Das Heilbronner Phantom und die Kontrollen

Dass am Heilbronner Phantom und dessen Verbrecherinnenkarriere was nicht stimmte, war mir klar, als im März 2008 die DNA in einem Auto gefunden wurde:

Jetzt wurde ihre Genspur auch in dem Auto der mutmaßlichen Mörder von drei Georgiern im Raum Heppenheim nachgewiesen, wie die Staatsanwaltschaft Heilbronn mitteilte.

Das passte irgendwie nicht mehr zusammen. Vor allem, dass die Frau nie gesehen wurde.

Inzwischen wissen wir, dass die DNA von kontaminierten Wattestäbchen stammte, mit denen die Proben genommen wurden. Dass die die im Polizeilabor aber offensichtlich keine richtigen Kontrollen fahren, wunderte mich dann doch.

Zu einem Experiment gehören mindestens zwei Kontrollen, ein Ansatz in dem sicher das gelingt, was ich untersuchen will (Positivkontrolle) und einer, der garantiert nicht klappt, aber ansonsten so behandelt wird wie die anderen Proben auch (Negativkontrolle).

Negativkontrolle kennt jeder vom Hautarzt-Allergietest. Da ist es Kochsalzlösung. Wenn einer darauf reagiert, ist das verdächtig, denn das darf nicht klappen. Die Positivkontrolle ist mit Histamin, da muss sich die Haut röten und jucken.

Uhrzeitlicher Sommeranfang

Heute Nacht (29. März) ist es wieder soweit: Uns wird eine Stunde geklaut, die Sommerzeit beginnt. Die Uhren werden um 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Und das wo es noch nicht einmal richtig Frühling geworden ist.

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Die Sommerzeit ist inzwischen eine alte Erfindung. Sie wurde zum ersten Mal am 30. April 1916, während des Ersten Weltkrieges, in Deutschland eingeführt. Die Idee dazu stammte allerdings aus Irland. Die Sommerzeit, wie wir sie heute kennen, gibt es seit 1980. Damals wurde sie nach und nach von allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft eingeführt. Auch andere Länder wie die Schweiz machten schließlich mit. Der Aufwand für zwei Zeiten (Fahrpläne beim grenzüberschreitenden Zugverkehr) war einfach zu hoch.

Sommerzeit gibt es inzwischen in Australien, ganz Europa und Nordamerika. Asiatische und arabische Länder wie Afghanistan und Ägypten haben Sommerzeit, in Südamerika stellen Chile und Brasilien die Uhren um.

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Die Europäische Kommission untersuchte im Jahr 2000 die Auswirkungen der Sommerzeit auf verschiedene Bereiche wie Landwirtschaft, Energieverbrauch und Gesundheit und entdeckte vor Vor- und Nachteile. In Deutschland sahen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe keine negativen Auswirkungen auf die Milchwirtschaft, in Österreich soll die Zeitumstellung bei Kühen zu vermehrten Infektionen geführt haben. Weinbauern sahen die Sommerzeit sogar positiv, weil man abends länger im Weinberg arbeiten konnte.

Untersuchungen zum Energieverbrauch in verschiedenen Ländern ergaben, dass die Energieeinsparungen maximal nur ein halbes Prozent ausmachen. Reduzierter Stromverbrauch in Deutschland wird durch erhöhte Freizeitaktivitäten – inklusive mehr Autofahren – wegen der länger hellen Abende wieder ausgeglichen. Zudem bedinge die Zeitumstellung im Frühjahr, dass mehr geheizt werden müsse.

In den Tagen nach den Zeitumstellungen scheinen die Ärzte bis zu 10 Prozent mehr Patienten zu haben. Allerdings konnten ernsthafte Gesundheitsbeeinträchtigungen durch die Sommerzeit nicht festgestellt werden. Die Menschen passen sich in der Regel in maximal zwei Wochen der neuen Zeit an. Hotels und Gaststätten bewerteten die Sommerzeit als eher negativ, da die Leute abends später ausgingen, was sich aber mit Lärmschutzregelungen stößt, die ab 22 Uhr die Außenbewirtung einschränken.

