Beim Konflikt um den HSE-Anteile-Rückkauf hatten sich die HSE-Arbeitnehmervertreter Ende Januar mit einem Brief an den Oberbürgermeister Jochen Partsch und die Vorsitzenden der Stadtparlamentsfraktionen gegen den Aktienrückkauf gewandt. Die Arbeitnehmervertreter sehen die Rekommunalisierung als Schwächung.
Die Arbeitnehmervertreter sehen die HSE nur noch eingeschränkt als Darmstädter Unternehmen. „Das Geschäft in Darmstadt beläuft sich auf unter 20 Prozent unserer Erlöse“, weisen sie in dem dreiseitigen Brief die Kommunalpolitikern hin. Etwa 50 Prozent des Geschäftsergebnisses würden am Markt, außerhalb des regulierten Bereichs, erwirtschaftet. Was nebenbei auch die Ertragslage unplanbar mache.

Brief der HSE-Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat an den OB (PDF, 900kB)
Die Arbeitnehmervertreter kritisieren unter anderem das Finanzierungsmodell für den Rückkauf. „Ein Finanzierungsmodell für den Anteilsrückkauf, das im Wesentlichen auf die geplanten Ausschüttungen der HSE baut, erachten wir als gewagt“, schreiben die Arbeitnehmervertreter. Sie sehen es als „bestandsgefährdend, da es unter anderem keinen Spielraum für Minderausschüttungen als Reaktion auf Marktschwankungen sowie Mittelbereitstellung für erforderliche Investitionen mehr gibt“.
Sie befürchten, dass ohne die bisherige “vielfältige Aktionärsstruktur“ Finanzierungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Zur Zeit besteht die „vielfältige Aktionärsstruktur“ aus der Stadt Darmstadt (53 Prozent), Eon/Thüga (40 Prozent) sowie Landkreisen, Kommunen in der Region und Mitarbeitern. Letzteren gehören zusammen die restlichen sieben Prozent. „Die kurz- und langfristige Finanzierung der HSE könnte an Parlaments- oder Aufsichtbehördenentscheidungen oder schlicht an der Finanzlage der Stadt scheitern“, sorgen sich die Arbeitnehmervertreter vor städtischer Einflussnahme auf die HSE – deren Tochter „Forest Carbon Group“ einen Parlamentsbeschluss, sich nicht an einem kanadischen CO2-Zertifikatehändler zu beteiligen, ignoriert.
Schließlich sehen die Vertreter die HSE-Bonität durch den Rückkauf gefährdet und befürchten höhere Zinsen. „Aufgrund der Gesetzeslage wird dies in der Betrachtung der Sicherheiten und Bürgschaften zu erheblichen Mehraufwendungen in der Kapitalbeschaffung führen.“ Von der Stadt fordern die Arbeitnehmervertreter daher Antworten auf einige Fragen. Unter anderem, ob die Stadt bürgen wird, um den laufenden Betrieb „vollumfänglich“ sicherzustellen oder ob die Kommune in der Lage sein wird, auf Ausschüttungen zu verzichten, um Arbeitsplätze zu sichern. Auch wollen sie wissen, ob die Stadt zur Haushaltskonsolidierung Unternehmensteile verkaufen will und ob die HSE nach der Rekommunalisierung nach den Grundsätzen kommunaler Verwaltung geführt wird?
In der aktuellen Stunde am Dienstag hatten die Parlamentarier die Rückkaufpläne einmütig bekräftigt. Und OB Partsch sich gewundert, da sich außerhalb Darmstadts Gewerkschaften und Belegschaften freuten, wenn die Kommunen ihre Energieversorgeranteile erhöhten. (Echo Online: Parlament hält an Aktienrückkauf fest)
Nachtrag, 9.2.2012: Der OB antwortet den Arbeitnehmervertretern in einem offenen Brief:

Antwort des OB an die Arbeitnehmervertreter (PDF, 140 KB)
Auszüge:
(…) Ich war und bin, genauso wie der HEAG-Vorstand, jederzeit gesprächsbereit. So gab es u. a. vom HEAG-Vorstand im Jahr 2011 insgesamt drei Termine mit dem Betriebsratsvorsitzenden der HSE, die auch den Aktienrückkauf behandelt hätten. Leider sind diese Termine jeweils von Ihrer Seite abgesagt worden. Ich hoffe, dass wir, wie am 02.02.2012 geschehen, wichtige Fragen zukünftig direkt und in konstruktiver Atmosphäre besprechen.(…)
(…) Durch die geplante Beteiligungserhöhung der HEAG/Stadt erhält die HSE mittelbar einen
Hauptanteilseigner höchster Bonität. Uns bekannte deutsche Banken haben signalisiert, dass mit dem
Anteilskauf keine Verschlechterung der Kreditkonditionen zu erwarten sein werden. Sollte die HSE
planen, den angelsächsischen Kapitalmarkt direkt in Anspruch zu nehmen, halte ich dies für ein
kommunales Unternehmen für unzeitgemäß.(…)
(…) die Renditeerwartungen eines privaten Investors würden weit stärker in die Ausschüttungspraxis eingreifen als die Kommune, die neben der Dividendenerwartung vor allem wie oben ausgeführt, auch Ziele der Arbeitsplatzsicherheit, der regionalen Wertschöpfung und der ökologischen Ausrichtung hat. (…)