„Die Grundversorgung im Quartier ist gesichert“
Einzelhandel: Obwohl immer mehr Geschäfte schließen, sieht der Wirtschaftsförderer der Stadt keinen Grund zur Sorge
Ein Gemüsegeschäft wurde zu einer Fahrschule, in den Räumen einer Metzgerei wird Glaskunst verkauft. Verliert das Johannesviertel seine Einzelhändler? Das ECHO sprach mit Michael Kolmer, dem Leiter des Amtes für Wirtschaft und Stadtentwicklung.
ECHO: Herr Kolmer, warum gibt es relativ wenig Einzelhandel im Johannesviertel?
Michael Kolmer: Das Viertel wurde in der Gründerzeit nach 1871 als bürgerliches Viertel mit vielen Vorgärten entwickelt. In dieser Bausubstanz war angelegt, dass es außer an den Kreuzungen weniger an der Straße orientierten Einzelhandel gibt. Wenig Einzelhandel würde ich auch nicht sagen. Man muss nur genauer hinsehen. Die Grundversorgung ist gesichert und trendige Geschäfte, die das Martinsviertel ausmachen, entstehen auch im Johannesviertel.
ECHO: Aber wenn man im Martinsviertel von der Kreuzung Liebfrauen-/Heinheimer Straße Richtung Riegerplatz geht, ist dort mehr Geschäftsleben zu finden.
Kolmer: Das Martinsviertel ist mit rund 11.000 Einwohner mehr als doppelt so groß wie das Johannesviertel mit seinen rund 4800 Einwohnern. Da ist das Einzugsgebiet im Kern einfach größer.
ECHO: Wie viele Einwohner sollte ein Stadtteil haben, damit sich größere Lebensmittelmärkte ansiedeln?
Kolmer: Ein sogenannter Vollsortimenter benötigt ungefähr einen Einzugsbereich mit 15 000 Einwohnern. Da liegt das Johannesviertel deutlich darunter, das zudem ideal an die Innenstadt angebunden ist. Dann gibt es an der Kasinostraße einen Vollversorger und einen Discounter, von dem das Quartier profitiert. Durch die Ampel an der Kasinostraße sind die Geschäfte quasi Teil des Stadtteils und bilden das neue Nahversorgungszentrum.
ECHO: Das ist aber nicht zentral im Viertel.
Kolmer: Natürlich würden wir uns so etwas mitten im Quartier wünschen. Aber die vorhandenen Flächen im Stadtteil sind für einen Vollsortimenter zu klein. So ein Geschäft benötigt heutzutage mindestens 1200 bis 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche – ohne Stellplätze. Wenn Sie die Ladenflächen an der Kasinostraße plus die Parkplätze betrachten, dann sind die so groß wie ein halber Häuserblock.
ECHO: Welche Möglichkeiten hat die Stadt, um die Ansiedlung von mehr Einzelhandel im Johannesviertel zu unterstützen?
Kolmer: Die Stadt selbst kann bestimmte Flächen über Bebauungspläne ausschließen und auf die von ihr bevorzugte Lagen hinweisen. (Darmstädter Echo – 19.3.2009)
„Sehr angenehm, weil es übersichtlich ist“
ECHO-Umfrage: Die Umgestaltung des Johannesplatzes kommt gut an – Geteilte Meinungen zum Spielplatz
Der Johannesplatz wurde im Frühjahr teilweise umgestaltet. Auszubildende des städtischen Gartenamts entfernten das Gestrüpp und legten Rasen an. Das seit Jahrzehnten trockene kleine Brunnenbecken wurde mit Sand gefüllt und auf dem Rasen grasen jetzt drei bunte Schaukeltiere für Kinder. Das ECHO hat nachgefragt, wie Bürgern die Umgestaltung gefällt.
