Reportage

Mit der Dampflok auf Erinnerungstour – Eisenbahn: 250 Leser auf Jubiläumsfahrt nach Neckarsteinach – Ausflug mit vier Burgen
(Darmstädter Echo, 21. Juni 2011)

Zum Rennen ins Gefängnis – Knastmarathon: Zum fünften Mal veranstaltete die JVA Eberstadt den Lauf für Sportler von drinnen und draußen
(Darmstädter Echo, 16. Mai 2011)

Kleintransporter im Blick der Behörden – Aktionstag: In der Weiterstädter Riedbahn kommen Nutzfahrzeuge unter die Lupe
(Darmstädter Echo, 6. Mai 2011)

Wandern über sieben Hügel – Grenzgang: Besucher aus den Partnerstädten finden Gefallen an der Darmstädter Wander-Tradition – Route führt über den Sieben-Hügel-Steig zur Ludwigshöhe
(Darmstädter Echo, 14. Juni 2010)

Angst vor Nazi-Schergen: Beklemmende Lesung
Geschichte: Lichtenbergschüler erinnern an die Bücherverbrennungen vor 76 Jahren

Zwei weißmaskierte junge Frauen werfen ein schwarzes Tuch über Miriam Ploch und führen sie von der Bühne. Die Schülerin hatte gerade aus Alfred Döblin Roman „Berlin, Alexanderplatz“, vorgelesen. Oberstufenschülerin Franziska Paul kommt mit ihrer Lesung aus Kurt Tucholskys „Lerne Lachen ohne zu weinen“, nicht weit. Ein Schuss aus dem Zuschauerraum lässt sie nach vorne stürzen, wieder beenden Weißmaskierte den Auftritt: Sie schleifen das Mädchen von der Bühne.

Mit einer szenischen Lesung erinnerten die beiden Deutsch-Leistungskurse der Bessunger Lichtenbergschule an die Bücherverbrennungen vor 76 Jahren. Überall in Deutschland wurden zwischen Mai und Juli 1933 Bücher öffentlich verbrannt. In Auszügen stellten Schüler aus der 12. Klasse Werke von Autoren vor, die vom NS-Regime verfolgt wurden.

Als Margarethe Görzen aus Ilfs „12 Stühle“ vorliest, spürt man Unsicherheit im Publikum. Jedes Knacken hinterm Vorhang, jeder Hustende im Saal lässt aufmerken. Ist das ein Signal? Kommen die Schergen wieder? Schließlich kündigen sie sich stampfend an. Vier weiß Maskierte stürmen im Gleichschritt die Bühne, nehmen Görzen fest und zerreißen das Buch.

Die Bücherverbrennungen 1933 waren hauptsächlich von konkurrierenden Studentenschaften organisiert, die sich bei den Nationalsozialisten andienen wollten. Auch Darmstadt hatte seinen Scheiterhaufen: Am 21. Juni verbrannte die Darmstädter Studentenschaft Bücher auf dem Mercksplatz.

Luise Köhler las aus Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“. Remarques Schilderungen schwerster Verwundungen im Ersten Weltkrieg (zerfetzte Gelenke, Männer mit weggeschossenen Unterkiefern) führen zu Köhlers Festnahme durch die weiß Maskierten.

Die Lichtenbergschule konnte zum Gedenktag zwei besondere Vorleser gewinnen: Die Darmstädter Bundespolitiker Andreas Storm (CDU) und Brigitte Zypries (SPD). Auch sie können ihre Lesung nicht beenden. Staatssekretär Storm wird beim Lesen aus Bertolt Brechts „Schlechte Zeiten für Lyrik“ von der Bühne gebrüllt, Bundesjustizministerin Zypries wird festgenommen, ausgerechnet „auf Anordnung des Justizministers“.

Schülerin Laura Schütze liest aus Erich Kästners „Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühen?“ hinter einer Schattenwand, bleibt so aber unbehelligt. Die Idee zu der Veranstaltung wurde von den Leistungskurs-Lehrern Fritz Volz und Jan-Ulf Breitfeld „mit sanften Druck“ eingebracht, berichtete Deutschlehrer Volz über die Entstehung des Projekts. Danach aber entwickelte es sich zum Selbstläufer, betonte er. „Die Schüler haben die szenische Lesung komplett allein entwickelt.“

Die Werke wählten die Oberstufenschüler anhand der „Bibliothek der verbrannten Bücher“ aus, erklärte Schüler Christian Steinbrecht. Diese Bibliothek wird vom Potsdamer Moses Mendelsohn-Zentrum im Olms Verlag herausgegeben. 2008 erschienen die ersten zehn Bände, darunter Jack Londons „Martin Eden“ und Franz Kafkas „Beim Bau der Chinesischen Mauer“.

