391 Wohnungen für die „Avantgarde des Wissens“

Projekt Epsilon: Zwischen Robert-Bosch- und Rheinstraße entsteht bis 2012 eine siebenstöckige Wohnanlage

Rauschen im Ohr, Wind in den Haaren, Sand zwischen den Zähnen: Urlaubsstimmung kam in der Robert-Bosch-Straße bei der Grundsteinlegung für das Wohnbauprojekt „Epsilon“ auf. Der Wind wehte den Sand aus der 8000 Quadratmeter großen Baugrube in alle Ritzen, während der Verkehr auf der Rheinstraße leicht an Meeresbrandung erinnerte.

Auf dem etwa 150 Meter breiten Streifen zwischen Robert-Bosch- und Rheinstraße will die Saarbrücker RVI GmbH eine siebenstöckige Wohnanlage bauen. Der Bauträger wird von saarländischen Volksbanken gehalten. Bis 2012 sollen gegenüber von TIZ und Esoc 391 Wohnungen zwischen 38 und 124 Quadratmetern, darunter 60 barrierefreie Drei-Zimmer-Wohnungen, sowie 425 Tiefgaragenstellplätze entstehen.

Der Projektname „Epsilon“ leitet sich von der Gebäudeform ab. Von oben wird es wie ein großes „E“ aussehen. Die Fassade werde „ein Wechselspiel aus Glas, Sichtbeton und Holz sein“, so RVI-Geschäftsführer Martin Schmidt.

„Wir gehen davon aus, dass in zwei Wochen der erste Beton fließt“, sagte Projektentwickler Holger Heible. Bis 2010 soll der erste Bauabschnitt mit 50 Wohnungen fertig sein. Das 76,5 Millionen Euro-Projekt wird mit seinen zwei Innenhöfen in Richtung Rheinstraße orientiert sein. „Die Fernster haben alle Schallschutzklasse 3“, sagt Projektentwickler Holger Heible mit Blick auf die vielbefahrene Rheinstraße, die hinter einem Streifen mit Bäumen verläuft, der eine optische, aber keine schalldämmende Wirkung hat. Schallschutzklasse 3 (Dämmwert bis zu 39 Dezibel) gilt als ausreichend für Wohnstraßen. Sind jedoch in 100 Meter bis 300 Meter Entfernung Hauptverkehrsstraßen, wird mindestens Schallschutzklasse 4 (dämmt bis zu 44 Dezibel) empfohlen.

Das Objekt habe das Energiepass-Prädikat Effizienzklasse A, zählt Projektentwickler Heible auf, es erhält eine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung sowie eine Photovoltaik-Anlage. „Die Erträge aus den Solaranlagen fließen in die Instandhaltungsrücklage.“

Das „Energiepass-Prädikat“ ist eine RVI-Wortschöpfung für das „Epsilon“-Projekt. Mit der Effizienzklasse A entspricht das Gebäude dem Standardanforderungen der derzeit gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2007. Ein Haus nach EnEV benötigt, nach Daten der Deutschen Energieagentur, bis zu 125 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Zum Vergleich: KfW-geförderte Projekte wie KfW-40 oder KfW-60 Häuser liegen bei 40 oder 60 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Für ein Passivhaus werden 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr angesetzt.

Zielgruppe der RVI sind laut Prospekt die „kreative Klasse“ und die „Avantgarde des Wissens“, die „urban und nah zur Arbeit“ wohnen wollen. Die Wohnungen sollen verkauft werden, die Hausverwaltung bleibt bei der RVI. Kapitalanlegern garantiert die Wohnungsgesellschaft für zehn Jahre eine Miete von 9,35 Euro pro Quadratmeter.

Nach einer ersten Einschätzung von Hans-Jürgen Braun, Vorstandsvorsitzender der Bauverein AG, sei dies ein für Darmstadt realistischer Preis auf dem freien Wohnungsmarkt.

Geschäftsführer Martin Schmidt lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. „Ihre Stadtverwaltung verdient das Prädikat investitionsfreundlich“, sagte er zu Oberbürgermeister Walter Hoffmann. Der hofft, dass mit diesem Wohnbauprojekt die Pendlerbewegungen reduziert werden können. Darmstadt brauche die 391 Wohnungen, betonte er. Bis zum Jahr 2030 werde die Stadt voraussichtlich auf 150 000 Einwohner wachsen. Das Institut für Wohnen und Umwelt geht davon aus, dass pro Jahr für die Zuzügler 500 bis 600 neue Wohnungen gebaut werden müssen.

