Krautreporter spielt Tageszeitung

Bei Krautreporter gibt es eine Interviewreihe “jung&naiv“, die sich dadurch auszeichnet, dass gefragt und geantwortet wird. Kritisch hinterfragt und einsortiert wird da nichts, so wie ich das bislang sehe. Man fragt halt – zum Nahostkonflikt – alle Seiten und publiziert das.

Sorry, aber es mag ja das “jung&naiv”-Konzept sein, aber genau das was da abgeliefert wird, ist das was ich bei KR eben nicht erwartet habe. Nicht einfach das, was man gerade in Block geschrieben bzw. aufgezeichnet hat, 1:1 durchschalten, sondern – weil man Zeit hat, weil man nicht auf den schnellen Klick aus ist – das was da einer einem erzählt, gegenzurecherchieren.

Wo ist denn die Tiefe, die möglich ist, weil man eben nicht auf Anzeigenkunden setzt?

Und nein, nur weil man nachher alle Seiten ein Forum gegeben hat, ist das noch lange nicht die neue Form des Journalismus oder gar die Rettung des Online-Journalismus. Ich möchte doch nicht – gerade bei KR – die mit Fragen unterbrochene Selbstdarstellung einer Gruppe lesen, die ich vermutlich auch auf deren Website am Stück finden könnte.

Das was dort mit der Interviewreihe läuft, kann und macht die lokale Tageszeitung auch. Pressemitteilung z.B. von der SPD redigieren und drucken. Am Tag drauf reagieren CDU, Grüne etc., schicken auch ihre Statements, die man dann wieder redigiert und druckt. Und so weiter und so fort.

Nachtrag: Ich finde, dass dieses Format bei KR nichts zu suchen hat, weil es eben dem selbstgesetzen

Es wird ein Korrektorat und einen Faktencheck geben – in Zeiten, da Korrektorate abgeschafft werden. (…) Im Mittelpunkt sollen lieber Recherche, Reportage, Analyse stehen …

fundamental widerspricht. Hier wird aber jeder Leser mit seinen Vorurteilen alleinegelassen und pickt sich – im Endeffekt als Folge der weiterhin bestehenden Ratlosigkeit – wieder das raus, was ihm passt. Das habe ich auch bei SpOn. Oder bei irgendeinem Blog.

Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen. So eine Ansage, monatelanger Vorlauf und dann keine Zeit für diesen “Faktencheck” gehabt geschweige denn mal dran gedacht? Gerade bei einem Thema wie dem Nahostkonflikt?

Krautreporter – “die etwas einfältige Aufteilung der Welt”

Die Krautreporter sind online. Da ich ja beim Marketing so meine Zweifel bekam, nun will ich auch zum Inhalt was sagen. Und habe Glück, dass es Frank Schmiechen bei der “Gründerszene” schon geschrieben hat:

Die Krautreporter sind online – und haben den Journalismus nicht neu erfunden – (…) eine schöne Website, die soliden bis etwas naiven Journalismus präsentiert, der so wahrscheinlich auch in etablierten Medien seinen Platz finden würde. Euer Angebot wird sicher noch reichhaltiger und vielleicht finden sich dann auch Texte, die die etwas einfältige Aufteilung der Welt in schwarz und weiß einfach mal auf den Kopf stellen.

Ich weiß ja nicht, ob ich da seltsame Schwerpunkte habe, aber auf der deutschen vice.com oder welt.de entdecke ich aktuell genau so viele Texte wie bei Krautreporter, die mich interessieren. Drei bis vier. Naja.

Und da die Nahostartikel der übliche Mainstream sind, werde ich die Mitgliedschaft wohl eher nicht verlängern. (Und das mit dieser “Anne Frank”? Was wird denn da am Schluss des für Nichtmitglieder lesbaren Teils für ein Vergleich einfach so unreflektiert durchgeschaltet nur weil es ein anderer so gesagt hat? Krautreporter ist doch gerade keine Tageszeitung, wo es einen täglichen Redaktionsschluss gibt und man dann erst am übernächsten Tag die Gegenposition bringt.)

Die Längen, die andere kritisieren, finde ich ok, denn dass ist die andere Chance bei Online: Man hat eben auch mal Platz. (Die andere Online-Stärke ist, dass man verlinken kann, wenn es woanders schon (und besser) erklärt ist.)

Das Layout ist zwar sehr aufgeräumt, aber etwas wertiger (ein schönes Wort, weil jeder was anderes darunter verstehen kann) könnte es schon ausssehen. Vor allem stört mich, dass die Artikel nur in Überschriften links stehen (auf dem Tablet gibt es nur die Liste), übersichtlicher fände ich was zweispaltiges mit Anreißern und einem kleinen Bild. Macht jeder so? Ja, hat was mit Gewohnheiten der Leser zu tun und sie dort abholen.

Forschungsfeudalismus

Ein Kollege an der Uni sagte mal, das wäre das letzte Feudalsystem Deutschlands. Der aktuelle Faz-Artikel legt nahe, dass es nicht nur an der Uni so ist.