Die Lesung war aber auch eine Inspiration für die Zuschauer. „Ludwig Turek kannte ich gar nicht“ sagte eine Zuschauerin zu einem vorgestellten Autor. Turek war im Ersten Weltkrieg desertiert und hatte 1929 den autobiografischen Roman „Ein Prolet erzählt“ veröffentlicht. „Dieses und jenes Buch könnte man mal wieder lesen,“ stellte Martina Hübscher-Paul fest. „Die Werke von Kurt Tucholsky und Erich Kästner werde ich wieder rausholen.“ (Darmstädter Echo – 12.5.2009)
 
 


 
Stabile Seitenlage auf dem Fußboden
Notaufnahme: Im Klinikum Darmstadt sind zwanzig Patienten pro Heinerfestnacht keine Seltenheit

Pro Schicht können schon 20 Patienten kommen“, blickt Ärztin Tu-Ahn Dang mit ihrer Erfahrung auf den Heinerfest-Samstag. In der Nacht auf Sonntag leistete die Internistin mit der Krankenschwester Andrea Serocka-Schork Dienst in der Medizinischen Notaufnahme des Klinikums Darmstadt.

Die Medizinische Notaufnahme nimmt medizinische Notfälle auf, die Poliklinik chirurgische, dort werden auch Verletzungen versorgt. In der Notaufnahme gibt es die erste Untersuchung, es wird über die Behandlung entschieden und auf welche Station der Patient kommt. Typisch für Fest-Wochenenden sind Patienten, die nur ihren Rausch ausschlafen müssen. Sie kommen auf eine Matte im Behandlungszimmer.

Der Abend beginnt mit Fällen, die nichts dem Heinerfest zu tun haben. Ein junger Mann hat eine Schwellung am Bein von einem Insektenstich. Ein anderer Patient macht sich Sorgen wegen eines Zeckenbisses vor zwei Tagen. Es gebe keine nachträgliche Impfmöglichkeit gegen die von Zecken übertragbare Krankheiten Hirnhautentzündung und Borreliose, erklären ihm Ärztin und Schwester mehrmals. Aber der Mann will sich noch eine weitere Meinung einholen und geht zur Ärztlichen Notdienstzentrale in der Bismarckstraße.

Sonntagmorgen, kurz nach halb zwei, kommt der erste Rettungswagen mit Martinshorn. „Etwas früher als am Freitag“, stellt Nachtschwester Serocka-Schork fest. Die Stimmung auf dem Heinerfest kippe, berichtet die ankommende Rettungsassistentin. Manche Fest-Bummler würden sich schlagen.

Der Patient, der auf einer Trage hereingerollt wird, ist der erste Betrunkene dieser Nachtschicht. Die Trage wird abgesenkt und der junge Mann auf eine Matte am Boden umgebettet. „Wir legen die Patienten zum Ausnüchtern auf den Boden“, erklärt Medizinerin Dang. So fallen sie nicht von der Liege.

Die Freundin des Zweiundzwanzigjährigen will ihn am Sonntagmorgen abholen. „Wie lange dauert es, bis er ausgenüchtert ist?“, will sie wissen. „Das kann man so genau nicht sagen, etwa acht Uhr“, schätzt Serocka-Schork. Die Ärztin nimmt Blutproben zur Alkoholbestimmung.

„In der Nacht von Freitag auf Samstag hatten wir vier Patienten mit insgesamt 9,9 Promille“, blickt sie zurück. Die Promillewerte der Betrunkenen in dieser Nacht halten sich in Grenzen und liegen zwischen 1,2 und 2,2 Promille. Allerdings können Drogen die Alkoholwirkung durchaus verstärken.

Nun geht es Schlag auf Schlag. Zwei Rettungswagen bringen die nächsten zwei Betrunkenen, auch sie werden am Boden in die stabile Seitenlage gebracht.

