-Phantom: Nur ein Drehbuch war ein Hit

Nachtrag, 8.9.2009: jetzt.de: Mittelmaß und Wahn
FAZ: Verblödung mit System

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Was vom Tage übrig blieb (8) – Gesundheitsreform

Seit Jahren steigt die Anzahl der berufstätigen Ärzte in Deutschland an. 2008 zählte die Bundesärztekammer rund 319.700 Ärzte, 2004 waren es 306.400. Dennoch gibt es Landkreise, in denen Ärzte fehlen und entsprechend überversorgte Gebiete (tagesschau.de: „Nicht überall optimal verteilt„)

Wie viel Ärzte an der PKV und GKV verdienen (Einnahmestruktur) zeigt das Statistische Bundesamt: Auf alle Ärzte berechnet, kamen 2007 rund 26 Prozent der Einnahmen von der PKV. Bezogen beispielsweise Allgemeinärzte 16 Prozent ihrer Bezüge von der PKV, Kinderärzte 20 Prozent, Augenärzte 31 Prozent und Hautärzte 45 Prozent.

aerzte-einnahmestruktur-2007

Privatpatienten bringen somit mehr ein, da etwas mehr als 10 Prozent der Versicherten in privaten Kassen sind. In der privaten Krankenversicherung sind laut PKV-Dachverband rund 8,6 Millionen Menschen voll krankenversichert, 70 Millionen sind laut GKV-Dachverband in einer der gesetzlichen Kassen.

Im Vergleich zu den durchschnittlichen Einkommen der GKV-Mitglieder – also der Versicherten – sind die zu versteuernden Einkommen der niedergelassenen Ärzte laut Barmer-Krankenkasse sechs- bis siebenmal höher.

Je Praxisinhaber lag nach Destatis.de der durchschnittliche Reinertrag 2007 mit 142.000 Euro um 12,7% über dem von 2003. Zwischen den Ärzten gibt es aber enorme Unterschiede. Radiologen erzielten im Durchschnitt 264.000 Euro Reinertrag, Allgemeinmediziner 116.000 Euro. Vom Reinertrag gehen aber noch Krankenversicherungskosten und Altersvorsorge ab, da Ärzte Freiberufler sind.

Nachtrag, 31.8.2009:

FAZ, Immer mehr Ärzte „verkaufen“ ihre Patienten – Immer mehr Ärzte bekommen von Krankenhäusern Prämien für die Einweisung von Patienten. […] Aus der Krankenversicherung wird berichtet, die Einweisung eines Patienten, der eine neue Hüfte bekommt, ließen sich Krankenhäuser bis zu 1000 Euro kosten. Einen Teil davon holten sie sich anschließend bei „ausgewählten“ Reha-Einrichtungen zurück. […] Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagt, Geld für eine Einweisung zu nehmen, sei „total verboten“. […] „Fangprämien“ verstießen nicht nur gegen die ärztliche Berufsordnung, mahnt der Vorsitzende der Kassenärzte, Andreas Köhler. Sie seien auch aus berufsethischer Sicht nicht zu tolerieren.

Was vom Tage übrig blieb (7) – Kindesmisshandlung

Wenn ein Erwachsener ein wenige Wochen altes Baby schüttelt (und so möglicherweise irreparable Hirnschäden bis lebensgefährliche Verletzungen verursacht) wäre das so, als würde diesen Erwachsenen ein fünf Meter großer Riese schütteln.

Hinweise auf ein Schütteltrauma sind Hirnblutungen (nämlich unter der Hirnhaut) und Netzhauteinblutungen. Ein Schädelbruch verursacht hingegen Blutungen über der Hirnhaut.

Ambrosia-Pflanzen in Kranichstein entfernt

Ambrosia ist in der griechischen Mythologie die Speise der Götter, als Pflanze ist Ambrosia, genauer die Beifuß-Ambrosie, eher unbeliebt.

