„Ich bin seit ,ECHO hilft‘ dabei“ – Hofgut Oberfeld: Adventsmarkt-Erlös kommt dem Wohnprojekt für geistig Behinderte zugute – Bald Einzug
(Darmstädter Echo, 28. November 2011)
Braunshardt verpasst 700-Jahr-Feier – Jubiläum: Weiterstädter Stadtteil 1303 statt 1318 erstmals erwähnt – Zufallsfund der Archivarin Jennifer Braun – Urkunde bereits 1958 schriftlich mitgeteilt – „Das war wohl untergegangen“
(Darmstädter Echo, 4. November 2011)
Win-Win-Situation mit Verlierern – Neubau: Adam-Danz-Sporthalle für 2,48 Millionen Euro in Weiterstadt ist fertig – Verdruss bei Albrecht-Dürer-Schülern
(Darmstädter Echo, 3. September 2011)
„Elterntaxi“ auf dem Prüfstand – Straßenverkehr: Verkehrswacht macht Kinder fit für den selbstständigen Weg zur Schule
(Darmstädter Echo, 8. August 2011)
Königin Nummer 27 herrscht übers Volk – Bienen: Beim Tag der offenen Tür präsentiert der Imkerverein Weiterstadt-Gräfenhausen seine Arbeit
(Darmstädter Echo, 5. Juli 2011)
Kleine Messe mit großen Firmen – Ausbildung: Im Darmstädter Creativhof informieren sich Schüler über Berufschancen
(Darmstädter Echo, 28. Mai 2011)
Flüsterasphalt offenbar leiser – Arbeitskreis Lärm: Weiterstädter Gruppe prüft Geräuschentwicklung auf Autobahn 5 – Keine Informationen vom ASV
(Darmstädter Echo, 7. Mai 2011)
Eine neue Führung und alte Sorgen – Freiwillige Feuerwehr: Stephan Röder und Martin Mark sind seit mehr als zwanzig Jahren bei Brandschützern aktiv
(Darmstädter Echo, 28. April 2011)
Solarstrom von Kirchendächern – Synode: Kirchenparlament legt Ziele für die nächsten Jahre fest – Verwaltung soll Initiative für Fotovoltaik prüfen
(Darmstädter Echo, 23. März 2011)
HSE-Beteiligung: Merkwürdigkeiten bei der Stadtwirtschaft – Finanzen: Parlament weigert sich, eine Beteiligung der HSE nachträglich zu billigen, aber dies bleibt ohne Konsequenzen
(Darmstädter Echo, 16. Februar 2011)
Schlechte Werte im Sozialatlas für den Westen der Stadt – Statistik: In der Waldkolonie sowie dem Morneweg- und Pallaswiesenviertel leben überdurchschnittlich viele Menschen von staatlicher Unterstützung (Darmstädter Echo, 13. Januar 2011)
<a href="http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/weiterstadt/Ein-neues-Bett-fuer-die-Baeche;art1302,1499768">Ein neues Bett für die Bäche – Umwelt: Auf Weiterstädter Gemarkung werden gleich mehrere Gewässer renaturiert – Biotopwertpunkte als Ausgleich
(Darmstädter Echo, 11. Januar 2011)
Tests mit genetischem Fingerabdruck – Biotechnikum: Modernes mobiles Labor ergänzt den naturwissenschaftlichen Unterricht an der Georg-Büchner-Schule. Der Einfluss solcher Projekte auf Studierendenzahlen in MINT-Fächern ist unklar und wird nicht untersucht. (Darmstädter Echo, 7. Dezember 2010)
Bei Bauarbeiten einen Schatz entdeckt – Geschichtsverein: Gunter Quarg berichtet von früheren Münzfunden in Eberstadt, Frankenhausen und am Frankenstein (Darmstädter Echo, 3. November 2010)
Solarpark auf den Dächern wächst – Umwelt: SG Weiterstadt investiert weiter in Sonnenenergie – Zusätzlich kommen 840 Module hinzu. – Details für Solarkataster (Darmstädter Echo, 2. November 2010)
Ein Heftchen erklärt den Etat – Bürgerhaushalt: Groß-Umstadts Bürgermeister Ruppert berichtet in Weiterstadt. (Darmstädter Echo, 30. Oktober 2010)
Im Parkhaus geht’s an die Steckdose – Energie: Loop 5 und Entega bieten künftig kostenlosen Stromtanken für Elektroautos an. Strom für 40 E-Autos und rund 290 Hybridfahrzeuge in Landkreis und in Darmstadt. (Darmstädter Echo, 18. September 2010)
“Bundesweit nur rausholen” – Mietrecht: Unternehmen verklagt Mieter, der Schönheitsreparatur-Zuschlag nicht akzeptiert. (Darmstädter Echo, 19. August 2010)
Stadt lehnt Zebrastreifen in Kranichstein ab – Sicherheit: Stadt lehnt Überweg an der Hammelstrift ab, weil weniger als 200 Autos in der Stunde durch die Straße fahren. (Darmstädter Echo, 5. August 2010)
Unter dem Pflaster liegt das Bachbett – Landwehrstraße: Unebenheiten der Fahrbahn erinnern an den Verlauf des Darmbachs.
Geschäfte im Viertel haben es schwer
Einzelhandel: Weite Wege für Anwohner, seit der Supermarkt in der Wilhelm-Leuschner-Straße geschlossen hat
Der kleine Damla-Supermarkt in der Wilhelm-Leuschner-Straße 23, am Nordzipfel des Johannesplatzes, ist seit Ende 2009 geschlossen. ,,Es wäre gut, wenn da wieder was hinkäme” finden Herma und Michael Müller-Lütgenau. Viele alte und behinderte Menschen benötigten einen Einkaufsmarkt mitten im Viertel, da sie nicht bis an die Kasinostraße laufen könnten. Die Anwohner bedauern, dass es im Stadtteil jahrelang ,,nahezu ideale Einkaufsbedingungen” gab, diese aber nach und nach verschwunden seien.