Die Freundin des jungen Mannes gibt der Ärztin Auskunft: „Soweit ich weiß, hatte er zwei volle Maß Bier. Dazu vier normale Biere und wie ich es einschätze zwei Nasen Speed.“ Die Angaben werden notiert. „Dann brauche ich noch Ihre Telefonnummer, damit sie ihn morgen abholen können“, fordert Andrea Serocka-Schork weitere Daten.

Eine weitere Gruppe steht in der Tür. „Unsere Freundin liegt hier. Was passiert jetzt?“, wollen sie wissen. „Sie schläft ihren Rausch aus“, erklären Ärztin und Schwester. „Da gibt es kein Gegenmittel.“ Auch diese Gruppe hinterlässt eine Telefonnummer und beruhigt noch die Freundin auf der Matte.

Um halb vier kommt das vierte und letzte Heinerfest-Alkoholopfer dieser Nacht. Der Rettungsdienst hat den Mann vom Pflaster des Luisenplatzes aufgehoben. Aber kaum liegt er im Ausnüchterungsraum, wird er wieder munter. Ihm gefällt nicht, dass er mit drei anderen Betrunkenen in einem Raum liegt und will gehen.

„Sie wurden liegend und lallend vom Notarzt aufgefunden“, erinnert ihn Tu-Ahn Dang eindringlich. „Das ist zu ihrer eigenen Sicherheit.“ Der Mann will sich trotz mehrfacher Bitte nicht wieder wieder hinlegen. Damit wird er zu einem Fall für die Polizei, entscheidet die Ärztin, bevor die Situation möglicherweise eskaliert.

Kurz darauf stehen zwei Polizisten in der Ambulanz. „Sie werden uns begleiten und in der Zelle bei uns schlafen“, erklären die Beamten dem Mann und nehmen ihn ohne Probleme mit.

„Das Heinerfest merken wir hier gar nicht so sehr, wegen dem Zelt vom Roten Kreuz“, hat Krankenpfleger Manfred Kretschmar beobachtet. Die Rot-Kreuz-Wache auf dem Heinerfest fange viele Fälle ab. Beim Schlossgrabenfest – ohne DRK-Wache – kämen mehr Patienten vom Fest in die Notaufnahme. (Darmstädter Echo – 7.7.2008)
 
 


 
Muskeln, Beats und Pulverdampf
Jahreswende: Ein Rundgang durch die Darmstädter Neujahrsnacht – Mathildenhöhe als Feuerwerks-Brennpunkt

„Wir arbeiten uns auf 2008 vor“, ruft Discjockey Peter „Lackenegger“ Lack in die vierfünftel volle Böllenfalltorhalle, in der die Agentur Staudt-Events und der Radiosender HR 3 die Silvester-Discoparty veranstalten. Das Publikum ist jung, die Stimmung etwas rau – das zeigen schon die Einlasskontrollen, bei denen Sicherheitsmänner und -frauen auch in die Taschen gucken. „Nicht, dass einer Feuerwerkskörper mit reinbringt“, wird erklärt.

DJ Lackenegger, ein HR 3-Moderator, fragt die Stimmung im Saal ab und lässt das Publikum verschiedene Refrains mitsingen. „Ich will, dass keiner mehr in der Halle rumsteht“, ruft Peter Lack. Das Publikum folgt willig, kein Problem, Lack spielt „Mr. Vain“ von Culture Beat, während die Lichtorgel mit weiß blitzenden Scheinwerfern den Beat unterstützt. Auch die Tänzerin und ihr Kollege auf der Bühne kommen gut an, sie im Bikini, er mit muskulösem freien Oberkörper.

Silvester in der Centralstation beginnt unterm Dach. Im oberen Saal gibt es für 230 Gäste seit 20 Uhr ein orientalisches Buffett, unter anderem mit afghanischen Teigtaschen oder Milchreis mit Rosenwasser. Das passe zum Stil der Centralstation, findet Gastronomieleiter Markus Heinisch, während er an der Bar serviert. „Wir sind ja ein Multikulti-Haus“, sagt er und füllt für einen Gast ein Hefe-Radler auf. Wer mag, kann auch mit Prosecco mit Lebkuchenaroma anstoßen.