Ihre 20 Mikrometer kleinen Pollen können schon in geringen Mengen starke allergische Reaktionen auslösen. Weswegen Ende Juli Dorothea Becker, Gabriele Kaisinger und sechs weitere Helferinnen von ihnen entdeckte Pflanzen am Parkplatz Elisabeth-Selbert-Straße und auch auf dem Spielplatz dort entfernten. „Die standen kurz vor der Blüte“, berichtet Becker, „uns erschien das sehr dringend.“

Und so habe man mit Handschuhen, Mundschutz und langärmeliger Kleidung die Pflanzen entfernt. „Wir haben gut 30 Säcke gesammelt“, beschreibt Becker; dann habe man die Stadt informiert, sei aber eine Woche lang an verschieden Stellen weiter verwiesen worden. „Am 5. August kam dann ein Mähtrupp.“

Wurzeln sind noch drin
Die Bürger haben richtig reagiert, sagt der städtische Pressesprecher Frank Horneff. „Je früher die Pflanzen erkannt, entdeckt und unschädlich gemacht werden, desto besser.“ Abwarten wäre falsch gewesen. „Die Pflanzen dürfen auf keinen Fall kompostiert werden. Sie können über die Restmülltonne oder beim Müllheizkraftwerk entsorgt werden.“
Mit dem Mähtrupp ist es aber nach Beckers Ansicht noch nicht getan, „die Wurzeln sind ja noch drin.“ Gemähte Pflanzen treiben wieder aus, sie können bis zum ersten Frost im November blühen. Normalerweise ist die Hauptwachstumszeit der Pflanze Mitte bis Ende Juni, Anfang August gehen die Blüten auf.

Ein Neophyt
Ambrosia, mit vollem Artnamen Ambrosia artemisiifolia, hat verschiedenen Trivialnamen wie Aufrechtes Traubenkraut, Beifußblättrige Ambrosie oder Beifuß-Ambrosie. Die Pflanze ist ein Einwanderer aus Nordamerika, kam Anfang des 19. Jahrhunderts nach Europa und zählt daher zu den Neophyten (neo – neu, phyton – Pflanze). In vielen US-Bundesstaaten zählt die recht unscheinbare Pflanze ohne auffällige Blüten als Unkraut. Die Pflanze wächst vorzugsweise auf umgebrochenen, offenen Böden, beispielsweise Straßenrändern, in Neubaugebieten, in Hausgärten oder Vogelfutterplätzen, da die Samen teilweise im Vogelfutter sein können. Größere Bestände sollten den Grünflächenämtern und dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut) in Quedlinburg gemeldet werden.

Dass es etwas länger gedauert hat, bis die Stadt reagierte, räumt Horneff ein. „Den Hinweisen aus der Bevölkerung wird grundsätzlich nachgegangen.“ Aber für die verschiedenen städtischen Liegenschaften gebe es verschiedene Zuständigkeiten. „Die Eigentumsverhältnisse müssen erst überprüft werden, das geht nicht immer von jetzt auf gleich.“

Andere gefährliche Pflanzen und Tiere
Glaubt man gefährliche Pflanzen entdeckt zu haben, kann man das städtische Umwelttelefon (Telefon 06151/133313) anrufen, sagt Horneff. Dort gibt es weitere Informationen und Hilfe und die Hinweise werden an die zuständige Stelle weitergereicht.“ Bei Bienen, Hornissen und Wespen helfe das Grünflächen- und Umweltamt, ergänzt der Pressesprecher, bei gefährlichen Tieren wie Schlangen sei die Polizei zuständig.

Wenn man das Gefühl habe, die Stadt reagiere zu langsam, solle man nochmal bei der angerufenen Stelle nachfragen, rät Frank Horneff, bittet aber auch um Verständnis. „Auch die städtischen Ämter müssen schon auch die Möglichkeit haben dürfen, Sachverhalte zu recherchieren. Das kostet einfach Zeit.“

(Der Artikel basiert auf einem Hinweis aus dem K6-Blog und erschien leider aus Platzgründen nur sehr stark gekürzt als Meldung.)

Die Wahrheit hinter RMV und HEAG

Der örtliche ÖPNV-Betrieb wird ja HEAG abgekürzt und das steht für „Hast’es eilig, als gelaufe“. Dass RMV (der Verkehrsverbund in dem die HEAG mit drin ist) wie ich jetzt weiß, für „Reisen mit Verspätung“ steht, passt ja perfekt.

:-D

Zeitungskrise

Sicher, wenn man für Texte, wie Ursula von der Leyen 45 Minuten lang das Mehrgenerationenhaus Neu-Wulmstorf besucht, das knappe Papier verschwendet.