(Darmstädter Echo vom 11.5.2009)

Offene Bibliothek am Bessunger Platz

Birte Frey, Michael Ibsen und Anna Völkner räumen die ersten Bücher ein.

Das Johannesviertel hat schon seit über zwölf Jahren eine Offene Bibliothek gegenüber der Goetheschule, nun zog Bessungen mit seinem Bücherschrank nach – am Bessunger Platz, links von der Post. An einem Samstag Anfang Mai war es soweit: Jörg Bläsing, Birte Frey, Michael Ibsen und Anna Völkner machten sich daran die „Offene Bibliothek“ aufzubauen. „Alle wollen, dass wir irgendwas sind, aber das ist kein fester Verein“, erklärt Anna Völkner. „Wenn man so will ist es das Offene Bibliothek-Projekt.“

Die „Offene Bibliothek“ ist Bücherschrank, der wie eine Tauschbörse funktioniert. Jeder kann sich Bücher ausleihen und nach einer angemessenen Zeit zurückbringen oder andere Bücher dazustellen. Die Idee stammt von den New Yorker Künstlern Clegg und Guttmann. Sie stellten die ersten Bücherschränke in Mainz, Graz und Hamburg auf.

So eine Bibliothek einzurichten ist aber mehr als Schrank auf- und Bücher reinstellen. In Heimarbeit strichen Ibsen und seine Mitbauer den Schrank blau-gelb und passten zweireihige Regalböden an. Auch der Schrank musste vor dem Aufstellen noch wetterfest gemacht werden. Unter anderem wird die Rückwand mit Dachpappe und die Oberseite mit einem verzinkten Dach (gespendet vom Werkhof Darmstadt) vor Regen geschützt. Die Türen erhielten dicke Plexiglasscheiben (Spende von Innovatrio Industrial Design aus Zwingenberg) und Schnappverschlüsse.

An seinem Standort musste der Schrank aber noch angepasst werden, damit er nicht schief steht und die Türen gut schließen. So schliffen und sägten Ibsen und Bläsing die Ytong-Blöcke (gespendet von Xella in Messel), die den Fuß des Schrank bilden, zurecht. Die Steine heben ihn den Holzschrank vom Boden ab, damit er bei Regen nicht im Nassen steht.

Bis der Schrank schließlich mit dicken Leisten auch an der Mauer befestigt war und die Türen nochmal abgeschliffen, war der halbe Samstag vorbei. Noch länger hatte nur der Vorlauf gedauert, erinnerte sich Anna Völkner. Fünfeinhalb Wochen zog es sich hin Ordnungsamt, Verkehrsplanungsamt und Tiefbauamt hinterher zu telefonieren, erzählte sie.

Das wichtigste an einer Bibliothek, die Bücher, kommen bei dem Projekt fast von selbst. Während die vier den Schrank noch aufbauten, kamen Bessunger vorbei, die alte Zeitschriften und Bücher spenden. Bücher zu bekommen sei tatsächlich nicht das Problem, bestätigt Ibsen. „Die Menschen bringen mehr Bücher als reinpassen“, sind seine Erfahrungen mit dem Schrank im Johannesviertel. Bevor man Bücher wegwerfe, verschenke man sie lieber.

Von der Rundschau in Darmstadt bleibt nur noch ein Echo

Ab 1. Juli werden die „Frankfurter Rundschau“-Lokalteile für Groß-Gerau und Darmstadt von der „Echo Redaktionsservice GmbH“ gefüllt. „Echo Redaktionsservice“ gehört zum Medienhaus Südhessen, wie auch der Rundschau-Wettbewerber „Darmstädter Echo“.

Meedia: „Frankfurter Rundschau“ gibt Darmstadt auf

DWDL: Ausgelagert: „FR“ lässt Lokalseiten extern produzieren

Fulda-Info: ver.di befürchtet Verlust von Pressevielfalt in Südhessen

Bleibt bei mir die Frage, ob die Rundschau das gelassen hätte, wenn die Lokalteile entsprechend Abos nach sich gezogen hätten – oder ob es so oder so passiert wäre.