Später spielt die Berliner Band „Safe, Sane & Single“ Swing, Jive sowie Rhythm and Blues. Zum Repertoire gehören unter anderem „Get Your Kicks On Route 66“ oder Heinz Rühmanns Schlager „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frauen“. „Alles aus der Zeit vor Rock’n’Roll“, erklärt Schlagzeuger Timon Ruhemann, der am Abend vorher mit seinen Kollegen Maarten Hoogenboom und Andisan Stenger in Travemünde aufgetreten war.

Die Band komme gerne nach Darmstadt, sagte er. „Eigentlich sind wir echte Heiner“, erinnert Ruhemann an die Vergangenheit des Trios, das vor Jahren als „Camie & The Knickers“ unterwegs war. Zudem habe man in Darmstadt immer noch Ausrüstung stehen. Das erleichtere die Tourplanung, wenn es von einem Tag auf den anderen von Nord- nach Süddeutschland gehe.

Auf dem Flug nach Darmstadt traf Ruhemann einen anderen Darmstädter Silvesterstar, Roger Cicero, der im Darmstadtium auftritt. Nach einer halben Stunde haben „Safe, Sane & Single“ das Publikum warm gespielt und die ersten Paare gehen nun auf die Tanzfläche und nicht mehr zum Buffet.

Einen Saal tiefer, in der großen Halle der Centralstation, ist es dunkler, lauter und die Musik basslastiger. Die DJs Erik Trinkaus und Haroun legen auf. Als Dusty Springfields „Son Of A Preacherman“ läuft, hören einige auf aus ihren Flaschen zu nippen und wippen hin und her. Ab 23 Uhr strömen die Gäste merklich in die Halle und „All That She Wants“ von Ace of Base animiert mit seinen Bässen auch zum Tanzen.

Im Carree vor der Centralstation und auf dem Luisenplatz werden schon den ganzen Abend über Kracher gezündet. Aber richtig los geht es geht es um Mitternacht auf der Mathildenhöhe.

Die Russische Kapelle ist mit ein paar Wachleuten und einem Bauzaun – der manchen auch als Raketenstartrampe dient – gesichert, während es rundherum brutzelt, knallt, knistert, pfeift und jault. Viele stoßen mit mitgebrachten Gläsern, Papp- und Plastikbechern an, andere fallen sich in die Arme, Liebespaare umschlingen sich innig. Böller explodieren, Raketen steigen auf, Miniatur-Raketenwerfer jagen Raketen im Sechzehnerpack in den Himmel.

Die rund 200 Zuschauer, die auf der etwas erhöhten Terrasse der Ausstellungshallen stehen, haben das Feuerwerk teilweise direkt vor ihren Augen. Und mancher hat es auch auf seinem Kopf – irgendwo müssen die Reste der hochgeschossenen Funkenregen ja runterkommen. Mehrfach fahren sich einige durch die Haare, aber die Luft ist feucht, es brennt nichts an.

Vor der Terrasse geht die Knallerei zehn Minuten am Stück. War es vorher etwas neblig, ist es nun total verraucht und neblig. Weswegen man zehn Minuten nach Mitternacht die Russische Kapelle von der Terrasse aus nicht mehr sieht. „Wie war das eigentlich noch mit dem Feinstaub?“, fragt ein Zuschauer grinsend seine Nachbarin.

Der Rückzug von der Mathildenhöhe gestaltet sich schwierig. Nebel und Pulverdampf nehmen einem aber die Sicht, und so fliegen einige Mini-Sprengsätze abziehenden Zuschauern unter „Prost Neujahr“ und „Vorsicht!“-Rufen zwischen die Füße. „Irgendwo ist doch dieser Teich“, meint einer im Nebel, der hofft auf dem Heimweg nicht noch ins Albin-Müller-Becken zu fallen. (Darmstädter Echo – 2.1.2008)
 
 


 
Ein Drehtag für drei Filmminuten
Fernsehen: Der Hessische Rundfunk inszeniert am Darmstädter Friedensplatz eine nächtliche Straßenbahnszene

Der Frankfurter Jazzkeller liegt in Darmstadt. Am Samstag drehte ein Filmteam des Hessischen Rundfunks am Friedensplatz eine Szene, die in dem Film „Sommer mit Delphin“ in der kleinen Bockenheimer Landstraße in Frankfurt spielt. Das Team drehte in Darmstadt, da es in Frankfurt zu schwierig war, eine echte Straßenbahn und einen unbefahrenen Gleisabschnitt in der Stadt zu bekommen.