Um die Johanneskirche herum wurde unter anderem eine Metzgerei zum Dönerladen, eine Drogerie zur Tangoschule und ein anderer kleiner Supermarkt zu einem Café. Damit ging an dem zentralen Platz die Mischung aus Geschäften, die sich gegenseitig stützten, nach und nach verloren.
Warum der türkische Feinkosthändler Anfang 2010 mit seinem Geschäft nach Frankfurt zog, wird sich leider nicht klären lassen. Der Mann wurde am Rosenmontag in Frankfurt-Sossenheim erschossen. Ein Tatverdächtiger ist in Untersuchungshaft.
Die Ladenmiete für den Supermarkt sei nicht erhöht worden, sagt Marc Hohmann, Sprecher des Wohnungsunternehmens GWH. Für einen modernen Supermarkt sei die Gesamtfläche (915 Quadratmeter mit Keller, Kühllager und Sozialräumen) jedoch zu klein, diese benötigten 1600 Quadratmeter.
Michael Kolmer, Leiter des städtischen Amts für Wirtschaft, sieht wegen der Lage abseits der Hauptverkehrsstraße und fehlender Parkplätze Schwierigkeiten für eine ähnliche Nutzung. “Die Stadt ist aber mit dem Eigentümer in Kontakt”, sagt Kolmer.
Ladenflächen sind im gründerzeitlichen Johannesviertel tendenziell zu klein für das 21. Jahrhundert. Eine Agentur an der Ecke Liebigstraße/Kahlertstraße benötigte mehr Platz – sie zog nach Frankfurt. Ebenso war es dem gegenüberliegenden ehemaligen ,,Kaufhaus der Liebigstraße” (KDL) zu eng geworden. Das frühere Trendsportgeschäft hat sich auf Textilien spezialisiert und fand im Viertel keinen Lagerplatz. Daher ging die Produktion nach Riedstadt, im Johannesviertel ist nur noch ein Büro.
Auch Spielwarenhändlerin Inge Rumey zog wegen Platzmangels nach Bessungen. In ihrem Laden in der Liebigstraße arbeitet nun ein Architekt. Für Kolmer ist der Wechsel zu Büros auch positiv: ,,Ohne die vielen Bürogemeinschaften in alten Läden des Johannesviertels und Martinsviertels wäre Darmstadt nicht die quirlige Architektenstadt.” Für konventionelle Konzepte zu kleinen Lokale böten auch Chancen für Innovationen, sagt Kolmer – wenn die Vermieter mitziehen.
Jürgen Hohmann vermietet in der Kahlertstraße die Räume des ehemaligen Cafés “Chat Noir”, in denen zuletzt eine Tanzschule war. Ihm ist es eher wichtig, dass der Mieter solvent erscheint, als dass es sich um ein nettes Geschäft handelt. Schließlich soll die Immobilie Geld einbringen: “Viertelphilosophien sind nicht so mein Thema.”
“Wir haben einen Strukturwandel im Einzelhandel”, bestätigt Maren Frangen von der Industrie- und Handelskammer in Darmstadt. Nachfolgeprobleme, Miethöhen oder zu geringe Kundenfrequenzen seien die Problemthemen.
Um Leerstände im gesamten Stadtgebiet kümmert sich in Darmstadt das Amt für Wirtschaft. Unter anderem biete es Gewerbeflächen kostenlos in einer Datenbank im Internet an, erklärt Amtsleiter Kolmer. Auch helfe die Stadt Geschäftsleuten, die sich engagieren; die Darmstadt Marketing GmbH unterstütze Gewerbevereine. “Für das Johannesviertel selbst gibt es leider noch keinen”, bedauert Kolmer.
Dass Stadtteile ihren Einzelhandel verlieren, hat auch der Deutsche Handelsverband in Berlin beobachtet. Das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Baurecht habe darauf hingewirkt, die Bereiche Arbeiten und Wohnen zu trennen, sagt Rolf Pangels, Leiter des Bereichs Standort und Verkehr. Der Bund plane aber das Baurecht zugunsten der Durchmischung zu ändern.
Letztendlich entscheidet der Verbraucher über das Schicksal der Geschäfte in seinem Viertel. Inge Rumey, die vor einigen Jahren mit ihrem “Schaukelpferdchen” von der Liebig- in die Karlstraße umzog, hat festgestellt: “Die Johannesviertler gehen erst in die Stadt und dann in ihren Stadtteil, die Bessunger machen es umgekehrt.” (Darmstädter Echo – 4. März 2010)
Auf Chemieunfälle und Seuchen gut vorbereitet
Katastrophenschutz: Merck ist Eigentümer einer Dekontaminationsanlage, die von der Feuerwehr betrieben wird
Kommt es zu Unfällen mit Chemikalien, Radioaktivität oder grassiert eine Tierseuche, müssen Menschen gerettet, aber auch dekontaminiert, das heißt entgiftet, werden, damit sich die Gefahr sich nicht ausbreitet.
Seit heute hat die Berufsfeuerwehr Darmstadt dafür eine neue mobile Dekontaminationseinrichtung. Am Samstag wurde die Ausrüstung bei der Werksfeuerwehr Merck präsentiert. Der AB-Dekon (Abrollbehälter Dekontamination) schließe eine Lücke, sagte Katastrophenschutzdezernent Dieter Wenzel bei der Vorstellung des Containers. „Bislang war nur eine schnelle Notdusche mit kaltem Wasser möglich.“
Erstmalig in Hessen hätten Stadt und Unternehmen ein gemeinsames Konzept für eine Dekontaminationseinrichtung entwickelt. Der technische Fortschritt führe zu steigenden Kosten, begründete Wenzel die Zusammenarbeit.
