Offene Bibliothek am Bessunger Platz

Birte Frey, Michael Ibsen und Anna Völkner räumen die ersten Bücher ein.

Das Johannesviertel hat schon seit über zwölf Jahren eine Offene Bibliothek gegenüber der Goetheschule, nun zog Bessungen mit seinem Bücherschrank nach – am Bessunger Platz, links von der Post. An einem Samstag Anfang Mai war es soweit: Jörg Bläsing, Birte Frey, Michael Ibsen und Anna Völkner machten sich daran die „Offene Bibliothek“ aufzubauen. „Alle wollen, dass wir irgendwas sind, aber das ist kein fester Verein“, erklärt Anna Völkner. „Wenn man so will ist es das Offene Bibliothek-Projekt.“

Die „Offene Bibliothek“ ist Bücherschrank, der wie eine Tauschbörse funktioniert. Jeder kann sich Bücher ausleihen und nach einer angemessenen Zeit zurückbringen oder andere Bücher dazustellen. Die Idee stammt von den New Yorker Künstlern Clegg und Guttmann. Sie stellten die ersten Bücherschränke in Mainz, Graz und Hamburg auf.

So eine Bibliothek einzurichten ist aber mehr als Schrank auf- und Bücher reinstellen. In Heimarbeit strichen Ibsen und seine Mitbauer den Schrank blau-gelb und passten zweireihige Regalböden an. Auch der Schrank musste vor dem Aufstellen noch wetterfest gemacht werden. Unter anderem wird die Rückwand mit Dachpappe und die Oberseite mit einem verzinkten Dach (gespendet vom Werkhof Darmstadt) vor Regen geschützt. Die Türen erhielten dicke Plexiglasscheiben (Spende von Innovatrio Industrial Design aus Zwingenberg) und Schnappverschlüsse.

An seinem Standort musste der Schrank aber noch angepasst werden, damit er nicht schief steht und die Türen gut schließen. So schliffen und sägten Ibsen und Bläsing die Ytong-Blöcke (gespendet von Xella in Messel), die den Fuß des Schrank bilden, zurecht. Die Steine heben ihn den Holzschrank vom Boden ab, damit er bei Regen nicht im Nassen steht.

Bis der Schrank schließlich mit dicken Leisten auch an der Mauer befestigt war und die Türen nochmal abgeschliffen, war der halbe Samstag vorbei. Noch länger hatte nur der Vorlauf gedauert, erinnerte sich Anna Völkner. Fünfeinhalb Wochen zog es sich hin Ordnungsamt, Verkehrsplanungsamt und Tiefbauamt hinterher zu telefonieren, erzählte sie.

Das wichtigste an einer Bibliothek, die Bücher, kommen bei dem Projekt fast von selbst. Während die vier den Schrank noch aufbauten, kamen Bessunger vorbei, die alte Zeitschriften und Bücher spenden. Bücher zu bekommen sei tatsächlich nicht das Problem, bestätigt Ibsen. „Die Menschen bringen mehr Bücher als reinpassen“, sind seine Erfahrungen mit dem Schrank im Johannesviertel. Bevor man Bücher wegwerfe, verschenke man sie lieber.

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