Aber abgeschafft wird die Sommerzeit nur dann, wenn es alle EU-Mitgliedstaaten wollen. Zurückgestellt werden die Uhren am letzten Sonntag im Oktober.

„Der Arbeitsaufwand hat sich gelohnt“

Mitte März war ein Benefizkonzert in der Bessunger Knabenschule. Die Veranstalterin Hannah Müggenburg konnte insgesamt 2000 Euro für das brasilianische Straßenkinderprojekt AdoleScER erwirtschaftet. AdoleScER aus Recife in Nordostbrasilien bildet Kinder und Jugendliche nach dem Peer-Education Modell aus, um zu verhindern, dass sie mangels Chancen Mitglied einer Straßen- oder Drogenbande werden.

„Nachdem etwa 100 Gäste gekommen waren und sich eine schöne Atmosphäre gestaltet hatte“, war sich Hannah Müggenburg sicher, dass das Konzert gut laufen wird. 220 Eintritt zahlende Gäste waren schließlich in die Halle der Knabenschule gekommen, um die Darmstädter Bands „ImmerGrün“ und „Fnessnej“ sowie „Verlen“ aus Frankfurt/Kelkheim zu hören und zu sehen.

„Die Bands und das leckere Essen fanden guten Anklang beim Publikum jeden Alters“, erzählt sie von dem Abend. „Überwältigend viele Besucher spendeten ihre Pfandflaschen oder stellten Essen für den Verkauf zur Verfügung und trugen somit viel zum endgültigen Gewinn bei.“ Zehn Helfer, die 16 Musiker und und die „Oberton“-Tontechniker zeigten großen Einsatz, freut sich die Dreiundzwanzigjährige. „Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen!“

„Viele waren auch wegen der Musik gekommen“, stellt sie fest. „Aber das war ja auch so gewollt: Mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und dem Thema Entwicklungshilfe auf eine positive Weise begegnet zu sein.“

Die Psychologiestudentin hofft auf diese Weise Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren ohne ein schlechtes Gewissen zu machen.
Müggenburg, die eigentlich gar nicht gerne im Mittelpunkt steht, findet, sie habe durch den erfolgreichen Abend und die positiven Reaktion viel Kraft und Motivation bekommen. „Der doch sehr anstrengende Arbeitsaufwand hat sich daher gelohnt!“

Jetzt wird die Organisatorin erst einmal weiter studieren und natürlich an dem Thema dranbleiben. „Ich habe mich für ein Stipendium in dieser Richtung beworben und hoffe, dass sich dadurch wieder neue Möglichkeiten ergeben werden.“

Was früher gefährlich war und wie man mit sogenannte Amokläufer medial umgehen sollte

„USA erklärt“ erinnert an die goldenen Zeiten in denen es noch andere einfache Erklärungen (unter anderem backward masking) für Jugendgewalt gab:

Früher war böse Musik an den Übeln der Gesellschaft schuld. Das ist aus der Mode gekommen, vermutlich weil Szenen aus Counter-Strike im Fernsehen besser kommen als ein Standbild von Leonard Cohen mit einer Ton-Einspielung von First We Take Manhattan.

Und der Computerspiele-Journalist Gunnar Lott hat einen interessanten Ansatz:

Es ist meine feste Überzeugung, dass die Tragödien von Winnenden und Emsdetten nie passiert wären, wenn das Fernsehen nicht im großen Stil über Columbine oder Erfurt berichtet hätte. [..]

Das sind Nachahmungstaten. […] Diese Fälle sind ja keine Amokläufe. Amokläufer handeln im plötzlichen Irrsinn, in Umnachtung und wissen hinterher nicht mehr, was sie getan haben. Emsdetten und Winnenden und Erfurt und Columbine und Blacksburg, das alles sind erweiterte Suizide von ausgegrenzten jungen Menschen. Von jungen Menschen allerdings, die zufällig oder durch Planung Zugriff auf Waffen haben […]

Sein Schluss: Die Medien sollten – wie bei anderen Selbstmorden auch – darüber nicht berichten.

