Sture Wiederholungen machen es nicht richtiger

Ich bin ja kritikfähig – wenn die Kritik Substanz hat. „Das ist ja alles Murks“-Sprüche macht man mit ein paar Jahren Lebenserfahrung halt nicht mehr mit.

So neulich im Gericht: „Was sie da geschribbe hatten, stimmte ja hinnen und vornne net“, hielten mir Zuschauer vor. „Ja“, sagte ich, „zeigen sie mir die Sätze oder Absätze und dann sage ich was dazu.“ – „Nichts hat gestimmt.“ – „Zeigen sie mir die Sätze oder Absätze und dann kann ich was dazu sagen“, wiederholte ich mich. „Das war ja total verdreht“, wiederholte sich die Frau ihrerseits und ging weg.

Was soll ich sagen? Bestimmt bin ich nicht perfekt, bestimmt mache ich auch Fehler. Nur blöde anquaken ohne Begründung lasse ich mich mit 40 nicht mehr.

Ungeschickt, denn mit jeder solchen Aktion nimmt man sowas immer weniger ernst. Vermutlich gilt das für beide Seiten. ;-)

Am besten Ankündigung und Nachbesprechung

Vereine wollen ja gerne aufmerksam auf sich machen. Weswegen sie gerne von Aktionen am liebsten zwei Artikel in der Zeitung hätten. Einen der die Veranstaltung groß ankündigt und einen der danach groß von der Veranstaltung berichtet. Danach ist einfacher, weil man weiß was man hat.

Gestern aber war es anders: Ein Vorsitzender erzählte mir, was an Terminen anstehe. Als ich dann sagte, dass man das ja gut ankündigen kann, wollte er nicht mehr. „Dann ist das ja verbrannt.“ Dann nicht. Und nachher wird über zu wenig Resonanz in der Presse geklagt.

Und dann waren da noch die Kleingärtner, die ein Sommerfest groß angekündigt wissen wollten, dann aber auf meinen Hinweis hin feststellten, dass sie besser nichts von Musik und nichts von der Großbildleinwand erzählen, weil sonst die Gema und der DFB (es war Fußballweltmeisterschaft) auf der Matte stehen.

Man trifft sich zweimal

Irgendwann im vergangen Jahr hatte ich mich bei einer Firma hier in der Stadt beworben. Alles passte eigentlich, nur kam die Absage ratzfatz. Also fragte ich doch mal nach und da wurde mir erklärt, dass man sich für jemanden mit Industrieerfahrung entschieden hatte. Ok. Damit konnte ich wenigstens was anfangen. Dieses Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist in solchen Fällen echt eine Pest. Denn normalerweise hätte mir der Personaler nichts gesagt. Vielleicht vertrauten sie auch darauf, dass man sich in dieser kleinen Stadt ganz schnell wieder trifft. ;-)

Und so war es heute keine blöde Situation, als ich den Mann heute zufällig traf, der diese Stelle bekommen hatte. Normalerweise weiß man ja bei Absagen nie etwas, aber so.

Und ja, der hat Industrieerfahrung. Und ist ganz nett.

Einfach mal ignorieren

Da ja gerade diskutiert wird worüber die Presse berichten soll und worüber nicht: Warum ignoriert man nicht einfach mal die Bundesfamilienministerin und ihre Verkündigungen und Pläne? Nach der Schönfärberei bei der Geburtenrate und dem puren Aktionismus gegen Internetkriminalität ist sie doch mehr als qualifiziert dafür, dass ihre Pressekonferenzen mal ausgelassen werden.

Bei Vereinen und derenPressemitteilungen klappt das doch auch, wenn man die für belanglos und einseitig und werbelastig hält. Warum macht man das nicht auch mal bei Ministern? Es reicht doch schon, wenn die öffentlich-rechtlichen Fernsehsnachrichten das so wiedergeben als wäre die Ministerposition die Wahrheit.

Ein Chefredakteur, ein Landgericht

„Manchmal fragt man sich, wer in Berlin alles Richter werden darf“, schreibt der Bild-Chefredakteur in einem Kommentar zur Entscheidung des Landgerichts Berlin, dass weitere Berichterstattung über eine Sängerin verbietet.