Rudolf Erb, Vorsitzender der Initiative Johannesplatz: „Der Platz wird jetzt mehr frequentiert. Es sind jetzt sehr viele Mütter mit ihren Kindern da. Die ganze Nachbarschaft freut sich, dass hier Leben reingekommen ist.“
Margrit Horneff: „Mir gefällt es gut. Es ist offener. Den Baum an der Südspitze würde ich stehen lassen. Es fehlt sonst ein Abschluss, ohne den alles so in die Straße fließen würde.“
Nevia Spadic: „Ich komme jeden Tag mit meiner Tochter hier vorbei, wenn wir zum Kindergarten gehen. Als wir gesehen haben, dass da was gemacht wird, waren wir begeistert. Den alten Spielplatz haben wir nicht genutzt. Da sind teilweise ganz komische Leute und es ist nicht immer sauber.“
Ein junger Mann ist überrascht: „Mir ist das jetzt gar nicht so aufgefallen, aber ich wohne auch erst ein halbes Jahr hier. Die improvisierte Sandkiste im Brunnen finde ich peinlich. Da hätte man gleich was richtiges bauen können.“
Surekha Misra, Wirtin der Gaststätte „Riwwelmaddes“ am Johannesplatz: „Ganz kurz: Mir gefällt’s. 20 Jahre habe ich beobachten können, wie der Platz verfällt. Ich freue mich, dass 15 Monate nach dem ersten Treffen der Bürgerinitiative etwas entstanden ist.“
Hansjörg Best: „Ich bin positiv überrascht. Mir hätte es nicht gefallen, wenn sie die Bäume geschnitten hätten. Die Sichtachse ist etwas für die hehre Lehre. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht die Hundebesitzer den Platz für sich entdecken.“
Wilhelm Steinbrecher: „Das ist sehr angenehm, weil es übersichtlich ist. Durch die Weite kommen ganze Familien mit Kindern wieder her. Und die Eltern achten darauf, dass die Hunde hier nicht spielen.“ Er sieht noch Verbesserungsbedarf: „Das Gebüsch rechts und links der Kirche wird noch als Urinal benutzt. Da sollte als nächstes etwas passieren.“
Nathalie Dürr: „Ich wäre vorher mit meinem Kind sicher nicht hierher gegangen. Der Sand ist super, die Hoppeltiere sind super. Für Mütter könnte es natürlich immer noch etwas mehr sein.“
Katrin Berck, Pfarrvikarin der Johannesgemeinde: „Ich bin begeistert. Toll ist, dass man mit wenig Mitteln so viel erreichen kann. Es hat sich viel verändert, aber es gibt noch viel zu verändern.“ (Darmstädter Echo – 12.6.2008)
„Es ist ein wundervoller Standort“
ECHO-Interview: US-Standortkommandant David Astin über den wehmütigen Abschied der Amerikaner
Beim Neujahrsempfang der US-Garnison erinnerte Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann daran, wie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg als Befreier kamen, dann zu Partnern und Freunden wurden. Es ist der letzte Neujahrsempfang der Amerikaner in Darmstadt, die Soldaten werden 2008 abziehen. Standortkommandant Oberstleutnant David Astin dankte den Darmstädtern für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen 60 Jahren und sprach mit dem ECHO über die Erfahrungen der Amerikaner in der Stadt.
ECHO: Kam die Entscheidung zur Auflösung des Standorts Darmstadt überraschend für Sie und die Garnison?
David Astin: Wir haben die Bekanntmachung der Schließung erwartet, aber es hat uns doch betroffen gemacht, als sie kam. Es ist ein wundervoller Standort, ich hatte wirklich gehofft, dass er nicht geschlossen wird.
ECHO: Bis wann wird der Standort aufgelöst sein?
Astin: Die Standortverwaltung wird Ende September 2008 geschlossen. Im Anschluss daran werden die Einrichtungen an die deutsche Regierung zurückgegeben.
ECHO: Wie viele Soldaten werden verlegt?
Astin: Früher einmal hatte der Standort Darmstadt ungefähr 10 000 Soldaten, zuzüglich Familienangehörige und Zivilisten. Zum Zeitpunkt der Auflösung werden weniger als 1000 Soldaten und Zivilisten in Darmstadt arbeiten.
ECHO: Wie ist das Gefühl, der letzte zu sein, der das Licht ausmacht?
Astin: Mir wäre es lieber, der Standort bliebe bestehen, als die zweifelhafte Ehre zu haben, der letzte Garnisonskommandeur zu sein.
ECHO: Sie waren auch in Korea und in Australien stationiert. Was war in Darmstadt anders oder neu für Sie?
Astin: Ich war 1989 bis 1992 in Ansbach stationiert, also kannte ich mich mit dem Leben in Deutschland schon gut aus. Meine Frau und ich wurden in allen drei Ländern äußerst gut behandelt, und wir sind besonders dankbar für den herzlichen Empfang in Darmstadt seitens der deutschen Bevölkerung.
ECHO: Was macht Darmstadt aus Ihrer Sicht zu einem „wundervollen“ Standort?
Astin: Darmstadt hat eine freundliche Atmosphäre und man fühlt sich von Moment der Ankunft an willkommen.
ECHO: Was hat Ihnen in Ihrer Zeit in Deutschland am besten gefallen?
Astin: Die Dienstagabende mit meinen Freunden vom Stammtisch „Dialog“.
(Darmstädter Echo – 14.1.2008)
„Wir müssen die Axt scharf machen“
Stadtteilwerbung: Neuer Gewerbeverein beginnt mit einem kleinen Kreis und will neue Aktivitäten ins Leben rufen
Mindestens zwei Versammlungen und ein Abendessen mit Oberbürgermeister Walter Hoffmann waren nötig, um in Kranichstein einen Gewerbeverein zu gründen. Seit Mitte Juni ist es aber vollbracht. Der Verein will sich nicht auf kurzfristige Erfolge ausrichten, sondern das Image langfristig verbessern. Der Gewerbeverein hat die Möglichkeit, finanziell von der Darmstadt Marketing GmbH unterstützt zu werden. Der Zuschuss richtet sich nach den Aufwendungen sowie der Einwohnerzahl des Stadtteils und könnte maximal bei 10 000 Euro liegen. Das ECHO sprach mit dem Vorsitzenden Bernhard Mehm und seinen Stellvertretern Frank Buffleb und Katrin Pies.
