Am Samstag, 12. Juni, beginnt auf dem Friedensplatz die Aktion ‚Ich-kauf-per-Rad’, organisiert von den Vier-Buchstaben-Organisationen ADFC, BUND, IVDA und – ok, fünf Buchstaben – Grüne.
„Viel zu selten sind Geschäft bisher auf die Bedürfnisse radfahrender Kunden eingestellt“, findet Thomas Grän vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Darmstadt (ADFC). „Häufig fehlt es schon an der Möglichkeit, das Fahrrad sicher vor Beschädigung und Diebstahl und zudem nah zu parken. Spätestens wenn es um eine vorübergehende Gepäckaufbewahrung oder sogar einen Lieferservice für große Einkäufe geht, ist heute kaum ein Geschäft auf die Bedürfnisse der Radfahrer vorbereitet.“
Rund um das Reiterdenkmal am Darmstädter Schloss wird am Samstag Nützliches und Wissenwertes rund um’s Fahrrad geboten – Hauptattraktion ist es eine vollautomatische Fahrradwaschanlage. Weiterhin geht es um Fahrradcodierung, es werden eBikes-, Lastenfahrräder und Anhänger ausgestellt und können -probegefahren werden. Alltagsradkleidung zum Informieren und Testen, Informationen und Gewinnspiel zu Radabstellanlagen und ‚Felgenkillerdemonstration’ sowie eine Hüpfburg für die Kleinen runden das Programm ab.
Wer sein Fahrrad kodieren lassen will (es wird eine einzigartige bundesweit zuordbare Nummer in den Rahmen gefräst) muss Personalausweis und Kaufbeleg mitbringen. Eine Kodierung kostet je Fahrrad 10 Euro, für ADFC Mitglieder die Hälfte.
„Radfahrer sind wichtige Kunden für den Einzelhandel“, sagt Stefan Opitz vom Verein für Innovative Verkehrssysteme Darmstadt (IVDA). „Laut Bürgerbefragung werden über 20% der Wege zum täglichen Einkauf oder in die Innenstadt heute mit dem Fahrrad zurückgelegt –mit dem Auto sind auch nur knapp 25% unterwegs.“
Ab Samstag (bis August) können Radfahrer im Rahmen der Aktion ‚Ich-kauf-per-Rad’ mit ‚Lob- und Kritikkarten’ Einzelhändlern mitteilen was sie – aus Radfahrersicht – gut und weniger gelungen finden. Die Karten werden unter anderem an Hängern sein, die die Organisatoren an abgestellte Fahrräder hängen werden.

„Mit den Karten, die man einfach im Portemonnaie mitnehmen kann, wollen wir den Radfahrern eine einfache Möglichkeit geben zu zeigen ‚Schau her, hier bin ich, ich kaufe bei Dir ein’. Und mit der Bewertung verschiedener Aspekte wie den Fahrradabstellmöglichkeiten bekommt der Einzelhändler auch gleich ein qualifiziertes Feedback zur Situation vor Ort und eventuell ein paar Hinweise, wie er noch attraktiver werden kann.“ erläutert Felix Weidner, Sprecher des Arbeitskreises Stadtentwicklung und Mobilität des Darmstädter Kreisverbandes der Grünen,
Die Wirkung an Orten wie der Innenstadt sei dabei eine mittelbare: „Zunächst müssen die Einzelhändler erkennen, was Sie am Radverkehr haben. Das wiederum schafft die Basis auch für die Stadt, endlich beispielsweise die völlig unbefriedigende Abstellsituation für Fahrräder in der Innenstadt anzugehen.“
Auch wenn Autofahrer je Einkauf mehr Geld in den Geschäften ließen, über das Jahr gesehen seien Radfahrer und Fußgänger häufiger in die Läden und in Summe die besseren Kunden, erinnert IVDA-Vorstandssprecher Stefan Opitz, an eine Untersuchung der TU Dresden, wonach Radfahrer rund 10% und Fußgänger sogar rund 23% mehr Geld im Jahresverlauf beim Einkaufen ausgeben als Autofahrer.