Insgesamt kostete der zwei Jahre lang entwickelte und in acht Monaten gebaute Behälter 300 000 Euro, die komplett von Merck und Evonik Röhm bezahlt wurden. Merck übernahm den größten Teil und ist Eigentümer der technischen Ausstattung. Die Feuerwehr Darmstadt betreibt und unterhält den AB-Dekon fünfzehn Jahre.
„Zentral in der Mitte steht der Abrollbehälter, und an den Steinen sind zwei Zelte angeflanscht“, erklärte Oliver Dietrich von der Werksfeuerwehr Merck die Anlage. Aufgebaut nehme die elf Tonnen schwere Dekontaminationsanlage aus Behälter und zwei Zelten eine Fläche von rund 300 Quadratmeter ein. Zusammengepackt ist sie 6,90 Meter lang und 2,50 Meter breit. Mit einer mobilen Dusche könne man auch „in der Tiefe des Raumes“ eingreifen, beschreibt Dietrich die Einsatzmöglichkeiten. Die vier Quadratmeter große Anlage könne man – unabhängig vom Abrollbehälter – auch in einem Gebäude aufstellen.
Der Container wird künftig bei der Darmstädter Berufsfeuerwehr (BF) in der Bismarckstraße stehen, erklärt Darmstadts BF-Leiter Johann-Georg Braxenthaler. Von dort aus könne man in zehn Minuten jeden Punkt in Darmstadt erreichen. Einsatzbereit sei die Anlage innerhalb einer Stunde. Der AB Dekon ergänzt die vorhandenen zwölf Abrollbehälter, die unter anderem Sonderlöschmittel oder Ausrüstung für Atem- und Strahlenschutz enthalten.
Ein wichtiges Dekontaminationsmittel sind Tenside (seifenähnliche Verbindungen). Tenside können auch aufschäumen, beschreibt Dietrich. „Das verhindert das Ausgasen unbekannter Kontaminationen.“ Radioaktive Partikel wasche man mit einer lauwarmen Tensidlösung ab, zählte er auf, Säuren und Laugen verdünne man mit viel Wasser. Ein Gemisch aus Tensiden und Peressigsäure (PES) dekontaminiere die Schutzanzüge. PES ist ein Bleichmittel und wirkt schon in geringen Konzentrationen desinfizierend.
Ein zweiter Container mit Material für Anlagen zur Dekontamination von Fahrzeugen oder liegenden Patienten geht nach Arheilgen. „Zur Freiwilligen Feuerwehr Arheilgen kommt der ganze Bereich mit der Patientenrollbahn“, sagte Braxenthaler. Auf der Rollbahn können eingeschränkt transportfähige Menschen auf Tragen durch eine Anlage geschoben werden. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Arheilgen ist schon der Gefahrstoff-ABC-Zug der Stadt stationiert, zudem ein ABC-Erkundungskraftwagen.
„Bei Verletzten sind wir auf die Hilfs- und Rettungsdienste angewiesen“, betont Hagen Busse vom der Merckfeuerwehr. „Die Feuerwehr stellt die Technik und unterstützt.“ Beispielsweise versorgten Betreuungszüge die Betroffenen mit neuer Kleidung, wenn ihre durch Kontamination untragbar geworden war. (Darmstädter Echo – 17. November 2009)
Sprünge über Kartons und Fahrradreifen
Schulsport: Aktionstag des Hessischen Leichtathletikverbandes an der Schillerschule – WM-Teilnehmer einer der Gäste
Verspielt wirken die zehn bunten, mit 20 Zentimeter Höhe eher niedrigen Schaumstoffquader, die hintereinander in der Turnhalle der Schillerschule stehen. Und die Viertklässler überqueren die Hindernisse auch spielerisch. Tatsächlich steckt aber Leichtathletiktraining dahinter, deutet Dominic Ullrich vom Hessischen Leichtathletikverband (HLV) an.
Am Dienstag veranstaltete der HLV einen Aktionstag in der Grundschule im Martinsviertel. Die Schule hatte im vergangenen Schuljahr mit den dritten Klassen am Laufabzeichenwettbewerb und den Bundesjugendspielen teilgenommen und damit als eine von vier hessischen Schulen einen Sporttag mit dem Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch (Sechster bei der Leichtathletik-WM) und dem Hessischen Leichtathletikverband gewonnen. Die Aktionstage werden unabhängig von den Wettbewerbsergebnissen verlost, die besten Schulen der Wettbewerbe erhalten von Sponsoren finanzierte Geldpreise.
Hinter den 20-Zentimeter-Blöckchen versteckt sich Kniehebe-Lauftraining, erklärt Ullrich von der HLV Schulsport AG. „Vermittelt wird, beim Rennen die Knie hochzunehmen.“ Aber durch die einfache Anordnung – die Klötzchen stehen mit zunehmendem Abstand hintereinander – machten dies die Kinder automatisch, ohne das man es erklären muss. Kniehebe-Training habe auch er im Programm, schildert der Frankfurter Zehnkämpfer Behrenbruch: „Das gehört zum Sprint-ABC.“
Mit Aktionstagen will der HLV zeigen, wie man Sport in die Schulen bringen kann. An einer weiteren Station springen Kinder über leere Bananenkartons und über Fahrradreifen. Es gehe einfach darum, dass man nicht immer teure Sportgeräte benötige, meint Ullrich. „Bananenkisten oder alte Fahrradreifen sind Dinge, die man fast umsonst bekommt.“
Auch die Wurfbudenstation sieht verspielt aus. Die Kinder werfen mit bunten, mit Reis gefüllten Säckchen Verkehrshütchen ab. Tatsächlich aber ist es eine Variante, wie man Wurftraining in den Schulsport bringen kann – ohne dass Bälle wild durch die Halle dotzen.