ECHO: Wie viele Mitglieder hat der Vorstand?
Bernhard Mehm: Wir haben bewusst einen kleinen Vorstand mit drei Mitgliedern gewählt. Mit einer ungerade Zahl bekommen wir bei Abstimmungen auf jeden Fall ein Ergebnis.
ECHO: Es gibt keine Beisitzer?
Mehm: Nein, ich glaube nicht, dass wir Organisationszahlen wie beispielsweise in Arheilgen erreichen. Man muss ja sehen, dass sich das im wesentlichen auf die beiden Zentren konzentriert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich auch Alt-Kranichstein groß bei uns engagiert, die tendieren eher nach Arheilgen.
ECHO: Wie viele Mitglieder hat der Verein?
Katrin Pies: Dies wird eine unserer großen Herausforderungen werden. Wir beginnen im kleinen Kreis mit acht Mitgliedern und müssen gucken, die anderen Gewerbetreibenden zu gewinnen. Unsere Ziele sind: Für den Bürger eine angenehme Einkaufsatmosphäre schaffen, die Situation in den Zentren verbessern, Leerstände abschaffen und Werbung für den gesamten Standort. Wenn es uns gelingt, dies den Gewerbetreibenden und den Bürger zu vermitteln, dann wird der Verein auch wachsen.
ECHO: Wie viele Gewerbetreibende gibt es in Kranichstein?
Mehm: Zwischen 60 und 80. Wir haben auch die Banken mit ihren Filialen angesprochen. Und die Volksbank hat jetzt zugesagt. Ich hoffe, dass auch die Sparkasse nachziehen wird.
ECHO: Die Gründung des Gewerbevereins hat mindestens zwei Anläufe gebraucht. Warum hat sich das so schwierig gestaltet?
Mehm: Besser nach zwei Versuchen einen erfolgreichen Start, als keinen.
Pies: Zudem ist das Kranichsteiner Geschäftsleben geprägt von einer starken Fluktuation, es gibt keine gewachsene Struktur. Wenn man da versucht eine Organisation aus der Taufe zu heben, die es die vergangenen 20 Jahre nicht gegeben hat, dann wird es nicht großen Enthusiasmus geben.
Mehm: In Arheilgen oder Eberstadt kennen sich die Gewerbetreibenden. Die sind oft gemeinsam zu Schule gegangen, schon die Eltern hatten das Geschäft. Dann geht das leichter, eine Struktur zu schaffen. Die Leute in Kranichstein sind auch oft mit dem Umfeld nicht so verwurzelt.
ECHO: Sind von den Zweiflern der vergangenen Veranstaltungen jetzt welche beim Gewerbeverein dabei? Einige sahen ja zu wenig Zeit, sich zu engagieren.
Pies: Einige von denen sind noch nicht dabei, aber sie gehören zu unseren nächsten Kandidaten.
Frank Buffleb: Nichtstun würde Stillstand bedeuten. Um etwas zu verbessern, muss man auch was unternehmen. Den Kopf in den Sand zu stecken, würde uns nicht weiterhelfen.
Mehm: Zu sagen, ich habe keine Zeit für einen Gewerbeverein, wird nicht funktionieren. Das ist wie die Geschichte von dem Holzfäller, der wegen seiner stumpfen Axt lange braucht, um einen Baum zu fällen. Darauf angesprochen erklärt er dann: „Aber zum Schärfen habe ich keine Zeit.“ Wir müssen jetzt in Kranichstein die Axt scharf machen. Dann haben wir eine Chance.
ECHO: Der Gewerbeverein in Eberstadt organisiert den Weihnachtsmarkt, der in Arheilgen das „Frühlingserwachen“. Welche Ideen haben Sie für Kranichstein?
Mehm: Man muss es auf Kranichstein abstimmen. Mir schwebt ein Begegnungsfest vor, das abwechselnd in den beiden Zentren stattfindet. Das könnte man auch mit dem Förderverein zusammen machen. Eine andere Idee wäre ein Lampion-Umzug am Martinstag.
Pies: Eine Aktion sollte für die Bürger und die anderen Gewerbetreibende attraktiv sein. Wir wollen ja auch Mitglieder gewinnen. Für bestimmte Aktionen brauchen wir eine gewisse Mitgliederzahl. Dann können wir auch eine Aktion wie das Frühlingserwachen machen. Noch könnten wir das aber nicht schultern.
Buffleb: Ich denke, dass wir uns erstmal organisieren müssen. Dann kann man auch so schöne Dinge wie einen Weihnachtsmarkt angehen.
Mehm: Allerdings kann ein Weihnachtsmarkt aufgepfropft wirken. Wir haben hier ja nicht das Flair wie beispielsweise in Michelstadt. (Darmstädter Echo – 12.7.2007)