Radfahrer seien auch ein lokaler Faktor, erläutert Georg Mehlhart vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Die Einkaufsausgaben der Radfahrer wandern mit Sicherheit nicht in die Kassen von desintegrierten Einzelhandelsstandorten auf der ehemals Grünen Wiese von Loop5&Co sondern bleiben im Quartier oder in der Innenstadt. Gute Angebote für Radfahrer sind das beste Mittel zur Förderung eines lebendigen Einzelhandels in der Stadt.“
Doch weder bei der Stadt noch bei den meisten Geschäftsleuten scheine dies bisher eine Rolle zu spielen, bedauern Grän, Mehlhard, Opitz und Weidner. „Radfahrer fristen eher ein Schattendasein und werden im besten Fall als ‚unschädlich’ geduldet, während der laute Ruf nach mehr und am besten kostenlosen PKW-Stellplätzen der Geschäftsinhaber in der Endlosschleife läuft.“ ziehen die Organisatoren unisono Bilanz der aktuellen Situation.
Die IHK habe sich sogar der Bitte verweigert, einen kurzen Hinweis in ihre Verbandszeitung aufzunehmen, berichtet Weidner. „Der Horizont der dortigen Akteure reicht offensichtlich leider unverändert nur vom Lenkrad bis zur Motorhaube“, ärgert er sich über die Engstirnigkeit der Kammer.
Zusätzliche Hinweise für die Einzelhändler haben die Organisatoren auch in einer Information für die Einzelhändler zusammengestellt. „Wir wollen mit der Aktion keine Konfrontation erreichen, sondern die Basis für einen Dialog schaffen“, erläutert Grän. „Daher ist die Information der Einzelhändler über die Bedürfnisse der Radfahrer und die Verbesserungsmöglichkeiten ein elementarer Bestandteil des Aktion.“ Die Händler bekommen die Information daher in den kommenden Tagen beispielsweise über den Newsletter des Darmstädter Citymarketings. „Wir freuen uns, dass das Thema Radverkehr zumindest beim Citymarketing auch langsam ankommt und wir damit den Einzelhändlern bereits im Vorfeld ein paar Informationen zukommen lassen können.
Um die per ‚Lob- und Kritikkarte’ abgegebenen Bewertungen auch öffentlich zu dokumentieren gibt es ab Aktionsstart auch die Möglichkeit, diese auf der Webseite www.ich-kauf-per-rad.de einzutragen. „Spätestens dann kann die Bewertung nicht mehr ignoriert werden. Und auf Basis der gesammelten Bewertungen küren wir zum Ende der Aktion im Rahmen der Umweltbörse am 21. August das fahrradfreundlichste Geschäft Darmstadts“, kündigt Opitz an und ergänzt: „Unter den Teilnehmern auf der Webseite können wir dank der Unterstützung der Sponsoren zudem noch einige attraktive Preise verlosen.“ Hauptpreis ist ein Faltrad vom Typ Birdy des Darmstädter Fahrradherstellers Riese und Müller.

Die Rück- und Vorderseite der Lob- und Kritikkarte.
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Wie es sich für eine 4-Buchstaben-Organisation gehört, haben wir natürlich für eine zukünftige mobile Webseite auch http://www.ikpr.de registriert ;-)
> wonach Radfahrer rund 10% und Fußgänger sogar rund 23% mehr Geld im Jahresverlauf
> beim Einkaufen ausgeben als Autofahrer.
???
Im “Jahresverlauf” sind doch die meisten Leute mit allen möglichen Verkehrsmitteln unterwegs ( z. B. auch mit dem ÖV).
Wie also will diese Studie einen Menschen pauschal als “Radfahrer” etc. einstufen?
Und wenn nun differenziert wird, mit welchem Verkehrsmittel man welchen Kauf abwickelt – dann kann ich die Zahlen eigentlich nicht glauben.
Ich wickele eigentlich die große Mehrzahl an Käufen zu Fuß oder per Fahrrad ab – aber wenn es um den Geldwert geht, dann bringen die vergleichsweise wenigen Käufe mit Auto natürlich viel mehr auf die Waagschale.