Dominic Ullrich, der an der Frankfurter Eliteschule des Sports unterrichtet, will so für den HLV vermitteln, dass man für Sport weder auf spezielle Hallen noch auf Anlagen im Freien angewiesen ist. „Alles, was auf der Straße gespielt wurde, kann man auch im Schulhof spielen“, erinnert er an Kinderspiele wie Gummi-Twist. Auf dem Schulhof könne man auch fächerübergreifend unterrichten, beispielsweise mit einem Orientierungslauf; da komme Bewegung mit Kartenlesen zusammen. Robert Kerkhoff, Sportlehrer an der Schillerschule, freut sich über die vielen Betreuer, die HLV und ASC Darmstadt für diesen Tag stellen. Zehn Erwachsene auf 25 Kinder – Bedingungen, die er im Unterricht nicht hat. Die Übungen am Dienstagvormittag gehörten auch zum regulären Schulsport, sagt Kerkhoff. Der Sportunterricht habe sich gegenüber früher stark gewandelt. „Heutzutage heißt es ausprobieren und eigene Ideen einbringen.“ (Darmstädter Echo – 3. November 2009)
23 Jahre später gilt noch immer: Leukämie-Risiko bleibt
Tschernobyl: Fünfzehn Kinder aus Weißrussland erholen sich beim Christlichen Verein Junger Menschen in Eberstadt – Auf Spenden angewiesen
„Nichts Auffälliges bei den Kindern“, lautet der Befund. Was zwei Ärztinnen der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret Hermann Fetzer vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Eberstadt mitteilen, bedeutet für 15 Fünftklässler aus Weißrussland den Auftakt zu drei Wochen Ferien in Deutschland. Die fünf Mädchen und zehn Jungen stammen aus dem 1980 Kilometer von Darmstadt entfernten Wischnewa. Seit 1992 kommen Kinder aus Weißrussland im Sommer nach Darmstadt, seit 13 Jahren aus dem 500-Einwohner-Dorf.
Der Hintergrund dieser CVJM-Aktion liegt inzwischen 23 Jahre zurück – die Katastrophe im damals sowjetischen, heute ukrainischen, Atomkraftwerk Tschernobyl. Bei einem Test war der Reaktor explodiert und die Radioaktivität, darunter langlebige Isotope wie Strontium-90 und Cäsium-137, verteilte sich über die Nordhalbkugel der Erde. Besonders schwer betroffen vom damaligen Fallout sind noch heute die Ukraine, Russland und Weißrussland.
Wischnewa – 430 Kilometer von Tschernobyl entfernt – war eines der Gebiete in Weißrussland, in dem die ersten Niederschläge niedergingen, sagt Fetzer, der die Besuche der Kinder in Eberstadt organisiert. Und auch wenn der Reaktorunfall jetzt 23 Jahre her sei, erklärt er, „zur Hälfte haben wir immer noch die Strahlung“. Strontium-90 und Cäsium-137 zerfallen mit einer Halbwertzeit von 28,8 beziehungsweise 30 Jahren.
Wischnewa liegt laut einem Cäsium-137-Atlas der EU-Kommission von 1998 in einem Gebiet, das mit 100.000 Becquerel pro Quadratmeter belastet wurde. „Das ist 25 Mal mehr als die Belastung in Südhessen“, erklärt Christian Küppers vom Öko-Institut Darmstadt. In Südhessen wurden laut Hessischem Sozialministerium 1986 Cäsiumwerte zwischen 2000 und 4000 Becquerel pro Quadratmeter gemessen.
Der Arztbesuch ist der kleinste Teil des Ferienprogramms. Neben der Erholung gehe es auch um Völkerverständigung, sagt Fetzer. In den nächsten drei Wochen stehen unter anderem Ausflüge zum Frankenstein, zum Felsenmeer oder ins Vivarium an. Und eine Woche lang ist die Gruppe in der Jugendherberge auf Burg Wernfels, 60 Kilometer von Nürnberg entfernt.
Der Besuch in der Kinderklinik ist von Weißrussland aus gut vorbereitet, sagt Hermann Fetzer. „Die behandelnden Ärzte schicken vorher Berichte.“
In Darmstadt wurden auch schon Krankheiten diagnostiziert, erinnert sich Fetzer. „Vor ein paar Jahren hatten wir ein Kind mit unschlüssigen Blutwerten.“ Bei weiteren Untersuchungen stellte man eine Leukämie fest, die mit Unterstützung aus Deutschland in Weißrussland behandelt wurde.
„Aufgrund der radioaktiven Belastung sind Schilddrüsenerkrankungen oder Leukämien ein Risiko“, erklärt Bernhard Lettgen, Chefarzt der Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Bei den Kindern könnten sich auch Schäden im Erbgut der Eltern zeigen. Insgesamt sei bei Strahlenbelastung die Rate an bösartigen Tumoren erhöht.
Die Untersuchung in der Kinderklinik und die Laborarbeiten im Klinikum sind kostenfrei, sagt Fetzer. Aber insgesamt koste der Besuch rund 12.500 Euro. Das Geld komme durch zahlreiche Spender aus der Region zusammen. „Dieses Jahr sind wir schon noch auf ein paar Geldgeber angewiesen“, räumt Fetzer ein, ist aber optimistisch. Ein kleiner Aufruf im „Darmstädter Echo“ für eine Kleiderspende habe zu 14 Spendern mit 25 Säcken Kinderkleidung geführt.
