Das sagte der (hallo Kristof ;-) Bundespräsident gestern in seinem Interview mit ARD und ZDF.
Klingt schön und suggeriert Christian Wulff wäre einer von uns. Aber tatsächlich macht es deutlich, dass er der Politiker der zwei Maßstäbe ist. So wie er Sozis in ähnlichen Affairen die Amtstauglichkeit entzog, vergleicht er nun einen 500.000 Euro-Kredit mit 50 Euro, die man dem Kumpel leiht, weil der sein Portemonnaie vergessen hat.
Henryk M. Broder dazu in der Welt-Online:
Auch Wulff gehört zu Deutschland – nur zu welchem? – Dass dieses Land noch so erstaunlich gut funktioniert, hat es nicht den „Freunden“ von Christian Wulff zu verdanken, sondern den Müllmännern und den Feuerwehrleuten, den Polizisten und den Krankenschwestern (…).
Also „den Menschen, da draußen“, wie es die Politiker „da drinnen“ sagen, die es für ein verbrieftes Menschenrecht halten, bei ihren reichen Freunden übernachten zu dürfen. Und diese „Menschen, da draußen“, die niemand haben, der ihnen schnell mal eine halbe Million leiht, müssen sich verarscht fühlen, wenn sie Christian Wulff sagen hören, er „möchte nicht Präsident in einem Land sein, in dem man sich nicht von Freunden Geld leihen kann“. Dann soll er es sein lassen. (…)
„Durch diesen Umgang mit Dingen hat man dem Amt nicht gedient“, sagte er im Interview mit der ARD und dem ZDF. Stimmt, hat man nicht. Dafür sollte man gehen und nicht in der dritten Person herumeiern.
Und dann noch diese Ausreden – die jetzt glücklicherwise verbraucht sind.
Man habe 400 Fragen abgearbeitet und das habe nunmal so lange gedauert, erklärte er seine Scheibchen-Taktik. Soso. Wie hat Christian Wulff denn seine Abiklausuren geschafft? Eben. Man beantwortet erstmal die Fragen, die die meisten Punkte bringen.
Und dann seien die Fragen so detailliert gewesen, u.a. wer das Hochzeitskleid seiner Frau bezahlt habe? Ja, wer hat denn damit angefangen die Worte auf die Goldwaage zu legen? Das war doch der niedersächsiche Ministerpräsident als die Grünen ihn im Landtag nach seinen Geschäftsbeziehungen gefragt hatten. Und da wundert der sich, dass die Fragen jetzt kiebiger werden?
Sowas albernes, also echt. Und der ist Jurist? Beim Strafprozess wären seine Erklärungen zu dem Gespräch mit dem „Welt“-Journalisten als geschickte Beschönigungen abgetan worden und beim Nachfragen aufgeflogen. Naja, zumindest wäre nachgebohrt worden. Denn auch hier gibt es zwei Versionen (was mich bei Wulffs doppelten Standards aber nicht mehr überrrascht.)
Interview-Transcript bei Netzpolitik.org – Wulff: Wenn Sie die Erfahrung machen, dass privateste Dinge aus dem privatesten Bereich, zum Teil Jahrzehnte zurückliegend, aus einer schwierigen Kindheit, einer schwierigen Familie, öffentlich gemacht werden und Sie kurz vor Veröffentlichung mit den Fakten konfrontiert werden, dann ist es doch normal, dass man darum bittet, noch ‘mal ein Gespräch zu führen. Und der Redakteur hat sich über die Gelegenheit gefreut und hat mit mir gesprochen und es ist dann nichts zurückgeblieben.
Bei „Welt-Online“, die das einen Tag vorher schon geschildert hatte, klang das anders:
Als Wulff die „Welt am Sonntag“ ins Visier nahm – Der Chefredakteur der „Welt“-Gruppe, Jan-Eric Peters, berichtet nun erstmals von den Hintergründen im Vorfeld der Veröffentlichung des Artikels: „Ein paar Tage vor der Veröffentlichung des Artikels hat die Redaktion schriftlich Fragen an den Bundespräsidenten gestellt – alle blieben unbeantwortet. Stattdessen gingen in der Redaktion mehrere Anrufe aus dem Bundespräsidialamt ein mit dem Ziel, die Geschichte zu verhindern. Als klar war, dass wir den Artikel trotzdem veröffentlichen wollten, wurde einer der Reporter am Samstag wenige Stunden vor Redaktionsschluss ins Schloss Bellevue gebeten. Dort drohte der Bundespräsident unserem Reporter in einem langen Vier-Augen-Gespräch damit, dass er im Falle einer Veröffentlichung sofort eine Pressekonferenz einberufen und dort erklären würde, dass die „Welt am Sonntag“ eine Grenze überschritten habe. Außerdem kündigte er an, jede Zusammenarbeit mit der „Welt“ zu beenden.