Auf mögliche Zusammenhänge weist ein schon älterer Artikel aus dem Tagesspiegel hin:

Gernot Sonneck vom Kriseninterventionszentrum in Wien begleitet seit 1987 ein Projekt der Wiener Linien. Diese hatten die Medien gebeten, nicht mehr oder nur in kleinen Meldungen über Selbstmorde im Zusammenhang mit der Bahn zu berichten. Das Ergebnis verblüfft: Die Zahl derer, die sich das Leben auf den Schienen der österreichischen Hauptstadt nahmen, ging um 50 bis 60 Prozent zurück.

Schulterklopfen

Da habe ich doch schöne Fragen gehabt, wenn die Kollegin vom Radiosender gleich wieder das Mikro hinhält, als ich nach ihr den Schornsteinfeger befrage. :-)

Die Abendnachrichten

Hanno Zullas bittere Zusammenfassung:

Guten Abend, meine Damen und Herren, Sie sehen die Abendnachrichten. Es hat einen Amoklauf an einer Schule gegeben. Schrecklich, schrecklich. Wir zeigen Ihnen nun grausame Bilder. Im Anschluss daran eine Live-Schaltung zu unserem Reporter vor Ort. Wie grausam war es denn, Herr Kollege? “Oh, es war schrecklich. Hier ein paar weinende Mitschüler, die ich vor die Kamera gezerrt habe. […]

Hier private Fotos vom Täter. Sehen sie nur: Er posiert mit seiner Waffe! Wie ein Actionheld auf einem Kinoplakat! Und wir haben hier ein Bekennervideo von ihm gefunden, dass wir nun ausstrahlen. Ekelhaft, dieses Video, aber es ist unsere journalistische Pflicht, Ihnen das zu zeigen. […]

via Stefan Niggemeier

Benefizkonzert mit Immergrün, Verlen und Fnessnej in der Knabenschule am 13. März

Manche Freunde sprächen schon vom „Müggenburg-Festival“, sagt Hannah Müggenburg mit Blick auf die vergangenen Wochen. Die Darmstädter Studentin organisiert seit Anfang des Jahres für den 13. März ein Benefizkonzert in der Bessunger Knabenschule zugunsten des „AdoleScER“-Projekts im brasilianischen Recife.
Da sie die Menschen hier ansprechen will, ist die Musik auch nicht südamerikanisch. Die Darmstädter Bands „Immergrün“und „Fnessnej“ spielen Independent Rock beziehungsweise Rock und Electronica-Musik. „Verlen“ ist eine Rockband aus Kelkheim.
Der Gewinn soll nach Recife gehen, wo „AdoleScER“ Kinder und Jugendliche über Aids, Bürgerrechte, Drogen, Gesundheit und Sexualität aufklärt. Müggenburg will mit dem Konzert nicht auf hilflose Betroffenheit setzen. „Ich will nicht zeigen wie schlimm es ist, sondern das jeder kleine Teil ein bisschen etwas verändert.“
„Meine Familie unterstützt dieses Projekt schon lange“, erklärt die Dreiundzwanzigjährige warum sie sich gerade für „AdoleScER“ einsetzt. „AdoleScER“ ist portugiesisch und steht mit seiner wechselnden Groß- und Kleinschreibung übersetzt für „Jugendlicher sein“. Es will Jugendliche aus Recifes Elendsvierteln ausbilden und ihnen gleichzeitig ermöglichen ihre Pubertät mit ihren Emotionen zu leben. Die täglich auf der Straße erlebte Gewalt färbte auch auf die Kinder ab, sie spielen Überfälle und Bandenkriminalitär realistisch nach. „Eine Umarmung ist dort ziemlich ungewöhnlich“, hat Müggenburg beobachtet., als sie 2008 für sieben Wochen in der nordostbrasilianischen Millionenstadt war. „Mit Anfang 20 driften viele in den Drogensumpf ab“, beschreibt die Psychologiestudentin.