Nach dem Kinderarztbesuch ging es für die jungen Weißrussen gestern noch zum Zahnarzt. Hermann Fetzer stolz: „Eberstädter Zahnärzte haben sich bereit erklärt, die Kinder kostenlos zu untersuchen.“ (Darmstädter Echo – 7.8.2009)
„Pufferzone“ wird zerstört
Umweltschützer fordern Baustopp im Wolfhartweg
Darmstadt wächst. Studien zur Bevölkerungsentwicklung gehen davon aus, dass Darmstadt jährlich 500 bis 600 neue Wohnungen braucht. 2007 wurden 480 Wohnungen gebaut, 2008 knapp 290. Weitere 240 Wohneinheiten aus kleinen Ein- bis Zweifamilienhäusern sollen daher auch am Eberstädter Wolfhartweg im Baugebiet E44 entstehen. Der Bebauungsplan ist seit August 2001 rechtskräftig.
Charlotte Bergoint aus der Heinrich-Delp-Straße ist damit gar nicht einverstanden. Eine Naherholungslandschaft und Frischluftschneise werde geopfert, kritisiert sie. „Und das obwohl seit Herbst 2008 die ehemaligen amerikanischen Kasernen mit 300 Hektar zum Neubezug anstehen.“ Die Stadt solle den „naturzerstörerischen Baubeschluss“ zurücknehmen finden sie und über 600 Unterzeichner ihrer Unterschriftenliste.5 Die Baugegner befürchten beim Verkehr eine Doppelbelastung für Eberstadt, wenn später die Cambrai-Frisch-Kaserne auch ein Wohngebiet ist. Abgase, Lärm und Verkehrschaos sieht Bergoint auf den ohnehin schon „flaschenhalsengen Stadtteil“ zukommen. Der bei Westwind schon unter dem Lärm der Autobahn, Eisenbahn und Umgehungstraße leide. Bergoint und Baugegner fordern von der Stadt einen Baustopp und eine neutrale wissenschaftliche Studie zur Verkehrs- und Schadstoffbelastung.
Das Wohngebiet E44 werde über fünf Zufahrten an die Heinrich-Delp-Straße angeschlossen, erklärte der städtische Pressesprecher Frank Horneff zur Verkehrsbelastung. Die Stadt rechnet – unter anderem auf Basis einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2000 – mit mehr Verkehr in der Thomasstraße (plus 13 Fahrzeuge in der Spitzenstunde, bislang 130), Katharinenstraße (plus 45, bislang 300), Hagenstraße (plus 18, bislang 130). „Die Belastung der Heinrich-Delp-Straße mit 350 Fahrzeugen pro Spitzenstunde nördlich der Hagenstraße und 570 KFZ pro Spitzenstunde südlich Steigertsweg bleibt nahezu unverändert“, sagte Horneff.
Eine Frischluftschneise ist im Eberstädter Osten vorhanden, bestätigte der Pressesprecher. „Dem wurde Rechnung getragen, indem zwischen einzelnen Stichstraßen der Neubebauung öffentliche Grünflächen, die sich weit in die bebaubaren Flächen hineinziehen, eingeplant wurden.“
Die Stadt geht davon aus, dass bis Ende 2011 ein großer Teil der Gesamtbebauung im E 44- Gebiet fertiggestellt sein dürfte. Allerdings seinen zwei Drittel der Grundstücke privat, da könne die Stadt kein Baugebot festlegen, erklärte der Pressesprecher. Die E44-Vermarktung werde sich unwesentlich mit der der Konversionsflächen überschneiden, sagte Horneff. Bis aus der Cambrai-Fritsch-Kaserne und der Jefferson-Siedlung Darmstädter Wohngebiete werden, dauert es noch. Im vierten Quartal 2009 werde ein städtebaulicher Wettbewerb stattfinden kündigte Horneff an. „Grundlage des Wettbewerbs werden eine Reihe von Gutachten sein, unter anderem zur Verkehrsituation.“ Das Verkehrsgutachten sehe die Stadt als zentrales Element, betonte der Pressesprecher, um die umliegenden Wohngebiete vor einem ungeregelten Verkehr zu schützen.
Brigitte Martin vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Darmstadt bedauert, dass am Wolfhartweg gebaut wird. „Das Gebiet ist vom Naturschutz her wirklich sehr hochwertig und vor allem eine Pufferzone zu den angrenzenden und geschützten Streuobstwiesen.“ Entfalle der Puffer, könnten seltene Vogelarten der Streuostwiesen und die für Menschen harmlose Ringelnatter verdrängt werden, befürchtet Martin, da diese Tiere nicht neben Hausgärten leben könnten. „Alle Naturschutzverbände als auch der Naturschutzbeirat haben es daher immer abgelehnt, dass dort eine Bebauung stattfindet. Leider wurde dem nicht gefolgt.“ (Eberstädter Lokalanzeiger – 17. Juli 2009)
391 Wohnungen für die „Avantgarde des Wissens“
Projekt Epsilon: Zwischen Robert-Bosch- und Rheinstraße entsteht bis 2012 eine siebenstöckige Wohnanlage
Rauschen im Ohr, Wind in den Haaren, Sand zwischen den Zähnen: Urlaubsstimmung kam in der Robert-Bosch-Straße bei der Grundsteinlegung für das Wohnbauprojekt „Epsilon“ auf. Der Wind wehte den Sand aus der 8000 Quadratmeter großen Baugrube in alle Ritzen, während der Verkehr auf der Rheinstraße leicht an Meeresbrandung erinnerte.
Auf dem etwa 150 Meter breiten Streifen zwischen Robert-Bosch- und Rheinstraße will die Saarbrücker RVI GmbH eine siebenstöckige Wohnanlage bauen. Der Bauträger wird von saarländischen Volksbanken gehalten. Bis 2012 sollen gegenüber von TIZ und Esoc 391 Wohnungen zwischen 38 und 124 Quadratmetern, darunter 60 barrierefreie Drei-Zimmer-Wohnungen, sowie 425 Tiefgaragenstellplätze entstehen.
