Keine Antworten aus Heddesheim

Seit seit Mai 2009 gibt es nicht weit von hier das Heddesheimblog, ein journalistisches Projekt, das dem “Mannheimer Morgen” angeblich zu schaffen macht. Blogger Marian Semm sprach mit dem Macher Hardy Prothmann (der benannte übrigens auch das “Bratwurstjournalismus“-Genre).

In den Kommentaren fragte ich damals nach einigen Sachen. Und jetzt frage ich mich: Warum fährt mir Hardy Prothmann so übers Maul?

31. Januar 2010, 11:39 Uhr
Marc meint:
@Thomas Berscheid: “Gerade die lokale Presse fährt oft einen Schmusekurs mit der Politik und Industrie. Letzteres wird klar, wenn man bedenkt, wo das Geld für Werbung herkommt.”

Vorneweg: Ich schreibe für “die lokale Presse”, frage mich aber dennoch, wieso in einem Blog oder einer Online-Zeitung, die ohne Abos noch mehr auf Werbung angewiesen sind, mehr sichergestellt sein soll, dass dort nicht auch irgendwann – wenn das Ding mal etabliert ist – nicht auch ein Schmusekurs gefahren wird. Ob dann mauve- anstelle rosafarben gekuschelt wird, ist letztendlich egal.

Und allgemein: Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Daher wundert es mich nicht, wenn das Heddesheimblog viele Leserhinweise bekommt. Aber irgendwann wird auch das Blog nicht mehr allen Dingen nachgehen können und Prioritäten setzen. Nicht aus Platz- aber aus Zeitgründen, auch für Online-Journalisten hat der Tag nur 24 Stunden. Und dann werden auch dort – wie bei Tageszeitungen – enttäuschte Bürger sich abwenden, weil das Blog sie “ja dauernd ignoriert”.

Ich glaube auch nicht, dass es ganz ohne “Bratwurstjournalismus”-Themen geht. Denn das ist ja gerade die Stärke gegenüber dem etablierten Blatt, dass Artikel über den Seniorenkaffee vom Nachbarschaftsverein – wegen Mangel an Druckfläche, Inhalt und Relevanz – weglässt. Natürlich kommt wenig dabei rum, aber das Enkelchen bei der Schulaufführung “gedruckt” zu sehen, und die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder zu beschreiben, zählt eben auch. Auch wegen der Anzeigenacquise. Denn selbst wenn nur die 100 Leute, die beim Seniorenkaffee waren (plus Anhang und Freunde) reinschauen, ist das für ein lokales Unternehmen schon interessant.

12. Februar 2010, 02:19 Uhr
Hardy Prothmann meint

Guten Tag!

:-) Besser hätte ich den Zustand vieler Lokal”zeitungen” nicht beschreiben können.
Sie beschreiben Strategie, Verwertungskette, Selbstbewusstsein zwar nicht sonderlich intellektuell, aber insgesamt zutreffend.

Nur eines konnten Sie nicht beschreiben, weil Sie es nicht verstanden haben. Das hat etwas mit Haltung zu tun. Denken Sie mal drüber nach.

Einen schönen Tag wünscht
Hardy Prothmann

Kann mir mal einer erklären was dieser Tonfall soll? Hat mein Bekenntnis freier Journalist bei der Lokalzeitung zu sein, einen Beißreflex ausgelöst? Und wo sind die Antwort auf meine Fragen? Ich habe ja gefragt, weil ich das Projekt interessant finde. Auch wegen eigener Gedanken zur Zukunft des Journalismus. Schließlich blogge ich seit 2004 und bin erst seit Ende 2005 Lokaljournalist. Und Naturwissenschaftler ist auch nicht der übliche Beruf, der in diese Branche führt.

Und was soll das “denken Sie mal darüber nach”?

Also, wie soll das mit dem Blog als Zeitung laufen, wenn der Anfangszauber vorbei ist und die eigenen Werbekunden plötzlich pampig ob der kritischen oder ihrer Meinung nach fehlenden Berichterstattung werden? Das hat doch nichts mit meiner “Haltung” (wie die gesehen wird, würde mich auch interessieren … ach, eigentlich nicht) zu tun, das kann man doch selber – ohne “Haltung” meinerseits – mir beantworten.

Zu Schienbeintritten wie “nicht sonderlich intellektuell”, sage ich jetzt mal nichts.

Vorerst nehme ich mal mit, dass so ein regionales Blog sich lohnt und finanziell unabhängig macht, sonst könnte man sich einen solchen Tonfall (oder aktuell diesen) schließlich nicht leisten. ;-)

Nachtrag: Da hat ein Kommentator wohl das Schema entdeckt. ;-)

Nachtrag II: Mimosenjournalismus

6 Gedanken zu “Keine Antworten aus Heddesheim

  1. Ich würde der Antwort nicht zu viel Gewicht beimessen, zähle ich bei zwei Absätzen gerade mal vier Sätze und kein inhaltliche Auseinandersetzung. Vermutlich ein vielmehr dem eigenen Stressfaktor geschuldeter Schnellschuss gegenüber einem Kritiker.

    • Ich hab’ da ja manchmal so Hoffnungen – aber ich werde das ab sofort wieder bleiben lassen, ich bin ja wieder in die Ecke zum Nachdenken geschickt worden. :-(

  2. Guten Tag!

    Antworten bekommt man gemeinhin auf Frage – Sie haben vergessen, welche zu stellen. Bis auf den ersten Satz – darin fragen Sie sich aber selbst etwas.

    Unabhängig davon habe ich Ihnen einen sehr guten Hinweis gegeben zu den Fragen, die hinter Ihren Aussagen stecken.

    Aufgrund Ihres Kommentars war ich aber geneigt zu glauben, dass Sie diesen guten Hinweis nicht verstehen würden – deswegen der kleine Nebensatz zur “Intellektualität”. Das kommt von “inter legere”, dazwischen lesen, suchen.

    Auf gut deutsch: Ihr Beitrag war nicht besonders durchdacht und hat einen negativen Denkansatz. Ansonsten habe ich Ihnen doch ein großes Lob geschrieben. So wie Sie denken und die Realität der Lokalzeitungen beschreiben, haben Sie im Prinzip richtig dargestellt.

    Noch ein gut gemeinter Tipp: Was sich ein Journalist am wenigsten leisten kann ist Dünnheitigkeit, denken Sie auch darüber vielleicht bei Gelegenheit nach.

    Einen schönen Tag wünscht
    Hardy Prothmann

    • Dünnhäutigkeit, ja da war was – darüber habe ich heute mittag – wegen der Überschrift zum Blogeintrag – auch nachgedacht. Und über Spitzfindigkeiten und Selbstgerechtigkeit.

      Aber das alles wird die Kriterien, die mich eines normalen Gesprächs für würdig qualifizieren wohl nicht erfüllen. Dann gehe ich jetzt in mein Kissen weinen.

      • Deswegen hatte ich darüber ja auch über den Begriff nachgedacht. Und um nicht gleich die Vorlage zu geben in der Überschrift weggelassen. :-D Nur gibt es manchmal Momente, in denen man meiner Meinung nach, dem anderen signalisieren kann, dass er zu weit gegangen war. Und das funktioniert nicht immer mit “andere Wange hinhalten” oder durchgehen lassen.

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