Ein Paar, gespielt von Udo Wachtveitl und Elzemarieke de Vos, verlässt früh morgens einen Jazzclub. Eine Straßenbahn kommt, das Paar drückt sich zum Abschied, aber bevor er sie küssen kann, springt die Frau in die Bahn. Die fährt ab und beide blicken sich hinterher.

Was im Film wenige Minuten sind, ist für das Team eine mehrstündige Angelegenheit. Und eine für Frühaufsteher. Denn damit die Szene in der Morgendämmerung gedreht werden kann, muss ab halb fünf Uhr morgens vor dem Modehaus Schrumpf inszeniert, ausgeleuchtet und geprobt werden.

„Fahren wir die nächste Probe original mit Straßenbahn!“, ruft Regisseur Thomas Freudner. Funkgeräte quäken, die Schauspieler verschwinden hinter einer Tür, die im Film, mit Plakatkulissen angereichert, den Jazzkellerausgang darstellt. „Und bitte!“, ruft Freudner.

Die Darsteller kommen aus der Tür, die Bahn rumpelt los. „Stop, stop, stop!“, ruft ein Assistent, die Bahn komme zu spät. Also alles nochmal. Die Probe klappt. Das Paar steht rechtzeitig an der Filmhaltestelle, und die Bahn kommt an. Aber es ist noch nicht alles perfekt. „Hättest Du ein Bedürfnis gehabt, früher mit dem Text anzufangen?“ fragt Wachtveitl, den viele als „Tatort“-Kommissar kennen, den Regisseur. Das Team bespricht sich. „Machen wir die nächste Probe mit Kameras!“, ruft Regieassistent Frank Stoye. Filmen ist eine laute Angelegenheit – schließlich muss jeder im gut zwanzigköpfigen Team Bescheid wissen.

Straßenbahnfahrer Volker Feick – er bildet bei der Heag Schaffner aus – lehnt derweil lässig in der Tür, und bekommt Instruktionen von der Regie. Die Tontechnikerin und die Kameraleute machen sich bereit. „Wir filmen mit der Handkamera in die und die Richtung“, zeigt Regisseur Freudner in die Richtungen Weißer Turm und Landesmuseum. Das Kameraobjektiv wird auf das „Sechszehner“ gewechselt, und die nächste Probe beginnt.

Inzwischen ist es halb sechs. Hinterm Schloss, im Osten, beginnt die Dämmerung. „Wir stellen mal kurz die Einstellung drei“, ruft der Regisseur. Im Film wird der Zuschauer die Szene in drei Einstellungen sehen. Zuerst bekommt man das Paar gezeigt, wie es den Club verlässt. Dann folgt der Dialog und schließlich die Abfahrt aus der Sicht Wachtveitls und aus der von Elzemarieke de Vos. Sie bekommt noch einmal die zusammengefallenen Locken nachgedreht, Kamerassistenten spannen Maßbänder.

„Die Kameras haben keinen Autofokus“, erklärt ein Assistent. „Die müssen die Schärfe von Hand einstellen und deswegen alles vorher ausmessen.“ Wenn alle Entfernungen einer Kameraeinstellung notiert sind, nennt man das „geschärft“.

Fünf vor sechs, es wird ernst. „Macht die Schauspieler drehfertig!“, ruft Regieassistent Stoye. „Wir haben Reflektionen“, stellt er fest und verbannt alle bis auf die Kameras und Mikrofone hinter das Heag-Häuschen und die Eisbude von Friedel.

Dann geht es ganz flott. Innerhalb einer halben Stunde werden bis halb sieben die drei Einstellungen gedreht. Dass Aufwand und Ergebnis in einen so krassen Verhältnis stehen, sei normal, erklärt ein Kameramann. An einem Spielfilm-Drehtag kämen durchschnittlich drei Minuten Film zusammen. Der Regisseur ist zufrieden. Und dass die Szene in Darmstadt gedreht wurde, werden die wenigsten merken, vermutet er. Eventuelle erkenne jemand für einen Moment den Weißen Turm. Aber ähnliche Türme gebe es auch in Frankfurt, meint ein Assistent. Daher werde das nicht so auffallen.

Während das Team seine Ausrüstung in drei Transporter und ein Auto verpackt, werden noch ein paar „Nur-Töne“ wie das Fahrgeräusch der Straßenbahn, aufgenommen. Und nachdem die Dekorateure die Jazzkeller-Plakate abgebaut haben, ist es wieder die Gleisschleife Schloss. (Darmstädter Echo – 27.8.2007)
 
 


 
Viele Schüler, viele Talente
Brechtschule: Bei einer Show zeigen die Elft- bis Dreizehntklässler für einen guten Zweck, was sie alles können

Gitarrenakkorde werden geschlagen, eine kraftvoll summenden Rückkopplung unterbricht die letzte Gesangsprobe. „Gleich geht’s los“, ruft Chorleiter Alexander Franz den Beleuchtern zu, „das Licht aber nicht ganz runter drehen, sonst sehe ich nichts mehr.“ Franz spielt am Flügel einige Takte an, dann eröffnen zwei Sängerinnen vom Schulchor der Bertolt-Brecht-Schule am Montagabend die „Talentshow 2007“. Kraftvoll schaltet sich nach und nach der komplette Chor zu.

Die Schüler wollen die Einnahmen spenden. „Dieses Jahr kam der Wunsch auf, ein Projekt in der Gegend zu unterstützen“, erklärt Schulsprecherin Hannah Eckert. So kann die evangelische Kindertagesstätte Eberstadt-Süd mit einer Spende für eine neue Kletterlandschaft rechnen.

Vorschussapplaus bekommen die Bauchtänzerinnen Michèle Klein, Antje Schreiber und Rebecca Rose für ihre farbenfrohen Kostüme. Die Tänzerinnen schlängeln sich, lassen die Scheibchen an Gürtel und Oberteil klingeln, was die rund 200 Gäste mit Juhu-Rufen und viel Applaus belohnen.

Begleitet von Zwischenjauchzern, singen sich Gian-Luca Krykon, Veronica Paradiso und Amy McDermot schmachtend an, was Feuerzeuge aufflackern lässt. Schlicht, in T-Shirt und Rock, tritt Annika Eisenberg auf. Die Zwölftklässlerin begeistert die Zuhörer mit eigenen deutsch- und englischsprachigen Liedern und begleitet sich selbst auf der Gitarre.

Die Jazz-AG hat bei ihrem Auftritt nach der Pause prominente Unterstützung durch den Pianisten und Komponisten Uli Partheil. Sein Engagement werde vom Schulamt über das Programm „Schule kreativ“ bezahlt, erzählt Jazz-AG-Leiter Rainer Wieczorek. Der Bass brummt, die Becken schwellen an und Bläser kommen nach und nach dazu. Das knatternde Schlagzeugsolo bekommt Szenenapplaus, ebenso wie die gut abgehangenen Saxophone und Posaunen. Das Publikum dankt es mit den ersten „Zugabe!“-Rufen.

Aber dafür scheint keine Zeit zu sein, es folgt das „Dance Team“ des American-Football-Vereins „Darmstadt Diamonds“. Sieben kräftig geschminkte Tänzerinnen lassen im Formationstanz die silbernen Pompons rascheln, werfen Arme und Beine hoch und ernten anerkennendes Gejohle und Applaus.

„Ineptus sumus“ spielt mittelalterliche Musik. „Ineptus sumus“ bedeutet „taktlos“, weil die Gruppe anfangs keinen Trommler hatte. Aber das war einmal, und so bringt die Gruppe das Publikum mit Schalmei, Laute, Dudelsack, Horn, Trommeln und Sprechgesang zum Mitklatschen.

Andächtiger wird es mit Marleen Ilchmann und Anna Zinßer. Sie spielen mit Querflöte und Klarinette Bachs Orchestersuite D-Dur. „Wollt ihr noch was?“, fragen sie schüchtern-listig und geben „Das Phantom der Oper“ als Zugabe fürs begeisterte Publikum.

Den Abend beschließen „Fat, Red and Ugly“. Die Band um die rothaarige Sängerin Sophie Seita gewinnt mit einer Mischung aus harmonischen Independent-, Pop- und Reggae-Stücken und entlässt die Besucher gut gelaunt zum Tanz in den Mai. (Darmstädter Echo – 3.5.2007)