Der Projektname „Epsilon“ leitet sich von der Gebäudeform ab. Von oben wird es wie ein großes „E“ aussehen. Die Fassade werde „ein Wechselspiel aus Glas, Sichtbeton und Holz sein“, so RVI-Geschäftsführer Martin Schmidt.
„Wir gehen davon aus, dass in zwei Wochen der erste Beton fließt“, sagte Projektentwickler Holger Heible. Bis 2010 soll der erste Bauabschnitt mit 50 Wohnungen fertig sein. Das 76,5 Millionen Euro-Projekt wird mit seinen zwei Innenhöfen in Richtung Rheinstraße orientiert sein. „Die Fernster haben alle Schallschutzklasse 3“, sagt Projektentwickler Holger Heible mit Blick auf die vielbefahrene Rheinstraße, die hinter einem Streifen mit Bäumen verläuft, der eine optische, aber keine schalldämmende Wirkung hat. Schallschutzklasse 3 (Dämmwert bis zu 39 Dezibel) gilt als ausreichend für Wohnstraßen. Sind jedoch in 100 Meter bis 300 Meter Entfernung Hauptverkehrsstraßen, wird mindestens Schallschutzklasse 4 (dämmt bis zu 44 Dezibel) empfohlen.
Das Objekt habe das Energiepass-Prädikat Effizienzklasse A, zählt Projektentwickler Heible auf, es erhält eine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung sowie eine Photovoltaik-Anlage. „Die Erträge aus den Solaranlagen fließen in die Instandhaltungsrücklage.“
Das „Energiepass-Prädikat“ ist eine RVI-Wortschöpfung für das „Epsilon“-Projekt. Mit der Effizienzklasse A entspricht das Gebäude dem Standardanforderungen der derzeit gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2007. Ein Haus nach EnEV benötigt, nach Daten der Deutschen Energieagentur, bis zu 125 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Zum Vergleich: KfW-geförderte Projekte wie KfW-40 oder KfW-60 Häuser liegen bei 40 oder 60 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Für ein Passivhaus werden 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr angesetzt.
Zielgruppe der RVI sind laut Prospekt die „kreative Klasse“ und die „Avantgarde des Wissens“, die „urban und nah zur Arbeit“ wohnen wollen. Die Wohnungen sollen verkauft werden, die Hausverwaltung bleibt bei der RVI. Kapitalanlegern garantiert die Wohnungsgesellschaft für zehn Jahre eine Miete von 9,35 Euro pro Quadratmeter.
Nach einer ersten Einschätzung von Hans-Jürgen Braun, Vorstandsvorsitzender der Bauverein AG, sei dies ein für Darmstadt realistischer Preis auf dem freien Wohnungsmarkt.
Geschäftsführer Martin Schmidt lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. „Ihre Stadtverwaltung verdient das Prädikat investitionsfreundlich“, sagte er zu Oberbürgermeister Walter Hoffmann. Der hofft, dass mit diesem Wohnbauprojekt die Pendlerbewegungen reduziert werden können. Darmstadt brauche die 391 Wohnungen, betonte er. Bis zum Jahr 2030 werde die Stadt voraussichtlich auf 150 000 Einwohner wachsen. Das Institut für Wohnen und Umwelt geht davon aus, dass pro Jahr für die Zuzügler 500 bis 600 neue Wohnungen gebaut werden müssen. (Darmstädter Echo – 11.5.2009)
Kritik an Trauungen im Jagdschloss
Standesamt: Vorsitzender des Gewerbevereins sieht das Erfüllen von Privatinteressen
Die Pläne, im Jagdschloss Kranichstein Trauungen anzubieten, stoßen auf Kritik. „Die Stadt nimmt hier Geld in die Hand für offensichtliche Privatinteressen“, kommentiert der Vorsitzende des Gewerbevereins Kranichstein, Bernhard Mehm, die Ankündigung der Stadt, im Jagdschloss einen Standesamtsraum einzurichten.
„Wir würden die Pläne schon begrüßen, weil dadurch Menschen nach Kranichstein und Darmstadt kommen werden“, sagt Mehm. Aber auf der anderen Seite diene ein standesamtlicher Hochzeitsraum dem Interesse des Hoteliers, verweist der Vereinsvorsitzende auf das im Schloss untergebrachte Hotel. „Und hier im Stadtteil fehlt das Geld für die Meldestelle“, erinnert er an Gerüchte, das kommunale Dienstleistungsangebot in der Kranichsteiner Grundstraße solle gekürzt oder geschlossen werden.
Der städtische Pressesprecher Frank Horneff widerspricht der Vermutung, die Meldestelle werde geschlossen: „Es gilt das, was wir in unserer Pressemitteilung vom 28. November 2008 mitgeteilt haben.“ Damals hatte Oberbürgermeister Walter Hoffmann erklärt, dass es keine Einschränkungen in den Serviceleistungen des Bürgerbüros in Kranichstein geben werde. Es sei nicht geplant, das Bürgerbüro zu schließen oder einzuschränken. „Die einzige Veränderung, die es im Bürgerservice für Kranichstein geben wird, ist der Wegfall von acht Arbeitsstunden einer städtischen Mitarbeiterin“, erklärte Hoffmann damals.
Die Ankündigung eines Standesamtraums im Jagdschloss hat auch den Förderkreis Hochzeitsturm überrascht. Dessen Vorsitzender Alfred Helfmann vermutet dabei wirtschaftliche Interessen. „Der Hotelbetreiber will einfach sein Restaurant voll bekommen.“ Aber der Förderkreis sehe im Jagdschloss keine Konkurrenz für den Turm auf der Mathildenhöhe. Verwunderung löste allerdings Standesamtsleiter Volker Rinnert aus. Er hatte im März angekündigt, dass er Trauungen im Jagdschloss durch eine Umorganisation ermöglichen will. Noch im Mai 2008 schien dies nicht möglich. Damals hieß es , die Trautermine für den Hochzeitsturm könnten nicht ausgeweitet werden.
