Dönermorde reloaded – Ein prägendes Wort und eine Empörungssymphonie

Dönermorde wurde zum Unwort des Jahres 2011 gewählt. Mein Kommentar zu Empörung über das jahrealte Wort stammt vom November 2011:

Ahh, jetzt wird wegen der Bezeichnung “Döner-Morde” die große Empörungssymphonie („Herablassend, klischeebeladen und ausgrenzend“) gegeben.

Ja, die Bezeichnung ist unpassend, weil nur zwei der neun Ermordeten Döner-Verkäufer waren, ja es waren einzelne Menschen und keine Döner.

Aber man sollte bitte nicht das faule menschliche Hirn ausblenden. Durch diesen einen Namen – und nicht die der vielen Toten – kamen die Morde überhaupt ins Bewusstsein der Bevölkerung. Man sollte sich klar sein, dass sich keiner den Satz “die Morde an den neun Einzelhändlern und Kleingewerbetreibenden mit Migrationshintergrund sind noch immer ungeklärt” gemerkt hätte. Die Morde “mit derselben Pistole an sechs türkischen Staatsangehörigen, zwei türkischstämmigen Deutschen sowie einem Griechen, aber bis kürzlich ohne Querverbindung” wären bis heute vergessen gewesen.

Und warum wird die Empörungsmelodie erst jetzt gespielt? Die letzte dieser Taten war 2006, damals war der Name schon gesetzt. Und? Keiner hatte lautstark protestiert. Und dabei wäre es sinnvoll gewesen, denn natürlich engen Bezeichnungen wie “Döner-Morde” oder “Soko Bosperus” den objektiven Blick durch die Wortwahl ein. Das wäre aber an der Sache orientierte Kritik, so eine Sau lässt sich erfahrungsgemäß schlecht durch die Zeilen treiben.