FAZ: Max-Planck-Gesellschaft – Es mehren sich die Fälle, in denen Direktorenherrlichkeit unwidersprochen bleibt - Ein Stipendiat zieht in eine andere Stadt und will die Promotion dort fertigstellen – eigentlich kein Problem, denn für Stipendiaten besteht keine Anwesenheitspflicht in einem Institut. Doch der Direktor lehnt das kategorisch ab und beschließt, dass es keine Weiterführung des Stipendiums geben würde. Pikant ist der Fall, weil der Direktor in seiner Begründung direkt auf die Auskunft der Generalverwaltung verweist, wonach die Förderverlängerung von der Anwesenheit am Institutsort abhänge – ein klarer Bruch der Vorschriften

Unterwegs … (4) – „Jack the Ripper“


Das Weiterstädter T-Time-Theater gibt „Jack the Ripper“, ich war fürs Echo bei einer Probe.

Das T-Time-Theater führt „Jack the Ripper“ im Marga-Meusel- Haus an zwei November-Wochenenden auf. Die Vorstellungen an den Freitagen (7. und 14.) sowie Samstagen (8. und 15.) beginnen um 19.30 Uhr, die Sonntagsvorstellungen (9. und 16.) um 18 Uhr. Kartenvorverkauf im Evangelischen Gemeindebüro, Telefon 06150 1876-32 oder -33.

Infos im Ersten aus der zweiten (?) Reihe

ARD-Korrespendentin Isabel Schayani sitzt in New York und berichtet über die Schüsse im kanadischen Parlament in Ottawa.

Ok, man kann nicht überall Mitarbeiter haben, aber übertragen auf Deutschland bedeutet das, dass ein Korrespondent aus Stuttgart über ein Ereignis im 535 km entfernten Hamburg berichtet. Denn zwischen New York und Ottawa liegen rund 540 Kilometer.

Nun, wie würden wir Hamburg-Nachrichten aus Stuttgart einschätzen?

Kommentar: Stadtteilfonds, Bürgerjurys – und dann doch Ortsbeiräte?

Im Kommunalwahlkampf 2011, davor und danach war und ist die Uwiga für Ortsbeiräte in Darmstadt. Was aber damals abgelehnt wurde. Und der neue OB wollte auch lieber auf Quartiersforen setzen, in denen kein Parteiengezänk stattfindet. Ich sehe Ortsbeiräte skeptisch, da sie laut Hessischer Gemeindeordnung nicht hinreichend selbstständig sind und am Ende immer das Stadtparlament das letzte Wort hat. Wenn – so meine Überlegung damals und heute – sind Ortsbeiräte nur dann sinnvoll, wenn sie auch ein Budgetrecht für ihren Stadtteil haben.

Nun gibt es eine aktuelle Entwicklung: Stadtteile könnten im Rahmen des Bürgerhaushalts ein Budget bekommen, wie am Mittwoch (15.10.) die Bürgerbeauftragte auf einer Veranstaltung mitteilte. Über das Budget sollen dann “Bürgerjurys” entscheiden.

So sympathisch ich die Idee mit den Stadtteilfonds finde, glaube ich, dass in so einem Gremium schnell das parteipolitische Hick-Hack einzieht, wenn es über Geld entscheiden kann. Die Stadtteilrunde Kranichstein läuft als Quartierforum meiner Einschätzung nach deswegen so gut, weil es dort nichts zum Abstimmen gibt.

Und dann halte ich ordnungspolitisch betrachtet ein bei ordentlichen Wahlen bestimmtes Gremium wie einen – jetzt kommt das böse Wort – Ortsbeirat für die am saubersten legitimierte “Bürgerjury”. Es liegt dann halt an den Wählern, in die Ortsbeiräte nicht wieder die üblichen Verdächtigen der etablierten Parteien zu wählen. Zudem gibt es mit dem einzigen Darmstädter Ortsbeirat (Wixhausen) eine Blaupause, das System wäre HGO-kompatibel und relativ schnell installiert.

Unterwegs … (2) – Bewerbungsfristen für Ausbildungsplätze

Welcher Schüler weiß schon was er mal “werden” will? Allerdings ist es sinnvoll doch schon deutlich vor dem Schulabschluss darüber nachzudenken. Denn einige Ausbildungsbetriebe haben lange Fristen. Bei der Stadt Weiterstadt ist der Ausbildungsjahrgang 2015 schon komplett, da kann man sich dann nur noch für 2016 bewerben.

Echo online: „Nacht der Bewerber“ in Weiterstadt

Ähnliches hatte ich damals© mit der Henri-Nannen-Journalistenschule erlebt. Die schrieben vor x Jahren im Mai ihre Stipendien für den September des Folgejahres aus. In der Zwischenzeit gab es ein paar Tests zu absolvieren.

Ich vermute aber, dass die Unternehmen das aber auch nutzen, um Bewerber unkompliziert auszusieben und sie einschätzen zu können. Wer sich wirklich für so einen Platz interessiert und das nicht aus einer Laune heraus macht, der informiert sich vorher oder wartet dann auf seinen “Traum” auch mal ein Jahr.