Damals schloss Stadtrat Klaus Feuchtinger zusätzliche Standesamt-Zeiten an Wochenenden aus – für den Hochzeitsturm. Es könne nur zweimal im Monat samstags im Hochzeitsturm geheiratet werden, beschied Klaus Feuchtinger der damaligen CDU-Stadtverordneten Sissy Geiger und verwies auf die Personalsituation. Der Regierungspräsident lehne es ab, vakante Stellen neu zu besetzen.
Wie Amtsleiter Rinnert für Jagdschlosstrauungen die Organisationsstruktur ändern will und ob dies Auswirkungen auf Trauzeiten im Hochzeitsturm haben wird, steht noch nicht fest. Nach Angaben von Pressesprecher Horneff sind die verwaltungsinternen Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Eines stehe jedoch fest: „Der Magistrat will das Jagdschloss als Trau-Standort“.
(Darmstädter Echo – 2.4.2009)
Der korrekte Weg zur Mieterhöhung
Wohnen: Praxistipps für die Darmstädter Haus- und Grundstückseigentümer beim Jahrestreffen
Sogenannte Mietnomaden sind ein großes Problem für Vermieter: Das erklärte Klaus Dieter Wallenstein, Geschäftsführer von „Haus und Grund“, bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch in der Arheilger Gaststätte „Zum Weißen Schwan“. Der Verein vertritt die Interessen Darmstädter Wohnungs- und Grundeigentümer.
„Ich bin erschrocken, wie oft Mitglieder uns deswegen in der Beratung aufsuchen“, sagte Wallenstein über das Problem der von vornherein zahlungsunwilligen Mieter. Er riet den Mitgliedern von „Haus und Grund“, sich durch Arbeitgeber-Bestätigungen, bei Selbstständigen durch Bank- oder Schufa-Auskünfte abzusichern. „Die Auskunft des Vorvermieters ist meistens nicht zufriedenstellend“, warnte der Geschäftsführer. Der wolle Mietschuldner schließlich loswerden.
Wallenstein erläuterte auch Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH). Beispielsweise müsse der Vermieter dem Mieter keine Reparaturkosten ersetzen, wenn der Mieter den Handwerker eigenmächtig beauftragt hat. In einen anderen Urteil entschied der BGH, dass Rauchen in der Wohnung grundsätzlich zulässig ist, aber bei Schäden durch exzessives Rauchen der Vermieter Schadensersatzansprüche hat.
Der Vereinsvorsitzende Rolph Niederberger begrüßte den neuen Darmstädter Mietspiegel. „Sie kommen in Darmstadt, wenn sie eine Mieterhöhung wollen, am Mietspiegel nicht vorbei“, erklärte er. „Der Mietspiegel ist im Grunde genommen ein Musterformular zur Mieterhöhung.“ Der Rechtsanwalt beschrieb, wie man mit dem Mietspiegel Schritt für Schritt die Miete ermitteln könne.
„Lassen sie sich nicht durch die Tabellen verunsichern“, riet er, denn zum Quadratmeterpreis kämen noch Zuschläge für Lage und Ausstattung. Zu beachten sei aber auch die Kappungsgrenze, die verbietet, dass die Miete um mehr als 20 Prozent innerhalb von drei Jahren steigt. Weiterhin müsse die letzte Mieterhöhung vor fünfzehn Monaten gewesen sein.
Rüdiger Moog, Rechtsanwalt und Steuerberater, referierte zum neuen Erbschaftsrecht. Das Bundesverfassungsgericht hatte die bisherige Regelung für verfassungswidrig erklärt und dem Gesetzgeber beauftragt, bis zum 31. Dezember 2008 ein neues Gesetz vorzulegen. „Wenn dies nicht gelingt“, blickte der Anwalt auf die Verhandlungen zwischen Union und SPD, „hätten wir keine Erbschaftssteuer mehr.“
Moog warnte davor, bei Nachlassregelungen Steuern um jeden Preis reduzieren zu wollen. „Sie können in Deutschland mit dem Thema Steuern sparen jeden Unsinn veranstalten.“ Der Steuerberater empfahl, erst zivilrechtliche Fragen zu klären – beispielsweise Wohnrechte, Nutzungsrechte und Erbengemeinschaften. (Darmstädter Echo – 20.6.2008)
Staatliches Schulamt stoppt Unterricht
Ausbildung: Kosmetikschule darf nicht mehr unterrichten – Verwaltungsgericht entscheidet noch im März
Über 4000 Euro samt Ausgaben für Gebühren und Material kostet die einjährige Ausbildung zur Kosmetikerin an der Berufsfachschule für Kosmetik (BFK) in der Wilhelminenstraße 7 in Darmstadt. Viel Geld, das die Schüler, überwiegend Frauen zwischen 18 und 40 Jahren, gut angelegt glaubten – bis Januar. „Am 28.01.2008 wurde der Privaten Berufsfachschule für Kosmetik vom Staatlichen Schulamt der Unterrichtsbetrieb untersagt“, bestätigt das Amt einer Schülerin in einem Brief. Einzelne Lehrkräfte hatten keine Unterrichtsgenehmigung, weil sie dem Schulamt ungeeignet erschienen, und es wurde nicht nach Stundentafel unterrichtet, schreibt das Amt.