Dass ausgerechnet er sich fragt, wer am Berliner Landgericht Richter werden darf, ist bestimmt Zufall. Schließlich hatte das Berliner Landgericht mal gegen ihn und für die TAZ entschieden:
[…] Das Berliner Landgericht verfügte zwar eine Unterlassung, verneinte jedoch einen Anspruch auf Schadensersatz, […]

Glossen-Wiederverwertung: Tu was für Darmstadt

Vor rund einem Jahr schrieb ich eine Glosse, wie versucht wird Darmstadt Klang in der Welt zu verschaffen. Jetzt brauchte ich nur noch einen Satz anzuhängen:

Unsere Lokalpolitiker versuchen ja vieles, um Darmstadt in Deutschland bekannt zu machen. Und was sie nicht alles tun: Das Stadtmarketing wird umgekrempelt. Sie machen Darmstadt zur Wissenschaftsstadt, geben einer heimatlosen Bundesjustizministerin einen Wahlkreis, freuen sich über das bundesweit bekannte Öko-Institut, holten die einmalige Jazzsammlung Joachim Ernst Berendts ins Jazzinstitut, weisen auf Merck, als älteste Pharmaunternehmen der Welt und die einzigartige GSI hin.
Oder locken T-Online in die Weststadt, wo gegenüber Europas Raumfahrtkontrollzentrum ESOC sitzt. Sie hegen den Jugendstil, das PEN-Zentrum Deutschland und das Deutsche-Polen-Institut. Sie feiern einen Preis eines aufsässigen Revoluzzers, weil er von der ansässigen Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stammt und „Büchner-Preis“ heißt. Andere bauen ein Darmstadtium, um Kongresse aus aller Welt anzuziehen, und versuchen den ICE durch den Hauptbahnhof fahren zu lassen. Die Polizei verschickt sogar Faxe mit geheimen Personenschutzdaten und stellt Ermittlungsakten ins Internet.
Aber was kommt im Lande an, wenn man nach Darmstadt fragt? „Da kommt doch die SPD-Abgeordnete her, die die Ypsilanti nicht wählen wollte.“

Und seit zwei Tagen, ist Darmstadt die Stadt mit der Staatsanwaltschaft, die diese „No Angels“-Sängerin hat verhaften lassen. Oder so.

Zwischen Vereinsfronten geraten

Wieder was gelernt: Journalisten sind auch dann an den Läufen der Welt schuld, wenn sie keinen Artikel schreiben. Wie man es macht, ist es verkehrt.

Heute hielt mir ein Herr vor, dass nach einem Gespräch mit ihm – vor etwa eineinhalb Jahren – kein Artikel erschienen war.

Ich erklärte ihm, dass der Artikel leider nicht zustande kam, weil meine Recherchen damals zu lange gedauert hatten. Weil ich einen fairen Artikel schreiben wollte, hatte ich Stellungnahmen von der Stadt, dem einen Verein und seinem Verein abgewartet. Als ich dann alles zusammen hatte, waren fast vier zwei Wochen vorbei. Und damit der Artikel nicht mehr aktuell.

Nachtrag: Ich habe nachgeguckt. E-Mails nie zu löschen, hat auch Vorteile :-). Nach fünf Tagen antwortete mir der eine Verein, nach acht Tagen der des aufgebrachten Herrn, das Gespräch war 12 Tage danach. Fakt war, es hat zulange gedauert. Denn ein Kollege vom Sport-Ressort hatte das Thema auch schon gebracht.

Das leuchtete dem Herrn aber nicht ein. Oder passte nicht in seine Welt. Oder für ihn gilt die Bush-Doktrin (Wer nicht für uns ist, ist gegen uns). Und so wurde er anmaßend: Ich hätte beim dem Gespräch seinen Verein ausspioniert und weil ohne Artikel die Vereinsposition nicht publik war, sei ich mit an der Entwicklung, die folgte, schuld gewesen.

Da wurde ich dann doch mal laut. Einfach, um Grenzen aufzuzeigen. Mit Argumenten war da nichts zu holen, jede Reaktion hätte der mir negativ ausgelegt. Wenigstens hat mein Ausbruch meinen Blutdruck geschont.

Leider war der Herr von Anfang an auf Krawall gebürstet, sonst hätte ich daran gedacht ihm zu erklären, dass das mit Verschwörungstheorien zu 99,9 Prozent Unsinn ist. Weil die menschliche Logik ein plausibles Gesamtbild braucht, landet man früher oder später bei einer Verschwörungstheorie. Mit der passt dann nämlich wieder alles zusammen.

Um sich nicht zum paranoiden Kasper zu machen, sollte man lieber an folgendes denken:„Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.“ Josef Joffe

In meinem Fall träfe Inkompetenz zu. Weil ich nämlich nicht in der Lage war, die Infos schnell genug zusammen zubekommen.

Ich frage mich aber schon, wie solche Menschen auf die Idee kommen, dass sich ein Reporter mit ihm unterhält, wenn er einem sowas unterstellt?

Wenn ich mit ihm während meiner Recherche damals so gesprochen hätte, dann wäre der ganz schnell aufgestanden und gegangen. Aber ein Reporter, der soll dann trotzdem mit einem reden und sich jede Unverschämtheit bieten lassen? Seltsame Logik.

Frohe Ostern.

Nachtrag: Und nochmal nachgeschaut. Im September 2007 war meine Recherche, im Oktober 2008 (13 Monate später!) hat der eine Verein dann seine Abteilung geschlossen. Was ich damit zu tun haben soll, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen.