Nun doch Krautreporter

Ich habe mich geirrt, die Krautreporter haben es trotz ihres unprofessionellen Auftritt hinbekommen. Bedenkenträger war ich nicht, ich fand auch das Meckern über die Kreditkarte und die wenigen Reporterinnen und die fehlende Diversität kleinlich.

Aber das Marketing war so schlecht und die Site so nichtssagend und die genannten Themen so 08/15, dass ich keine Lust hatte, das zu bewerben. Jeder hätte mich doch gefragt, warum er dafür 60 Euro geben soll.

Und dann fand ich die Orga doch sehr improvisiert, mit vier Tagen Vorlauf kam eine Einladung nach Berlin, an einem Arbeitstag, das Blog kam irgendwann, Beiträge irgendwie spontan und sinnlos getaktet, naja.

Da entstand zwingend der Eindruck bei mir ein paar Berliner Alpha-Journalisten und -Blogger, versuchen jetzt mal eben mit Crowdfundig sich ihr Hobby (Schreiben über Dinge, die sie für sich interessant finden – ich sag’ nur jüdischer Siedler) von anderen bezahlen lassen.

Freundlicherweise hat die Augstein-Stiftung die Krautreporter nun gezwungen, meine Vorurteile auch zu widerlegen.

Krautreporter scheinen es noch zu schaffen

Da habe ich mich wohl geirrt. Die Krautreporter scheinen es zu schaffen. Unter anderem dank einer Spende:
Die Rudolf Augstein Stiftung fördert Krautreporter mit 1000 Mitgliedschaften. Und wenn am letzten Sammeltag pro Stunde so viele Unterstützer dazukommen wie aktuell, müsste die 15.000-Unterstützer-Grenze um 15 Uhr oder 16 Uhr erreicht werden.

Und ich glaube nicht, dass das Projekt bei 14.900 Unterstützern scheitert, da lohnt es sich für die 25 Macher doch noch selbst schnell zu “Abonennten” zu werden. ;-)

Ich hoffe, dass der wohl erfolgreiche Endspurt nicht von den Problemen, die ausgemacht worden waren, ablenkt. Nicht, dass es so läuft wie bei einer Pleite-Kommune, die durch Grundstücksverkäufe ihr strukturelles Defizit für ein Jahr ausgleichen kann und fröhlich weiter ins Defizit wirtschaftet. Da ist trotz Buchhaltungserfolg noch nichts anders.

Und die Stiftungsspenden (es gibt laut den Facebook-Krautreportern noch eine) zeigt mir eher, dass die Zukunft der Journalismusfinanzierung in einen anderem Modell liegt: Mäzenatentum. :-D

6. Juni: Krautreporter – Eine Orga wie Kraut und Rüben
3. Juni: Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Krautreporter – der Name trifft es doch

Eine Orga wie Kraut und Rüben.

Gerade kam eine BBQ Einladung an die Unterstützer rein. Nach Berlin. Vor drei Wochen startet das Projekt, jetzt kommt – mit vier (4!) Tagen Vorlauf – eine Einladung nach Berlin. Hauptstadt, aber zentral ist anders. Und für einen Dienstag, ein Arbeitstag. Der Feiertag Pfingstmontag ist einen Tag vorher. So eine Feier kündigt man mit Aktionsbeginn an, wenn man es ernst meint.

Inzwischen wirkt das Projekt auf mich immer mehr wie ein “ach lass uns mal Crowdfundig probieren”.

Es ehrt die Kollegen ja, dass das sie als Journalisten keine Ahnung von PR und Kampagnen haben, aber die müssen doch auch mal auf einer schlecht organisierten und Null vorbereiteten Veranstaltung gewesen sein, und daher wissen wie man es nicht macht?

Langsam bereue ich es 60 Euro bereitgestellt zu haben.

13. Juni: Krautreporter scheinen es noch zu schaffen
3. Juni: Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Countdown bei den Krautreportern. Nur noch 10 Tage fürs Funding. Hintergrund: Das Projekt will “900.000 Euro für ein Jahr Journalismus von 25 Autoren einsammeln” (Zusammenfassung von Don Alphonso).

Aber jetzt erst kommen die Kollegen mit dem was schon vor dem Crowdfunding hätte stattfinden müssen: Sie nennen Themen, die sie machen wollen. Als da jetzt wären: Nahostkonflikt, Fernseh- und Rundfunkräte, die neue Ostfront oder professionelle Zahnreinigung.

Und sie haben nur noch zehn Tage um 15.000 Unterstützer zusammenzubekommen. Meiner Meinung nach wird das wird aber nichts mehr, sie haben nach 21 Tagen erst gut 6500 Unterstützer.

Nebenbei: Die Beispiele oben musste ich jetzt copy/paste zusammenklicken, das wäre einfacher das würde in einem Absatz auf Krautreporter stehen. Das macht es dem, der für das eigentlich schöne Projekt* werben will, leichter. (Andererseits ehrt das die Krautreporter, die haben wohl noch nie ihr Geld damit verdienen müssen, Pressemitteilungen zu redigieren. Wer das gemacht hat, weiß, wie man es den Kollegen bei der Tageszeitung leicht macht. ;-) )

* das eigentlich schöne Projekt: Ja, die Idee ist gut. Die Leser bezahlen die Journalisten und nicht wie sonst die Anzeigenkunden. Sinnvoll, dann wenn es eng wird, heißt es: Wer zahlt, sagt an. Und inzwischen bin ich ja der Meinung, dass der, der etwas will, es erstmal auch bezahlt. Und das wäre bei Krautreporter ja der Fall.

Nur frage ich mich langsam, wie die Krautreporter sich das mit dem Marketing gedacht hatten? Meiner Meinung nach hätte man schon vier bis zwei Wochen vorm Crowdfundingbeginn von dem Projekt was erfahren müssen. Ich halt mich für mittelgut informiert, aber zu mir war nichts durchgedrungen. Keine Gelegenheit vor drei Wochen “Endlich geht’s los” zu sagen. Naja, und so zählt der Unterstützercounter zwar langsam hoch, aber ein Moment, wie es durch die Berichterstattung am Anfang war, kam nicht mehr rein. Dabei wäre ja Leute wie Jens Weinreich dabei, gerade er macht Sportpolitik und wenn es um die Sümpfe bei Doping, Fifa und IOC geht, kennt er sich aus. Nur wer von den Sportteillesern kennt den Namen?

Kann natürlich sein, dass ich komplett falsch liege und die Leser einfach zufrieden sind mit den kostenlosen News à la SpOn &Co. Oder sie spätestens jetzt bei den vorgestellten Themen den selben Mainstream vermuten, wie es ihn kostenlos bei SpOn &Co gibt.

13. Juni: Krautreporter scheinen es noch zu schaffen
6. Juni: Krautreporter – Eine Orga wie Kraut und Rüben

Stolpersteine

Stolpersteine 29.5.2014 00 800x

Stolpersteine 29.5.2014 01

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Heute (29.5.2014) hat Gunter Demnig in der Darmstädter Innenstadt insgesamt 14 “Stolpersteine” verlegt; zum Gedenken an:

Rudolf und Erna Steinberg, Hans Stephan Steinberg, Lotte Steinberg (Ernst-Ludwig-Str. 17) – Leopold und Clothilde Hachenburger, Else Fanny Hachenburger, Julie Rosentha (Wilhelminenstraße 31) – Justine Rothschil, Mathilde Rothschild (Elisabethenstraße 45) – Henriette Ollendorf (Saalbaustraße 10) – Hedwig Adler, Margarethe Adler (Adelungstraße 48) – Salomon Lichtenstein (Adelungstraße 49).

(PM DA) Das Projekt „Stolpersteine“ ist eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig und soll an die Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung wurden. Die Stolpersteine werden vor dem Haus verlegt, in dem die Menschen, an die sie erinnern sollen, ihre letzte freiwillige Wohnung hatten oder gearbeitet haben. Seit 2005 wird das Projekt auch in Darmstadt umgesetzt, seitdem wurden rund 199 Gedenksteine in der Stadt verlegt.

„Die Unabhängigkeit Kiews ist eine vorübergehende Erscheinung“ – Rußlands Politik im „postsowjetischen Raum“, eine Sicht aus dem Jahr 1998

Aus einer Abhandlung des österreichischen Verteidigungsministeriums von 1998 (20-seitiges PDF). Erstaunlich aktuell.

Der Ukraine kommt als „Hauptobjekt der russischen Politik im postsowjetischen Raum“ eine Schlüsselrolle zu. Diese Politik beruht nach dem Eindruck einer demokratischen Moskauer Zeitung 1995 auf zwei Prämissen: „Die Unabhängigkeit Kiews ist eine vorübergehende Erscheinung“ und „die Ukrainer sind Sklaven von Öl und Gas aus Rußland“.
(…)
Rußland und die Ukraine (haben damals noch als Sowjetrepubliken ) einander bereits in einem Vertrag am 19.11.1990 als „souveräne Staaten“ anerkannt und volle territoriale Integrität zugesagt. Das konnte jedoch in Rußland seit Anfang 1992 – ganz im Sinne des „patriotischen Konsenses“ – zahlreiche Kommunisten, Nationalisten und „Demokraten“ nicht davon abhalten, eine „Rückgabe“ der Krim, zumindest aber der strategisch wichtigen Hafenstadt Sewastopol (die den Hauptstützpunkt der Schwarzmeerflotte beherbergt) zu fordern.
(…)
Das russische Parlament (Oberster Sowjet wie Staatsduma) hat mehrere entsprechende Beschlüsse gefaßt, und der populäre Bürgermeister von Moskau, Jurij Luzhkow (ein Verbündeter Jelzins und wahrscheinlicher Kandidat bei den nächsten russischen Präsidentenwahlen) drohte im Dezember 1996 zur „Lösung des Status von Sewastopol“ im russischen Fernsehen sogar mit Gewalt.
(…)
Es besteht kein Zweifel, daß die große Mehrheit der Russen (auf der Krim) für einen Anschluß der Halbinsel an Rußland eintritt, und es gab auch immer wieder entsprechende offizielle Initiativen.