Ganze Klassen wechselten daraufhin zu anderen Kosmetikschulen im Rhein-Main-Gebiet, darunter auch zu „Son Vida“, einer weiteren Kosmetikschule in Darmstadt. „Wir standen acht Wochen vor unseren Abschlussklausuren“, schildern Schülerinnen, die jetzt erleichtert sind, bei der Kosmetikschule am Steubenplatz untergekommen zu sein, die ihr Kursangebot extra aufgestockt hat. Das Schulamt versucht nun in Kooperation mit dieser Schule, den Schülerinnen zu einem staatlich anerkannten Abschluss zu verhelfen.
Der Entzug der Unterrichtserlaubnis hat eine Vorgeschichte. Seit Herbst 2007 häuften sich Unregelmäßigkeiten. „Die Schule hat keinen Schulleiter mehr“, erläutert Schulamtsjustiziarin Sandra Kemper. Im Herbst hatte der Schulleiter, der bis dahin auch Anatomie und Dermatologie unterrichtet hatte, die Schule verlassen. Dass es zudem auch einen Inhaberwechsel gab, sei dem Schulamt Monate später mitgeteilt worden, bemängelt Kemper weiter. „Das spricht stark für die Unzuverlässigkeit.“ Mehrere Schülerinnen hätten sich beim Schulamt beschwert. Unter anderem seien Klausuren nie zurückgegeben worden.
Im Januar prüfte das Schulamt die Klassenbücher und stellte fest, dass diese teilweise nicht geführt waren. Es gab zu wenig Dozenten, Fächer fielen aus, schildert Kemper und sieht enorme „schulfachliche Defizite“. „Es wurden auch falsche Zeugnisse ausgestellt.“ Die BFK habe Zeugnisformulare der staatlichen Prüfungen bei Schülerinnen verwendet, die gar keine Prüfung hätten ablegen dürfen. Das sei zufällig aufgeflogen, als beim Schulamt eine Schülerin mit einem solchen Zeugnis auftauchte und in gutem Glauben auf seine Richtigkeit eine Bestätigung fürs Ausland wollte.
Ehemalige BFK-Schülerinnen kritisierten gegenüber dieser Zeitung, dass es an der BFK keinen festen Stundenplan gab. Sie vermuten, dass der davon abhing, welche Dozenten gerade verfügbar waren. Dann seien „unsinnige Dinge“ unterrichtet worden. Beispielsweise habe man ganz neue – aber nicht existierende – Knochen kennen gelernt oder einen falschen Hautaufbau gelernt. Unterricht in Warenkunde, Deutsch oder Englisch habe nicht stattgefunden, die Stunden in Betriebswirtschaftslehre erkenne das Schulamt nicht an, weil dem Lehrer die Unterrichtsgenehmigung gefehlt habe.
„Es kam mir manches merkwürdig vor“, sagt eine ehemalige Dozentin. Ihr war aufgefallen, dass sie vom Schulamt keine Bestätigung ihrer Lehrtätigkeit bekam. Auch sie habe Unterrichtsmängel in der Betriebswirtschaftslehre bemerkt. Dass teilweise falsche Dinge unterrichtet wurden, lag nach Ansicht einer anderen Dozentin an Fehlern in den Skripten, die als Unterrichtsgrundlage vorgegeben waren. Bei ihr seien aber Fehler immer korrigiert worden, wenn sie die Schulleitung darauf ansprach. Ihrer Meinung nach sind die Skripte veraltet.
B. T. von der BFK widerspricht den Einschätzungen des Schulamts. Die Behörde habe der Schule seit November 2007 die Dozenten nicht genehmigt und Bewerbungen liegen gelassen. „Wir haben immer alles gemacht“, versichert T., aber das Schulamt habe Gesprächstermine stets abgesagt. „Das Schulamt hatte mal wieder mehr Glaubwürdigkeit“, beklagt sie, „dass die Fehler machen, daran denkt niemand.“ Zudem sei der Bescheid noch nicht rechtskräftig.
Das Verwaltungsgericht werde demnächst über den Schulamtsentscheid verhandeln, kündigte T. an. Sie ist optimistisch, dass das Verwaltungsgericht in ihrem Sinne entscheiden wird. Justiziarin Kemper bestätigt den Widerspruch, der aber keine aufschiebende Wirkung habe. Die Schule dürfe keine Schüler mehr annehmen.
Dass der Unterrichtsbetrieb zur Zeit untersagt ist, müsste die BFK potenziellen neuen Schülern mitteilen, sagt Kemper. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein. Die Mutter einer Schülerin berichtet, dass sich ihre Tochter noch in der ersten Februarwoche für das kommende Semester ab April anmelden konnte. Von der BFK aus sei nichts über das Unterrichtsverbot und das schwebende Verwaltungsgerichtsverfahren gesagt worden. „Wir haben es durch den Zeitungsbericht und das Schulamt erfahren.“ Die Schülerin hat inzwischen die Schule gewechselt und wartet seitdem auf die Rückzahlung ihrer 2000 Euro-Anzahlung.
Die ehemaligen BFK-Schülerinnen finden, das Schulamt habe bei seiner Aufsicht „gepennt“ und die Sache viel zu lange laufen lassen. Sie finden es fahrlässig, dass die BFK auf der „Schulliste der Privatschulen“ der Schulamt-Internetseite bis zum 11. März als „anerkannte Ergänzungsschule“ stand – ohne Hinweis auf das geltende Unterrichtsverbot. Das Prädikat „staatlich anerkannt“ sei entscheidend für ihre Schulwahl gewesen, man habe sich auf das Amt verlassen.
Ärgerlich finden die Schülerinnen ebenfalls, dass die BFK auf ihrer Internetseite immer noch auf ihre staatliche Zulassung und den Abschluss „staatlich anerkannte Kosmetikerin“verweist. Es gebe keinen Hinweis auf das schwebende Verfahren oder darauf, dass der Schulbetrieb vorerst eingestellt werden musste.
(Darmstädter Echo – 17.3.2008)