Benefiz, 13. März 2009

Damit beginne in den Favelas eine Karriere als Drogendealer- und -konsument. „Wenn man einmal drin ist, weiß man zu viel und kommt nicht wieder raus“, beschreibt die Studentin das Dilemma.
Diesen Kreislauf will „AdoleScER“ mit dem „Peer Education“-Konzept durchbrechen. Angehörige einer sozialen Gruppe oder gleicher sozialer Stellung werden geschult, informieren sich dabei gegenseitig und tragen die Inhalte in die Slums. Die Teilnahme am Projekt hat Bedingungen. So muss man weiter zur Schule gehen und darf keinen Kontakt zu Drogenbanden haben. Da sich in den Vierteln alles herumspräche, funktioniere auch die Kontrolle, berichtet Müggenburg. „Die Kurse sind mittlerweile bei den Erwachsenen im Viertel anerkannt.“
Als die Studentin wieder in Deutschland war, hat sie hier alltägliche Dinge zu schätzen gelernt. Beispielsweise dass man hier alleine seine Wohnung verlassen könne. Oder dass man auch nachts an roten Ampeln anhalten kann. In Recife vermieden Autofahrer bei Dunkelheit stehen zu bleiben, um nicht überfallen zu werden.

Benefizkonzert mit „Immergrün“, „Verlen“ und „Fnessnej“am 13. März, 20 Uhr, in der Halle der Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42, Haltestelle Weinbergstraße. Eintritt 5 Euro, Karten ab 20 Uhr an der Abendkasse.

Wie man eine Website innerhalb einer Woche in die Medien bringt

Der NDR hat einen freien Mitarbeiter weniger und eine Anti-GEZ-Kampagne mehr Aufmerksamkeit. Holger Kreymeier kritisiert auf dafuer-zahl-ich-nicht.de das ÖR-Fernsehen, daraufhin hat NDR mit ihm vereinbarte Aufträge storniert – sagt Kreymeier:

Ich habe gestern Nachmittag einen Anruf von meiner direkten Vorgesetzten bekommen, die mir sagte, dass alle Termine für den Monat März gestrichen werden. Es waren so zehn bis fünfzehn Arbeitstage vereinbart.

Der NDR sieht den Ablauf anders:

Tatsächlich wurde Herrn Kreymeier lediglich mitgeteilt, dass – vor dem Hintergrund seiner Initiative ‚Dafür zahl‘ ich nicht‘ – eine Fortsetzung der Zusammenarbeit überprüft werden müsse. In diesem Zusammenhang wurde Herr Kreymeier um ein klärendes Gespräch mit dem für ihn zuständigen Programmbereichsleiter im NDR gebeten. Dieses Gesprächsangebot lehnte Herr Kreymeier jedoch schriftlich ab.

Ich neige dazu Kreymeier zu glauben. Aus eigener Erfahrung von vor ein paar Jahren. Manche Auftraggeber sitzen auf hohen Rössern und meinen sie könnten alles. Aber anstelle den Freien einfach austrocknen zu lassen und ihm nach und nach immer weniger Aufträge zu geben, so dass es für ihn ganz von selbst uninteressant wird für diesen Kunden zu arbeiten, nein, da muss man mit der Keule draufhauen und ihn offen um alle Aufträge bringen. Weil man es eben kann.

Das sowas einer nicht mag ist klar und provoziert eine Reaktion. Die einen gehen dann zum Arbeitsgericht (wie Eva Herman) und behaupten beispielsweise sie waren nur Scheinselbstständige, andere erzählen die Geschichte herum, so dass jeder nun von der Website erfährt. Mir war nämlich bislang dafuer-zahl-ich-nicht.de unbekannt.