Hamburger Abendblatt, 22.8.2209 – Welch eine Aufregung: Im Mehrgenerationenhaus wurde Kuchen im Akkord gebacken, literweise Kaffee gekocht und die Kinder sind fein rausgeputzt. Schließlich hat sich hoher Besuch angekündigt. […] Schließlich erscheint Ursula von der Leyen um 16.15 Uhr. […] Bei der anschließenden Führung, die eigentlich schon für 16.14 Uhr geplant war, nimmt sie sich dennoch jeweils ein paar Minuten, um mit den Besuchern des Hauses ins Gespräch zu kommen.[…] Es ist kurz vor fünf. Da drängt schon der nächste Termin.

Wie sagte Stefan Niggemeyer so schön? „Das, was man sich Journalismus nennt.

(Disclaimer: Nein, ich kann nicht garantieren, dass mir so was nicht auch passiert.)

Desaster beim Straßenbahn-Ersatzverkehr

Pressemitteilung – Die Grünen fordern für 2010 eine bessere Vorbereitung des Ersatzverkehrs und eine aktive Einbeziehung der Dadina.

„Wir freuen uns, dass der Straßenbahnverkehr nach Eberstadt am kommenden Samstag wieder aufgenommen wird“, sagt Felix Weidner, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Grüne in der Dadina, „Wir nehmen dies zum Anlass, die Verantwortlichkeiten zu hinterfragen, damit sich ein solches Desaster bei den anstehenden Bauarbeiten in Eberstadt und zwischen Darmstadt und Griesheim im nächsten Jahr nicht wiederholt.“

Mit einer Anfrage wollten die Grünen klären, ob die Heag den Ersatzverkehr mit der DADINA abgesprochen habe. „Es kann nicht sein, dass Alleingänge von Unternehmen auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden“, sagte Weidner. Die Grünen wollten sich dafür einsetzen, dass die Dadina bei allen Änderungen einbezogen werde, um unabhängig vom Profitinteresse einzelner Unternehmen eine hochwertiges Verkehrsangebot im Sinne der Fahrgäste zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen, erklärte Weidner.

Bis zuletzt seien wiederholt Kinderwagen in den überfüllten Fahrzeugen nicht befördert worden. Auch die Einschränkungen in der Beförderung nach Arheilgen und Bessungern speziell für mobilitätseingeschränkte Personen hätten über die komplette Bauzeit unverändert bestanden.

„Die Zuständigkeiten müssen speziell vor dem Hintergrund erneuten Ersatzverkehrs nach Eberstadt im kommenden Sommer sowie anstehender Brückenbauarbeiten zwischen Darmstadt und Griesheim im Jahr 2010 genau hinterfragt und neu geordnet werden“, forderte Weidner.

Niggemeiers Spiegelprobe

Stefan Niggemeier hat einen schönen Schnelltest beschrieben, den man anwenden kann, wenn das Internet als Reich des Bösen und Wurzel allen Übels dargestellt wird:

Es gibt eine ganz einfache Methode, aus Texten über das schlimme Internet die Luft herauszulassen. Man ersetze in ihnen einfach „digital” durch „analog” und „Netz” durch „Welt” und schaue, ob die Aussagen trotzdem stimmen.

Anlass war der dieswöchige Spiegel-Titel, aber der Test („Niggemeiers Spiegelprobe“ klingt so schön nach Chemie) funktioniert auch mit Polizei fordert 2000 „Cyber-Cops“ für das Internet.

Nebenbei: Die Wurzel allen Übels ist natürlich was ganz anderes. ;-)

Was vom Tage übrig blieb (4) – Ist mein Anwalt zugelassen?

Zur Zeit steht hier ein Mann vor dem Landgericht, dem neben Betrug auch vorgeworfen wird sich unzulässig als Anwalt ausgegeben zu haben. In drei Fällen trat er sogar vor Gericht auf. Das ging gut, weil in der Regel weder Mandanten noch Gerichte die Zulassung prüfen.

Ob der eigene Anwalt zugelassen ist, kann jeder bei den jeweiligen Anwaltskammern erfahren. Für Darmstadt ist die Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main zuständig. Bundesweit kann man auf www.rechtsanwaltsregister.org, der Internetseite der Bundesrechtsanwaltskammer, nach allen in Deutschland zugelassenen Anwälten suchen. Die zentrale Datenbank wird von den regionalen Anwaltskammern gepflegt.